Poker kontrovers - Deutschland braucht eine EPT!

EPT Deutschland

Rainer Gottlieb spielt schon seit 20 Jahren Poker und ist ein Urgestein der Berliner Pokerszene. Er ist regelmäßiger Gast bei Turnieren und Cash Games in der ganzen Welt. Rainer hat viel gesehen und sowohl die guten alten Zeiten als auch die Zeit nach dem Pokerboom mitgemacht. In seiner Kolumne wird er sich kritisch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen mit den aktuellen Entwicklungen in der Welt des Pokers auseinandersetzen. Dieses Mal sagt er euch, warum Deutschland einen EPT-Stopp braucht und Berlin der perfekte Standort ist.

Anfang August wurde der Turnierplan für die elfte Saison der European Poker Tour (EPT) bekanntgegeben. Leider taucht darin bisher, so wie schon im letzten Jahr, kein Deutschland-Stopp auf.

Bevor ich meine Forderung mit ein paar statistischen Argumenten untermauere, will ich Sie zunächst einmal formulieren. Direkt und schnörkellos.

Deutschland muss wieder EPT-Standort werden und in Deutschland kommt dafür nur Berlin in Frage.

Warum Deutschland, warum Berlin? Wir erinnern uns, es gab bereits EPTs in Deutschland. Zunächst  in Dortmund Hohensyburg (2008, 2009) und danach viermal in Berlin (2010 bis 2013). In diesem Jahr entschieden sich die Veranstalter dann dafür in Deutschland keine EPT mehr zu veranstalten.

Zugegeben, die deutschen EPT Standorte haben sich teilweise nicht mit Ruhm bekleckert (organisatorische Mängel in Dortmund, der Überfall in Berlin 2010, nicht genügend bespielbare Cash Game Tische).

Aber das ist längst vorbei und zumindest Berlin hat nach 2010 gezeigt, dass es im spielbanknahen Hyatt-Hotel über die nötigen Flächen zur erfolgreichen Durchführung eines Turniers dieser Gräßenordnung verfügt. Und Fragen/Bedenken/Auflagen der Genehmigungsbehörden könnten mit entsprechendem zeitlichem Vorlauf sicher geklärt werden.

Grand Ballroom Hyatt Berlin
Der Grand Ballroom im Hyatt Berlin bietet Platz für bis zu 1.000 Spieler.

Pokerstars, der Ausrichter und Hauptsponsor der EPT hat in Deutschland sehr viele Kunden.

In der Studie „Der Markt für Onlinepoker 2013 - Marktgröße, Spielerherkunft und Spielerverhalten“ (Institut für Recht und Wirtschaft, Universität Hamburg, 2003) wird der Anteil der Deutschen an der weltweit aktiven (Online)-Spielerpopulation mit 8,07% angegeben. Damit liegt Deutschland in Europa ganz weit vorn.

Einen guten Indikator in Form von Momentaufnahmen für den Marktanteil verschiedener Online-Pokerseiten bietet Pokerscout. Egal, wann man die Seite anklickt, die allgemein bekannte Tatsache, dass Pokerstars der Platzhirsch ist, wird dort immer bestätigt.

Man kann daher mit einer gewissen Berechtigung annehmen, dass der Anteil von Pokerstars-Kunden an den Onlinespielern in Deutschland am größten ist und damit Deutschland für Pokerstars ein äußerst wichtiger Markt ist.

Und deswegen kann es nicht sein, dass unser Land bei der größten europäischen Turnierreihe nicht mehr dabei ist. Auch wenn es keine echte moralische Verpflichtung gibt,  so besteht zumindest aus Gründen der Kundenorientierung die Veranlassung, wieder einen Tourstopp in Deutschland einzulegen.

Bei einer begrenzten Zahl von sechs EPT-Stationen fällt mir auch sofort ein, welcher Ort dafür zukünftig nicht mehr angesteuert werden sollte, nämlich Deauville.

Die EPT findet in dem mondänen nordfranzösischen Ort traditionsgemäß im Januar statt. Dann ist es auch in der Normandie erbärmlich kalt. Und die Anreise ist mehr als kompliziert. Der kleine Flughafen hat eine (!) Linienverbindung (London), ansonsten gibt es nur Charterbetrieb in europäische Feriengebiete.

Man muss also als Nichtlondoner über Paris und dann weiter per Bahn oder Taxi versuchen, das winterliche Seebad zu erreichen. Das ist zeitraubend, anstrengend und die Nebenkosten sind „gewöhnungsbedürftig“.

Berlin
Berlin liegt im Herzen Europas, ist vergleichsweise günstig, und wäre damit als Standort für das EPT Grand Final sehr gut geeignet.

Und noch etwas provozierender: Ich könnte mir Berlin sogar für das Grand Final vorstellen. Vielleicht nicht im April, sondern eher im Zeitraum Mai/Juni. Berlin ist ein europäischer Hotspot und im Sommer fantastisch als Reiseziel.

Die erforderliche Infratsruktur ist ebenfalls vorhanden und die Unterkünfte sind vergleichsweise preiswert, wodurch sicherlich sehr viele Spieler zu einem Finale nach Berlin kämen. Darüber hinaus hat die Stadt auch kulturell und weggeh-technisch sehr viel zu bieten.

Berlin als Finalstandort an Stelle des völlig überteuerten Monte Carlo, das wäre es.

In Monte Carlo herrscht nur Glamour und – seien wir ehrlich – die dortigen Preise können/wollen sich offenbar nur Teilnehmer mit Sponsorship oder Package-Gewinner leisten.

Das Grand Final der größten europäischen Turnierserie sollte für jedermann zugänglich sein und nicht nur den Pros und reichen Geschäftsleuten. Durch die billigen Unterkünfte und als derzeit angesagteste Stadt im Herzen Europas wäre Berlin daher der perfekte Standort für das große Finale.

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