Wie schlägt man ein MTT mit 3000 Spielern?

A large crowd

Wie kommt man in großen Multi-Table-Turnieren weit in die Geldränge? Da sie rund um die Uhr für Buy-ins von einem bis $2500 verfügbar sind, kann man sooft und so lange trainieren, wie man will.

Das Tolle an Turnieren mit vielen Spielern ist, dass die Preise sehr hoch sind. Gewinne in Höhe des 1000-fachen Buy-ins und mehr sind keine Seltenheit. Grund genug, sich intensiver mit einer Strategie für solche Turniere zu beschäftigen.

Das Ziel bei einem großen MTT

Entgegen der allgemeinen Ansicht ist nicht das Ziel jedes Spielers, ein solches Turnier zu gewinnen. In Wirklichkeit sind viele Spieler nur dabei, um ins Geld zu kommen.

Für die meisten Spieler ist es eben schon ein gefühlter Sieg, die Geldränge zu erreichen. Natürlich würden auch sie gerne gewinnen, aber eigentlich sind sie schon froh, wenn sie das Buy-in nicht verlieren. Immerhin kann man sich getrost als winning player fühlen, wenn man ins Geld kommt, während alle, die vorher ausscheiden, Verlierer sind.

Mit dieser Einstellung geht tatsächlich die Mehrheit der Spieler ein Turnier an, wenn sich das Startgeld auf einem bestimmten Niveau bewegt.

The Final Hand
Um Heads-up zu spielen, muss man erst einmal soweit kommen.

Dagegen setzen sich Spieler, die den Turniersieg vor Augen haben, einem viel höheren Risiko aus, früh auszuscheiden, weil sie die Chance suchen, weit in diesem Turnier zu kommen und dann reichlich entschädigt zu werden.

Überlegen Sie sich also vorher, was Sie wollen. Nehmen Sie nicht das Ziel, das sich am besten anhört - wählen Sie das, was Ihnen entspricht und das Sie auch ernsthaft verfolgen können. Wenn Sie ein Turnier gewinnen wollen, macht es im Grunde keinen Unterschied für Sie, ob Sie 2. werden oder 3000.

Gute Turnierspieler besitzen genau diese Mentalität, denn sie ist profitabler. Hier eine einfache Erklärung:

Nehmen wir an, Sie wollen zehn Turniere mit je $1000 Buy-in spielen. Ihr Plan ist, immer das Geld zu erreichen. In fünf von zehn Fällen scheitern Sie, in den anderen fünf Fällen gelingt es Ihnen gerade so, das Geld zu erreichen.

  • Verlust: 5 x $1000 = $5000
  • Gewinne: 5 x $2000 = $10.000
  • Profit: $5000

Im zweiten Szenario spielen Sie auf Sieg. Sie scheiden neunmal früh aus und gewinnen ein Turnier.

  • Verlust: 9 x $1000 = $9000
  • Gewinn: 1 x $300.000
  • Profit: $291.000

Wie man anhand dieser Zahlen sehen kann, gewinnt man nur dann wirklich Geld, wenn man Turniere gewinnt. Die Varianz ist natürlich viel größer, denn im ersten Fall kann Ihre Bilanz nie schlechter aussehen als -$5000, im zweiten dagegen bis zu -$9000.

Diese Zahlen sollen Ihnen nur den gewaltigen Unterschied in den Payouts verdeutlichen. Es ist natürlich unsinnig, anzunehmen, Sie würden regelmäßig jedes zehnte große Turnier gewinnen. Wenn Sie aber einmal $300.000 gewinnen können Sie mehrere hundert Turniere verlieren und sind immer noch im Plus.

Wer spielt, um irgendwie ins Geld zu kommen, wird jetzt natürlich sagen, dass er ja auch die Möglichkeit hat, das Turnier zu gewinnen oder häufiger ins Geld zu kommen. Zwar erreichen manche wirklich öfter die Geldränge, aber bei ihnen verhält es sich wie mit Cash-Game-Spielern, die eine Glückssträhne haben. Wir werden darauf noch zu sprechen kommen.

