2-7 Triple Draw – Regeln und Strategie für Neueinsteiger

Keine Lust mehr, immer nur Texas Hold’em oder Pot-Limit Omaha zu spielen? Für alle, die ihr Pokerspektrum um eine zusätzliche Variante erweitern wollen, kann 2-7 Triple Draw eine sehr interessante Alternative sein. In diesem Artikel liefern wir das strategische Grundgerüst, mit dem man der Konkurrenz einen Schritt voraus ist.

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2-7 Triple Draw Regeln

2-7 Triple Draw wird in der Regel als Fixed-Limit-Variante gespielt, d.h. es gibt wie bei Limit Hold’em eine Small Bet und eine Big Bet, nach denen die Höhe des Spiels auch benannt ist. Bei $0,50/$1 bedeutet dies, dass die Blinds $0,25/$0,50 kosten und die Bets in den ersten beiden Setzrunden $0,50 betragen, in der dritten und vierten Setzrunde aber $1.

Wer noch nie Limit Poker gespielt hat, muss sich vermutlich erst an diese Art des Setzens gewöhnen. Jede Setzrunde ist auf vier Einsätze begrenzt, das bedeutet als Folge natürlich auch, dass es deutlich weniger Fold Equity gibt.

Erste Schritte

Beginnen wir mit der Position. Neben der Information, ob der Gegner setzt oder nicht, erhält man beim Draw Poker zusätzlich die Information, wie viele Karten der Gegner tauscht.

Das kann extrem wertvoll sein – wenn der Gegner nicht mehr tauscht („Stand Pat“), bedeutet dies zum Beispiel meist (außer bei einem Bluff!), dass er eine fertige Hand hat. Tauscht er dagegen drei Karten, ist er von einer guten Hand noch weit entfernt.

Etwas komplizierter ist die Auswahl der Starthände, doch sollte man sich als erste Grundregel merken, dass man nie mehr als drei Karten tauschen sollte. Besser sind nur zwei Karten, die sechs besten Starthände sind in dieser Reihenfolge: 234, 237, 235, 245, 247, 257.

Das zeigt schon die zweite Grundregel, laut der gute Starthände eine Zwei enthalten. Hände mit einer Drei wie 347 oder 358 sind vor allem spielbar, wenn es um das Stehlen bzw. Verteidigen der Blinds geht. Wie immer hängt das aber auch von der Anzahl der Spieler ab.

2 71
Die beste Hand beim 2-7 Triple Draw.

Vorsicht ist bei Händen mit einer Sechs geboten, so lautet die dritte Grundregel. Das Problem dieser Karte ist, dass man häufig Probleme mit einer Straight bekommt. Bestes Beispiel dafür ist 3456 –diese scheinbar gut aussehende Hand ist in Wirklichkeit Schrott, da jede Zwei und jede Sieben sie zerstören.

In jeder Straight mit niedrigen Karten ist eine Sechs zwingend enthalten, deswegen sollte man Hände mit einer Sechs meiden. Dadurch geht man vielen Problemen aus dem Weg!

Einsätze

Die Limit-Struktur hat zwei wichtige Konsequenzen, die zu einem deutlich anderen Charakter als bei No-Limit führen:

  1. Gute Pot Odds und dadurch
  2. Kaum Fold Equity

Schauen wir uns als Beispiel eine ziemlich normale Hand ohne Karten bei einer Partie $0,50/$1 an: 

Spieler A raist auf $1, der Small Blind foldet, der Big Blind callt. Im Pot sind $2,25. Die Spieler tauschen, der Big Blind checkt und Spieler A setzt $0,50. Nun raist der Big Blind auf $1, Spieler A callt. Im Pot sind $4,25. Wieder werden Karten getauscht, der Big Blind setzt $1.

Spieler A bekommt vor dem letzten Draw Pot Odds von 5,25 zu 1 – das wäre in einer No-Limit-Partie völlig undenkbar.

Das bedeutet zum einen, dass Spieler A anhand seines Blatts sehr genau abschätzen kann, ob ein Call korrekt ist, und zum anderen, dass der Big Blind deutlich weniger Fold Equity als bei No-Limit hat, oder anders ausgedrückt ein erfolgreicher Bluff viel schwerer ist.

Für die Praxis bedeutet dies, dass man mit einer guten Hand oder mit Vorteil (man tauscht weniger Karten als der Gegner) setzen sollte, was das Zeug hält. Jeder Spieler, der einen noch überholen will, muss maximal zur Kasse gebeten werden.

Hände beim Showdown

Niklas Heinecker
Niklas Heinecker ist beim 2-7 eine Klasse für sich.

