David Williams – “Ich liebe das Rampenlicht”

david williams

Zehn Jahre nachdem David Williams Zweiter beim WSOP Main Event für 3,5 Millionen Dollar wurde, haben wir uns mit ihm über das Leben ansich, den Global Poker Index, die Shot Clock und sein Lieblingsspiel unterhalten.

PL: Es ist zehn Jahre her als du beim WSOP Main Event Zweiter hinter Greg Raymer wurdest. Kannst du kurz zusammenfassen, was seitdem passiert ist?

DW: Kurz zusammengefasst, habe ich ein Bracelet bei der WSOP und die WPT World Championship gewonnen. Ich habe geheiratet und eine Tochter, die drei Jahre alt ist. Es waren also sehr interessante zehn Jahre.

Ich fühle mich wirklich gesegnet.

PL: Braucht es ein EPT Grand Final damit du nach Europa kommst?

DW: Nein, ich komme immer mal wieder nach Europa. Meistens dann, wenn irgendwo eine EPT ist, auch wenn ich dort bisher noch nicht so erfolgreich war.

Da ich nur das Main Event spiele, reise ich normalerweise erst am Tag davor an und wenn ich früh ausscheide, was in der Vergangenheit häufig der Fall war, dann fliege ich auch direkt wieder zurück.

Manchmal war ich also schon wieder weg, bevor die Leute mitbekommen haben, dass ich überhaupt da bin.

Nun habe ich einen Deep Run, deshalb hoffe ich, dass es dieses Mal anders sein wird.

Der Grund, warum ich nur kurz bleibe, ist meine Tochter. Sie ist erst drei Jahre alt, muss zur Schule und ich möchte viel Zeit mit ihr verbringen.

Wenn ich unterwegs bin und wir telefonieren sagt sie immer: “Komm nach Hause Daddy”, deshalb versuche ich nicht so lange wegzubleiben.

PL: Du hast nun schon seit zehn Jahren einen Sponsorenvertrag.

DW: Das stimmt. Ich habe nach der WSOP 2004 einen Sponsorenvertrag unterschrieben und wurde fünf Jahre lang zum Gesicht von Bodog.

Dieser Vertrag lief im Jahre 2010 aus, kurz nachdem ich das WPT World Championship gewonnen hatte. Wenig später unterschrieb ich bei PokerStars und damit wurde ein Traum wahr.

Es ist schon eine Ehre den besten Online-Pokerraum der Welt repräsentieren zu dürfen

PL: Wie hast du es geschafft über einen so langen Zeitraum ein gesponsorter Pro zu bleiben. Das gelingt ja kaum jemandem.

DW: Ich probiere immer das Beste aus jeder Situation zu machen. Wenn es am Pokertisch mal nicht so läuft, versuche ich trotzdem im Gespräch zu bleiben.

Ich habe einen Hang zur Öffentlichkeit und mein Name ist mittlwerweile zu einer Marke geworden. Ab und zu gebe ich auch Anlass zu Diskussionen. Ich versuche einfach den Leuten Gesprächsstoff zu liefern.

Für großes Aufsehen sorgte damals als ich bei der NBC Heads-Up Championship aus lauter Frust meine Karten zerissen habe. Es war ein richtiger Wutanfall und dass auch noch bei einem Turnier, welches für das Fernsehen aufgezeichnet wurde. Den Zuschauern und Produzenten wird es gefallen haben.

Hier das Video zur beschriebenen Szene: 

Niemand will zwei Typen sehen, die sich einfach nur anstarren. Die Zuschauer mögen es, wenn Spieler einen Suckout bekommen oder ausflippen.

Das ist auch nicht schlecht für das Spiel und führt auch nicht zu Verzögerungen, da ich die Hand in 90% der Fälle verliere und ausscheide und deshalb habe ich es wohl auch gemacht.

Einmal brachte ich auch einen Zahnstocherhalter aus Diamanten mit an den Tisch und die Leute haben sich damals maßlos darüber aufgeregt, wie man sowas machen kann.

Aber genau durch diese Dinge zieht man das Rampenlicht auf sich und bleibt im Gespräch.

PL: Dich macht es wohl auch nicht nervös an einem Feature Table zu sitzen. Siehst du das als Chance die Blicke auf dich zu ziehen?

DW: Oh ja, ich liebe das Rampenlicht. Deshalb genieße ich es am Feature Table zu sitzen. Deshalb war ich auch froh darüber, dass ich dort den gesamten dritten Tag  verbringen durfte.

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David Williams hat sichtlich Spaß am Feature Table.

PL: Was hältst du als erfahrener Livespieler von der Shot Clock?

DW: Ich halte es für eine gute Idee. In einem Liveturnier muss ich mich manchmal wirklich züglen, da ich es gewohnt bin recht schnell zu spielen.

Ich mag es nicht, wenn sich jemand unnötig viel Zeit lässt und das Spiel dadurch aufhält, deshalb bin ich für die Einführung einer Shot Clock. Die Bedenkzeiten und Spielverzögerungen haben in letzter Zeit einfach überhand genommen.

PL: Hat langes Überlegen möglicherweise sogar einen strategischen Hintergrund und hilft es dem Spieler, der das macht?

DW: Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund dafür so lange zu überlegen. Vielleicht wollen sie einen damit einfach nur nerven oder sie machen sich zu viele Gedanken. Ich kann es auf jeden Fall nicht nachvollziehen.

Ich habe schon immer schnell gespielt. Wenn man sich anschaut wie ich 2010 gespielt habe, dann wird man feststellen, dass es fast alles Bauchgefühl und wenig Denken war.

PL: Langes Überlegen ist beim Magic: The Gathering ja kein Thema. Spielst du noch?

DW: Ja, ich spiele immer noch sehr viel und gerne. Es kann sogar sehr gut sein, dass ich nach Atlanta fliegen werde, um dort mit meinen Freunden an der International Tour teilzunehmen. Magic: The Gathering ist für mich das beste Spiel der Welt.

Natürlich spiele ich Magic nicht um damit Geld zu verdienen. Aber wenn ich mich zwischen den beiden Spielen entscheiden müsste, dann würde ich, so sehr ich Poker auch mag, Magic spielen.

PL: Glaubst du, dass der Global Poker Index etwas über die wahre Stärke eines Spielers aussagt?

DW: Ich finde den GPI großartig. Zwar befinde ich mich derzeit auf keinem besonders guten Platz, aber ich möchte mich verbessern. Ich habe zusammen mit Daniel Negreanu und Antonio Esfandiari einen Kurs zur Weiterneticklung der Persönlichkeit besucht. In dessen Rahmen musste man seine Ziele angeben und eines davon war die Top 100 des GPI zu erreichen.

PL: Benutzt du Tracking Software wenn du online spielst?

DW: Nein, da ich meistens 8-Game spiele und die Software dort nicht funktioniert. Sonst spiele ich Turniere, aber nie an vielen Tischen gleichzeitig. Ich bin da eher Old School.

Ich müsste mich erstmal coachen lassen, um die Software richtig verwenden zu können und all ihre Features zu kennen.

PL: Kannst du mal versuchen Ole Schemion und sein Spiel in zwei Sätzen zu beschreiben?

Ole Schemion
"Ole Schemion ist ein Tier am Pokertisch."

DW: Ole Schemion ist ein Tier am Pokertisch und abseits der Tische ein sehr netter Kerl.

PL: Interessierst du dich für Fußball?

DW: Meinst du American Football?

PL: Ach, ist schon gut.

DW: Ach, Fußball? Jetzt weiß ich was du meinst, nein überhaupt nicht. Da interessieren mich nur die Wettquoten.

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