WSOP 2012 – die jungen Wilden (1)

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Arrivierte Namen haben wir jedes Jahr bei der WSOP. Aber wer sind die Nachrücker, die sich in diesem Jahr erstmals ins Rampenlicht von Las Vegas spielen könnten?

Unser internationales Redaktionsteam macht sich auch in diesem Jahr wieder Gedanken darüber, wer Kandidat für ein erstes Bracelet der WSOP sein könnte. Für die Spieler aus deutschen Landen übernimmt das Christian Henkel.

Die World Series of Poker steht vor der Tür. Und wie in den Jahren zuvor so wird auch 2012 ein ganzer Tross an deutschsprachigen Spielern in die Wüste von Nevada ziehen, um Dollarbündel und vielleicht sogar ein Bracelet in die Heimat zu tragen. Wer ist bestimmt dafür erfolgreich zu sein? Wer hat die technischen Skills und auch das Momentum auf seiner Seite? Das sind meine Geheimtipps:

 

Martin Finger (21)

Martin Finger
Martin Finger, EPT Prag 2011.

An den Online-Tischen hatte sich Martin Finger längst einen Namen gemacht, als er im vergangenen Dezember die EPT in Prag gewann. Als piggybank war er irgendwann auf den höchsten Limits der Heads Up Sit-n-Gos aufgetaucht und hatte dort auf den Limits $1.000 bis $5.000 selbst Legenden wie Oliver adonis123 Busquets das Fürchten gelehrt. Der Amerikaner aus New York bezeichnete Finger in einem Interview kürzlich sogar zum besten High Stakes Heads Up Sit-n-Go-Spieler der Welt.

Dabei spielt Finger, der aus der sächsischen Kleinstadt Frankenberg stammt und kürzlich ins nahe gelegene Chemnitz gezogen ist erst seit drei Jahren Poker. Seitdem habe er, so Finger sehr, sehr intensiv gespielt. Mit einem kontinuierlichen Lauf sei es bei ihm mit wenigen Rückschlägen kontinuierlich nach oben gegangen. Und der Titel in Prag gibt Martin nun natürlich auch die Möglichkeit zu Reisen und dabei seinen Hendon Mob-Eintrag mit Einträgen aufzuforsten.

Seit dem Sieg von Prag – dem ersten EPT Main Event-Cash überhaupt - hat Martin auch bei den EPT`s in Campione und Monte Carlo gecasht und ist außerdem auch beim $5.000 NLHE Heads Up Championship auf den Bahamas Vierter geworden.

In Las Vegas, wohin er nun erstmals reisen kann, soll nun auch das Bracelet her. Dabei kann sich Martin wohl auf die Unterstützung einer großen Community stützen. Die Chemnitzer Poker-Gang um Marc Gork, Andre Klebanov, Bob Kunzmann, Sven Kirchner und Julian Kabitzke  hält engen Kontakt und wird wohl als Schwarm auch den Angriff auf die großen Dollarjagdgründe bei der WSOP unternehmen.

Dass vor allem Martin Finger diesbezüglich auch die richtige Durchschlagskraft besitzt, bewies er bei der vergangenen PCA. Nach einer Provokation durch den Ex-Weltmeister Jonathan Duhamel aus Kanada schlug er diesen in einem drauffolgenden Gerangel klar nach Punkten. Nun kann er in Amerika zeigen, dass er das auch an den Pokertischen kann.

 

Khiem Nguyen (25)

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Khiem Nguyen, Poker EM Baden, 2011.

EPT`s und WSOP`s hatte der Wiesbadener schon einige absolviert. Und weit gereist war Khiem Nguyen auch schon, als er im November 2010 erstmal in den Fokus der Poker-Öffentlichkeit geriet. Die Cashes bei Turnieren im brasilianischen Florianopolis oder Macao nahm kaum einer wahr, aber der dritte Platz beim € 6.000 Main Event der Master Classics of Poker in Amsterdam brachten Nguyen nicht nur 141.931 Euro, sondern auch den Respekt der europäischen Pokerszene.

Mittlerweile ist der 25-Jährige eines jener Gesichter, das man auf den Major-Turnieren in der Welt häufiger sieht. Und auch die Regelmäßigkeit seiner Cashes ist außergewöhnlich. Nguyen wurde Dritter bei der Macao-Million im April 2011 ($25.000), Vierter bei der ANZPT in Canberra ($24.000) und verpasste auch bei der Poker EM in Baden den Sieg nur knapp (Dritter für €75.000).

Kein Wunder, dass sich Martin Finger kürzlich entschied den Wiesbadener unter seine Fittiche zu nehmen. Und das „Langzeit-Staking“ zahlte sich bereits beim Grand Final in Monte Carlo aus. Nguyen gewann den €1.000 PLO Side Event für €43.000 und wurde darüber hinaus auch zum erfolgreichsten PLO-Spieler der vergangenen EPT-Season gewählt.

