Poker für Nicht-Dummies - 8 Anfängertipps

Markus Golser
Je weniger Hände Sie spielen, desto besser lernen Sie zu folden.

Es ist ganz schön ärgerlich, wenn alles schiefgeht. Texas Hold'em ist wirklich ein schwieriges Spiel, das gerade für Anfänger sehr frustrierend sein kann.

Sie verlieren gegen Ihre Freunde. Sie verlieren die ersten paar Dollar, die Sie auf Ihr Online-Konto eingezahlt haben. Und das schlimmste ist, Sie wissen nicht einmal, warum.

Haben Sie vielleicht einfach nur Pech? Begehen Sie grobe Fehler? Kennen Sie vielleicht eine wichtige Grundregel nicht, die alles einfacher machen würde?

Die Wahrheit ist, dass Sie sich kaum von 95% aller Pokerspieler auf dieser Welt unterscheiden. Und Sie müssen auch kein absoluter Experte auf dem Gebiet sein, um ein Winning Player zu werden.

In Grunde genügt es, einige wenige Grundprinzipien zu beherzigen, um die Ergebnisse dramatisch zu verbessern.

Und der erste echte Schritt, um ein guter Pokerspieler zu werden, ist ein ganz einfacher: Hören Sie auf damit, sich dumm anzustellen!

Hier geben wir Ihnen 8 Tipps, mit denen Sie schnell ein besserer Spieler werden und unterfüttern diese Tipps mit vielen Beispielen am Ende.

Tipp 1: Spielen Sie weniger Hände!

Es gibt 169 verschiedene möglicher Starthände in Texas Hold'em (verschiedene Farben nicht mitgerechnet, wir zählen A-K suited also nur einmal, nicht viermal).

Von diesen werden nur fünf als „Premiumhände" bezeichnet.

  1. A-A
  2. K-K
  3. Q-Q
  4. A-K (suited)
  5. J-J

Unabhängig von Ihrer Position in der Hand sollten Sie eine solche Hand immer spielen, wenn es vor Ihnen keinen Raise gegeben hat. Wenn es einen Raise oder gar einen Re-Raise gegeben hat, kann es sogar sein, dass nur A-A und K-K spielbar sind.

Wenn Sie sich Ihre Texas Hold'em Starthände aus dieser Perspektive betrachten, werden Sie feststellen, dass Sie etwa 80% Ihrer Hände abwerfen sollten.

Phil Ivey
Je stärker Ihre Starthände, desto weniger schwierige Entscheidungen.

Natürlich hängt die Spielweise jeder einzelnen Starthand von zahlreichen verschiedenen Faktoren ab.

Als Grundsatz gilt jedoch, dass nur sehr wenige Hände spielbar sind.

Wenn kein Spieler vor Ihnen eröffnet hat (d. h. limpt oder raised), können Sie fast jede Hand spielen, die einen gewissen Wert hat.

Sollte ein Spieler vor Ihnen erhöhen, schränken Sie Ihre Handauswahl sofort auf die wenigen Hände ein, die Ihnen die Nuts bescheren können. Dadurch verhindern Sie, in eine Situation zu geraten, in der Sie leicht dominiert sein können.

Zum Beispiel: Vermeiden Sie, K-Q nach einem Raise zu spielen, denn Sie werden von Händen Wie A-A, K-K, Q-Q, A-K und A-Q dominiert.

Wenn es keinen triftigen Grund dagegen gibt, sollten Sie sich als Anfänger an die besten 10-15 der Hände halten. Punkt.

Je mehr Sie spielen und je mehr Erfahrung Sie bekommen, desto mehr Hände können Sie Ihrer Liste spielbarer Hände hinzufügen.

Bis dahin machen Sie es sich leicht, damit Sie auf dem Flop immer die beste Hand halten.

Die 15 besten Starthände:

  1. A-A
  2. K-K
  3. Q-Q
  4. A-K (suited)
  5. J-J
  6. 10-10
  7. A-Q (suited)
  8. A-J (suited)
  9. A-K (off suit)
  10. K-Q (suited)
  11. A-10 (suited)
  12. K-J (suited)
  13. A-Q (off suit)
  14. 9-9
  15. J-Q (suited)

Tipp 2: Spielen Sie in Position!

Die Position ist schlicht das wichtigste und wertvollste Werkzeug, das in einer Pokerpartie zur Verfügung steht.

Falls Sie mit dem Begriff noch nicht vertraut sind: Unter Position versteht man, derjenige Spieler zu sein, der in einer Hand als Letzter agieren darf (also entweder den Button hat oder hinter dem alle anderen Spieler gefoldet haben).

Die schlechtesten Positionen in einer Hand sind im Allgemeinen die Blinds, denn ab der zweiten Setzrunde muss man aus diesen Positionen als Erster agieren.

Unabhängig von Ihren Fähigkeiten, der Spielsituation oder auch Ihren Karten verschafft Ihnen Position immer mehr Informationen über die Hände Ihrer Gegner, als diese besitzen.

Und Texas Hold'em ist ein Spiel, in dem es vor allem um Informationen geht.

Vier Vorteile des Positionsspiels

1.       Wenn Sie an der Reihe sind, haben Sie mehr Informationen über Ihre Gegner.

2.       Durch die Position erhalten Sie „Bluff Equity", d. h. Sie können aus der Position heraus besser und effizienter bluffen.

3.       Aus der Position heraus können Sie genauere Value Bets einsetzen.

4.       Die späte Position gibt Ihnen die Kontrolle über die letztliche Potgröße.

Das folgende Beispiel zeigt die Wichtigkeit der Position:

Tom „durrr" Dwan und Patrik Antonius sind in die durrrr-Challenge verwickelt, einen Online-Poker Heads-up-Wettstreit über 50.000 Hände. Der Sieger erhält nicht nur das gewonnene Geld, sondern auch noch die Siegprämie von 1,5 Mio. Dollar.

Pieter De Korver
Jede Hand ist wertvoller, wenn Sie Position haben.

Bei diesen beiden handelt es sich um zwei der besten Online-Pokerspieler der Welt. Sieht man sich die bisherige Hand History an, kommt man zu einem eindeutigen Ergebnis.

Vergleicht man die Ergebnisse in Position mit denen out-of-Position, erhält man für beide Spieler fast identische Ergebnisse. Jeder hat ou-of-Position eine beträchtliche Summe verloren, aber in Position gewonnen.

