Mehr als ein offenes Wort mit PLO-Weltmeister Jan Peter Jachtmann

Bekannt wie ein bunter Hund ist Jan Peter Jachtmann in der deutschen Pokerszene schon lang. International jedoch gelang dem „Hamburger Jung“ erst in diesem Juni der große Durchbruch. Bei der PLO-Weltmeisterschaft im Rahmen der WSOP ließ Jachtmann alle 292 Konkurrenten hinter sich, kassierte 661.000 Dollar Siegprämie und trug sich in die Poker-Geschichtsbücher ein.

Wir treffen Jachtmann standesgemäß beim PLO-Turnier der WPT Prag, wo der Pokerblatt-Herausgeber nach zwei Rebuys keine Lust mehr hat und etwas früher als vorgesehen zum Interview erscheint.

Grundsätzlich habe sich in seinem Leben „durch den Titel in Las Vegas nichts verändert“, er habe sich auch „keine Luxusdinge geleistet“, aber sein Befinden in großen Cash-Game-Partien sei nun anders.

„Nun habe ich eine ganz andere Sicherheit in den teuren Omaha-Partien, die nun einmal großen Swings ausgesetzt sind.“ Das ist allzu verständlich.

Mittlerweile ist Jachtmann an den teuersten Tischen Europas angekommen und kann „dort auch mal 50.000 Euro verlieren, ohne gleich unter Druck zu stehen“.

Jan Peter Jachtmann
Ein viel kreativeres Spiel.
 

Hold’em spielt Jachtmann seit einiger Zeit nur noch in Turnieren, ansonsten gilt seine ganze Leidenschaft Pot-Limit Omaha. Auf die Frage, was das Faszinosum PLO ausmache, sprudelt es nur so aus dem Weltmeister heraus.

„PLO ist ein viel kreativeres Spiel, ich liebe es, man kann viel mehr bluffen als bei Hold’em, obwohl andere das vielleicht nicht so sehen. Vor dem Flop ist Omaha schwer zu kontrollieren, aber nach dem Flop gibt es viel mehr Möglichkeiten. Natürlich muss man auch die Mathematik, die Outs und Odds im Griff haben, und da bin ich – gut.“

Die ausführlichen (und hier nicht vollständig wiedergegebenen) theoretischen Ausführungen nehmen wir gern entgegen, doch dann konfrontieren wir Jachtmann mit einer kleinen Quizfrage.

„Mit welchem Turnier ich meinen ersten Eintrag bei HendonMob bekam? Oh, das muss auf jeden Fall ein Seven-Card Turnier im Jahr 2002 oder 2003 gewesen sein, vielleicht in Bregenz?!“

Das war nur knapp daneben, denn ein siebter Platz beim Berliner Winter Open 2003 in der Variante Seven-Card Stud ist tatsächlich der erste von vielen Einträgen, die danach noch folgen sollten. Wie sich der Pokersport seitdem entwickelt hat, „ist wirklich unglaublich“, so Jachtmann.

„Damals waren wir noch eine Randgruppe, die im Casino nur einen Tisch bekam, weil sie sich im Vorfeld verabredet hatte. Pokerspieler waren zu dieser Zeit noch Exoten, und das Ganze war nicht ansatzweise so organisiert wie heute.“

Als Pokerspieler hat Jan Jachtmann seitdem vieles erreicht und wie erwähnt sogar einen Weltmeistertitel errungen. Umso mehr interessiert uns deshalb, was man über ihn sonst noch wissen muss und darf.

Jan Peter Jachtmann
Letzten Sommer - Jachtmann wird PLO-Weltmeister.
 

Seine dunkelsten Geheimnisse verrate er zwar nicht, schließlich gebe es die gar nicht, aber er sei leider noch immer nicht verheiratet, ohne Kinder und ohne Frau.

„Das hängt zum Teil leider auch mit Poker zusammen, weil ich da durchaus Beziehungen verloren habe. So langsam hat sich das aber ein wenig verschoben, denn ich möchte auf jeden Fall noch eine Familie haben. Wenn es darauf ankommt, werde ich deshalb auch Kompromisse schließen.“

Gewohnt offen und ehrlich ist der ehemalige BWL-Student Jachtmann auch an diesem Spätnachmittag, doch bevor Frau und Kind kommen, ist in Prag erst einmal Poker satt angesagt.

Im Rahmen des Prager Pokerfrühlings stehen für Jachtmann in jedem Fall die beiden Main Events der WPT und EPT sowie einige Side Events nach Lust und Laune auf dem Programm, daneben wird natürlich ausgiebig Cash Game in der Lieblingsvariante Pot-Limit Omaha gespielt. 

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