Das harte Leben als Pokerprofi

matthew wheat

Cardrunners Coach Matthew „mindcirkus“ Wheat erzählt uns die nackte Wahrheit über ein Leben als Profi in der Pokerszene.

Matthew „mindcirkus“ Wheat ist ein Pokerprofi. Er wechselte erfolgreich von NLHE zu PLO und erreichte im Jahr 2010 den Finaltisch des WSOP Events Nr. 55, $10.000 PLO Championship.

Die meisten Leute glauben, ein Pokerprofi ist ein Typ, der im Casino herumsitzt, Karten spielt und damit einen Haufen Geld macht.

In Wahrheit trifft ein Spruch zu, den Sie sicher auch schon mehrfach gehört haben: „It’s a hard way to make an easy living.“

Ständig $10.000 verloren

Um zu verdeutlichen, was das heißt, frage ich die Leute gerne: „Hast du eine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, den ganzen Tag hart zu arbeiten und am Ende $10.000 verloren zu haben? Das passiert mir ständig.“

Das Gefühl, eine Menge Arbeit zu investieren und trotzdem viel Geld zu verlieren kann man niemandem vermitteln, der so etwas nicht selbst erlebt hat. High Stakes Poker zu spielen ist ungefähr genauso stressig wie Fluglotse mit Angststörung zu sein.

Ein weiteres Problem für Pokerprofis ist, dass sie für ihren Beruf von der Allgemeinheit nicht respektiert werden. Die meisten Eltern sind entsetzt, wenn ihr Kind ihnen sagt, dass sie ihren Job kündigen oder die Universität aufgeben wollen, um Pokerprofi zu werden.

Die Wahrheit ist, dass man aus moralischer Sicht unterschiedlicher Auffassung darüber sein kann, ob es in Ordnung ist, den schwächeren Spielern am Tisch das Geld abzunehmen, aber nicht darüber, dass es Intelligenz und viel harte Arbeit braucht, um ein Elitespieler zu werden.

Mehr lernen als für einen Doktortitel

Wer sich sowohl mit High Stakes Poker als auch mit höherer Bildung auskennt, geht üblicherweise davon aus, dass man für HSP mehr lernen und intelligenter sein muss als für einen Doktortitel. 

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Matthews Arbeitsplatz.

In der Anfangszeit von Online-Poker konnte man ohne viel Erfahrung und ohne allzu tiefe Kenntnisse problemlos eine Menge Geld verdienen. Heutzutage muss man enorm viel Zeit aufwenden und außerdem auch noch Talent mitbringen, um von irgendeiner Pokervariante leben zu können.

Für diejenigen, die das Zeug zu einem guten Spieler haben, und die bereit sind, Zeit und Arbeit zu investieren, ist die Belohnung allerdings ein Job mit praktisch unbegrenzten Freiheiten.

Ein ernste Thema, das nur selten in Bezug auf Poker als Beruf angesprochen wird, ist der Umstand, dass man als Spieler Geld komplett von seinem eigentlichen Wert abkoppeln muss. Ein Anwalt, der $500 pro Stunde verdient, hat ein ganz anderes Verhältnis zum Geld als ein Pokerprofi, der $500 pro Stunde verdient.

Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Der Anwalt erhält für jede Stunde seiner Arbeit $500. Wenn er also etwas für $1000 kaufen möchte, weiß er, dass er dafür zwei Stunden arbeiten muss.

Ein Pokerspieler mit einem Durchschnittseinkommen von $500/h muss auf ziemlich hohen Levels spielen, wo man Summen zwischen $10.000 und $100.000 problemlos innerhalb einer Stunde verlieren kann. Wenn das Geld so schnell kommt und geht, wird es schnell extrem schwierig, damit maßvoll umzugehen.

Die meisten Spieler, die ich kenne, denken nicht einmal darüber nach, etwas zu kaufen, wenn es weniger als $1000 kostet. Ein solcher Betrag ist für sie einfach irrelevant, eine emotionale Bindung an das Geld besteht gar nicht. Es fühlt sich an, als wäre es umsonst.

Wenn Spieler sich über Jahre entwickeln und aus ihren Fehlern lernen, gehen sie meistens besser mit Geld um, aber das Problem bleibt potenziell immer bestehen.