Obwohl sie die ganze Zeit gegen denselben Spieler in demselben Spiel angetreten sind, macht die Position den Unterschied zwischen Millionengewinnen und -verlusten.

Wenn einer der beiden Spieler die ganze Zeit in Position spielen dürfte, käme gar kein Wettstreit zustande. Der Spieler in Position würde auf jeden Fall gewinnen.

Unabhängig von der Variante oder der Version, die Sie spielen möchten gilt: Wenn Sie profitabel spielen wollen, müssen Sie dann möglichst viele große Pots aufbauen, wenn Sie Position haben.

Jeder große Pot, den Sie ohne Position spielen, ist eine potenzielle Katastrophe.

„Ohne Position zu spielen ist wie ohne Taschenlampe durch einen dunklen Tunnel zu wandern. Man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke lauert." (Daniel Skolovy)

Tipp 3: Passen Sie auf!

Texas Hold'em ist ein Spiel mit unvollständigen Informationen. Umso wichtiger ist es, soviel wie möglich davon zu sammeln, um besser zu spielen.

Alles, was am Pokertisch passiert, auch wenn Sie gerade nicht in der Hand sind, liefert Ihnen zusätzliche Informationen.

Der optimale Autopilot

Über die meisten Hände, die Sie in Poker bekommen werden, brauchen Sie gar nicht lange nachzudenken.

Wenn Sie sich an den Ratschlag aus dem ersten Artikel unserer Serie halten (Spielen Sie weniger Hände), dann spielen Sie sowieso nur etwa 15% der Hände, die Sie bekommen.

Das bedeutet, dass Sie 85% Ihre Karten sofort wegwerfen.

Von den 15% der spielbaren Hände stellen viele Sie vor einfache Entscheidungen. Mit K K erhöhen Sie, und möglicherweise folden alle Spieler hinter Ihnen. Mit 9 9 müssen Sie sich bei einem All-in vor Ihnen nur fragen: Call oder Fold.

Big Brother is Watching You
Am Pokertisch kann man sich von vielen Dingen ablenken lassen. Zum Beispiel von guten Freunden.

Letztlich gibt es nur wenige Hände, bei denen Sie wirklich überlegen müssen. Und selbst von denen stellt Sie nur ein Bruchteil vor wirklich schwierige Entscheidungen.

Bei einer solchen schwierigen Entscheidung benötigen Sie allerdings so viele Informationen wie möglich und diese sammeln Sie, während Sie auf Autopilot spielen.

Worauf müssen Sie achten

Kurz gesagt: auf alles.

Alles, was ein Spieler am Tisch tut, gibt Ihnen Hinweise darauf, wie Ihre Gegner spielen und welche Entscheidungen sie treffen.

Achten Sie auf die Körperhaltung, auf die Wortwahl der anderen Spieler. Sehen Sie sich jede Hand, die gespielt wird, genau an, auch die, an denen Sie gar nicht beteiligt sind.

Machen Sie sich Notizen (natürlich nur im Geiste, wenn Sie live Spielen), wenn jemand etwas Ungewöhnliches tut. Achten Sie auch darauf, wie viel Geld jemand mitbringt und mit wie viel er sich an den Tisch setzt.

Wer spielt gerne große Pots? Wer hat Angst vor dem Verlieren? Wer blufft häufig? Registrieren Sie alles, was möglich ist, denn jedes Detail ist ein Hinweis.

Liv Boeree
Manche Ablenkungen kann man einfach nicht ignorieren.

Je mehr Informationen Sie aufnehmen, je mehr Sie speichern, sondieren und bei Bedarf abrufen können, desto besser stehen Ihre Chancen, die richtige Entscheidung zu treffen, wenn es darauf ankommt.

Das Treffen schwieriger Entscheidungen

Wenn Sie in eine Hand verwickelt sind, die Ihnen eine schwierige Entscheidung abverlangt, müssen Sie blitzschnell alle Ihnen zur Verfügung stehenden Informationen über Ihre/n Gegner und die momentane Situation heranziehen und auswerten.

Jede Information ist Teil eines Puzzles. Je mehr Teile de Puzzles Sie besitzen, desto einfacher ist es für Sie, das Gesamtbild zu erkennen.

In einer Schlüsselsituation die richtige Entscheidung zu treffen ist genau das, was den Losing Player vom Winning Player unterscheidet.

Tipp 4: Sie brauchen eine Bankroll!

Sich eine ordentliche Bankroll zur Seite zu legen,  gehört zu den wichtigsten Dingen, die Sie zu Beginn Ihrer Pokerkarriere beachten sollten.

Die Bankroll ist eine bestimmte Summe, die ausschließlich für Poker gedacht ist. Dieses Geld ist Ihr „Pokergeld". Vergessen Sie alle Überlegungen, damit etwas Anderes anzufangen.

Wie ein Pokerspieler mit Geld umgeht

Die meisten Leute hängen sehr an ihrem Geld.

Das kann soweit gehen, dass sie körperlich darunter leiden, wenn sie Geld verlieren. Unglücklicherweise macht eine enge Bindung an Geld es praktisch unmöglich, erfolgreich Poker zu spielen.

Eine Poker Bankroll hat mit dem Geld, dass Sie ansonsten für Ihr Leben brauchen, nichts zu tun. Trennen Sie es von Ihrem „Haushaltsgeld" und machen Sie sich diese Trennung auch geistig bewusst.

Eines Tages könnten Sie eine Pechsträhne haben, die Sie hunderte oder sogar tausende von Dollar kosten kann. Das könnte dazu führen, dass Sie sich fragen, was Sie mit diesem Geld alles hätten tun können.

Geld, das Sie bei Poker gewinnen oder verlieren, bleibt Pokergeld. Gehen Sie davon aus, dass Sie immer mal wieder verlieren werden. Diese Verluste dürfen Ihre finanzielle Situation im Alltag nicht beeinträchtigen.

Trennen Sie sich von Ihrem Pokergeld, behandeln Sie es wie „Spielgeld" im direkten Wortsinn - dieses Geld ist nicht dafür da, für irgendetwas Anderes ausgegeben zu werden.

Scared Money

Einen Poker-Dummie erkennt man unter Anderem daran, dass er mit „Scared Money" spielt.

