Nacho Barbero – Rio statt Rio?

nacho barbero

Der argentinische Pokerprofi José „Nacho“ Barbero ist seit vielen Jahren Stammgast im internationalen Turnierzirkus. Als PokerStars Pro hat er rund um die Welt Turniere bestritten und belegt aktuell Platz 1 in der Geldrangliste seines Heimatlandes.

Dennoch ist nicht klar, ob er dieses Jahr beim Main Event der WSOP im berühmten Rio von Las Vegas zu Gast sein wird. Den Grund und vieles mehr verrät in einem Interview, dass wir während des EPT Grand Final in Monte Carlo mit ihm führten.

Pokerlistings: Dich als Argentinier muss ich natürlich als erstes fragen, wer Fußballweltmeister wird.

Nacho Barbero: Argentinien natürlich.

PL: Wäre Dein Tipp immer noch Argentinien, wenn Du Geld setzen müsstest? Die WM ist immerhin in Brasilien?!

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Lehmann 2006 gegen Cambiasso - Ihr seid ein Alptraum für uns!

NB: Stimmt. Wenn ich viel Geld setzen müsste, würde ich vermutlich auf Brasilien setzen. Die WM ist in Brasilien und der Gastgeber hat vermutlich einen Vorteil.

Nicht nur das Publikum spielt eine Rolle, man hat ja früher schon gesehen, was passieren kann, z. B. 2002 in Südkorea und Japan, als Italien im Viertelfinale unter dubiosen Umständen gegen Südkorea verlor.

Und bei den letzten beiden Weltmeisterschaften haben wir ja gegen Deutschland verloren. Vor allem das Elfmeterschießen, als Euer Torwart – Lehmann? – den Zettel hatte, auf dem stand wohin wir schießen. Ihr seid ein Alptraum für uns!

PL: Fährst Du zur WM?

NB: Ja. Ich habe für alle Argentinien-Spiele Karten, auch für das Finale. Vielleicht schau ich mir noch einige andere Spiele an, aber wenn Argentinien ins Halbfinale kommt, lasse ich das Main Event der WSOP sausen. Verlieren wir vorher, fliege ich vermutlich noch nach Las Vegas.

PL: Du hast auf der ganzen Welt Preisgelder gewonnen. Gibt es zwischen Südamerikanern, Asiaten und Europäern Unterschiede?

NB: Auf jeden Fall.

PL: Wie gelang es Dir dann, überall gute Resultate zu erzielen?

NB: Die Stile sind sehr unterschiedlich. Am schwierigsten ist es in Europa, aber ich weiß jeweils, wie ich mein Spiel anpassen muss.

PL: Wie geht das zum Beispiel gegen die verrückten Zocker in Asien?

NB: Ehrlich gesagt, habe ich bislang nur einmal an der APPT teilgenommen. Der Unterschied ist eben, dass die Spieler in Südamerika passiv und schlecht sind und in Asien wild und schlecht.

The Argentine Experience Logo
Barberos Restaurant-Projekt - Ich will nicht ewig Poker soielen.

Die Asiaten juckt das nicht sonderlich, sie wollen ihre Chips in die Mitte bekommen und wissen, was passiert. Dadurch ist man selbst öfter in Gefahr.

PL: Und die europäische Szene hältst Du für die stärkste?

NB: Ja, definitiv.

PL: Hast Du in Europa einen Lieblingsspielort?

NB: Meine Lieblings-EPT ist mit Abstand Barcelona. Das Wetter ist perfekt, die Stadt ist perfekt, das Essen ist perfekt.

PL: Du bist jetzt seit zehn Jahren im internationalen Pokerzirkus unterwegs. Gab es irgendwann in deiner Laufbahn einen  Punkt, an dem Du aufhören wolltest?

NB: Ja, öfter. Ich weiß nicht, ob ich mein Leben lang Poker spielen will. Manchmal denke ich gern an die alten Zeiten zurück, als man nichts über Bankroll wusste und Pleite ging, sich Geld lieh und weiterspielte.

Letztes Jahr war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich aus persönlichen Gründen nicht wusste, ob ich meinen Vertrag mit PokerStars verlängern sollte.

Schließlich schlossen wir eine Vereinbarung, laut der ich mich innerhalb von zwei Monaten entscheiden musste, ob ich verlängere. Nach zwei Monaten hatte ich es mir anders überlegt und unterschrieb. 

PL: Du sprichst von persönlichen Gründen, also lag es nicht an mangelndem Erfolg?

NB: Im Gegenteil, letztes Jahr lief es ziemlich gut für mich. Ich gewann bei der FTOPS $170.000 bei einem Turnier und erreichte beim Shootout in Las Vegas den Finaltisch.

Es ging aber nicht um Geld, sondern darum, dass ich neue Ziele verfolgen wollte. Am Ende unterschrieb ich aber für weitere zwei Jahre.

PL: Ein Jahr ist jetzt um. Wie geht es weiter

NB: Vielleicht bleibe ich im Team, vielleicht nicht, darüber haben wir noch nicht gesprochen. In Buenos Aires habe ich ein Restaurant eröffnet, das war ein hartes Stück Arbeit und ein großes Projekt.

Barcelona
Barcelona - bester Spielort in der härtesten Pokerszene.

Jetzt wollen wir expandieren und vielleicht Franchise-Nehmer suchen, daher kostet mich das Ganze sehr viel Zeit.

PL: Wie sieht Deine Rolle dabei aus?

NB: Ich gehe jeden Tag in die Firma, mache Überweisungen und spreche mit meinem Partner über die Strategie. In Argentinien ist eine solche Firma sehr schwierig zu organisieren.

Anfangs war das ein richtiges Chaos, und ich fragte mich, warum ich in ein solches Unternehmen investiert habe. Ich erzähl dir eine lustige Geschichte.

Während der Eröffnung des Restaurants vor zwei Jahren war ich zur WSOP in Las Vegas. Jeden Tag musste ich telefonieren und Probleme lösen, alle fünf Minuten kam ein Anruf.

Am Ende war ich kein einziges Mal im Preisgeld. Verrückt.

PL: Letzte Frage. Benutzt Du eine Tracking Software?

NB: Bisher nicht. Bei der nächsten SCOOP werde ich aber PokerTracker benutzen.

PL: Warum?

NB: Manchmal spiele ich zu viele Tische und denke mir, dass ich Software benutzen sollte. Bisher war das nicht so, aber jeder Spieler sieht das anders.

Einige sehr gute Spieler kommen ohne PokerTracker aus, aber ich werde in naher Zukunft sehr viel spielen, und dann werde ich ihn ausprobieren.

- Interview: Dirk Oetzmann

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