Wenn die Geldränge erreicht sind, und Sie etwa im Chipdurchschnitt liegen, werden Sie schon eine gehörige Portion Glück brauchen, um wirklich weit zu kommen. Während die Siegspieler ihren Gambling-Anteil auf das ganze Turnier verteilen, werden Sie nun ein sehr hohes Risiko gehen müssen, um noch eine Chance auf den letzten Tisch zu haben.

Hauptsache gewonnen

Viele Cash-Game-Spieler sind geradezu süchtig danach, eine Session als Gewinn abzubuchen. Sie ignorieren dabei langfristige Ergebnisse ebenso wie berechnete Stundensätze. Solche Spieler beenden eine Winning Session mit einem Bruchteil des Gewinns, den sie hätten erreichen können, nur um irgendwie im Plus zu sein, wenn sie aufhören.

Ich bin kein Befürworter dieser Taktik. Die Einstellung, jede einzelne Session unbedingt mit Gewinn abzuschließen, ist für einen ernsthaften Pokerspieler nicht ungefährlich, denn sie begrenzt die Gewinne und sorgt manchmal sogar für herbe Rückschläge.

Manchmal spielen Sie einfach nicht gut. Vielleicht sind Sie müde, deprimiert oder einfach nur ein bisschen unkonzentriert. Wenn Sie sich nun dazu zwingen, am Tisch zu bleiben, weil Sie Ihre Verluste wettmachen müssen, riskieren Sie noch viel größere Verluste. Wenn es Ihnen nur darum geht, zu gewinnen, schmälern Sie Ihre Gewinne und riskieren höhere Verluste.

Erick Lindgren
Erick Lindgren - Braceletgewinner 2008.

Die Glückspilz-Strategie

Machen Sie sich als erste klar, dass Sie in einem Turnier mit so vielen Spielern häufig gamblen müssen, um Chancen auf den Turniersieg zu haben. Sie müssen viele Coin Flips gewinnen, Ihre Hände müssen gegen schwächere standhalten und Sie brauchen auch noch ein bisschen, manchmal sogar viel Glück, wenn Sie in der schlechteren Ausgangsposition sind.

Wirklich gute MTT-Spieler wissen, wie wichtig das Glück ist und beziehen dies auch in ihr Spiel ein.

Amateure schauen MTT-Profis oft zu und fragen sich, wie dese immer soviel Glück haben können. In Wirklichkeit haben diese aber natürlich auch nicht mehr oder weniger Glück als Sie oder ich, wenn man mal von kurzen tatsächlichen Glückssträhnen absieht.

Der große Unterschied besteht darin, sie suchen ihre Chance in Situationen, in denen es auf einen Coin Flip hinausläuft und sie etwas Glück brauchen, und Sie wissen, wann der richtige Moment gekommen ist. Wenn Ihre Hand 60:40 Favorit ist, würden Sie Ihren Stack dann eher gegen einen Spieler riskieren, dessen Stack nur ein Drittel so groß ist wie Ihrer oder gegen einen, der Sie gecovert hat?

Amateure entscheiden sich normalerweise für den ersteren, weil sie auch dann im Spiel bleiben, wenn sie doch verlieren. Das Problem daran ist, dass Sie immer wieder in die Lage geraten werden, genau solche Risiken einzugehen, um wieder dahin zu kommen, wo Sie bereits waren.

Ein Profi spielt auf Sieg und würde sich eher für den Spieler mit dem größeren Stack entscheiden, denn die Pots sind größer und geben ihnen so eher die Chance, mit guten Moves einen der vorderen Plätze zu erreichen.

Ebenfalls zu bedenken ist in diesem Zusammenhang der ROI. Wenn Sie ein Turnier spielen, in dem Sie das 1000-fache Ihres Gewinns erspielen können, müssen Sie starke Moves machen. Als solider Spieler sollten Sie davon ausgehen, dass das Glück Sie häufiger trifft als nur bei wenigen von tausend Gelegenheiten.

Wenn Sie sehen, dass wieder einmal ein Profi in einem Turnier weit kommt, gehen Sie ruhig davon aus, dass er im bisherigen Turnierverlauf bereits mehrere Male „Glück gehabt" hat.

