Daniel Negreanu: „Ich will den Fans zeigen, dass Poker mehr ist als nur Texas Hold’em“

Daniel Negreanu

Daniel Negreanu zählt zu den beliebtesten Pokerspielern der Welt und hat es geschafft sich über mehr als 17 Jahre in der absoluten Weltspitze zu behaupten. Doch Daniel ist nicht nur ein hervorragender Spieler, er hat auch einiges zu sagen und ist bekannt dafür kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Wir haben uns mit ihm beim EPT Grand Final über seinen Bustout, seinen neuen Twitch-Kanal, die Global Poker Masters und Floyd Mayweather unterhalten.

Kurz bevor Daniel seine letzte $400/$800 8-Game Session auf seinem neuen Twitch-Kanal "DNegsPoker" streamte, in der er einige sechsstellige Pötte spielte und mit einem beträchtlichen Gewinn abschloss, nahm er sich Zeit für das Interview mit PokerZeit.

Das Interview

PZ: Kannst du die Hand, die gleich zu Beginn des Grand Finals, zu deinem Ausscheiden geführt hat noch einmal kurz zusammenfassen?

DN: Ich habe aus Middle Position mit Pocket Kings geraist und drei Caller bekommen. Den Big Blind kannte ich schon vom Super High Roller und wusste, dass er sehr aggressiv ist.

Der Flop brachte T 6 2, ich machte eine Contibet und nur er war der einzige Caller. Am Turn kam ein Bube und ich habe ihn auf einen Draw gesetzt, deshalb habe ich mich dafür entschieden erneut zu betten.

Am River kam dann mit dem Ass die Karte, die ich nicht sehen wollte, also checkte ich und er machte einen Overshove.

Ich glaubte nicht, dass er das mit einer Hand wie A8 oder nur Top Pair macht. AJ oder AT kann er so spielen, aber eben auch verpasste Draws, deshalb habe ich mich für den Call entschieden. Er hatte Pocket Jacks und am Turn sein Set getroffen.

PZ: Es sah erst so aus, als wolltest du folden, dann hast du dich aber doch für einen Call entschieden.

DN: Wenn man seine Range und den Ablauf der Hand berücksichtigt, denke ich, dass ich callen muss. Hätte ich meinen Gegner besser gekannt, so hätte ich möglicherweise gefoldet.

PZ: Twitch entwickelt sich immer mehr zu der neuen Poker-Plattform schlechthin. Was hat dich dazu bewegt deinen eigenen Twitch-Kanal zu eröffnen und deine Sessions live im Internet zu streamen?

DN: Zunächst wusste ich nicht viel über Twitch, außer das Jason Somerville dort sehr aktiv ist. Dann habe ich es mir genauer angeschaut, und festgestellt, dass es sehr gut dafür geeignet ist, um mit den Fans in Kontakt zu treten.

Daniel Negreanu Twitch
„Durch Twitch versuche ich dem Ganzen nun eine Entertainment-Komponente zu geben, denn diese fehlt Poker seit einigen Jahren."

Anschließend habe ich mich dann dafür entschieden Mixed Games zu streamen, weil mir diese viel Spaß machen und ich den Fans zeigen will, wie man diese spielt und das Poker mehr ist als nur Texas Hold’em. Meiner Meinung nach ist Texas Hold’em eine der langweiligsten Varianten.

Zudem bin ich der Meinung, dass exotische Varianten gerade für die Leute, die die World Series spielen wollen um einiges erfolgsversprechender sind. Sie wollen Omaha Hi/Lo oder Stud spielen, aber wissen nicht wie, da es darüber kaum Videos und Strategieartikel gibt.

Twitch gibt ihnen die Möglichkeit mir beim Spielen zuzuschauen und dadurch etwas zu lernen, um es dann selbst auszuprobieren oder ihr eigenes Spiel zu verbessern.

PZ: Mittlerweile gibt es schon Leute in der Pokercommunity, die behaupten, dass du und Jason Somerville zu viele Informationen preisgeben. Findest du das gerechtfertigt?

DN: Das ist sehr kurzfristig und engstirnig gedacht. Als Doyle Brunson in den 70er Jahren “Super System” geschrieben hat, waren alle der Meinung, dass man sowas nicht machen kann und er alle Tricks verraten würde. Tatsächlich hat es aber neue Spieler zum Poker gebracht und zum Wachstum des Spiels beigetragen.

Nun befinden wir uns in einem anderen Zeitalter und Bücher werden immer mehr durch Videos ersetzt. Aber etwas zu sehen, und dies in die Tat umzusetzen, sind zwei paar Stiefel.

Wir coachen, um die Spieler selbstsicherer zu machen, und wer damit ein Problem hat, der ist selbst nicht gut genug. Hilfsmittel wie Bücher, Coachingsites, Tracking Software usw. gibt es schon seit vielen Jahren.

Durch Twitch versuche ich dem Ganzen nun eine Entertainment-Komponente zu geben, denn diese fehlt Poker seit einigen Jahren.

Die Behautungen, die du ansprichst stammen von Leuten, die nur an sich selbst denken, und nicht das große Ganze sehen.

