Hand der Woche – Fedor Holz zeigt seine Kunst

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Fedor Holz ist der Mann der Stunde und Newcomer des Jahres zugleich. Der gebürtige Deutsche, der in Wien lebt, gewann unlängst unter seinem Online-Pseudonym "CrownUpGuy" das Main Event der WCOOP und auch live lief es mit fünf Cashes und einem Sieg bei der EPT Barcelona zuletzt sehr gut für ihn. In unserer Hand der Woche wollen wir uns anschauen, wie Fedor Holz am Finaltisch der Mega Poker Series Wien den österreichischen Senkrechtstarter Gerald Karlic auf spektakuläre Weise ausbremst.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir befinden uns am Finaltisch der Mega Poker Series im Poker Royale von Wien, sechs Spieler sind noch dabei. Chipleader am Tisch ist Gerald Karlic, der etwa 4,7 Millionen Chips hat. Fedor Holz ist aktuell Dritter mit etwa 2,2 Millionen. Die Blinds betragen 25.000/50.000 plus 5.000 Ante, zu Beginn der Hand sind also 105.000 Chips im Pot.

Nach einem Fold des Spielers in UTG bekommt Fedor Holz im Hijack

   

und raist damit auf 110.000. Alle Spieler folden, aber Gerald Karlic im Big Blind callt. Im Pot sind 275.000 und der Flop bringt

     

Karlic setzt von vorn 150.000, die Holz callt. Im Pot sind damit 575.000, und es geht auf den Turn mit der

 

Erneut setzt Karlic, dieses Mal 260.000. Wieder callt Holz, womit der Pot auf 1,095 Millionen anschwillt. Der River wird aufgedeckt mit der

 

Dieses Mal setzt Karlic 620.000 und nach etwa einer Minute callt Holz mit König hoch. Karlic zeigt

   

Holz gewinnt den Pot mit 2,375 Millionen Chips und später auch das Turnier.

Bewertung und Analyse

Wir erleben das Duell zweier Spieler, die aufgrund jüngster Erfolge vor Selbstvertrauen strotzen. Fedor Holz bringt mit K 9 einen etwas loosen Raise aus dem Hijack, der aber angesichts der Turniersituation normal ist. Eher überraschend ist der Call von Gerald Karlic im Big Blind mit einer Hand, die oft dominiert ist. Er bekommt zwar Pot Odds von fast 3,6 zu 1, doch ohne Position macht seine recht perspektivlose Hand kaum Freude.

Dass Karlic etwas Besonderes beabsichtigt, zeigt sich auf dem Flop. Das Board mit drei niedrigen Karten hat Holz‘ Spektrum nur selten geholfen, und Karlic ist der Chipleader, da kann man mal von vorne Druck machen.

Holz hat nach der Donk Bet seines Gegners zwei Möglichkeiten. Ein Fold kommt mit den beiden Overcards und dem Second Nut Flush Draw natürlich nicht infrage, aber er hat die Wahl zwischen Raise und Call. Ein Raise wäre möglich und würde die Hand vermutlich auch direkt gewinnen, aber mit einem Call sorgt Holz dafür, dass Karlic mit seinen ganzen Bluffs in der Hand bleibt und er (bei einem Treffer) noch mehr gewinnen kann.

Gerald Karlic MPSWNTag3
Gerald Karlic verspielte in dieser Hand nicht nur den Chiplead, sondern möglicherweise auch den Sieg.

Der Turn mit der   ist belanglos, da er an den bestehenden Verhältnissen nichts ändert. Karlic bleibt seinem Plan treu und versucht weiter, Holz aus der Hand zu drücken. Aus dessen Sicht steht abermals Raise oder Call zur Auswahl. Nachteil eines Raise ist nun, dass er All-In seines Gegners nicht mehr callen könnte, da die Pot Equity bei nur einer ausstehenden Karte zu schlecht wäre. Gleichzeitig würde er damit alle schlechteren Hände vertreiben und nur von besseren gecallt werden. Er kann immer noch seinen Flush oder eine seiner beiden Overcards treffen UND gegen einen totalen Bluff vorne liegen.

Nach Holz‘ Call bringt der River erneut eine bedeutungslose Karte. Natürlich kann einer der beiden Spieler eine Dame haben, aber das ist recht unwahrscheinlich. Für Karlic gibt es nach dieser Entwicklung keine Wahl mehr – er muss seinen Bluff durchziehen und damit sein Spektrum maximal polarisieren.

Holz steht nun vor dem Problem, dass Karlics Spektrum aus extrem vielen Bluffs und wenigen Monstern besteht (außerdem wäre natürlich eine Dame möglich, diese Möglichkeit muss er aber vernachlässigen), einige Bluffs ihn aber schlagen – nämlich alle Asse, die z.B. einen Gutshot floppten und sich danach nicht mehr verbesserten, aber immer noch die beste Hand sind.

Ein Dusty Schmidt wäre in einer Cashgame-Partie vermutlich All-In gegangen, um diese Hände zum Folden zu bringen, doch in einem Turnier würde das zu viel Varianz bergen. Unterm Strich enthält Karlics Spektrum immer noch sehr viele schlechtere Hände  wie 76, 4X oder mittlere Suited Connectors und kaum starke Hände.

Fazit

In einer turniertaktisch interessanten Situation versucht Gerald Karlic mit der Macht des großen Stacks seinen Gegner aus der Hand zu drücken. Fedor Holz hält mithilfe der Position dagegen und sorgt mit Rope-a-dope dafür, dass Karlic bis zum River durchbluffen kann. Der Hero-Call auf dem River war von langer Hand geplant, aber natürlich braucht man dafür gute Nerven.

In der letzten Folge der neuen Pokershow „Chiplead“, kommentiert Fedor die Hand aus seiner Sicht:

http://vimeo.com/chiplead/review/112694965/2dfda0d1bc

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