Nutzen Sie also die Glückspilz-Strategie für sich. Gehen Sie Risiken ein, wenn es sich für Sie auszahlen kann. In einem großen Turner müssen Sie es häufig darauf ankommen lassen, also wählen Sie die Situationen, in denen dabei am meisten für Sie herausspringen kann.

Die Eröffnung in einem großen MTT

Losing Players bezeichnen Turniere mit großen Teilnehmerfeldern gern als Lotterie, während Winning Players dauerhaft gut abschneiden.

Konservative Eröffnung

„Nur weil du kannst, heißt das nicht, dass du musst." Diesen Satz hat mein Vater zu mir gesagt, als ich noch in der Grundschule war, und ich halte mich noch immer daran.

Nur weil man in einem Turnier gamblen kann (und muss), heißt das nicht, dass man das auch immer tun sollte.

Wenn das Verhältnis zwischen Ihrem Stack und der CPR (Cost per Round, also die Blinds und Ante addiert) größer ist als 20:1, haben Sie keinen Grund zu Gamblen. Mit einem solchen Wert können Sie „richtig" Poker spielen, wie man auch sagen könnte. 

Phil Laak
„Meine Strategie lautet: das Glück erzwingen."

 Das heißt, Sie können praktisch in jeder Situation folden, callen oder raisen. Allerdings bedeutet das nicht, dass Sie die Gelegenheit nicht nutzen sollten, wenn sie sich denn günstig ergibt.

In dieser Phase des Turniers können Sie es sich leisten, konservativ zu spielen und Coin Flips zu vermeiden. Es gibt sogar Profis, die grundsätzlich nicht all-in gehen, wenn sie nicht mehr als das 100-fache der CPR als Stack besitzen, unabhängig davon, wie stark ihre Hand ist.

Sie argumentieren, dass selbst eine 80% Chance nicht groß genug für ein All-in ist. Deshalb folden sie sogar AA im ersten Blind Level, wenn es z. B. um einen Main Event geht.

Ich halte diese Philosophie für gleichermaßen richtig und falsch. Natürlich stehen die Chips für Ihr Verbleiben im Turnier - Sie müssen sie also unbedingt verteidigen. Ohne Chips kein Turnier.

Wenn Sie an Ihrem Tisch der mit Abstand beste Spieler sind, macht es durchaus Sinn, in einer solchen Situation zu folden. Mit einem großen Stack können Sie gegen neun schwächere Spieler auch anders Chips akkumulieren.

Wenn die Situation aber eine andere ist, möchten Sie natürlich einen möglichst großen Pot aufbauen, wenn Sie eine Gewinnerhand halten. Zu Beginn eines Turniers ist es daher am besten, großen Pots auszuweichen, wenn Sie auf einen Coin Flip hinauslaufen oder Sie vielleicht sogar schlechter dastehen.

Wenn das Verhältnis Chips:CPR aber kleiner als 6:1 ist, gelten die Optionen Call, Raise oder Fold nicht mehr für Sie. Bei der nächsten Hand spielen Sie auf jeden Fall um Ihren ganzen Stack, denn Sie sind grundsätzlich pot-committed.

Push-and-Pray

Online-Turniere entwickeln sich gerade in der Endphase zu einem regelrechten All-in-Festival. Lassen Sie sich nicht weiter beeindrucken. Gute Spieler gehen nicht willkürlich, sondern systematisch vor.

Dan Harrington hat geschrieben, man sollte lieber ein Risiko eingehen, um das Verhältnis Chips: CPR über 20 zu halten, als ein Risiko eingehen zu müssen, um dieses Verhältnis wieder zu erreichen.

Richtiges Timing ist fast noch wichtiger als die Hände, die sie bekommen. Da sie nicht wissen, ob die nächste Hand, die Sie bekommen, besser oder schlechter sein wird, können Sie sich nur auf Ihr Timing und die näher kommenden Blinds verlassen.

Als Erster in eine Hand einzusteigen ist grundsätzlich besser als der erste Caller zu sein. Ein Beispiel:

Ihr Stack-CPR-Verhältnis ist auf 6 geschrumpft, und Sie warten auf eine Hand, mit der Sie all-in gehen können. Sie bekommen K Q. Nehmen wir an, Ihr Gegner hat noch ein Stack-CPR-Verhältnis von 5 und sitzt auf A 6.