Scared Money ist Geld, das Sie nicht verlieren möchten. Wenn Sie Angst davor haben, das Geld zu verlieren, das vor Ihnen auf dem Tisch liegt, können Sie unmöglich ein starkes Spiel in No Limit Hold'em machen.

Sie müssen gewillt und in der Lage sein, jederzeit jeden einzelnen Chip, den Sie besitzen, über die ominöse Linie zu schieben. Wenn ein Gegner erkennt, dass Sie nicht grundsätzlich bereit sind, dieses Risiko einzugehen, wird er mit Ihnen Katz und Maus spielen.

Und selbst wenn niemand am Tisch Ihre Schwäche und Ihren Unwillen, Chips zu riskieren erkennt, werden Sie Fehler machen, wenn es darum geht, im richtigen Moment einen Bluff anzusetzen oder einen schwierigen Call zu machen, obwohl Sie wissen, dass er korrekt ist.

Busto - der Bankrott

Der letzte und wichtigste Grund dafür, eine Bankroll zu haben, besteht darin, den kompletten Bankrott zu vermeiden.

Unabhängig davon, wie gut Sie spielen: Es wird immer wieder vorkommen, dass Sie verlieren und verlieren, egal was Sie tun.

Einige der besten Pokerspieler der Welt haben erlebt, wie es ist, Monate lang nur zu verlieren. Deshalb brauchen Sie eine Bankroll, die groß genug ist, um Sie durch solche Phasen zu bringen, damit Sie weiterspielen können, bis es wieder bergauf geht und Sie die Verluste wieder einspielen.

Wenn Ihre Bankroll so klein ist, dass Sie schon nach einer oder auch nach ein paar Sessions, in denen Sie verlieren, aufgebraucht ist, dann reduzieren Sie Ihre Pokerkarriere schon zu Beginn darauf, entweder Glück haben zu müssen oder sie mit einem Downswing zu beginnen.

Wenn Sie spüren, dass Sie immer mehr Geld verlieren, sollten Sie einige Levels absteigen. Dadurch wird Ihre Bankroll im Verhältnis zu der Partie, die Sie spielen, wieder größer, obwohl sie insgesamt kleiner ist als zu Beginn.

Wenn Sie auf niedrigere Levels umsteigen und trotzdem nicht gewinnen können, sollten sie vielleicht eine Pause einlegen. Bekommen Sie erst einmal einen klaren Kopf und kehren Sie erst an den Tisch zurück, wenn Sie sich frisch und ausgeruht fühlen.

Die Bankroll-Faustregel

Grundsätzlich sollten Sie nie mehr als 5% Ihrer gesamten Bankroll einsetzen. Für Einzeltischspiel bedeutet das, dass Sie immer mindestens 20 Buy-ins zur Verfügung haben. Für Multi-Tabling benötigen Sie noch größere Rücklagen.

Wenn Sie Turniere bevorzugen, achten Sie darauf, immer mindestens das 100-fache Ihres Buy-ins zur Verfügung zu haben. Wenn Sie also $5 + 0,5 Turniere spielen, brauchen Sie dafür eine Bankroll von $550.

Damit stellen Sie praktisch vollkommen sicher, dass Sie nicht „busto", also bankrott gehen - es sei denn natürlich, Sie sind ein Poker-Dummie.

Eine vernünftige Bankroll aufzubauen ist das Beste, was Sie für sich selbst als Pokerspieler tun können. Aber selbst die schönste Bankroll nutzt Ihnen gar nichts, wenn Sie nicht den nächsten Schritt unseres Leitfadens für gutes Spiel beachten: Hören Sie auf zu bluffen!

Tipp 5: Hören Sie auf zu bluffen!

Lassen Sie uns zunächst eine Sache klarstellen und einen verbreiteten Irrtum aufklären:

Ehrlich gesagt wird im Poker viel seltener geblufft als man allgemein glaubt, zumindest was reine Bluffs betrifft. Dank typischer, dramaturgisch effektiver Szenen aus der Filmfabrik in Hollywood halten viele Leute Poker für ein Spiel, in dem bei jeder Gelegenheit geblufft wird bis zum geht-nicht-mehr.

In Wirklichkeit ist das ebenso unwahrscheinlich wie eine Hand, in der ein Straight Flush gegen einen Royal Flush verliert.

In einem Spiel, das so komplex ist wie Texas Hold'em, kommt der Bluff als Spielzug erwartungsgemäß in verschiedenen Formen und Varianten vor:

·         Schnelle Bluffs („Quick Bluffs")

·         Semi-Bluffs

·         Reine Bluffs („Stone-cold Bluffs")

Quick Bluffs

Die große Mehrheit der Bluffs sind schnelle Bluffs.

Sie sind ein Element der beliebten Small-Ball-Strategie. Es handelt sich um kleine Bets mit dem Ziel, bei hoher Erfolgswahrscheinlichkeit kleine bis mittlere Pots zu gewinnen.

Das Risiko solcher Bluffs ist minimal, die Belohnung aber durchaus ansehnlich.

Beispiel: Drei Spieler checken zu Ihnen auf dem Button bei einem Flop K K 7.

Niemand hat vor dem Flop erhöht, und niemand scheint an dem Pot interessiert. Eigentlich git es dafrü nur zwei mögliche Erklärungen:

1.       Jemand hat einen König und spielt ihn slow.

2.       Niemand hat einen König, und alle sind zu einem Fold bereit.

 

Chris Moneymaker
Moneymaker gewann einen Riesenbluff auf dem Weg zu seinem Sieg über Samy Farha.

Dieses Szenario ist sehr simpel. Wenn niemand einen König hat, werden wahrscheinlich alle folden.

Außerdem ist der Pot hier so klein, dass sich ein Hero Call nicht lohnt. Es handelt sich um einen Einsatz in Position, der die Hand auf dem Flop beenden soll, unabhängig davon, was Sie auf der Hand halten.

Semi-Bluffs

Angenommen, Sie erhöhen vor dem Flop mit A K und bekommen zwei Calls.

Der Flop fällt J 9 5, damit haben Sie einen Flush Draw und zwei Overcards, aber keine Hand. Der Spieler in erster Position checkt, der zweite setzt drei Viertel des Pots.