PZ: Glaubst du das die Global Poker Masters sich als Team Event langfristig etablieren können?

DN: Das hoffe ich. Es wird auch davon abhängen, ob es gelingt den Nationalstolz der Menschen in den teilnehmenden Ländern anzusprechen. Deshalb hätte es keinen besseren Gewinner als Italien geben können, da die Italiener diesbezüglich sehr leidenschaftlich sind.

 

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„Einen besseren Sieger als Italien hätte es bei den Global Poker Masters nicht geben können."

Möglicherweise muss man das Format noch etwas optimieren, doch das sollte kein Problem sein.

PZ: Würdest du auf zwei oder drei andere Turniere verzichten, um am Global Poker Masters teilnehmen zu können?

DN: Nein, das würde ich nicht tun. Ich spiele sowieso nur noch ausgewählte Turniere mit höherem Buy-In und würde auf keines davon verzichten wollen.

Falls das GPM außerhalb meiner fixen Termine stattfinden würde, dann würde ich vermutlich daran teilnehmen.

PZ: Du hast kürzlich einen Blog darüber geschrieben, wie man Poker Pro wird. Warum schreibst du gerade jetzt über dieses Thema?

DN: Der Grund dafür ist, dass ich auf einer Konferenz war, und mir die Teilnehmer von ein paar Jugendlichen erzählt haben, die gerne professionell Poker spielen würden, aber nicht wissen, wie sie es angehen und sie nicht wussten, was sie ihnen raten sollen.

Daniel Negreanu
„Um als Poker Profi erfolgreich zu sein muss man einen Plan haben, der gut durchdacht ist."

Darum dachte ich mir es ist eine gute Idee darüber zu schreiben und ihnen zu erklären wie das Ganze funktionieren kann.

Um als Poker Profi erfolgreich zu sein, muss man nämlich einen Plan haben.

Du musst ehrlich zu dir selbst sein und eine Strategie entwickeln, um diesen in die Tat umzusetzen. Man kann nicht einfach so draufloslegen, sondern das Ganze muss gut durchdacht sein.

PZ: Wie immer gab es einige kontroverse Reaktionen auf deinen Blog. Macht dir das etwas aus oder wie gehst du damit um?

DN: Die meisten Reaktionen waren positiv, nur die Korinthenkacker haben sich beschwert. Ich habe eine Leitlinie erstellt, welche die Leute dann verwenden.

Die einzige Kritik kommt aus den Foren. Dort herrscht eine sehr streitlustige Stimmung, die keinem hilft.

Das Ziel einiger User ist alles zu kritisieren und zu sagen: “Ich habe recht, und du liegst falsch. Ich bin intelligent, und du bist dumm.”

Zwar bringt das eine Diskussion in Gang, aber diese führt zu nichts. Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden. Leute wie Sklansky und Malmuth glauben sie wissen alles, und es gibt nichts, was jemand anders sagt, wovon sie etwas lernen können.

Ich könnte nicht jeden Tag in diese Foren gehen, da ich mich nicht ständig mit dieser Negativität umgeben möchte.

Dort halten sich Menschen auf, die ein armseliges Leben führen, und andere, die sie nicht einmal persönlich kennen, runtermachen müssen, um sich selbst besser zu fühlen.

Ich kann mich ganz gut in sie hineinversetzen, dennoch umgebe ich mich lieber mit positiven Menschen, die gute Ideen haben und versuchen Barrieren abzubauen.

PZ: Du hast diese Woche deine Partnerschaft mit dem neuen Fernsehsender Poker Central bekanntgegeben. Was genau wirst du dort machen?

DN: Poker Central ist ein neuer Pokersender und eine Website, die im Herbst diesen Jahres starten wird.

Sie besitzen jetzt schon die Rechte die EPT, WPT, Aussie Millions und High Stakes Poker auszustrahlen. Darüber hinaus wird es auch interessantes, neues Material geben. Ein Beispiel dafür wäre z.B. der €500.000 Super High Roller Bowl, für den sich jetzt schon zwischen 70 und 80 der besten Spieler der Welt angemeldet haben, und welcher vom 2. bis 4. Juli im Aria stattfinden wird.

Floyd Mayweather
„Floyd Mayweather ist kein guter Mensch."

Außerdem werde ich eine eigene Show haben, die einmal pro Woche ausgestrahlt wird, aber ich darf darüber leider noch nichts Genaueres verraten.

PZ: Hast du den Mayweather vs Pacquiao Kampf gesehen?

DN: Nein. Ich bin zwar rechtzeitig aufgewacht, hab mich dann aber wieder hingelegt. Ich wollte mir den Kampf nicht anschauen, weil ich im Gefühl hatte, dass Mayweather gewinnen wird, und ich ihn nicht ausstehen kann.

Er ist kein guter Mensch. Er hat seine Frau und weitere Frauen geschlagen, und ist damit davon gekommen, da es keine sichtbaren Beweise gab.

Ich bin kein Boxfan, aber ich hätte gerne gesehen, wie Manny ihn umhaut und Mayweather blutend am Boden liegt.

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