Für die vielen PLO-Events der WSOP ist Khiem, der online auch ausschließlich MTT`s spielt also gerüstet. Und vielleicht hilft in Las Vegas ja die mentale Unterstützung eines prominenten Bewohners. „Open“, die Autobiographie Andre Agassis bezeichnete Nguyen kürzlich als eines seiner Lieblingsbücher.

 

Dominik Nitsche (21)

Dominik Nitsche
Dominik Nitsche, LAPT Mar del Plata, 2009.

Die internationale Pokerbühne betrat Dominik Nitsche mit einem Knall. Im April 2009 gewann ein 18-jähriger Abiturient aus dem niedersächsischen Minden das $5.000 Grand Final der LAPT im argentinischen Mar del Plata ($384.000) und jeder fragte sich, wie dieser Milchreisbubi mit der Gardinenfrisur sich wohl legalerweise das Pokern beigebracht haben könnte.

Mittlerweile ist Dominik Nitsche wohl zu einem der international aktivsten Live-Turnierspieler Deutschlands aufgestiegen. 1,2 Millionen Dollar hat er live mittlerweile gewonnen. Ob Südamerika, Afrika, Asien oder Australien – bei kaum einen Major-Event fehlt der Name Nitsches aus der Teilnehmerliste. Nur in den USA – also auch bei der WSOP – konnte Nitsche bisher nicht spielen. Dieses Jahr ist er erstmals 21 und darf sich auf die Bracelet-Jagd machen.

Nach eigener Aussage wird er dann auf jeden Fall alle No Limit Holdem Events spielen. Und für die Mixed Games trainiert er schon hart. Auch online natürlich. Das, so Nitsche sei auch für einen Live-Fan, wie ihn unerlässlich, wenn man mit Blick auf die Varianz ein geregeltes Einkommen haben wolle. „Live-Poker heißt eben ungefähr, erst $200.000 zu verbrennen, um dann einmal $300.000 zu gewinnen.

Dazu kommt man im Monat im Schnitt nur auf 6 - 7 Turniere, selbst wenn man viel reist. Sowas spiele ich online in einer halben Stunde, wenn es schlecht läuft.“ Bei der WSOP wird die Turnier-Frequenz natürlich deutlich erhöht sein, was einem Spieler wie Nitsche entgegenkommt. Und auch ansonsten dürfte sich der Mindener in Nevada recht wohl fühlen.

Zu seinen besten Freunden zählen eher international Pros, wie der Engländer Ruppert Elder. Nitsche lebt mittlerweile im südenglischen Brighton, spricht hervorragend englisch und kann auch ansonsten als Kosmopolit bezeichnet werden.

 

Andre Klebanov (22)

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André Klebanov, EPT London 2011.

Geboren ist Andre Klebanov eigentlich in Weißrussland. Aber seine Heimat ist zweifellos die sächsische Industriestadt Chemnitz. Dort wuchs der jetzt 22-Jährige auf und geriet wie viele seiner Altersgenossen mit Erreichen seiner Volljährigkeit in Berührung mit Poker.

In Chemnitz formierte sich zu diesem Zeitpunkt eine kleine, aber wie sich noch zeigen sollte, sehr talentierte Szene. Vor allem bei Online-MTT`s und Live-Turnieren war kaum eine Stadt in den vergangenen Jahren so erfolgreich, wie die sächsische Maschinenbau-Metropole.

Marc Gork wurde Dritter bei der EPT in Dortmund 2009, Julian Kabitzke gewann im April 2011 die Everest Poker One in Monte Carlo für 300.000 Euro. Und nur wenig später konnte auch dessen enger Freund Andre Klebanov groß auftrumpfen.

Beim Main Event der EPT In London im Oktober konnte Andre nur Benny Spindler und Steve O`Dwyer nicht besiegen und erreichte den dritten Platz. Mit diesen 414.000 Dollar Preisgeld war für Klebanov endlich auch die Bankroll vorhanden, um die Turniere zu spielen, die er wollte.

Der 22-Jährige zog nach London und konnte ab der EPT in Prag seinen Lauf fortsetzen. Beim Main  Event in Tschechien wurde er 57. und in Deauville und Berlin konnte er gleich in drei Side-Events den Einzug an den Final Table feiern. Bei der WSOP, zu der Klebanov in diesem Jahr erstmals reisen wird, sollen vor allem die No Limit Holdem Turniere gerockt werden.

Dabei kann sich der Chemnitzer auf die prominente Hilfe eines echten Insiders verlassen. Klebanov ist ebenso wie Kumpel Julian Kabitzke Pro beim Team von „Expekt“ und das wird von keinem Geringeren als vom Pokerprinzen Scotty Ngyuen persönlich angeführt.

PokerListings wird während der gesamten WSOP vor Ort in Las Vegas sein. Wir berichten täglich in unserer Rubrik WSOP.

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