Einer der besonderen Reize von 2-7 Triple Draw liegt im relativen Wert der Hände. Oft drawen zwei oder drei Spieler bis zuletzt, und keiner weiß am Ende so genau, wo er steht. Einfach ist es natürlich, wenn man mit 23457 die Nuts hat, doch das kommt leider sehr selten vor.

Grundsätzlich kann man aber sagen, dass alle Hände mit einer Acht auf jeden Fall, im Heads-Up oft auch Hände mit einer Neun für den Showdown geeignet sind. Natürlich ist dabei 95432 deutlich stärker als 98753 – das zeigt allein die Tatsache, dass 95432 die 19-beste Hand beim Triple Draw ist, 98753 nur die 48-beste.

Als Bluffcatcher können Hände mit einer Zehn oder einem Buben dienen – ein Gegner, der zum Beispiel mit 8742 auf eine Drei, Fünf oder Sechs drawt, trifft auf dem River oft ein Paar oder eine höhere Karte (Dame, König und Ass) und hat als Folge eine sehr schwache Hand.

Abgesehen von der Stärke der Hand stellt sich auf dem River zudem immer die Frage, ob man noch einmal setzen soll?

Mit einem Monster – 75432, 76432, 76532, 76542 – sollte man dies auf jeden Fall tun, aber in den meisten Fällen kommt eine alte Faustregel zum Tragen, die für alle Pokervarianten gilt: Setzen sollte man, wenn der Gegner mit einer schlechteren Hand callen kann.

Andernfalls sollte man besser checken und hoffen, dass der Gegner einen Bluff versucht.

Für den Anfang reichen diese Tipps erst einmal völlig aus und man kann loslegen.

Mit ein wenig Spielpraxis bekommt man rasch ein besseres Gefühl für diese Modevariante und kann auch Ideen entwickeln, wie man zum Beispiel einen Bluff durchzieht.

2-7 Triple Draw bietet extrem viel Action, einen hohen kurzfristigen Glücksfaktor und eine Menge Spaß!

 

Strategie: Starthände und Spiel vor dem ersten Draw

Wie bei allen Pokervarianten ist auch bei 2-7 Triple Draw die Auswahl der Starthände von großer Bedeutung.

Grundsätzlich gilt, dass man keinesfalls mehr als drei Karten tauschen sollte und Hände idealerweise eine Zwei enthalten.

Phil Ivey
Phil Ivey hat auch schon ein Bracelet beim 2-7.

Pathände

Als Pathände bezeichnet man Starthände, die bereits fertig sind, also etwa 76532, 85432 oder 97432.

Diese Blätter haben einen Vorteil – sie gewinnen oft – aber auch einen Nachteil – der Gegner weiß Bescheid, wenn man keine Karte mehr tauscht.

Mit den genannten Händen sollte man tatsächlich mit 76532 und 85432 nicht mehr tauschen und erbarmungslos setzen.

Mit 97432 sollte man dagegen die Neun tauschen, um auf ein Monster (75432 oder 76432) zu drawen.

Tauschen einer Karte

Es gibt eine Reihe von sehr guten Händen, mit denen man nur eine Karte tauscht.

Dies gilt natürlich für starke Starthände wie 7432, 7542, 6432, 6532 oder 6542, aber auch für viele Hände mit einer Acht wie 8432, 8532, 8652 bis zu 8763, die vor allem im Heads-Up meist Favorit auf den Gewinn des Pots sind.

Mit diesen Händen sollte man aggressiv spielen und vor dem ersten Draw auf jeden Fall cappen (die maximal möglichen 4 Bets bringen). Über das weitere Vorgehen entscheiden dann der erste Draw und die Anzahl der Karten, die der Gegner tauscht.

Tauschen zweier Karten

Am häufigsten kommt es vor, dass zwei Karten getauscht werden. Exzellente Starthände sind 432, 732, 532, 542, 742 und 752, da man mit ihnen immer auf eine Sieben drawt und ein extrem starkes Blatt bekommen kann. 

Problematisch, aber spielbar sind Hände mit einer Sechs wie 632, 642, 652 oder 762, trotz der Sechs (Stichwort Straight, siehe Einführung) haben sie genug Potential.

Auf dem Button auf jeden Fall spielbar sind auch Hände wie 832, 842 und auch Hände ohne Zwei wie 853 oder 763.

Tauschen dreier Karten

Wie bei anderen Varianten empfiehlt sich auch bei 2-7 Triple Draw ein tight-aggressiver Ansatz. Dazu gehört, allzu schwache Starthände auszusortieren und nur in Spezialfällen drei Karten zu tauschen.

