Gewinnmaximierung ohne Showdown

Tom Dwan
Da durrrr seine Gegner meist vor dem Showdown zum Fold zwingt, zeigt seine rote Linie nach oben.

Alle Online-Spieler, die Tracking Software wie Hold'em Manager oder Poker Tracker einsetzen, kennen die berüchtigte „rote Linie".

Allen Live-Spielern oder Anfängern sei gesagt, dass es sich dabei um die die graphische Darstellung der Gewinn ohne Showdown, also der Hände, die man gewinnt, ohne die Karten zeigen zu müssen.

Programme wie HEM oder PT speichern die Spieldaten und stellen sie auch grafisch dar. Die „Non-Showdown Winnings" werden unter dem Menüpunkt „Showdown Winnings anzeigen" angezeigt, und zwar als rote Linie.

Ist die rote Linie wirklich von Bedeutung? Immerhin kommt es in Online-Foren in letzter Zeit vermehrt zu Diskussionen darüber, wer die am steilsten aufsteigende Linie vorweisen kann, wer also mehr Geld ohne Showdown gewinnt als er verliert.

Ist das relevant? Ja und nein. Natürlich kann man auch mit einer abwärts geneigten roten Linie ein profitabler Pokerspieler sein. Unterschiedliche Spielstile wirken sich natürlich auf die Grafik aus.

Problematisch wird es allerdings, wenn die rote Linie steil abfällt. In Händen ohne Showdown mehr zu verlieren als zu gewinnen ist ein weit verbreitetes Phänomen unter Spielern. Das vielleicht beste Beispiel ist der inzwischen legendäre Beitrag von dem Spieler „Fgators" im 2+2 Forum.

Fgators veröffentlichte einen Beitrag im Forum, in dem er darüber klagte, dass er der glückloseste Pokerspieler der Welt sei. Wegen seiner endlosen Pechsträhne sei es ihm aber nicht möglich, profitabel zu spielen.

Fgators spielte ständig mehrere Tische gleichzeitig und kam auf eine immens große Zahl von gespielten Händen. Dabei erlebte er natürlich einen gewissen Satz von Bad Beats. Diese waren jedoch nicht der Grund dafür, warum er nicht gewinnen konnte.

Seine rote Linie bot ein überaus trauriges Bild. Es war eine extrem steil abfallende Linie, die in direktem Gegensatz zu seinen Gewinnen mit Showdown stand.

Phil Galfond
Noch ein Spieler mit aufsteigender roter Linie.

Weil er in No-Showdown Händen so viel Geld verlor, spielte es gar keine Rolle mehr, wie viel Geld er bei Showdowns gewann. Er konnte seine Verluste nie vollständig ausgleichen.

Warum zeigt die rote Linie nach unten?

Eine abwärts geneigte rote Linie entsteht vor allem dadurch, dass man zunächst Geld in einen Pot bezahlt und dann foldet.

So einfach ist das. Wenn Sie regelmäßig Geld investieren und dann folden, wirkt sich das sehr negativ auf ihre rote Linie aus.

Typische Spielweisen, mit denen Spieler ihre rote Linie nach unten drücken sind:

-         Continuation Bets in ungünstigen oder zu vielen Situationen.

-         C-Bets auf dem Flop ohne Folgestrategie.

-         Zu häufiges Out-of-Position Spiel.

-         Zu viele Calls mit Draws, die dann auch noch passiv gespielt werden (und auf dem River gefoldet werden müssen, wenn man sie verfehlt).

-         Raises mit schwachen Made Hands bezahlen und dann bei weiterer Action zu folden.

-         Three Bets zu häufig bezahlen und dann auf dem Flop zu folden.

-         Mit schwachen Händen zu checkcallen.

-         Als Aggressor in Three Bet Pots zu passiv zu spielen.

All diese Spielzüge wirken sich negativ auf Ihre rote Linie aus. All den Beispielen ist gemeinsam, dass man einen satten Geldbetrag in den Pot setzt und diesen dann ohne Gegenwehr aufgibt.

Wie richtet man die rote Linie wieder auf?

Fast alle Spieler, die steil abwärts gerichtete rote Linien haben, spielen zu viele Tische.

Wie viele Tische „zu viele" sind, ist von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Grundsätzlich gilt aber: Wenn Sie während Ihrer Session praktisch auf Autopilot schalten, spielen Sie zu viele Tische - und Ihre No-Showdown Gewinne werden sinken.

David Sklansky
David Sklansky vermeidet die Fehler von Fgators.