In dieser Situation wäre ein Raise Ihrerseits ein Semi-Bluff, da sie genau genommen praktisch nichts haben und sogar gegen jedes paar hinten liegen.

Mit dem Flush Draw und zwei Overcards haben Sie aber viele Möglichkeiten, bis zum Showdown die beste Hand zu halten.

Ihre Hand besitzt einen gewissen Wert, deshalb ist dies nur ein Semi-Bluffs. Im besten Fall geben Ihre Gegner aus und Sie gewinnen den Pot. Bekommen Sie jedoch einen Call, haben Sie noch die Chance auf die Nuts.

Semi-Bluffs sind ein wichtiger Bestandteil von Poker, aber seien Sie gewarnt: Wenn Sie jedes Mal semi-bluffen, sobald Sie einen starken Draw haben, sind Sie bald so leicht auszurechnen wie die Engländer beim Elfmeterschießen.

Reine (stone-cold) Bluffs

Um richtig harte Bluffs profitabel zu spielen, müssen Sie genau wissen, was in der Hand passiert, und Sie müssen ziemlich genau wissen, was Ihr Gegner denkt und vorhat. Ein solches Spiel ist den besten Spielern der Welt vorbehalten.

Tom Dwan and Phil Ivey
Manche Spieler sind „unbluffbar".

Natürlich sind solche Bluffs toll, wenn sie funktionieren, aber wenn Sie nicht wirklich ein großartiger Spieler sind, können Sie auch gleich würfeln oder eine Münze werfen. Alles, was Sie in einer solchen Situation tun können, ist hoffen, nicht gecallt zu werden.

Dan Harrington hat solche Bluffs als „dunkle Tunnel" beschrieben. Man sieht nur das Licht am Ende des Tunnels, aber man keine Ahnung, was um einen herum vorgeht.

Wenn Sie kein Poker-Dummie sein wollen, lassen Sie die Finger von reinen Bluffs, und setzen Sie auch schnelle und Semi-Bluffs nur begrenzt ein.

Als Anfänger, der halbwegs profitabel spielen will, sollten Sie solides ABC-Poker spielen. Mit guten Händen setzen Sie, bei schlechten lautet der Expertenrat: Fold.

Tipp 6: Halten Sie den Mund!

In Texas Hold'em dreht sich alles darum, Informationen zu erhalten. Je mehr Informationen Sie erhalten (und je besser Sie darin sind, sie zu bekommen), desto besser werden Sie spielen.

Einen Riesenvorteil verschaffen sie sich dann, wenn Sie mehr Informationen als Ihr Gegner über die Hand haben, in die Sie gerade verwickelt sind.

Warum zum Teufel sollten Sie also gerade dann Informationen preisgeben, wenn Ihre Gegner sich das am meisten wünschen?

Informations-Fishing

Je mehr Sie während einer Hand sprechen, desto größer ist die Gefahr, dass Sie versehentlich etwas über Ihre Hand zu verraten oder darüber, wie Sie auf den kommenden Straßen spielen werden.

Deshalb versuchen viele Spieler, von Ihnen Informationen zu bekommen, indem sie Sie einfach zum Reden bringen.

Typische Fragen, die Sie zu hören bekommen werden sind:

  • Willst du, dass ich bezahle?
  • Meine Bet hat dich nicht besonders beeindruckt, oder?
  • Zeigst du mir deine Karten, wenn ich folde?

Manche Fragen scheinen gar nichts mit Ihren Karten zu tun zu haben:

  • Wie viele Chips hast du noch?

Diese Frage wird natürlich gestellt, um herauszufinden, wie viele Chips Sie haben, aber sie wird genauso oft gestellt, um Sie zum Reden zu verführen.

Ein guter Spieler weiß sowieso, wie viele Chips Sie vor sich liegen haben. Er will einfach nur Ihre Stimme hören.

Es kommt nicht darauf an, was Sie sagen 

Mike Matusow
Noch ein bekannter Schweiger.

 Meistens geben Sie Informationen nicht dadurch preis, was Sie sagen, sondern dadurch, wie Sie es sagen.

Wenn ein Mensch unter Stress steht, beginnt er, sich merkwürdig zu verhalten. Wenn Sie einen Move machen, der Ihren Gegner veranlasst, nach Informationen zu fischen, dass stehen Sie wahrscheinlich schon unter Stress - oder es wird gleich soweit sein.

Wenn Sie jedoch nicht unter Stress stehen oder keine Anzeichen von Stress erkennen lassen, ist das ebenfalls eine Information.

Aufmerksame Spieler, die ihre Gegner gut lesen können, sind in der Lage, sehr genau einzuschätzen, für wie stark Sie Ihre Hand halten, und zwar anhand dessen, wie Sie mit ihnen kommunizieren.

Pausen, Tonfall, Atmung, Blick ... sind lauter Einzelinformationen, die Ihr Gegner zu einem Bild zusammenfügt.

Sie haben das Recht zu schweigen

Sie sind nicht dazu verpflichtet, die Fragen eines Mitspielers zu beantworten.

Wenn Sie sich nicht genau darüber im Klaren sind, wie Ihr Tischimage aussieht oder Sie Ihre Emotionen, Reaktionen und Bewegungen am Tisch nicht vollständig unter Kontrolle haben, sollten Sie lieber den Weg des Schweigens beschreiten.

Wenn Sie nicht in der Lage sind, immer wieder die exakt gleichen Verhaltensmuster zu wiederholen, kann alles zum Tell werden. Antworten Sie z. B. auf Fragen nur, wenn Sie die Nuts haben, werden Ihre Gegner sich das merken.

Also halten Sie den Mund und gehen Sie auf Nummer sicher, keine Information preiszugeben.

Gleichzeitig müssen Sie natürlich auch ein angenehmer Zeitgenosse sein. Wenn Sie jemand etwas fragt, was nichts mit Poker zu tun hat (und Sie nicht in einer Hand sind), dann antworten Sie selbstverständlich und unterhalten sich ein wenig, solange Sie Lust haben.

Wenn das Gespräch aber auf Poker kommt, verwandeln Sie sich plötzlich in einen Pantomimen.

Tipp 7: Schreiben Sie es auf!

Auch die ehrlichsten und korrektesten Spieler neigen dazu, die Wahrheit zu verzerren und die Resultate ihrer Pokersessions zu verherrlichen.

