Coole Pokerjobs (13) - Turnierdirektor

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30 Juli 2014, Von: Christian Henkel
Geposted in: PokerZeit Blog , Featured
Coole Pokerjobs (13) - Turnierdirektor

Mit dem Pokerboom standen auf einmal vor allem die großen Poker-Turniere im Mittelpunkt. Und mit ihnen ihre „Spielleiter“. Die Position des Turnierdirektors gab es innerhalb der Poker-Szene vorher nicht.

Pionierarbeit geleistet und Maßstäbe gesetzt hat diesbezüglich vor allem der Wiener Thomas Kremser, den auch heute noch alle europäischen Turnierdirektoren als Inspirationsquelle betrachten.

Trotz seiner mittlerweile 46 Jahre sieht Thomas Kremser noch immer sehr jugendlich aus. Dabei ist der Wiener einer der erfahrensten Veteranen, die das Poker-Business in Europa überhaupt kennt.

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Kremser bei der Arbeit - "das schlimmste wäre, wenn die Spieler den Respekt verlieren."

Vor 25 Jahren war Thomas Kremser schon Croupier bei den Casinos Austria und schon damals in seinem Element. An seine erste Begegnung mit der Casinowelt erinnerte sich der damalige Medizinstudent heute so:

„In Baden gab es einen jährlichen Ball, auf den man auch ohne die üblichen Altersnachweise kam. Die Geräuschkulisse, die Menschen, die Chips und Spieltische – all das ist mir danach nicht mehr aus dem Kopf gegangen.“

Ab 1994 baute Thomas Kremser dann als rechte Hand von Norbert Darrie das Concord Card Casino – das erste echte Card Casino Europas - in Wien auf.

Seine souveräne Art und sein elegantes Äußeres ließen Thomas Kremser irgendwann in den Fokus der TV-Macher geraten. 1999 fragte eine englische Produktionsfirma an, ob er nicht Lust hätte eine TV-Übertragung zu leiten.

„Und weil aus der Sendung irgendwann eine ganze Serie wurde, war ich in Europa auf einmal als Turnierdirektor bekannt.“ Eine Position, die es vor dem Erscheinen von Thomas Kremser in der europäischen Pokerszene gar nicht gab.

„In diesem Sinne“, so Thomas Kremser nicht ganz unbescheiden „habe ich mich quasi selbst erschaffen.“

Spätestens mit dem ersten Turnier der European Poker Tour im September 2004 in Barcelona war der Wiener der bekannteste und einflussreichste Turnierdirektor in Europa und voll im Geschäft.

Auf die Frage, wie man sich ihn in seiner Kindheit vorstellen sollte - als Geber beim Mau Mau, als Croupier am Kinder-Roulettetisch oder als Schiedsrichter beim Monopoly antwortet Thomas Kremser:

„Lustigerweise war ich genau das. Schon im meiner Familie nahm ich mir wie selbstverständlich die Rolle des Spielleiters. Ich überwachte die Regeln und entschied in Streitfragen. Wenn ich es mir überlege, war eigentlich damals schon alles in mir angelegt.“

Sieben Jahre lang war Thomas Kremser Turnierdirektor der EPT und zwischen den ganzen High Rollern und schillernden Gestalten selbst so etwas wie ein Star. Wann immer außerhalb der USA ein Turnier anstand, versuchte man sich mit ihm als Turnierdirektor zu schmücken. Und Kremser lieferte mit seinem TK-Team immer Wertarbeit ab.

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Kremser als Spieler - "immer nur aus Spaß".

Man muss in diesem Job vor allem ein großer Diplomat sein“, so Kremser. „Von den Floorman und den Dealern verlangt man regelgetreue Korrektheit. Aber beim Turnierdirektor will sich auch jeder Zuhause und verstanden fühlen. Da muss man innerhalb einer Turnierwoche zwischen vielen Interessen vermitteln können.“

Für nicht ganz unwichtig hält Thomas Kremser auch das Auftreten in der Öffentlichkeit. Für ihn und sein Team galt: stets schwarze Anzüge und für jeden Turniertag ein andere Krawattenfarbe.

„Das Schlimmste was dir passieren kann, ist, wenn bei einem großen Major-Turnier der allgemeine Respekt vor dem Turnierdirektor verloren geht. Dann tanzen die Mäuse tatsächlich irgendwann auf dem Tisch.“

Während einer größeren Turnierwoche sind deshalb auch regelmäßig die Entertainment-Qualitäten eines Turnier-Direktors gefragt. Dann muss der „Zirkusleiter“ am Mikro den richtigen Ton treffen und die Teilnehmer vielleicht auch bei Laune halten. Was dabei hilft, ist dann jahrelange Casino-Erfahrung.

„Turnier-Direktor wirst du eigentlich nur, wenn du den ganzen Weg durch die Casino-Karriere zurückgelegt hast. Nicht umsonst hat mich bei der EPT Edgar Stuchly beerbt, der vorher Chef der Casinos Austria gewesen ist.“

Trotz seiner Leidenschaft für Poker ist Thomas Kremser vom Wesen her nie ein Spieler gewesen. „Ein wichtiger Bestandteil deiner Autorität besteht natürlich darin, dass du von der Community unabhängig und deshalb auch unbestechlich bist. Ich habe selber auch teurere Poker-Turniere gespielt. Aber mehr als ein Spaß war das für mich nie.“


Coole Pokerjobs – die Serie

Teil 1 – Masseurin

Teil 2 – Dealer/in

Teil 3 – Coach

Teil 4 – Blogger

Teil 5 – Ernährungsberater

Teil 6 – Pokerroom-Manager

Teil 7 - Journalist

Teil 8 - TV-Moderator

Teil 9 - Pokeragent

Teil 10 - Floorman

Teil 11 - Consultant

Teil 12 - Fotograf

Teil 13 - Turnierleiter

Teil 14 - Video-Presenter

Teil 15 - Livestream-Kommentator

 

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