Die einfache Lösung lautet: Spielen Sie weniger Tische. Denken Sie über jede Ihrer Entscheidungen nach und wägen Sie Ihre Chancen genauer ab.

Sehen wir uns einige Beispiele an:

Weniger Continuation-Bets in besseren Situationen

Konzentrieren Sie sich auf Ihren Gegner und seine Spielweise. Wenn es sich um eine Calling Station handelt, sollten Sie deutlich weniger setzen.

Setzen Sie die Conti-Bet dann an, wenn das Board so aussieht, als ob es Ihnen geholfen haben könnte oder wenn Sie weitere Bets planen.

Feuern Sie häufiger den zweiten Schuss

Verlassen Sie sich nicht auf die Strategie, auf dem Flop zu c-betten und dann zu hoffen. Überlegen Sie sich die Flop Calling Range des Gegners. Setzten Sie die zweite Bet an, wenn der Turn Ihre Range stützt und die Ihres Gegners angreifbarer macht.

Feuern Sie häufiger den dritten Schuss

Überdenken Sie noch einmal Ihre eigene und die Range Ihres Gegners. Überlegen Sie, welche Hand er vermutlich hält und wie viel Hitze diese Hand vertragen kann.

Zum Beispiel: Sie erhöhen aus dem Cut-off und Ihr Gegner bezahlt im Big Blind. Der Flop zeigt T 5 3.

Wenn Sie auf diesem Flop c-betten, sollten Sie auf Turn und River hoch weitersetzen, weil Ihr Gegner nur selten eine starke Hand halten wird.

Mit Overpairs wird er vermutlich preflop three-betten, und mit Händen wie 88, 99 oder A-T wird er eine oder zwei Straßen durchhalten. Nur wenige Spieler sind bereit, damit drei Bets zu bezahlen.

Wenn Sie nur ein- oder zweimal feuern und dann aufgeben und womöglich auf dem River folden, verlieren Sie einen Haufen Geld ohne Showdown.

Spielen Sie Ihre Draws aggressiver

Auf dem Flop und Turn zu bezahlen und dann auf dem River zu folden, wenn ein Draw nicht ankommt, kostet Geld.

Wenn Sie den Draw aggressiv spielen, können Sie auch dank Fold Equity gewinnen. Das wirkt sich positiv auf Ihre No Showdown Gewinne aus.

Spielen Sie mehr Hände in Position

Ein einfacher Tipp. Wenn Sie Position haben, haben Sie auch Kontrolle. Überlegen Sie einmal: Wenn Sie out of Position erhöhen und dann den Flop mit einem Gutshot checkcallen, müssen Sie auf eine Bet auf dem Turn folden.

Jetzt überlegen Sie dieselbe Situation noch einmal, wenn Sie Position haben. Sie können die Hand gewinnen, wenn Sie Ihren Gutshot treffen, aber auch durch eine Bet auf dem Turn.

Spielen Sie mehr Bluffs und Semi-Bluffs

Genau wie in dem eben erwähnten Beispiel sollten Sie nicht nur Ihre Karten spielen. Suchen Sie nach Gegnern mit einer schwachen roten Linie und nutzen Sie sie aus.

Bill Chen
Dieser Mann denkt nach.

Sortieren Sie die Spieler aus, die grundsätzlich auf dem Flop weiter setzen, floaten Sie den Flop und schnappen Sie sich den Pot auf dem Turn.

Überlegen, überlegen, überlegen

Dies sind nur einige Beispiel dafür, wie Sie Ihre No-Showdown Ergebnisse verbessern können.

Das Wichtigste ist: Denken Sie nach! Überlegen Sie sich, warum Sie diesen oder jenen Spielzug anwenden und was Sie damit erreichen wollen.

Wenn Sie nur betten, um zu betten, wirkt sich das auf Ihr ganzes Spiel aus.

Ein letzter Rat

Wenn Sie ein Winning Player sind, sollten Sie nicht auf Teufel komm raus den Ehrgeiz entwickeln,. Eine aufwärts gerichtete rote Linie zu haben.

Wenn Ihr Spielstil profitabel ist, bleiben Sie dabei. Wenn Sie ein funktionierendes System verändern, besteht immer die Gefahr, dass Sie es verschlechtern.

Wenn Sie aber ein noch junger Spieler mit wenig Erfahrung sind und Ihre rote Linie aussieht wie die Eiger Nordwand, sollten Sie daran arbeiten - oder Sie versuchen wie so viele andere, Ihre Verluste über das Rakeback auszugleichen.

 

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