Jason Somerville: „Die November Nine wird es bald nicht mehr geben”

Jason Somerville

Jason Somerville ist zwar ein guter Pokerspieler, aber den großen Durchbruch schaffte er mit seinen Streams auf Twitch. „JCarver“ wie er sich dort nennt, ist der absolute Superstar im Twitch-Pokerbereich. Er hält nicht nur den Zuschauerrekord, sondern streamt sage und schreibe 180 Tage im Jahr! Nun hat er einen ganz besonderen Deal an Land gezogen, denn er wird ab Sonntag den Livestream mit Holecards vom Main Event der Aussie Millions exklusiv auf seinem Twitch-Kanal streamen. Wir haben uns mit ihm darüber, über das neue Poker-Medium schlechthin, und was sich in der Poker-TV-Berichterstattung ändern muss unterhalten.

PokerZeit: Du streamst die Aussie Millions exklusiv auf deinem Twitch-Kanal. Wie unterscheidet sich das von einer normalen „Run it Up“-Show?

Jason Somerville: Das ist etwas ganz anderes. Bei Liveturnieren kommentiere ich nicht mein eigenes Spiel, sondern das der anderen. Ich sehe dasselbe wie die Zuschauer des Live Streams und versuche es zu analysieren.

PZ: Bereits vor einem Jahr hast du gesagt, dass Twitch die Platform ist, die Poker braucht. Fühlst du dich nun bestätigt?

JS: Als wir vor einem Jahr live von der PCA gestreamt haben war das nichts weiter als ein Experiment. Ich habe damals schon gesagt Twitch wird ganz groß und es ist so gekommen.

November Nine 2015
Somerville ist davon überzeugt, dass es die November Nine in Zukunft nicht mehr geben wird.

Twitch hat letztes Jahr verschiedenste Streams mit einer Gesamtlänge von 100 Jahren geliefert.  

Und was macht ESPN? Sie konzentrieren sich einzig und allein auf ein Event und das Schlimmste ist die Berichterstattung beginnt erst ab Tag 4! Der Zustand der Poker TV-Berichterstattung ist erbärmlich, dabei wäre es so einfach es besser zu machen. Twitch eignet sich einfach so viel besser für Poker.  

Bezüglich des WSOP Main Event ist der erste Schritt die November Nine abzuschaffen und den urspünglichen Final Table wieder zurückzubringen.

Ich kann jetzt schon garantieren, dass es die November Nine in 5 Jahren nicht mehr geben wird.

PZ: Warum sollte das der Fall sein? Die November Nine sind doch gut für ESPN oder nicht?

JS: Da wäre ich mir nicht so sicher. Die Einschaltquoten sind alles andere als berauschend, was auch an der langen Pause liegt und daran liegt, dass der World Series der Höhepunkt fehlt.

Bringt den Final Table zurück und macht ihn zum Höhepunkt des Sommers!

Jason Sommerville
"Bringt den WSOP Main Event Final Table zurück und macht ihn zum Höhepunkt des Sommers"

Außerdem konzentrieren sich Live Streams zu sehr auf den Feature Table. Da kann amn sich von den eSports einiges abschauen. Dort haben sie überall im Raum Kameras, viele Interviews, Gäste, Reporter, und

Dadurch bekommen die Streams zich tausende von Zuschauern und es wird eine echte Liveatmosphäre geschaffen.

PZ: Vorausgesetzt Poker und eSports haben dieselbe Zielgruppe.

JS: Was der Fall ist. Die Zielgruppe sind jeweils Männer im Alter von 15 bis 40.

For 5 Jahren sagte WSOP Executive Ty Stewart in einem Interview, dass Live Streams nur etwas für Hardcore Pokerfans sind. Das ist sowas von falsch, und ich denke wir haben das mit Twitch ím letzten Jahr widerlegt. Hundert tausende Hobbyspieler schauen unsere Streams, was beweist, dass Poker Spaß machen kann, wenn man es richtig präsentiert.

PZ: Ist es dir gelungen den Spaß beim Poker zurückzubringen?

JS: Absolut, ich hatte super viel Spaß im letzten Jahr. Schau dir nur mal das „Run it Up“ Homegame auf an, an dem bis zu 42.000 Spieler teilnehmen, was es zum größten auf PokerStars macht.

Der Grund dafür ist, dass ich eine angenehme Atmosphäre schaffe. Ich sage den Leuten spielt mit und lasst uns eine gute Zeit dabei haben.

Wie kann Spaß nicht der Hauptgrund sein ein Spiel zu spielen, was übrigens auch für das Leben gilt, den wir haben nicht so lange.

PZ: In den letzten Jahren ist die Chatbox zu einer Hatebox verkommen. Ist es dir gelungen etwas gegen diesen negativen Trend zu tun?

JS: Die Chatbox in meinem Home Game ist die wohl freundlichste in der Welt des Onlinepoker, denn allen geht es um dasselbe, nämlich versuchen zu gewinnen und eine gute Zeit dabei zu haben.  

PZ: Ist es dir gelungen mit deinen Twitch Streams Geld zu verdienen?

JS: Ja, auch das hat sich geändert. Mittlerweile habe ich mit PokerStars, Draftkings und Peppermill drei Sponsoren gefunden.

jcarver Twitch
So sieht der legendäre Twitch Stream von "jcarver" aus.

Als Beispiel habe ich mein erstes Liveevent “RunitUp Reno” während der WCOOP jeden Tag promotet und am Ende hatten wir eine Gesamtteilnehmerzahl von 2.500 Spielern aus aller Welt bei den Events.

PZ: Nicht jedem gelingt es auf Twitch erfolgreich zu sein. Was ist das Geheimnis deines Erfolgs?

JS: Das Wichtigste ist Beständigkeit. Die Leute kennen mich, weil ich immer da bin. Ich habe im letzten Jahr wie gesagt an 180 Tagen acht Stunden pro Tag gestreamt.  

Wenn du dir eine Woche frei nimmst, verlierst du Zuschauer. Du must interesant und einzigartig zugleich sein. Ich fühle mich wie ein Tour Guide, der durch die Welt des Onlinepoker führt.

PZ: Siehst du dich mehr als Spieler oder mehr als Coach?

JS: Ich bin nach wie vor mehr der Pokerspieler. Handanalysen mache ich allerdings kaum, unterrichte allerdings viele Menschen und führe sie in die Pokerwelt ein.

PZ: Was hältst du von der Idee die Bad Boys und Charaktere wie Tony G, Phil Hellmuth, und Mike Matusow zurückzubringen?

JS: Als Zuschauer habe ich das immer geliebt, aber ich bin mir nicht sicher, ob dass heutzutage noch das Image ist, dass wir von Poker geben sollten. Wollen wir wirklich, dass sich Pokerspieler wie Bad Boys benehmen?

Ich glaube es gibt auch beim Poker genug Platz für Persönlichkeiten. Die beliebstesten Pokerspieler sind mittlerweile freundliche Typen mit Charisma so wie Daniel Negreanu.

Zu guter Letzt könnt ihr euch hier noch einen seiner besten Streams anschauen:

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