2-7 Full Tilt
Die Pros lieben 2-7 Triple Draw!

32, 42, 52 und 72 sind die Hände mit zwei Karten, die ausreichend Potential bieten, um in zwei Situationen zu spielen:

  1. Stehlen der Blinds
  2. Verteidigen der Blinds

Beim Stehlen hilft neben der passablen Hand die Position, beim Verteidigen begünstigen die Pot Odds bei einer einfachen Erhöhung den Call.

Hände, bei denen vier oder fünf Karten getauscht werden müssten, sollten immer gefoldet werden.

Zusammenfassung

Entscheidend für eine sehr gute Starthand ist, dass sie eine Zwei enthält. Man will nach Möglichkeit, von unten nach oben drawen (237 auf 4 oder 5) und nicht andersherum (765 auf 2 und 3).

Wie bei allen anderen Pokervarianten ist der Button die beste Position, auf der man am meisten Hände spielen kann. Zum tight-aggressiven Ansatz gehört, seine Hände aktiv zu spielen, also zu raisen.

 

Strategie: Spiel vom ersten Draw bis zum River

Allgemein

Im Spielverlauf tauchen immer wieder dieselben Fragen auf: Wie viele (und welche) Karten soll man tauschen, auf welche Hand soll man drawen und wann soll man setzen oder checken bzw. callen?

Diese Fragen lassen sich leider nicht ohne weiteres pauschal beantworten, man kann sich aber einige Grundregeln merken. Widmen wir uns zunächst der Frage nach dem Tausch der Karten.

In diesem Zusammenhang ist der wichtigste Punkt, wie viele Gegner man hat. Im Heads-Up reicht eine Hand mit Acht oder Neun hoch meist zum Sieg, in einem Pot mit mehreren Spielern dagegen ist eine 97 oder eine 98 meist nicht ausreichend.

Dann spielt eine große Rolle, wie viele Karten der Gegner tauscht. Je mehr er abwirft, desto weniger Stärke reicht am Ende im Schnitt aus, um die Hand zu gewinnen.

Niklas Heinecker
Niklas Heinecker ist ein wahrer Meister im 2-7.

Wichtige Faktoren sind natürlich auch die Karten, die man selbst abwirft. Beginnt man mit 77522 und hat somit eine Sieben und eine Zwei aus dem Spiel genommen, sinkt natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner eine starke Hand bekommt.

Nun zur Frage, ob man setzen sollte. Mit Initiative sollte man im Allgemeinen weitersetzen, wenn sich die eigene Hand verbessert hat, aber checken, wenn dies nicht der Fall ist.

Hat man besonders große Fortschritte gemacht, empfiehlt es sich, mit einer Bet oder einem Check-Raise die Initiative an sich zu reißen.

In Position

Der Positionsvorteil ist beim 2-7 Triple Draw womöglich noch größer als bei Hold’em oder PLO.

Man bekommt nicht nur die Information, ob der Gegner setzt oder nicht, sondern auch wie viele Karten er tauscht, bevor man selbst am Zug ist.

Das bietet unschätzbare Vorteile, vor allem im Hinblick darauf, wie stark die eigene Hand für den Sieg sein muss.

Der Unterschied, ob der Gegner eine Karte (Fall 1) oder drei Karten (Fall 2) tauscht, ist einfach enorm: Während man im Fall 2 mit einer 97 auf jeden Fall die Neun behalten sollte, ist im Fall 1 ein Tausch angebracht, weil die 97 kaum zum Sieg ausreicht.

Auch das Setzen ist in Position recht einfach. Man sollte immer setzen, wenn man eine fertige Hand hat oder weniger Karten als der Gegner tauscht, während man behind checken sollte, wenn sich bei gleich viel getauschten Karten das eigene Blatt nicht verbessert hat.

Ohne Position

Was das Spiel in Position betrifft, gilt im Umkehrschluss natürlich auch für das Spiel ohne Position. Grundsätzlich sollte man in frühen Positionen (2-7 Triple Draw wird wegen der Begrenzung auf 52 Karten eigentlich nur 6-max gespielt) nur starke Hände spielen, was natürlich selten vorkommt.

Aus diesem Grund ist man meist in den Blinds, wenn man keine Position hat. Die Spielweise ist dann recht simpel, meist checkt man zunächst zu seinem Gegner und versucht entweder weitere Informationen oder die bessere Hand zu bekommen.

2-7 Full Tilt
Auf den High Stakes wird 2-7 Triple Draw mit Blinds von $2000/$4000 gespielt!

