Schießbuden, Plastikrosen und Pokerturniere

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10. Juni 2017, Von: Rainer Gottlieb
Geposted in: PokerZeit Blog
Schießbuden, Plastikrosen und Pokerturniere

Zeitgenossen fortgeschrittenen Alters (50+) können vielleicht einen Blick zurück in die späten 60er Jahre des 20. Jahrhunderts nachvollziehen.

Damals gab es als Jahrmarktsgaudi sogenannte „Schießbuden“. Dort konnten geschickte Schützen Plastikrosen gewinnen (und ihrer Liebsten sodann überreichen). Die Attraktion bestand darin, mit einem Luftgewehr auf kleine weiße Keramikröhrchen zu schießen, in denen die Plastikrosen eingesteckt waren. Für ein vollständig zerstörtes Keramikröhrchen gab es als Preis die Plastikrose. Aus ca. 2,50 Meter Entfernung keine große Sache: Mit ruhiger Hand ließ sich das Röhrchen mit zwei Schüssen erledigen.

Rosen schiessen
Rosen schießen für zu viele Pfennige

Das kostete dann 30 Pfennig pro Schuss, also 60 Pfennig pro Rose. Mit unruhiger Hand wurde es allerdings teurer. Und schuld daran war – nein nicht der Dealer – sondern das manipulierte Gewehr. Selbstverständlich wurden den Betreibern unlautere Absichten unterstellt. Wer daneben schoss, oder nur kleine Fragmente des Röhrchens wegpustete, musste mehr zahlen für seine Rose. Aber niemand gab auf... 1,50 Mark, 1,80 Mark, 2 Mark (da setzte der Rabatt ein). Schon damals nicht zuviel für ein Geschenk an die Liebste, immerhin ging es um die Ehre. Und die

Warteschlangen für die nächsten Schießwütigen waren lang...

Ich habe mich damals oft gefragt, was einen Menschen veranlassen kann, bis zu zwei Mark für eine schäbige Plastikrose auszugeben, bis ich es selbst probiert habe: Es macht einfach sehr viel Spaß, mit einem Luftgewehr auf Keramikröhrchen zu schießen, bis diese restlos zertrümmert sind und man eine Plastikrose erhält...

Schießbuden mit Pokerkarten

Ca. 40 Jahre später, wir schreiben das Jahr 2006 und der Pokerboom hat Deutschland erfasst: In „Andy’s Diner“ in Berlin Kreuzberg stehen Neugierige in Zweierreihen um die zwei Pokertische der „German Poker Players’ Association“. Es findet ein legales Pokerturnier um Sachpreise statt.

Horst Koch
Horst Koch, Schirmherr der GPPA

Genauer gesagt, um einen Sachpreis. Gespielt wird No Limit Texas Hold’em Poker. Die ca. 22 aktiven Spieler haben bis zu 45 Euro gezahlt, um sich für ein Halbfinale im Pokerturnier zu qualifizieren. Mit ruhiger Hand lässt sich das jedoch nicht erledigen. Man braucht enorm viel Glück (oder Bereitschaft zum Kapitaleinsatz). Bis zum Halbfinale ist es ein weiter Weg, denn die Warteschlangen der nächsten Spielwütigen sind lang. Alle sind neugierig, wollen ebenfalls einen Versuch wagen und hoffen auf einen Platz am Tisch in einer der nächsten „Vorrunden“. Dem Gewinner einer Vorrunde winkt ein Platz im Halbfinale und damit hätte er vergleichsweise die Hälfte des Keramikröhrchens weggeschossen...

Ein Teil der Halbfinalisten wird dann im späteren Finale um den ersten Preis, eine „Las Vegas Reise“ spielen. Die „Reise“ besteht aus einem Flug von Stuttgart nach Las Vegas für eine Person. Unterkunftskosten vor Ort muss der Gewinner selbst tragen. Und die Anreise von Berlin zum Stuttgarter Flughafen gehört ebenfalls nicht zum Umfang des ersten Preises. Der Gewinner wird dann das komplette Keramikröhrchen weggeschossen haben...

Wer sich fragt, was einen Menschen veranlassen kann, mehrfach bis zu 45 Euro für eine minimale Qualifizierungschance in einem Sachpreis-Pokerturnier auszugeben, hätte es vielleicht selbst einmal ausprobieren sollen: Vielleicht macht es einfach sehr viel Spaß, in relativ gefahrloser Umgebung No Limit Poker um 45-Euro-Beträge zu spielen und eine kleine Chance auf eine Las Vegas Reise zu haben...

» Zum Ende der GPPA im Jahr 2010

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