Poker in Wiesbaden: Tradition, Dostojewski und kaum Rake

Spielbank Wiesbaden

„Willkommen in der Poker-Hochburg“. So wirbt die Spielbank Wiesbaden auf ihrer Internetseite und verweist auf die lange Tradition, das Engagement und den treibenden Pioniergeist, die Wiesbaden ohne Zweifel zu diesem schmückenden Attribut verholfen haben.

Vor diesem Hintergrund ist es allerdings etwas merkwürdig, wenn von Seiten der Presseabteilung der Spielbank mit Verweis auf die „derzeit angespannte Personallage“ ein Interviewtermin abgelehnt wurde. Von einer angespannten Personallage konnte allerdings beim Besuch am 28.06.2017 nicht die Rede sein: Mindestens drei Saalchefs waren zugegen, auch beim Pokerpersonal (Floormen, Dealer) schien ausreichend Kapazität vorhanden zu sein. 

Nun denn! Abgesehen von dieser irritierenden Botschaft kann ein Besuch in der traditionsreichen Spielbank nur empfohlen werden. Auch und gerade wegen des Pokerangebots.

Poker in mondäner Atmosphäre 

Casino Wiesbaden Eingang

Wiesbaden, die hessische Landeshauptstadt, atmet Bäderarchitektur. Schöne alte Villen säumen die steile Auffahrt vom Rhein entlang der Biebricher Allee ins Zentrum. Dort kommt man auf die Friedrich-Ebert-Allee und nachfolgend auf die Wilhelmstraße. Diese Magistrale führt vorbei an weiteren Villen, dem Park und dem Hessischen Staatstheater in das Kurviertel. Linker Hand der Naussauer Hof, Wiesbadens Tophotel mit Sternerestaurant, und rechts dann der imposante Blick auf das Kurhaus. Eine große rechteckige Rasenfläche ist eingerahmt von Theater und Kurhauskolonnaden und gepflegten Kieswegen. Zwei Springbrunnen auf dem Rasen unterstreichen die mondäne Bäderatmosphäre.

Dostojewskis "Der Spieler"

Neonschriftzüge zwischen den sechs Säulen des ionischen Portikus weisen auf den Casinobetrieb hin. Durch Drehtüren geht es in das beeindruckende Foyer mit einer 21 Meter hohen Kuppel. Nach links geht es in den ehemaligen Weinsaal. Dort befindet sich die Spielbank.

Dostojewski
Fjodor Dostojewski war schon Gast in Wiesbaden

Direkt hinter der recht schmalen Eingangstür zum Hauptspielsaal ist als musealer Akzent ein alter Roulettekessel aus dem 19. Jahrhundert aufgebaut. Sofort muss man an Dostojewski denken, der hier während seiner Sommeraufenthalte gespielt hat. Fjodor Michailowitsch erlebte das typische „Anfängerglück“, als er bei seinem Erstbesuch 1863 sofort die für damalige Verhältnisse gigantische Summe von über 10.000 Franken gewann. Wie viele Spieler dachte auch er, diese Strähne würde anhalten. Dem war nicht so, er verspielte bei weiteren Besuchen in Wiesbaden und Bad Homburg sehr viel Geld. Das Ergebnis seines andauernden „Downswings“ kennen zumindest bibliophil Veranlagte: in nur 26 Tagen entstand sein Roman „Der Spieler“.

Niedrige Rake, keine Turniergebühren

Die hohen Haupt- und Nebenspielsäle sind mit hellem Kirschholz getäfelt. Säulen und große Gemälde geben den Räumen eine elegante und festliche Atmosphäre. Am hinteren Ende des Hauptspielsaals findet man die Bar, im Nebenflügel rechts einen kleinen Restaurantbereich.

Pokertische Wiesbaden
Pokertische in Wiesbaden

Das Spielangebot umfasst französisches und amerikanisches Roulette, Black Jack und Poker. Direkt rechts im Hauptspielsaal befindet sich der Bereich für das Cashgame mit drei Tischen. Im angrenzenden Nebenflügel der Turnierbereich mit fünf Tischen.

Im Cashgame werden die französischen Jetons der Spielbank verwendet. Wer es gewohnt ist, mit den genormten 40 mm-American Chips zu pokern und deren Stapelbarkeit und Übersichtlichkeit schätzt, dürfte davon etwas irritiert sein. Immerhin werden bei Turnieren amerikanische Chips verwendet.

Ein großes Lob gebührt dem extrem niedrigen Rakesystem. Für Turniere wird keine Startgebühr erhoben. Bei dem 80-Euro-Turnier gehen 5 Euro in einen speziellen Preispool für die "besten" Spieler. Es wird damit alles vollständig wieder an die Spieler ausgeschüttet. Eine interessante Form der Kundenbindung, die so natürlich in erster Linie den Regulars zugutekommt. Aber das ist in Ordnung, Stammkunden wollen und sollen umworben werden.

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5betBluff 2017-07-20 14:22:30

...nicht zu vergessen die ganzen Fische und Sprüher, die aufgrund ihrer Schwarzgeldeinnahmen eine unerschöpfliche Bankroll haben.
Ich bin (fast) täglich dort oder in Mainz und es ist wie Geld drucken :)