Erhält man mit dem zweiten Kartentausch eine vollständige Hand, ist ein Check-Raise eine gute Methode, um zusätzlichen Value zu bekommen. Meist setzt der Spieler in Initiative erneut und kann nicht ahnen, dass sich das gegnerische Blatt so stark verbessert hat.

Verbessert man seine Hand ohne Position aber nicht, kann es oft ratsam sein, die Hand nach dem zweiten Tausch aufzugeben.

Grundsätzlich gilt, dass man auf keinen Fall weiterspielen sollte, wenn man beim letzten Draw zwei Karten tauschen müsste. 

Zusammenfassung

Position ist beim 2-7 Triple Draw von extremer Bedeutung.

Durch die Informationen, die man mit ihr bekommt, kann man die richtigen Entscheidungen für oder gegen eine Bet treffen. Generell gilt, dass man setzen sollte, wenn man im Vorteil ist. 

 

Strategie: Das Spiel auf dem River

Der Draw ist geplatzt

Im Unterschied zu No-Limit Hold’em, wo man auf dem River oft mit einer Overbet den Hammer herausholen kann, bietet 2-7 Triple Draw kaum Chancen auf große Bluffs.

Hat man vergeblich auf eine gute Hand gedrawt, ist der Pot meist so groß, dass der Gegner enorme Pot Odds bekommt.

Das bedeutet aber nicht, dass man nicht bluffen kann. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Gegner ebenfalls keine gute Hand, sondern nur eine bessere hat.

Dazu ein Beispiel: Sie drawen mit 7542 auf eine 3, 6 oder 8, doch beim letzten Draw bekommen Sie eine 5. Nun haben Sie 75542 und damit fast nie die beste Hand. Im Pot sind $7 und Ihr Gegner tauschte beim letzten Draw ebenfalls eine Karte.

Ein Bluff mit $1 kann durchaus lohnenswert sein. Man muss nur in einem von acht Fällen gewinnen, und wenn der Gegner mit 8432 drawte und gerade ein Paar Zweien oder Dreien traf, foldet er vermutlich. Dies gilt sowohl in Position als auch ohne Position.

Der gleiche Bluff lässt sich auch mit einem Raise durchführen, er ist dann aber noch riskanter, da er zum einen seltener funktioniert und zum anderen teurer ist.

Grundsätzlich sollte man mit dieser Art von Bluff aber sparsam umgehen und vor allem nicht mit Händen bluffen, die ohnehin Showdown Value haben.

george danzer
2-7 Triple Draw ist die Lieblingsvariante von George Danzer.

Man hat eine fertige Hand

Mit einer fertigen Hand stellt sich immer die Frage, ob man setzen sollte und wenn nicht, ob man eine gegnerische Bet callen sollte.

Wichtig sind dabei neben der eigenen Handstärke immer auch die Informationen, die man durch die Draws bekommen hat.

Hat ein Gegner beim letzten Draw nicht mehr getauscht, sollte man maximal mit einer 96, womöglich eher nur mit einer 95 setzen.

Im Heads-Up reicht Bube hoch oft aus, um den Pot zu gewinnen. Das heißt aber natürlich nicht, dass man damit setzen sollte, denn eine schlechtere Hand callt fast nie. Besser ist, die Hand einfach durchzuchecken oder eine Bet zu callen.

Geraist werden sollte natürlich eine Hand wie 75432 und 76432, aber auch gute Achten reichen je nach Spielverlauf oft für einen Raise aus.

Wie bei anderen Limit-Varianten ist auch bei 2-7 Triple Draw das Spiel auf dem River von enormer Bedeutung, weil hier zusätzliche Bets gewonnen bzw. verloren werden können.

Zusammenfassung

Der River ist wie in anderen Pokervarianten auch beim 2-7 Triple Draw eine wichtige Setzrunde, aber er unterscheidet sich aufgrund der Limit-Struktur doch erheblich von NLHE oder PLO.

Dennoch gilt die alte Regel, dass man mit einer fertigen Hand nur setzen sollte, wenn der Gegner mit einer schlechteren Hand callen kann.

Bluffs sind selten durchführbar, aber nicht ausgeschlossen.

Schlusswort

2-7 Triple Draw ist ein faszinierendes Spiel mit erheblichen Swings, die man einkalkulieren sollte, bevor man sich auf diese Variante einlässt.

Eine simple Rezeptur gibt es auch für 2-7 Triple Draw nicht, wie so oft fängt aber alles mit der soliden Handauswahl an, die man mit tight-aggressivem Spiel durchsetzen sollte.

Als Neueinsteiger sollte man zunächst auf niedrigen Limits seine Erfahrungen sammeln und sich dann mit zunehmendem Spielverständnis langsam nach oben arbeiten.

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