Die meisten Spieler haben ja nicht einmal eine richtige Bankroll, die ausschließlich für Poker gedacht ist.

Vielmehr teilen sie ihr Geld grob in Pokergeld und sonstiges Geld auf. Ohne sorgfältige Buchführung verliert man schnell den Überblick darüber, wie die Bilanz der Pokersessions ausfällt.

Sind Sie ein Winning Player, und wenn ja, wie viel gewinnen Sie?

Wer das Geld einfach aus der Tasche zieht, interessiert sich nur für zwei Summen:

1.       Wie viel Geld habe ich, wenn ich das Casino betrete.

2.       Wie viel Geld habe ich, wenn ich das Casino verlasse.

Wenn Sie kein Poker-Dummie sein wollen, müssen Sie genau wissen, wie Ihre Bilanz für jede Variante und jedes Limit, das Sie spielen, aussieht.

Wenn Sie bei $1/$2 bis zu $30/h verdienen können, aber bei $2/$5 nur $15, dann lohnt es sich nicht, die höhere Partie zu spielen, nur weil dort insgesamt mehr Geld im Spiel ist.

Letztendlich müssen Sie Ihre Stärken und Schwächen gut kennen (Doch, Sie haben Schwächen!).

Der Notizzettel

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Buch zu führen. Wichtig ist nur, dass Sie alle Informationen festhalten, die Sie für einen Überblick benötigen.

Sie haben die Qual der Wahl:

  • Papier und Bleistift
  • Excel-Tabelle
  • Online-Tracking Software
  • iPhone Statistik Application (z. B. das Hot Poker Log. Ja, das heißt wirklich so.)

Notwendige Informationen:

  • Datum
  • Startzeit der Session
  • Endzeit der Session
  • Buy-ins gesamt
  • Cash-out

Empfohlene Informationen:

  • Limit
  • Ort

Je mehr Informationen Sie notieren, desto genauere Ergebnisse erzielen Sie. Manche Notizen sind allerdings besonders wertvoll.

Wesentliche Punkte

  • Gewinn-/Verlustbilanz gesamt
  • Monatliche Bilanz

Außerdem möchten Sie vielleicht wissen, wie viel Ihr Stundenschnitt beträgt oder wie viel Gewinn Sie auf einem bestimmten Limit oder in einem bestimmten Casino machen und wie vielen BB/h dies entspricht.

Klicken Sie auf das Bild oben und sehen Sie sich die Excel-Tabelle an. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Ihre Dokumentation aussehen könnte. 

MSexcel2
Graphische Darstellung einer Bilanz.

 Wenn Sie sich mit Excel ein bisschen auskennen, können Sie sich Ihre Ergebnisse für bestimmte Monate, Tage oder andere Zeitperioden ausrechnen lassen. Sie können sich die Daten auch graphisch darstellen lassen wie im Bild links.

Man kann niemals zu viele Daten sammeln, aber sehr einfach zu wenige. Schreiben Sie so viel auf, wie möglich.

Dazu braucht man eigentlich nicht viel Zeit. Ihre Aufzeichnungen werden Ihnen aber eine große Hilfe dabei sein, Ihr Spiel objektiv und ehrlich zu bewerten.

Auch wenn die Notizen Ihnen direkt am Tisch nichts nutzen, werden Sie Ihre Stärken und Schwächen besser einschätzen können und deshalb auf längere Sicht bessere Entscheidungen im Spiel treffen.

Tipp 8: Diskutieren Sie!

Egal, wen Sie fragen, und unabhängig von der Sportart werden Sie immer wieder zu hören bekommen, dass man am besten spielt, wenn man gegen jemanden antritt, der deutlich besser ist als man selbst.

Leider ist es nicht so, dass man automatisch besser wird, wenn man einfach immer gegen besseres Spieler spielt.

Den Großteil der Entscheidungen am Pokertisch muss man allein treffen. Man kann keinem anderen Spieler nacheifern, wenn man nicht weiß, was dieser Spieler denkt und wie er seine Entscheidungen trifft.

Man erfährt nur dann, wie ein Spieler denkt, wenn dieser bereit ist, seine Gedankengänge offenzulegen.

Ein Gespräch mit einem wirklich guten Spieler über einzelne Details seines Spiels ist mehr Wert als jedes Buch oder jeder Strategieartikel.

Der Grund dafür ist ganz einfach: Sie erhalten Antworten auf Ihre ganz persönlichen Fragen, und nach der „Lektion" bleiben keine Fragen offen.

Mit wem sollten Sie sprechen?

Grundsätzlich ist es immer von Vorteil, mit anderen Spielern zu sprechen, aber manche Spieler sind bessere Informationsquellen als andere.

Ladies man
Negreanu hat's im Griff.

Zunächst sollten Sie sich jemanden aussuchen, der besser spielt und mehr weiß als Sie. Es macht zwar auch Spaß, mit einem schlechten Spieler oder Anfänger zu sprechen, aber letztendlich haben Sie nicht viel davon.

Zweitens sollte es sich um einen Gesprächspartner handeln, der auch in der Lage ist, seine Gedankengänge verständlich mitzuteilen. Ein guter Spieler zu sein und das Spiel gut erklären zu können, sind zwei grundverschiedene Dinge.

Eine Diskussion mit einem guten $5/$10 Spieler, der sich gut ausdrücken kann, bringt Ihnen wahrscheinlich mehr als eine halbe Stunde mit dem wortkargen Phil Ivey.

Worüber sollten Sie sprechen?

Übung macht den Meister, oder wie man auf Neudeutsch sagt, Learning by Doing. Das ist das Motto.

Um aus Ihren Fehlern zu lernen, müssen Sie:

  1. Fehler machen.
  2. Fehler verstehen und zugeben.
  3. Erkennen, wie Sie den Fehler vermeiden können.
  4. Verstehen, warum Sie damit den Fehler vermeiden können.
  5. Ihr Spiel anpassen.

Halten Sie sich an diese Vorgehensweise, um ein guter Spieler zu werden.

Im Grunde können Sie diese Regeln auch alleine anwenden, aber es macht mehr Spaß und verspricht größeren Erfolg, wenn Sie die Liste mit einem Freund oder einem Coach durchgehen.

Phil Hellmuth, Phil Ivey
Manche Spieler werden mit Ihnen über Poker diskutieren, ob Sie wollen oder nicht.