Die besten Partien finden

Wer Poker für seinen Lebensunterhalt spielen will, muss ständig abwägen, welche Partie für die eigene Qualität die höchste Gewinnrate verspricht. Dass heißt auch, dass man ständig variieren muss. Ich habe schon häufiger Profis gesehen, die den Fehler begingen, in einer Partie stecken zu bleiben, nachdem sie dort gewonnen hatten.

Die Pokerlandschaft verändert sich ständig, und Partien, die früher leicht verdientes Geld waren, sind heute häufig kaum noch zu schlagen. In den Jahren 2007/08 spielte ich z. B. noch 20 Tische $1/$2 NLHE. Damit gewann ich, wie die anderen guten Profis im Durchschnitt $15.000 im Monat, und das mit Fähigkeiten und Kenntnissen, die heute als eher niedrig gelten würden.

Hätte ich immer weiter diese Partie gespielt, wäre mein Einkommen mit der Zeit immer weiter zurückgegangen, denn sie ist in den letzten Jahren unglaublich schwierig geworden.

Ich erkannte diese Entwicklung Anfang 2009 und investierte daraufhin viel Zeit darin, 6-max Pot Limit Omaha zu lernen. Ich verlor in der ersten Zeit zwar Geld, war innerhalb eines Jahres aber in der Lage, mehr aus diesen Partien herauszuholen, als das bei NLHE je zuvor der Fall war.

Heute sind 6-max PLO Partien extrem schwer zu schlagen, es ist genauso wie bei NLHE. Obwohl ich noch immer einer der besten Spieler bin und gutes Geld verdiene, lerne ich inzwischen wieder andere Varianten, damit ich auch in der Zukunft gewappnet bin, wenn es Zeit wird, neue Partien zu suchen.

Das höchste Level für den Pokerpro

Für jeden Spieler gibt es eine Grenze – das höchste Level, das ein Spieler erreichen kann, unabhängig davon, wie sehr er sich bemüht und wie viel Zeit und Arbeit er in sein Spiel steckt.

Die meisten Spieler kommen gar nicht bis an diese Grenze, weil nur wenige wirklich hart und langfristig daraufhin arbeiten, das Optimum zu erreichen.

Alle paar Jahre kommt es bei den Regs auf gewissen Levels zu einer größeren Spielerwanderung. Die meisten Regs, die vor zwei Jahren noch $5/$10 gespielt haben, spielen jetzt $2/$4 oder niedriger, oder sie haben die Tische komplett verlassen.

Es gibt eine Handvoll Spieler, die genug Talent und Berufsethos mitbringen, um ein- und dasselbe Level über Jahre hinweg zu schlagen, obwohl die Qualität der Spieler ständig gestiegen ist. Manchen ist es sogar gelungen, weiter aufzusteigen, aber der Großteil der Profispieler stößt bald an eine Grenze. Von da an nimmt ihr Einkommen stetig ab, weil die Gegner stärker werden und nicht mehr so einfach zu schlagen sind.

Spieler begehen häufig den Fehler, ein Level aufzusteigen, wenn sie eine Zeit lang gewinnen. Meistens sind sie aber auf den Aufstieg gar nicht vorbereitet und deshalb auch nicht in der Lage, eine Liga höher zu spielen. Das Ergebnis ist, dass sie am Ende mehr Geld verlieren, als sie vorher gewonnen haben, weil sie sich in Partien herumtreiben, in denen sie nicht zu suchen haben.

Die Pokerwelt  ist so gesehen wie eine Nahrungskette: Das Geld fließt immer weiter, bis es die besten Spieler erreicht hat. Die Wahrheit ist, dass man nur dann aufsteigen sollte, wenn man ein Level über längere Zeit und viele Hände schlägt, UND wenn man eine ausreichend große Bankroll hat, um in den höheren Partien mitzuspielen.

Wer den Beruf Pokerspieler ergreift, braucht eine Menge Hingabe. Man muss mit Herz und Seele dabei sein, und das über Jahre hinweg. Deshalb hängt das Selbstwertgefühl mit der Zeit auch am Erfolg an den Tischen.

Mit Downswings umgehen lernen 

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In diesem Bild ist genau ein Fehler versteckt.

Unabhängig davon, wie gut man ist, jeder Spieler erlebt Phasen, in denen er mit großen Verlusten umgehen muss, und lange Zeitspannen, in denen es immer nur bergab geht. Das kann einen Menschen schwer belasten und ihn aus dem Gleichgewicht bringen, es kann ihm sein Leben außerhalb der Pokerwelt komplett vermiesen.

