Dominik Nitsche: „Die Gefühlsspieler werden broke gehen und aussterben“

Dominik Nitsche, EPT Sanremo 2014
Nitsche ein Sanremo - "Einen EPT-Finaltisch sehe ich noch vor Ende des Jahres.

Egal wo man in der Welt zu einem Pokerturnier fährt, Dominik Nitsche wird mit hoher Wahrscheinlichkeit da sein. Der 23-Jährige ist auf einer endlosen Pokertour. Wir trafen Nitsche in Sanremo und unterhielten uns über die Gründe seiner bescheidenen EPT-Ergebnisse, warum er nun in Edinburgh wohnt und was seine Pläne für die WSOP in Las Vegas sind.

PL: Du hast bereits ein Bracelet, einen WPT-Titel und diverse andere signifikante Turniercashes vorzuweisen. Nur bei den EPT Main Events scheint nichts zusammenzulaufen. Woran liegt‘s?

DN: Ja, das muss ich in letzter Zeit öfter erzählen. Das finden wohl alle ganz witzig. Meine Antwort ist immer dieselbe. Zum einen ist es Varianz zum anderen war ich auf die EPT-Felder lange nicht richtig eingestellt.  

Die Spieler hier sind wesentlich stärker, als bei WSOP-Events. Mittlerweile fühl ich mich da deutlich wohler. Mein Spiel hat sich in den letzten zwei Jahren extrem verbessert.

Auch weil ich in letzter Zeit verstärkt Cash Games spiele. $5/$10 - $25/$50. Die Spieler, auf die ich da treffe, sind vom Skill her wesentlich besser als die meisten Turnierspieler.

Dominik Nitsche
Dominik Nitsche bei seinem LAPT-Turniersieg 2009.

Deswegen mache ich mir auch keine Sorgen mehr, wenn die besten Turnierspieler der Welt an meinem Tisch sitzen.

Ich habe mit den meisten sehr viele Hände online gespielt und mein Wissen über sie geht viel weiter als „der spielt loose, oder der spielt tight“.

Ich weiß, in welchen Spots sie 3-betten, ich weiß mit welcher Range sie 3-Bets oder 4-Bets folden etc. Ich denke den EPT-Final Table sehe ich noch dieses Jahr.

PL: Was sind das für Spieler gegen die du da $10/$20 Cash Game spielst?

DN: Unbekannte $10/$20-Regulars, die genau auf dieses Limits spezialisiert sind. Für mich spielerisch wesentlich stärker, als viele bekannte Turnier-Regulars.

PL: Online spielen ist das eine, aber richtig bekannt bist du in der Pokerwelt ja für deine Umtriebigkeit bezüglich weltweiter Live-Turniere...

DN: ... genau, mein ganzes Leben ist eine never ending Pokertour (lacht)...

PL: ... wo willst du denn auf jeden Fall noch hin?

DN: Japan. Im November bin in sowieso in Macau. Da ist der Weg nicht so weit. Jeden Tag morgens auf den Fischmarkt und Sushi essen, da freu ich mich jetzt schon drauf.

PL: Aber Poker spielen kann man da nicht. Wird das ein ähnlicher Reinfall wie einstmals in Moldawien?

DN: Du kennst die Geschichte? Ja, da bin ich nach Chisinau geflogen, rein ins Casino und dann war da gar nichts.

War allerdings nicht so schlimm. Ich bin gleich weiter nach Zypern und hab dort das Turnier gewonnen.

PL: Hast du als permanent Reisender eigentlich noch so was wie ein Zuhause?

DN: Ich wohne jetzt in Edinburgh. Ich war ja vorher in London, doch als Manig Löser nach Wien gezogen ist, wurde es ein bisschen einsam. In Edinburgh wohnen mit Rupert Elder, David Vamplew, Andrew Teng und ein, zwei anderen Leuten einige meiner besten Freunde. Ich bin immer noch sehr froh nach Schottland umgezogen zu sein.

nitsche wpt sudafrika
Nitsche gewinnt in Südafrika - wo ein Turnier, da ein Nitsche.

