Der unfassbare Lauf des Poker-Wunderkinds Daniel Colman

Daniel Colman

Beim EPT Grand Final in Monte Carlo im April fragten sich noch einige: Wer ist Daniel Colman? Dass er online in den Jahren zuvor bereits zur Legende wurde wissen viele nicht. Wir erzählen die Geschichte des neuen Poker-Wunderkinds, zeichnen die letzten Jahre seines Lebens nach und lassen den wohl unglaublichsten Lauf den die Pokerszene jemals gesehen hat und der ihm innerhalb von sechs Monaten mehr als 20 Millionen Dollar einbrachte noch einmal Revue passieren.

Alles begann online

Wie bei den meisten jungen Spielern begann auch die Karriere von Daniel Colman online. Colman, der sich online "mrGR33N13" und „riyyc225“ nennt, begann 2007 im Alter von 16 Jahren Onlinepoker zu spielen und spezialisierte sich auf Hyper-Turbo Heads-Up Sit and Gos.

In der Folgezeit stieg er schnell in den Limits auf und schon mit 17 verdiente er so viel, dass er sich entschied professionell Poker zu spielen und damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Nach dem Black Friday im April 2011 zog der aus Massachusetts stammende Amerikaner nach Montreal, um weiter seinem Beruf nachgehen zu können. Dort lebt er bis heute.

Colman wird zur Onlinelegende

Zum ersten Mal sorgte er 2012 im World Wide Web für Schlagzeilen, als ein sensationeller Graph von ihm auftauchte:

Graph Colman

Daniel hatte in nur 363 SnGs einen Profit von $148.621 gemacht, was einem ROI von 22% entspricht, und bei diesen Buy-Ins phänomenal hoch ist.

In der Folgezeit hatte Colman immer wieder mit Tilt und Bankroll Management Problemen zu kämpfen.

Bei einer seiner unzähligen Partien lernte er Olivier „livb12“ Busquet kennen. Busquet, der als einer der besten Heads-Up-Spieler der Welt gilt, erkannte schnell das riesige Potential von Colman und es entwickelte sich eine echte Freundschaft zwischen den beiden.

Daniel Colman in jungen Jahren
Dieses Bild stammt aus der Zeit als Daniel Colman, nur online unter dem Namen "mrgr33n13' bekannt war.

Busquet hielt Colman für so gut, dass er begann diesen zu staken: „Ich kenne ehrlich gesagt niemanden, der in Sachen Turnierpoker stärker ist als er”, sagt Busquet über Colman.

Außerdem half Olivier ihm dabei den richtigen Umgang mit Tilt zu lernen und ein konservativeres Bankroll Management zu pflegen und wurde so etwas wie ein Mentor für Daniel.

Die Ratschläge von Busquet trugen schnell Früchte und Colman schaffte mit seiner Hilfe den Sprung auf die High Stakes.

Zu Beginn des Jahres 2013 sorgte er mit einem Thread im 2+2 Forum, in dem Colman bis heute sehr aktiv ist, über eine Challenge erneut für Aufsehen. Damals gab er auch noch eines seiner seltenen Interviews

Colman wettete, dass er innerhalb von nur einem Jahr 1,25 Millionen Dollar Profit und 5 Millionen VPPs erspielen kann, etwas dass noch niemandem zuvor gelungen war. Das Wunderkind schaffte es und benötigte dafür gerade mal neun Monate!

Außerdem wurde er beim $21.000 Heads-Up High Roller der SCOOP 2013, welches als eines der bestbesetzten Onlineturniere der Welt gilt, Runner-Up für $160.399, nur um dieses Ergebnis bei der WCOOP mit einem Sieg für $172.500 sogar noch zu toppen.

Der unglaublichste Lauf in der Geschichte des Livepoker

Nach diesem unfassbar erfolgreichen Jahr traf Colman die Entscheidung sich mehr auf Livepoker zu konzentrieren und gemeinsam mit seinem guten Freund Olivier Busquet die Turniere mit den ganz hohen Buy-Ins zu spielen. Ein Entschluss, der sich noch kräftig bezahlt machen sollte...

Ein erstes Ausrufezeichen setzte er bei der $125.000 PartyPoker Premier League IV in Montreal, zu der nur die Crème de la Crème der internationalen Pokerszene eingeladen wird.

Daniel profitierte von seiner riesigen Onlineerfahrung bei Sit and Gos und ließ die Liveelite in seinen Heats großenteils alt aussehen.  

Außerdem machte er dort einen der besten River Checks ever:

Am Final Table war er lange Zeit Chipleader und schien diesen nach Belieben zu kontrollieren, bis ihn ein Fehler, als er Pocket Fours überspielte und in Pocket Kings von Sorel Mizzi lief, den Sieg kostete und er auf Platz 3 für $194.000 ausschied. Bei der PCA 2014 spielte er dann sein zweites High Roller Event und wurde 27. für $59.300.

Der große Durchbruch gelang Colman Ende April beim €100.000 Super High Roller des EPT Grand Final in Monte Carlo. Im Eins gegen Eins besiegte er den für viele besten No-Limit Hold’em Heads-Up Spieler der Welt Daniel „jungleman12“ Cates. Für diese grandiose Leistung wurde er mit 2,1 Millionen Dollar belohnt.