Wenn Sie all-in gehen, wird Ihr Gegner möglicherweise folden. Wenn dieser aber vor Ihnen die Hand eröffnet, geht er vermutlich selbst all-in.

Mit K-Q liegen Sie gegen sehr viele Hände hinten, mit denen ein Gegner all-in pusht, der aber dieselbe Hand folden würde, wenn er damit ein All-in bezahlen soll. Der Erstschlag, wie Harrington ihn nennt, ist also wichtiger als die Karten.

In einer solchen Situation suchen Sie sich den Spieler und den Zeitpunkt aus, der am besten für ein All-in geeignet ist. Gehen sie lieber gegen einen Stack all-in, der größer ist als Ihrer. Wenn Sie gegen einen Spieler mit kleinerem Stack verlieren, der vielleicht eher bereit ist, die Chance zum Verdoppeln zu nutzen. Bleiben sie mit ein oder zwei Big Blinds zurück, was mit einem Ausscheiden praktisch gleichbedeutend ist.

Bei etwa gleich großen Stacks macht es Sinn, einen Versuch mit maximalem Profit zu starten. Allein das erfolgreiche Stehlen der Blinds ist nun bereits so wertvoll, dass sich das Risiko lohnt, vor allem, wenn Sie bedenken, dass sich der Gewinn potenziert, wenn Sie das nächste Mal verdoppeln.

Auf der Bubble

Daniel Negreanu
Einer der besten Spieler auf der Bubble.

Zunächst mal ist die Bubble für Sie uninteressant, wenn Sie auf Sieg spielen. Konzentrieren Sie sich darauf, die richtigen Moves zu machen, um an den letzten Tisch zu kommen.

Dabei sei gesagt, dass kaum jemand sich von dem Druck der Bubble freimachen kann. Wenn diese sich davon beeinflussen lassen, hat das auch Auswirkungen auf Sie.

Da die Mehrheit der Spieler nur versucht, ins Geld zu kommen, werden Sie vermeiden, kurz vor Erreichen der Geldränge in eine Situation zu geraten, in der plötzlich ihr Turnier auf dem Spiel steht. Das ermöglicht Ihnen, häufiger die Blinds zu stehlen und Ihre Gegner häufiger zu einem Fold zu zwingen.

Beobachten Sie genau, wer auf der Bubble nicht mehr spielen will. Schießen Sie sich auf diese ein und bauen Sie Ihren Stack auf. Wenn ein anderer Spieler an Ihrem Tisch dasselbe Prinzip zu verfolgen scheint, gehen Sie diesem für den Moment aus dem Weg. Ein aggressiver Gegner kann Sie in einen Pot verwickeln, der größer ist als der, den Sie eigentlich spielen möchten.

Wenn es außerdem sieben Spieler an Ihrem Tisch gibt, die ihre Blinds ohne Gegenwehr aufgeben, sollten Sie kein Risiko eingehen und sich in eine Hand mit ungewissem Ausgang hineinziehen lassen.

Achten sie jedoch auf Folgendes: Ein Spieler mit kleinem Stack spielt wahrscheinlich schon Push oder Fold, d.h. er wird mit einer halbwegs vernünftigen Hand jeden Raise Ihrerseits mit einem All-in beantworten. Diese Spieler suchen den Coin Flip und möchten entweder mit einem Re-Steal gewinnen oder ausscheiden. Push-oder-Fold-Spieler sind also mit Vorsicht zu behandeln.

Schlussbemerkung

Ich habe mich, wie Sie vielleicht bemerkt haben, nicht über das Spiel am Final Table ausgelassen. Das Problem dabei ist, dass sehr viele Faktoren eine Rolle spielen. Blinds, Stacks, Spielerverhalten uvm. machen es meiner Ansicht nach praktisch unmöglich, allgemeine Richtlinien aufzustellen.

Es war mein Ziel, mit diesem Artikel darzustellen, wie Sie Ihr Spiel dem Ziel anpassen können, mehr Finaltische zu erreichen. Ich hoffe, wir sehen uns dann dort.

 

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