Gehen Sie das Gespräch am besten so an: Legen Sie eine Situation dar, die sich tatsächlich so abgespielt hat  und in der Sie glauben, einen Fehler gemacht zu haben.

Hypothetische Situationen und Pokertheorie sind gut und schön, aber echte Situationen, die man selbst erlebt hat, sind grundsätzlich deutlich hilfreicher.

Beschreiben Sie die Situation, in der Sie falsch gespielt haben, so genau wie möglich, und dann diskutieren Sie.

Benutzen Sie alles, was Sie in diesem Artikel gelernt haben, als Bausteine für Ihre Diskussionen. Erläutern Sie, wie Sie Ihre Hand eingeschätzt haben, welche Outs Sie sich gegeben haben, wie Ihre Odds standen und wie Sie den Gegner eingeschätzt haben.

Je mehr Fehler Sie mithilfe der oben angeführten Regeln vermeiden können, desto unangreifbarer wird Ihr Spiel. Und mit jedem Fehler, den Sie vermeiden können, verschaffen Sie sich einen neuen Vorteil gegenüber all den Poker-Dummies auf dieser Welt.

Beispiele: ABC-Poker

Wenn Sie nicht gerade an einem Tisch sitzen, dessen Spieler jede Hand, die Sie gespielt haben, genau beobachtet, sich gemerkt und analysiert haben, wird Sie zuviel Kreativität höchstwahrscheinlich nur Geld kosten.

Hier besprechen wir ein paar konkrete Situationen, damit Sie das Konzept in die Praxis umsetzen können.

Beispiel 1:

In diesem Szenario an einem $1/$2 Live-Tisch wird kreatives Spiel teuer bestraft.

Unser Hero sitzt seit mehreren Stunden am Tisch und spielt wild durcheinander. Er hat viel erhöht und mehrfach marginale Hände gezeigt. Sein Image ist loose-aggressive, ein Typ, der oft blufft.

Der Stack unseres Hero beträgt etwa $500.

Auf der anderen Seite des Tisches sitzt eine eher vorsichtig spielende Dame, die die Bets unseres Heros gerne bezahlt und grundsätzlich davon auszugehen scheint, dass er immer blufft. Sie hat drei der letzten vier Hände erhöht und alle Spieler pre-Flop oder spätestens auf dem Flop zum Folden gebracht.

Jetzt erhöht die Dame aus früher position auf $15. Der Spieler zu ihrer Linken bezahlt, ebenso der Spieler rechts von unserem Hero.

Die Dame sagt: „Mir glaubt niemand etwas.", und unser Held sieht sich seine Karten an: A A, und bezahlt. Der Spieler links von ihm callt ebenfalls, sowie ein älterer und etwas abwesend wirkender Spieler.

Der Flop fällt 4 6 3. Die erstgenannte Dame setzt $35, und der Spieler rechts von unserem Hero bleibt dabei. Auch der Hero callt, wie auch der alte Mann.

Auf dem Turn kommt die 9.

Die Dame checkt, ebenso wie der Spieler rechts von unserem Held. Hero stzt $130. Der alte Mann überlegt einen Moment, grummelt unverständliches Zeug vor sich hin und bezahlt seine letzten $76.

Die Anspoielerin insta-callt, der letzte verbliebene Spieler foldet.

Auf dem River fällt die 5.

Check der Dame, Check des Heros. Der alte Mann sagt: „Her damit", und zeigt 7 3 für eine Straight.

Sandra Naujoks
Um Sandra Naujoks geht es heute leider nicht.

Analyse:

Wie man sieht, ist hier alles schiefgegangen, was nur schiefgehen konnte. Die Dame zeigt K K und der Spieler rechts des Heros hielt Q Q.

Unser Hero hat in dieser Hand etwa $100 verloren, weil er sich geweigerthat, ABC-Poker zu spielen - und zwar vor als auch nach dem Flop. Hätte Hero pre-Flop eine Three-Bet angesetzt, wäre die Dame mit den Königen zu einer 4-Bet verleitet worden. Immerhin ging sie davon aus, dass unser Hero immer blufft, und Köige vor dem Flop zu folden, käme ihr ohnehin nicht in den Sinn.

Die Damen wären möglicherweise gefoldet worden. Wäre Hero dann all-in gegangen, hätte er den Call bekommen. Statt $100 zu verlieren, hätte Hero wohl einen $1000 pot einfahren können.

Beispiel 2:

$0,5/$1 Online Full Ring Game. Sie haben etwa $120 und spielen ganz klares TAG-Poker. Sie sitzen am Button und erhalten 8 8.

Ein Spieler mit einem Stack von $245 erhöht aus mittlerer Position auf $4. Sie bazehlen und sehen sich heads-up den Flop an.

Der Flop fällt 6 8 9. Sie haben Middle Set gefloppt und sind sicher, vorne zu liegen. Ihr Gegner gehört nicht zu den Spielern, die hier mit etwas erhöht haben könnten, dass ein Set trifft.

Der Gegner setzt $7, Sie callen.

Auf dem Turn kommt die Q.

Der Gegner setzt $18, und wieder bezahlen Sie nur.

Der River ist die T.

Ihr Gegner checkt , und sie checken dahinter ebenfalls. Ihr Gegner zeigt 8 9 für Two Paiur, udn Sie gewinnen $58 mit Ihrem Set.

Analyse:

Sie haben den Pot gewonnen, aber $182 liegen lassen, weil Sie versucht haben, eine besonders schlaue Falle zu stellen. Außerdem sind Sie das Risiko eingegangen, von einem Flush oder einer Straight überholt zu werden.

Ihr Gegner hat eigentlich ein Monster gefloppt. Wahrscheinlich hat er dieselben Überlegungen angestellt wie Sie: Er fand es höchst unwahrscheinlich, dass Sie eine Straight gefloppt haben. Er setzt Sie auf ein Overpair oder einen Flush Draw. In beiden Fällen wird er die Top Two nicht so einfach aufgeben.

Indem Sie den Pot auf dem Flop aufbauen (wie es das Lehrbuch vorschreibt), vermindern Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Gegner seinen Draw weiterspielt (falls er den Flush Draw tatsächlich hat).

