EPT Berlin 2010 -MacPhee gewinnt nach Überfall

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Kevin MacPhee gewinnt die PokerStars EPT Berlin 2010. Am Final Table schlug er im Heads-up den Finnen Ilari Tahkokallio. Kein Happy End für die deutschen Spieler. Kontroversen um den Überfall.

Also, eines muss man zugeben, langweilig war es nicht hier beim ersten PokerStars EPT-Event in Berlin. Wir haben Männer (Nicolas Levi nach einer verlorenen Wette gegen Alexia Portal) in Frauenunterwäsche gesehen, lustige Hüte und unlustige Sonnenbrillen, starke Moves und schwache Calls sowie ein seltsames Intermezzo mit Gewehren und Macheten.

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Das war's.

Häufig ist es im Poker ja so, dass man Chips, die man gerade erst gewonnen hat, genauso schnell wieder verliert. Ganz ähnliche Erfahrungen machte einer der bewaffneten Übeltäter, die am gestrigen Samstag versuchten, die gesammelten Startgelder des Tages zu stehlen. Flugs war das Geld eingesackt, doch vermutlich aufgrund seines hohen Lauftempos ließ der Räuber den Sack auf der Flucht wieder fallen, und zwar noch deutlich vor Erreichen des Fluchtautos.

Wie viel Geld wirklich gestohlen wurde, ist nicht bekannt. Zwar werden viele unterschiedliche Zahlen genannt, aber seien wir ehrlich, wir werden die genaue Summe nie erfahren.

Enttäuschend verliefen die letzten beiden Turniertage aus deutscher Sicht. Waren zu Beginn des vorletzten Tages noch zehn Deutsche unter den letzten 24, gelang es nur zwei von ihnen, den letzten Tisch zu erreichen, und zu allem Überfluss waren sie von den Spielern am letzten Tisch auch noch die beiden mit den kleinsten Stacks.

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Die Finalisten.

Die ersten Minuten des Finaltisches passten sich nahtlos an. Boehling ging gleich in der ersten Hand mit A-Qo all-in, der Call kam von Marko Neumann mit ... A-Qs. Split Pot. In der zweiten Hand erhielt Boehling exakt dieselben Karten, ging wieder all-in und wurde von den Pocket Tens des Schweizer bezahlt. Das Paar hielt, und Boehling schied als erster aus. Neumann nicht viel später.

Es dauerte kaum zwei Stunden, bis nur noch vier Spieler am Tisch saßen.

Am meisten Spaß machte Zuschauern und Spielern der schwergwichtige Pole Artur Wasek, der nicht nur die größte Brille trug, sondern mit seinen gewaltigen Bets bzw. schnellen Checks nie auch nur den Hauch eines Zweifels daran ließ, ob er den Flop getroffen hatte oder eben nicht. Noch nie haben wir am Finaltisch eines großen internationalen Turniers einen Spieler gesehen, der das Konzept „Pokerface" derartig gründlich ignorierte.

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Turnierleiter Thomas Kremser stellt die Finalisten vor.

Immerhin foldete er sich bis auf Platz vier, bis er schließlich mit seinen Damen gegen die Könige von Marc Inizan lief. Auf Platz drei landete der starke Franzose Marc Inizan, und im Heads-up saßen sich schließlich Kevin MacPhee, der sich gestern noch gegen eine Fortsetzung des Turniers ausgeprochen hatte, und Ilari Tahkokallio gegenüber.

Organisation und Krisenmanagement

Spieler wie Boris Becker, Markus Golser, Johannes Strassmann und Sandra Naujoks äußerten sich sehr positiv über den Verlauf der Turnierwoche und den Umgang mit dem Zwischenfall am Samstag. Das ist kein Wunder, denn sie werden ausnahmslos von PokerStars gesponsert.

Dagegen meldeten sich aus unabhängigen Kreisen aber auch deutlich kritischere Stimmen. So gab es deutliche Kritik an den viel zu beengten Platzverhältnissen. Bis zu fünf Turniere liefen gleichzeitig, und der Ballroom des Grand Hyatt war diesem Ansturm schlicht nicht gewachsen. Umstürzende Gläser und Flaschen sowie ständige Rempeleien waren zwangsläufig die Folge.

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Nach dem Überfall.

Wer sich eine Pause gönnen wollte, hatte vor dem Saal die Wahl zwischen zwei dreieckigen Toastsandwiches für €5,50 und einer abgepackten Sushi-Platte für nur €25,-. Menüs wurden zum Abendessen angeboten. Kostenpunkt: €40,-. Immerhin war es erlaubt, Getränke mit in den Saal zu bringen.