PL: Dann bist du jetzt auch Teil einer Poker-Clique?

DN: Ach nee, eigentlich nicht. Ich bin sehr offen, rede viel und freue mich immer neue Leute kennen zu lernen. Klar, ich kenne zum Beispiel Philipp Gruissem und Igor Kurganov ganz gut.

Sie nehmen auch immer gern meine Action, wenn ich ein $10.000er spielen will. Das sind schon auch Freunde, aber ich muss eben nicht zu ihrer Clique gehören.

Außerdem suche ich mir meine Freunde nicht nach den Poker-Skills aus. Deswegen wohne ich ja auch mit Andrew Teng zusammen (lacht). So, wie in Edinburgh, das gefällt mir gut. Ich habe vor, mir hier ein Appartment zu kaufen.

PL: Das kannst du dir leisten?

DN: Noch. Das kostet so um die 300.000 Euro. Aber man weiß ja nicht, wie es in Vegas läuft. Wenn gar nichts geht, muss ich weiterhin zur Miete wohnen.

PL: Was hast du in Las Vegas geplant?

DN: Einfach jedes No Limit Holdem Turnier spielen und das zweite Bracelet gewinnen. Ich gebe mir in jedem No Limit Holdem Turnier eine Edge. Punkt, Ende, Aus.

PL: Was ist die Strategie?

DN: Was ich dieses Jahr anders machen werde: ich werde jeden Tag Cash Game spielen. Wenn  jetzt so ein $1000er ist, werde ich mich die ersten, zwei, drei Stunden lieber ins Cash Game setzen und mich später einkaufen.

In den ersten zwei, drei Level kannst du nichts wirklich gewinnen. Du hast auf die schlechten Spieler natürlich einen Vorteil und wirst Chips gewinnen. Aber du wirst eben auch nicht viele gewinnen.

Dominik Nitsche 2013 WSOP EuropeEV0710K NLH Main EventDay 4Giron8JG2973
Nitscvhe bei der WSOPE 2013 - "Ich arbeite härter als die meisten anderen".

Meine Winrate ist zum selben Zeitpunkt im Cash Game viel größer. Und immerhin bin ich ja vor allem auch zum Geldverdienen da.

PL: Du scheinst dir immer noch eine Menge Gedanken über Poker zu machen. Gib uns doch mal einen Eindruck, wie du die Pokerwelt momentan siehst.

DN: Okay, was kann man sagen? Jeder spielt immer noch sehr schlechtes Poker. Inklusive mir selbst. Nur spiele ich weniger schlecht als die Meisten.

Das liegt vor allem auch daran, dass Leute an Poker immer noch falsch herangehen. Sie sehen es als Egospiel, bei dem sie in jeder Hand einen Levelling-Krieg starten.

Und solange die Leute ihr Mind-Set nicht ändern und das Spiel von einer eher mathematischen Seite aus betrachten, wird sich das auch nicht ändern.

PL: Und was wird passieren?

DN: Alle die, die 2010/ 2011 noch Erfolg hatten mit ihrer Gefühlsspielweise werden broke gehen und aussterben.

Alle die nach dem Motto spielen: das ist jetzt ein guter Spot für eine cold 4-bet, also bluff ich ihn jetzt mit 100% meiner Hände wird man in zwei, drei Jahren nicht mehr als Regulars bei EPT Main Events antreffen.

Die Zukunft gehört jenen Spielern, die sich ganz genau wie ich mit den eher mathematischen Komponenten, also mit dem perfekten Zusammenspiel von Position, Stacksize und Betsize auseinandersetzen. 

PL: Dann wird man dich ja in Vegas bald auch im 1 Million One Drop-Turnier antreffen ...

DN: Das ist das Ziel. In zwei Jahren will ich zunächst das $100.000er One Drop spielen. Und als nächstes will ich zu den $50/$100 Cash Games aufsteigen. Das ist noch ein weiter Weg.

Aber ich arbeite hart an meinem Spiel, im Gegensatz zu vielen anderen Leuten. Und genau deswegen werde ich auch Erfolg haben.

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