Faraz Jaka: „Jeder hat mal Glück, aber die Pros holen das Maximum heraus“

Faraz Jaka mit dem legendären Online Nickname „The Toilet 0“ zählt sowohl live als auch online zu den besten Turnierspielern, die es gibt. Seit 8 Jahren gehört er zur absoluten Weltelite, was auch dran liegt, dass Jaka ständig an seinem Spiel arbeitet und von einem Turnier zum nächsten reist. Wir wollten von ihm wissen, was seiner Meinung nach einen Profi vom Amateur unterscheidet, welche aktuellen Entwicklungen es im Turnierbereich gibt, und wie er die WSOP Europe in Berlin fand.

PokerZeit: Vor einiger Zeit hast du uns in Prag erzählt, dass du das ganze Jahr auf Reisen bist. Hast Du mittlerweile ein Zuhause?

Faraz Jaka: Nein, daran hat sich nichts geändert. Ich spiele weiter die gesamte Tour und reise entsprechend durch die Welt.  

PZ: Normalerweise stellen wir diese Frage nicht, wollen von dir aber wissen, wie viel Glück dabei ist, wenn es in einem Turnier gut läuft?

FJ: Natürlich ist viel Glück dabei. In den Turnieren, die ich gewinnen konnte, waren einige verrückte Hände dabei und ich verteilte einige Bad Beats.

Der Unterschied liegt aber darin, dass gute Spieler das Maximum herausholen, wenn sie Glück haben, während die schwächeren Spieler in solchen Situationen weniger Chips generieren.

Umgekehrt gilt das Gleiche. Hat ein guter Spieler Pech, dann verliert er häufig nur das Minimum.

PZ: Ein großes Thema in diesen Tagen ist das sogenannte Stalling (zu deutsch übermäßige Zeitschinderei). Wie ist deine Meinung?

FJ: Zu diesem Thema habe ich keine klare Meinung. Generell bin ich nicht gegen Stalling, meines Erachtens sollte es aber Beschränkungen geben.

Manchmal wird es einfach extrem übertrieben, was dann zur Folge hat, dass sich Spieler ungerecht behandelt fühlen und weniger oder gar nicht mehr an Liveturnieren teilnehmen.

PZ: Du warst auch bei der WSOP Europe in Berlin, bei der es durchaus Kritik seitens der Spieler gab. Wie war das Event aus deiner Sicht?

FJ: Dazu fällt mir ein, dass die Veranstalter die Startzeit eines Turniers sehr kurzfirstig geändert haben, was viele nicht mitbekamen. Aus meiner Sicht war das ein großer Fehler, der viele Spieler verärgert hat.

Ich glaube, es war Tag 1B des Turbo-Turniers. Der Beginn von Tag 1B war für 12 Uhr geplant, wurde dann jedoch auf 16 Uhr verschoben, da nicht viele Spieler gekommen waren, was diejenigen die pünktlich da waren verständlicherweise verärgert hat.

Das war das erste Mal, dass ich sowas erlebt habe, aber Fehler passieren nun mal. Meines Erachtens ist es wichtiger aus Fehlern zu lernen, Probleme zu lösen und zu versuchen sich zu verbessern.

PZ: Du fandest die WSOPE Berlin also nicht für schlecht?

FJ: Nein. Es sind sicher Verbesserungen möglich, aus meiner Sicht haben viele Spieler aber mit ihren Beschwerden etwas übertrieben.

Viele vergleichen die WSOP Europe auch mit Events wie der EPT, die PokerStars veranstaltet. Das ist ein wenig unfair, da PokerStars der größte Online-Pokerraum der Welt ist, und daher deutlich mehr Geld zur Verfügung hat als die meisten anderen Turnierserien.

PZ: Warum sind die WSOPs in Europa und Australien so viel kleiner als die in Las Vegas?

FJ: Das hat einfach damit zu tun, dass die WSOP aus den USA kommt und deshalb dort deutlich größer ist.

Aus meiner Sicht war mit den niedrigeren Teilnehmerzahlen zu rechnen. Das ändert sich möglicherweise erst dann, wenn die WSOP auch in Europa online aktiv ist.

PZ: Hast du mitbekommen, dass John Juanda und Jen Harman in die Poker Hall of Fame aufgenommen wurden?

FJ: Ja, das interessiert mich selbstverständlich.

PZ: Die Europäer beschweren sich darüber, dass von ihnen nie jemand die Chance auf Aufnahme hat. Ist das Auswahlverfahren zu einseitig?

FJ: Das kann man schon so sehen, aber man darf dabei nicht vergessen, dass Poker in den USA schon viel länger populär und groß ist, als in Europa.

Deshalb ist es nicht überraschend, dass die meisten Spieler Amerikaner sind, schließlich spielen sie schon deutlich länger Poker.

Mittlerweile gibt es auch in Europa Poker-Superstars, und diese sollten in zehn bis fünfzehn Jahren auch aufgenommen werden. Solange ist es aber in Ordnung, dass vor allem Amerikaner nominiert werden.

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