"Ich bin ein Pokernomade geworden" – Kristen Bicknell im Interview

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Kristen Bicknell

Die kanadische Pokerspielerin Kristen Bicknell hat in ihrer Pokerkarriere schon viele Wandlungen vollzogen und hatte dabei stets Erfolg. Nachdem sie sich im Online-Poker ihre Sporen verdient hat, brachte sie das Ende des Supernova-Elite-Programms letztes Jahr zurück an die Live-Tische.

Sie hat zwei Jahre lang die Welt bereist und feiert überall Erfolge, dazu ist sie eine der wenigen Frauen, die ein Bracelet in einem offenen WSOP-Event gewonnen haben.

Unser geschätzter Kollege Dirk Ötzmann hat sie während des PSC Panama getroffen, wo sie bereits ein Event gewonnen hat. Es gab dabei allerdings nur vier Teilnehmer. Hier das Interview:

PokerZeit: Deine Turnier-Cashes reichen zwar zehn Jahre zurück, seit 2010 hast du aber regelmäßig Erfolg.

Kristen Bicknell: Ich habe viel online gespielt aber im Januar 2016 bin ich zum Live-Poker gewechselt. Ich war im Supernova-Elite-Programm bei Pokerstars, aber seit es das nicht mehr gibt, habe ich eben live gespielt.

Es stellte sich heraus, dass ich das sehr mochte und deshalb mache ich weiter.

PokerZeit: Du spielst alle möglichen Turniere von Pokerstars, WPTs und WSOP. Du bist also so etwas wie ein Pokernomade geworden, der ständig unterwegs ist. Magst du diesen Lifestyle?

Kristen Bicknell: Ja, ich bin ein bisschen so geworden (lacht). Mir gefällt das aber sehr gut, ich bin ja gerade erst 30 und noch jung. Gerade in letzter Zeit läuft es und deswegen mache ich weiter.

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Kristen Bicknell

PokerZeit: Ist da ein Traum für dich wahr geworden oder ist dir das Ganze einfach so passiert?

Kristen Bicknell: Es fühlt sich eher so an, als sei das irgendwie passiert. Ich bin mit den Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe, zufrieden und es ist eine einzigartige Erfahrung.

Ich würde jetzt nicht sagen, dass es etwas ist, wovon ich geträumt habe, ich bin mit meiner  Situation aber sehr glücklich.

PokerZeit: Du hast im Interview gesagt, dass du eher ein Cashgame- und weniger ein Turnier-Spieler bist. Wieso hast du dann so viele Cashes?

Kristen Bicknell: Naja, nachdem ich letzten Sommer ein Bracelet gewonnen habe, war ich irgendwie vom Turniervirus infiziert. Seitdem habe ich viele Events gespielt, ich habe mich umgestellt.

PokerZeit: Wahrscheinlich bist einer von den Spielern, die den ganzen Tag Turnier spielen und dann abends noch stundenlang Cashgame dranhängen.

Kristen Bicknell: Manchmal ist es tatsächlich so, in letzter Zeit habe ich aber sehr wenig Cashgame gespielt. Zwischen den beiden Spielformen zu wechseln, ist manchmal nicht leicht.

Die Woche bevor ich nach Panama gekommen bin, habe ich in Vegas viel Cashgame gespielt, hier bin ich aber auf Turniere fokussiert.

PokerZeit: Wie stellst du dich innerlich um? Letztlich sind die beiden Spielformen doch sehr unterschiedlich.

Kristen Bicknell: Normalerweise spiele ich nicht beides am selben Tag. Man braucht ja unterschiedliche Mindsets, die sich aber auch gegenseitig befruchten können.

Gerade in Cashgames lerne ich viel für mein Turnierspiel. Da man beim Cashgame öfter bis zum River kommt, lernt man viel über das Postflop-Spiel.

Beim Cashgame kommt man selten in Situationen, in denen man vor dem Flop all-in ist. Die klassische Shortstack-Strategie gibt es im Cashgame nicht wirklich, da man ja immer wieder neue Chips kaufen kann. Es ist aber auch wichtig, mit mehr als 100 Big-Blinds gut zu spielen - und dabei helfen Cashgames enorm.

PokerZeit: Du warst bei den American Poker Awards für die beste Turnier-Performance nominiert. Hast du die Zeremonie verfolgt?

Kristen Bicknell: Ja, ein bisschen.

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Cate Hall

PokerZeit: Stimmst du mit Kate Hall überein, die sagt, dass der Preis für die Spielerin des Jahres eine Art Trostpreis ist?

Kristen Bicknell: Ich denke, dass es wichtig ist, im Poker die Talente der Frauen zu feiern und zu ehren. Das ist erst mal eine gute Sache.

Ich verstehe ihr Anliegen und ich teile viele Meinungen, die sie hat. Man muss sich aber trotzdem nur mal anschauen, wie wenige Frauen zum Beispiel hier beim Main Event spielen.

PokerZeit: Vielleicht 10?

Kristen Bicknell: Ja, so ungefähr. Das Geschlechterverhältnis wird beim Poker nie gleich sein. Ich denke aber trotzdem, dass der Award für die beste Spielerin deswegen nicht weniger wert ist.

Man feiert einfach die erfolgreichste Frau, und in dieser Branche fallen wir auf. Ich persönlich versuche es nicht so ernst zu nehmen, ich finde es aber gut, wenn Talent auch gefeiert wird.

PokerZeit: Danke Kristen und viel Glück!

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