Als größtes Manko wurde eindeutig festgestellt, dass es für Zuschauer praktisch keine Möglichkeit gab, in den Turniersaal zu gelangen. Wie soll Poker der breiten Öffentlichkeit bekannt werden, wenn es hinter verschlossenen Türen stattfindet und dem Publikum verwehrt wird?

Zutritt verschaffen konnte sich allerdings eine Bande von Verbrechern, die plötzlich in das Hotel stürmte und versuchte, die Einnahmen des Tages zu stehlen. Es ist von unserer Seite nicht mit Sicherheit festzustellen, wie die Sicherheitsleute mit der Situation umgingen, es entstand jedoch der Eindruck, dass es nicht genügend davon gab. Außerdem wurde mit den doch immensen Summen, die über den Tisch gingen, offensichtlich zu sorglos umgegangen.

Der Vorteil an diesem Zwischenfall, wenn man es denn als solchen bezeichnen möchte, wardie enorme Aufmerksamkeit, die die Veranstaltung plötzlich auch bei den Mainstream Medien erzielte.  Anstatt einem kleinen lokalen Radiosender oder einem Wochenblatt standen plötzlich RTL, Bild und Spiegel vor der Tür.

Die in der einschlägigen Boulevardpresse verbreiteten Geschichten über Kalaschnikows und Handgranaten waren - wie so oft - hanebüchener Unsinn.

Die Frage muss allerdings erlaubt sein, ob ein wenig konsequentere PR-Arbeit im Vorfeld die EPT Berlin nicht auch ohne Raubüberfall etwas stärker in den Fokus der Allgemeinheit hätte rücken können.

Die Gelegenheit war in Deutschland wohl noch nie so günstig.

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Dirk Oetzmann 2010-03-11 14:49:02

@Tippfehler

Ver-Flucht nochmal! :)
Ich schreibe nie wieder Nachts!

Tippfehler 2010-03-10 00:03:41

Hmm... wenn man ein "Fluchauto" bei einem Überfall benutzt, dann muss man sich nicht wundern, wenn alles schief geht ;-)

Dirk Oetzmann 2010-03-09 14:23:47

@Mats
Das bezieht sich darauf, dass alle Spieler von PS gesponsert werden, wie im folgenden Satz auch nachzulesen ist.

Ich nehme an, dass die Wahl auf Boris Becker fiel, da dieser ein enormer Sympathieträger und außerdem sehr bekannt ist. Über seine Fähigkeiten als Pokerspieler wissen nach meiner Erfahrung diejenigen, die ihn kritisieren, meistens eher wenig.

Mats 2010-03-09 13:50:26

"Spieler wie Boris Becker, Markus Golser, Johannes Strassmann und Sandra Naujoks"

Wat soll dat denn heißen?! Als ob er sich in dieser Runde etabliert hätte...haha..und wird dann noch als erstes genannt..."wie war nochmal das Pfannkuchenrezept?"

wie zum teufel sind die bloß auf den gekommen?

Dirk Oetzmann 2010-03-08 16:36:56

Tatsächlich bemühe ich nicht nur um inhaltliche, sondern auch grammatische und orthografische Qualität.
Nach ca. 75h Pokerberichterstattung in sechs Tagen muss gegen 3 Uhr wohl ein wenig die Konzentration gelitten haben. Trotzdem ist die Kritik natürlich berechtigt und wird auch ernst genommen.
Deshalb danke für die Kommentare.

Norbert 2010-03-08 12:29:03

Ich hab's nicht so mit der Rechtschreibung, finde, dass der Inhalt wichtiger ist. Jeder setzt da andere Prioritäten. Mir fällt nur der Spruch ein "Wer nicht arbeitet, macht auch keine Fehler." Grob geschätzt, hat der Autor in dieser einen Woche täglich zwei tagesaktuelle Beiträge recherchiert und geschrieben. In einem Großraumbüro mit erheblichem Geräuschpegel. Das empfinde ich als beachtliche Leistung.

Florian 2010-03-08 09:34:44

Ahoi!

Es ist wirklich peinlich, wie viele Rechtschreib- bzw. Tipp-Fehler in nahezu jedem Artikel zu finden sind.

Ich klicke mich gerne und regelmäßig durch pokerzeit.com - aber die ständigen Tippfehler hinterlassen einen ziemlich nachlässigen und unprofessionellen Eindruck.

Vorschlag: Vielleicht einfach mal Korrekturlesen oder die Rechtschreibprüfung darüber laufen lassen!?

Viele Grüße,

Florian