Um auf lange Sicht erfolgreich zu sein, muss man neben Poker noch andere Interessen haben. Es ist wichtig, einen Freundeskreis zu haben, mit dem man Zeit verbringt, Hobbys, Sport, Reisen, lauter Dinge, die einem im Leben ein positives Gefühl vermitteln und von Poker ablenken.

Mit Betrug umgehen

Im Hinblick auf den Titel dieses Artikels sollte ich auch noch auf den Aspekt von Poker zu sprechen kommen, den die meisten Spieler ignorieren oder über den sie zumindest nicht gerne sprechen. Wer lange Zeit Poker spielt, wird früher oder später betrogen, über den Tisch gezogen oder bestohlen. Heute passiert das nicht mehr so häufig wie früher, aber sowohl live als auch online gibt es noch immer Fälle, und als Spieler muss man die Realität anerkennen.

Die häufigste Form des Betrugs ist Kollusion, und sie ist oft ziemlich schwer auszumachen. Zum Glück ist sie aber auch eine der harmloseren Formen, deshalb muss man sich nicht allzu viele Gedanken darüber machen.

Es gibt viele andere Möglichkeiten, einen Spieler zu betrügen, zu viele, um sie alle hier zu nennen.

In den allermeisten Partien heutzutage wird allerdings nicht betrogen, deshalb sind die Auswirkungen auf Leben und Karriere als Spieler nicht nachhaltig betroffen. Es gilt, sich einige der möglichen Betrügereien einzuprägen und immer darauf zu achten, ob am Tisch merkwürdige Dinge passieren.

Die seltenste, aber gefährlichste Form des Betrugs ist der Überfall. Ich weiß nicht, wie viele Spieler im Lauf ihrer Karriere überfallen werden, aber es sind nicht allzu viele.

Deshalb stehen die meisten auf dem Standpunkt: „Ich bin vorsichtig, also kann mir so etwas nicht passieren“. Egal wie vorsichtig man ist, eine gewisse Gefahr besteht immer.

Ein paar Beispiele dafür, was passieren kann:

  • Im Jahr 2004 wurde Greg Raymer von zwei mit Pistolen bewaffneten Männern in einen Nebenraum im Bellagio gedrängt. Die beiden versuchten, ihm seine Casinochips abzunehmen. Wenn so etwas dort passieren kann, kann es überall passieren.
  • Im Jahr 2009 wurde ein bekannter Online-Spieler (und ganz allgemein ein Genie) Opfer einer Hackerattacke. Er verlor $200.000, bevor er begriff, was vor sich ging. Es besteht keinerlei Aussicht darauf, dass er das Geld wieder bekommt.
  • In Tulsa, Oklahoma, wurde ein Spieler, der vom Casino in das gegenüberliegende Hotel ging, auf dem Parkplatz überfallen. Die Täter nahmen ihm sein Geld ab, schlugen ihn halbtot und ließen ihn dann in einem Zimmer nackt und bewusstlos liegen.

Obwohl das Risiko besteht, dass so etwas passieren kann, sind Geschehnisse dieser Art eher selten. Sie wiegen die Vorteile, ein erfolgreicher Pokerprofi zu werden, nicht auf.

Wenn Sie das Spiel lieben und genug Talent haben, um erfolgreich zu sein, sollten Sie sich nicht davon abbringen lassen, Poker als Beruf auszuüben. Schlussendlich ist es trotz einiger negativen Aspekte ein erfüllender und sehr schöner Beruf.

Vergessen Sie nur eines nicht: „It’s a hard way to make an easy living.“

- Matthew Wheat, cardrunners.com

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Rico 2014-12-26 00:37:27

So wahr! Ich war masstabler cash bis 2007, als die shortstacker kamen war ende mit easy funny money im cash game. Hab dann von 2011 bis 2014 pause gemacht mit poker, heute, ende 2014 zurück am pokertisch und die landschaft hat sich sehr krass verändert.

David 2014-12-11 13:26:44

Vielen Dank für die Info.. Bitte schreib doch dein Abkürzungen aus, weiss nicht was PLO oder NLHE heissen soll.

Wäre noch hilfreich für nicht Profis...

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