Da Sie Ihre Hand slow gespielt haben, hieltne Sie den Pot klein, und das in einem Szenario, in dem Sie jede Menge Equity hatten. Und Sie ließen zu, dass das Board zu gefährlich für eine weitere Bet wurde.

Ihre Extravaganz hat Sie eine Menge Geld gekostet. 

Tom Dwan and Phil Ivey
ur an einem solchen Tisch sollten Sie ab und zu mal ganz anderes Poker spielen.

Schlussfolgerung

Es stimmt. Poker ist keine Frage von Ergebnissen, sondern von Entscheidungen. Die beiden Beispiele zeigen, wie originelles, aber falsches Spiel in der entsprechenden Situation Sie letzten Endes viel Geld kosten kann.

Der Umstand, dass der alte Mann aus dem ersten Beispiel am Schluss seinen Gut Shot getroffen hat, ist irrelevant. Selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte unser Hero weniger Geld gewonnen als wenn er nach Lehrbuch gespielt hätte.

Wenn man Asse hält und einem Spieler gegenüber sitzt, der wahrscheinlich eine starke Hand hält und bereit ist, seinen Stack zu riskieren, macht man grundsätzlich einen Fehler, wqenn man nicht erhöht.

Spieler, die noch im Frühstadium stecken, denken oft „wenn ich jetzt re-.raise, wissen sie sofort, dass ich Asse habe", aber in Wirklichkeit kann das für den Gegner alles mögliche bedeuten.

Auf niedrigen und Mittleren Limits machen Ihre Gegner immer zahlreiche Fehler und werden normalerweise keine Ahnung haben, was Sie da eigentlich machen.

Vor allem wenn Sie in einem Pot mit viel Action sind, sollten Sie sich an das Lehrbuch halten. Ihre Bankroll wird es Ihnen langfristig danken.

Beispiel: Position

Sie ist viel wichtiger als die Karten, die man bekommt, als die anderen Spieler am Tisch und als die Größe der einzelnen Stacks.

Es gibt noch mehr Faktoren, die den Erfolg im Spiel ausmachen, aber Position steht in der Liste ganz oben.

Poker muss man langfristig betrachten, Position ist aber im Hier und Jetzt wichtig. Wer auf lange Sicht gewinnen will, muss kurzfristig richtige Entscheidungen treffen.

Ohne Position spielt man meistens auch ohne Information. Und das kostet Geld. Sehen wir uns dieses zugegebenermaßen sehr hypothetische Beispiel an, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie wichtig die Position ist.

Beispielhand

Das Spiel ist $1/$2 No Limit, und Sie haben $300. UTG erhalten Sie A A. Sie erhöhen auf $12.

Aus mittlerer Position bezahlt jemand (T T), der Spieler links von ihm ebenfalls (A K). Der Flop fällt.

T J Q

Sie setzen $25. Der erste Gegner erhöht auf $60 und der zweite callt.

Bei einem so drawlastigen Board entscheiden Sie sich zu einem Re-Raise auf $150. Der erste Gegner geht all-in, der zweite bezahlt ohne Nachzudenken. 

Bejeweled Button
Versuchen Sie eine Position einzunehmen, in der Sie gewinnen können.

 Sie folden und verlieren $162.

Nehmen wir dasselbe Szenario an, aber nun sitzen Sie am Button statt in erster Position.

Sie erhalten A A am Button. Aus mittlerer Position (T T) erhöht jemand auf $12, der Spieler zu seiner Linken (A K) bezahlt. Sie erhöhen auf $40, beide Gegner bezahlen.

Flop: T J Q

Der erste Spieler setzt $100, der zweite bezahlt sofort.

Sie folden und verlieren $40.

In beiden Szenarien verlieren Sie, und es gibt auch nichts, was Sie in dieser Situation dagegen tun könnten, um Verluste zu verhindern. Der Unterschied besteht darin, wie viel Geld Sie verlieren.

Im dem obigen Szenario haben wir noch Glück gehabt, das der erste Spieler sich dazu entschied, von vorne zu setzen. Hätte er nur gecheckt, hätten wir wahrscheinlich $120 verloren statt nur $40.

Selbst wenn man im ersten Szenario nicht re-raist, sondern nach einem Raise und Call foldet, verliert man $60, also $20 mehr als in Position.

Die zusätzlichen Informationen, die uns hier zur Verfügung stehen, begünstigen unsere Entscheidungsfindung, bevor wir an der Reihe sind. In einer Situation wie der oben beschriebenen können wir mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass wir (fast) drawing dead sind.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich sage nicht, dass man Asse aus früher Position nicht spielen sollte, ich versuche nur zu verdeutlichen, wie wertvoll  Position ist, und wie groß der Nachteil ist, wenn man keine Position hat.

Bei der Entscheidung, ob Sie eine Hand spielen oder folden wollen, z. B. K-T off, sollte die Position der wichtigste Faktor sein.

Mekren Sie sich als Faustregel: Unabhängig davon, welchen Spielstil Sie bevorzugen, aus früher Position sollten nur Premiumhände gespielt werden.

Mit Premiumhänden haben Sie meistens einfache, klare Entscheidungen, während marginale Hände Sie schnell in komplizierte und gefährliche Situationen bringen.

Sie sollten unbedingt vermeiden, in eine schwierige Situation zu geraten, weil Sie out of Position spielen. Stellen Sie sich nicht dumm an, das Motto lautet: Position oder Bankrott.

Beispiel: Ablenkung

Wer auf Dauer gewinnen will, muss sich zu 100% dem Spiel widmen, und zwar ununterbrochen.

Wir reden hier nicht nur über die Hände, die man spielt. Manchmal sind die Hände, die man nicht spielt, noch viel wichtiger.

In dem Abschnitt Poker - Nichts für Dummies: Passen Sie auf! haben wir diskutiert, warum sich Ablenkungen ruinös auswirken können. Jetzt werden wir etwas näher darauf eingehen, wie es dazu kommt.

Das Königsproblem

Sie spielen $1/$2 No Limit und erwischen Pocket Könige am Cut-Off. Mehrere Spieler limpen, und Sie erhöhen auf $15 (ein Standardraise für den Tisch, an dem Sie sitzen).

Es kommt nur ein Call aus mittlerer Position, ein Typ Mitte 40 mit einem schmutzigen alten Cowboyhut.