Zwar hatte der junge Amerikaner gezeigt was er kann, aber das dies der Beginn des unglaublichsten Lauf in der Geschichte des Livepoker war, ahnte damals noch niemand.

Der Sieg gab dem erst 23-Jährigen genau zum richtigen Zeitpunkt das nötige Selbstbewusstsein, denn nur vier Wochen später begann die WSOP.

Bei seinem ersten Turnier bei der WSOP, dem $10.000 Heads-Up No-Limit Hold'em World Championship, wurde er auf Anhieb Dritter für 112k. Anschließend ließ er einen weiteren Deep Run beim $5.000 No-Limit Hold’em folgen.

Dann begann mit dem Big One for One Drop mit dem unglaublichen Buy-In von einer Million Dollar das teuerste und am heißesten erwartetste Turnier des Jahres. Der junge Amerikaner kam erneut bis ins Heads-Up und ließ dort der Pokerlegende Daniel Negreanu keine Chance. Mit nur 23 Jahren war Colman auf dem Olymp der Pokersports angekommen und schnappte sich mit 15,3 Millionen das zweitgrößte Preisgeld der Geschichte.

Daniel Colmans Statement nach dem Gewinn des Big One for One Drop:

Sein Verhalten nach dem Sieg und die Aussage er wolle Poker nicht promoten wurde viel diskutiert und Daniel Colman hat selbst eine sehr beeindruckende Antwort gegeben auf die harte Kritik der Medien. Diese verstanden nicht, dass er damit ein Statement machen wollte: „Die Medien kritisierten sein Verhalten, ohne genau zu wissen, warum er sich so verhalten hat. Daniel hatte sehr viele Gründe, sich so zu verhalten. Es gibt viele Menschen in der Pokerszene, die so bekannt und beliebt wie möglich werden wollen. Daniel Colman ist aber komplett anders, er möchte nicht im Rampenlicht stehen. Meiner Meinung nach sollten wir dieses Verhalten respektieren“, sagt einer seiner besten Freunde Olivier Busquet.

Der Sieg beim Big One sollte noch längst nicht alles gewesen sein, im Gegenteil nun legte Daniel erst so richtig los. Zehn Tage später schafft er es beim $100k Super High Roller im Aria gemeinsam mit Ole Schemion unter die letzten Drei und war an einem Deal beteiligt, der ihm weitere $796.821 einbrachte.

Der nächste Stopp war die 100. EPT in Barcelona und selbst der beste Autor hätte das Drehbuch nicht besser schreiben können, denn beim €50.000 Super High Roller traf er im Heads-Up auf seinen Mentor Olivier Busquet. Lehrer gegen Schüler lauteten die Schlagzeilen, doch damit nicht genug, Colman hatte es nämlich als erster Spieler überhaupt back-to-back an einen Final Table und in ein Heads-Up eines EPT Super High Rollers geschafft und dort stand ihm ausgerechnet einer seiner besten Freunde und der Mann gegenüber, dem er so viel zu verdanken hat. Die logische Konsequenz war ein Deal, der Colman weitere 1,1 Millionen sicherte. Der Restbetrag und die Trophäe gingen an Busquet.

Daniel Colman Olivier Busquet
Daniel Colman mit seinem Mentor Olivier Busquet beim Heads-Up des €50.000 Super High Roller in Barcelona.

Nun war Colman nicht mehr zu stoppen und gestern holte er sich den Sieg beim Main Event des Seminole Hard Rock Open für weitere $1.446.710.

Damit hat Daniel Colman als erster Spieler überhaupt innerhalb von einem Jahr, genauer gesagt waren es gerade mal fünf Monate (!), mehr als 20 Millionen Dollar bei Liveturnieren gewonnen und liegt in der All Time Money List mit $21.562.852 jetzt schon vor Phil Ivey auf Platz 3.

Der junge Amerikaner hat bereits zich Rekorde gebrochen und da Colman erst 23 Jahre alt ist, ist es nur noch eine Frage der Zeit bis er auch in dieser prestigeträchtigen Wertung die Führung übernimmt.

Ein Großteil der Pokerszene erkennt die phänomenale Leistung und das einzigartige Talent von Daniel Colman neidlos an. Einige diskutieren jetzt sogar schon darüber, ob Daniel Colman der Stu Ungar der Neuzeit ist.

Wer so erfolgreich ist, hat aber natürlich auch Neider und einige unterstellen Colman, dass er unglaubliches Glück hat. Es ist richtig, dass der Glücksfaktor bei Liveturnieren kurzfristig sehr hoch ist und Colman definitiv auf der Sonnenseite der Varianz war, allerdings vergessen die Kritiker, dass Daniel Colman schon seit mehreren Jahren zu den erfolgreichsten Onlineturnierspielern gehört und seine Extraklasse dort über abertausende von Turnieren immer wieder unter Beweis gestellt hat.

Der Amerikaner ist einfach unglaublich gut und wir sind davon überzeugt, dass das schweigsame Pokerwunderkind auch in den nächsten Jahren die Karten für sich sprechen lassen wird.

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