Flop: Pik NeunPik JungeKreuz Vier

Der Hut checkt, und Sie setzen $25. Call.

Turn: Herz Sechs

Noch ein Check, Sie setzen nun $65. Call.

River: Kreuz Ass

Der Gegner geht sofort mit $250 all-in. Das sind $40 mehr als im Pot sind. Nun beginnen Sie nachzudenken, ob da vielleicht ein Nut Flush Draw mit einem Ass saß, dass er nun auf dem River getroffen hat. Außerdem kommt ein Two-Pair in Frage oder ein Set, wobei Sie sich nicht erklären können, wieso er das auf einem so gefährlichen Board nur gecheckcallt hat.

Hat er aber das Ass getroffen, kann er sich trotzdem nicht sicher sein, die beste Hand zu halten, also riecht das Ganze stark nach einem massiven Bluff.

Was tun also?

Hätten wir in den letzten Minuten vor dieser Hand besser aufgepasst, fiele die Antwort sehr viel einfacher aus.

Fünf Hände zuvor

Als unser Cowboy am Button saß, verwickelte er sich in eine Hand, die uns alle Informationen geliefert hätte, die wir benötigen, um unsere Hand hier richtig zu Ende zu spielen.

UTG erhöht auf $12, Sie folden irgendeine schwache Hand und der Cowboy callt.

Flop: Herz AchtHerz NeunKreuz Drei

UTG setzt $20, Cowboy erhöht auf $50, Call UTG.

Turn: Kreuz Ass

UTG checkt, Cowboy setzt $75, UTG bezahlt.

River: Kreuz König

UTG checkt, Cowboy setzt $100, UTG erhöht all-in mit $225.

Der Cowboy denkt eine Weile nach und foldet dann offen 8 8, und ein überraschter UTG gewinnt den Pot.

Hätten Sie bei dieser Hand besser aufgepasst, dann wüssten Sie, dass der Cowboy ein sehr furchtsamer Spieler ist, der sich nur wohlfühlt, wenn er die Nuts hat, aber sonst nicht seinen Stack riskiert. Hier hätte er nur gegen ein besseres Set verloren oder gegen einen Backdoor Flush Draw.

Zwar konnte der Cowboy nicht wissen, ob er noch vorne lag, aber es gibt eine Reihe von Händen, die genauso gespielt werden, und die er schlägt (ein niedrigeres Set, zwei Paare, Top Paar, Bluff). Im Übrigen bekommt er 6:1 für sein Geld, und damit war das ein einfacher Call.

Ein Spieler, der so tight und schwach spielt, wird auf einem solchen Board niemals bluffen. Aufpassen spart uns hier $250.

Das wilde All-in

Sie sitzen mit $280 in einer $1/$2 No Limit Hold'em Partie, sehen Bundesliga im Fernsehen und haben außerdem ein Auge auf die Bedienung geworfen. Sie versuchen gerade, ihre Telefonnummer zu bekommen und bekommen stattdessen T T am Button.

Sie beenden das Gespräch freundlich und bezahlen einen Raise von $15. Zu dritt erreichen Sie den Flop.

Flop:Herz NeunPik VierKreuz Drei

Der erste Spieler geht sofort von vorne all-in mit $115. Der zweite Spieler foldet und Sie müssen nun eine Entscheidung treffen.

Sie müssen $115 bezahlen, um $160 zu gewinnen, also bekommen Sie 1,4:1 für Ihr Geld. Keine großartigen Odds, aber Sie halten ein Overpair und das Board sieht ziemlich ungefährlich aus.

Machen Sie den Call oder warten Sie lieber auf eine bessere Gelegenheit?

Zwei Hände zuvor

Hätten Sie Sie nicht versucht, der Bedienung in den Ausschnitt zu schauen, wäre Ihnen möglicherweise aufgefallen, dass derselbe Spieler gerade pre-Flop mit einer 3-Bet für $60 all-in gegangen ist. Er hielt 9 4, traf auf dem Turn eine 9 und schlug damit A K seines Gegners. Dabei hatte er schon die Jacke auf dem Arm und war im Grunde auf dem Weg nach Hause.

Wäre Ihnen bewusst gewesen, dass dieser Spieler eigentlich gehen will und deshalb darauf spekuliert, entweder noch schnell zu verdoppeln oder eben alles zu verlieren (das kommt viel häufiger vor, als Sie denken), dann wüssten Sie auch, dass Sie selbstverständlich mit einem Paar Zehnen bezahlen können.

Natürlich ist es möglich, dass der Gegner ein höheres Paar hält, aber es ist viel wahrscheinlicher, dass er blufft, auf einem Draw sitzt oder ein Paar getroffen hat. Die Chancen stehen gut, dass Sie vorne liegen, und deshalb brauchen Sie auch nicht auf die Odds zu achten, um zu bezahlen.

Schlussfolgerung

Je mehr Sie auf die Kleinigkeiten achten, je mehr Hände Sie verfolgen, überdenken und analysieren, wenn Sie am Tisch sitzen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die richtige Entscheidung treffen, wenn Ihr eigenes Geld auf dem Spiel steht.

Konstant erfolgreiche Spieler bemühen sich ständig, das Spiel ihrer Gegner zu studieren. Letztlich weiß ein Phil Ivey auch nicht mehr über Odds und Outs als jeder regelmäßige Online-Spieler mit einem Schrank voller Pokerbücher.

Was er ihnen voraus hat, ist dass er besser aufpasst und mehr Informationen am Tisch sammelt als jeder andere Spieler der Welt. Bei Poker geht es um Aktion und Reaktion, also muss man genau verstehen, was die Gegner tun, um sich darauf einzustellen und die profitabelste Reaktion zu finden.

Also passen Sie auf, auch wenn Sie nicht wissen, worauf Sie eigentlich achten sollten. Merken Sie sich, welche Spieler wann setzen oder callen und welche Hände Sie danach zeigen.

Sie nehmen unbewusst viel mehr Informationen auf, als Sie denken, und entwickeln so die Intuition, die Sie irgendwann benötigen werden. Also beobachten und reflektieren Sie ununterbrochen. Poker ist ein Spiel für Leute, die nachdenken, nicht für Müßiggänger.

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare

 

×

Sorry, this room is not available in your country.

Please try the best alternative which is available for your location:

Close and visit page