Hand der Woche – Kann man wirklich einen Vierling folden?

Kyle Bowker
Kyle Bowker

Über sechs Wochen World Series of Poker und eine Vielzahl spannender Hände liegen hinter uns, aber ein Duell ragt aus dem ganzen Spektakel sicher heraus. Beim WSOP Main Event foldete ein Spieler zu Beginn von Tag 2C auf dem River einen Vierling – und dieser Spieler war nicht irgendwer, sondern der Bracelet-Gewinner Kyle Bowker. Wir schauen uns die Hand hier noch einmal genauer an.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wie erwähnt, befinden wir uns an Tag 2C des WSOP Main Events. Kyle Bowker, der zu diesem Zeitpunkt mit knapp 160.000 Chips gut im Rennen liegt, bekommt in früher Position

   

Er raist auf 1.800 und bekommt zwei Caller. Der Spieler direkt hinter ihm callt, und ein Spieler in mittlerer Position callt. Und schließlich callt auch noch der Big Blind. Mit 8.500 Chips geht es auf den Flop, der bringt:

     

Nach dem Check des Big Blind setzt Bowker 5.000 Chips, der nächste Spieler foldet, aber der Spieler in mittlerer Position callt. Der Big Blind foldet. Damit sind noch zwei Spieler im Pott, der 18.500 beträgt, die effektiven Stacks liegen bei ca. 110.000 (Bowker hat mehr).

Auf dem Turn kommt die

 

Bowker setzt 11.000 und der Spieler in mittlerer Position callt. Im Pott sind damit 40.500 Chips. Die effektiven Stacks betragen etwa 100.000.

Der River wird aufgedeckt und bringt den

 

Bowker setzt 40.000, worauf sein Gegner mit knapp 100.000 All-In geht. Im Pott sind etwa 180.000 Chips, und Bowker muss mit seinem Vierling 58.000 bezahlen, nach sieben Minuten Nachdenken foldet er aber!

Nach der Hand bleiben ihm noch rund 100.000 Chips, für eine spätere Platzierung im Preisgeld reichte es aber nicht.

Analyse und Bewertung

Allen Kessler
Allen Kessler auf Twitter

Ein wirklich unglaublicher Fold, der an den spektakulären Laydown von Mikhail Smirnov erinnert, den dieser mit Quads Achten im Big One 2012 zelebrierte. LINK: http://www.pokerzeit.com/wsop-big-one-2012-tag1-ergebnis-chipleader-39136

Schauen wir uns die Hand noch einmal genau an, um herauszufinden, was Bowker zu der Überzeugung gebracht haben kann, dass sein Gegner die einzige bessere Hand – einen Straight Flush – hielt.

Vor dem Flop bringt Bowker einen normalen Raise aus früher Position. Ein Paar Siebenen ist oft die beste Hand, und natürlich ist es bei so großen Stacks reizvoll, auf Jagd nach einem Set zu gehen, da die Implied Odds enorm sind.

Insgesamt drei Caller bekommt Bowker, und natürlich ist es wichtig, sich Gedanken über deren Spektren zu machen.

Der Big Blind kann außer sehr starken Händen mehr oder weniger alles haben, aber die Spektren der beiden Spieler in früher bzw. mittlerer Position lassen sich schon eher eingrenzen.

Da nur der Spieler in mittlerer Position in der Hand eine Rolle spielte, wollen wir uns auf dessen Spektrum beschränken. In ihm befinden sich niedrige oder mittlere Paare bis 99 und dazu viele spekulative, meist gleichfarbige Broadway-Hände wie AJ, QJ oder JT, während man Hände wie Asse, Könige, Damen oder Buben fast ausschließen kann. Mit ihnen hätte der Spieler in mittlerer Position angesichts des ersten Callers fast sicher gereraist.

Eingrenzung des Spektrums

Der nächste Schritt zur Eingrenzung des gegnerischen Spektrums folgt auf dem Flop.

Bowker trifft sein Set Siebenen und entschließt sich vernünftigerweise, nicht slow zu spielen. Das Board ermöglicht viele Treffer und viele Draws, und das bedeutet, dass eine Value Bet die richtige Medizin ist – zum einen um schwächere Hände abzukassieren, zum anderen um die eigene Hand zu schützen.

Zwei Spieler folden, doch der Spieler in mittlerer Position callt. Seine niedrigen Paare kann man damit aufgrund des Boards komplett ausschließen, möglich sind dagegen Broadway-Hände mit einem König, 99 oder ein Flush Draw mit zwei Pik.

Ähnlich ist das Verfahren auf dem Turn. Die genannten Hände sind allesamt noch möglich, als der Spieler in mittlerer Position die abermalige Bet erneut callt.

Neue Information auf dem River

Der River verändert die Situation aus Bowkers Sicht zunächst nur minimal. Faktisch hat er nun nicht mehr die Nuts wie auf dem Turn, aber es gibt nur eine einzige Hand, die ihn schlägt: Q T

Konsequent packt Bowker eine hohe Value Bet im Bereich der Pottgröße aus, da nun der Flush angekommen ist und Hände wie A J# oder A# Q#, die allesamt in allen drei Setzrunden gecallt haben können, diese Bet vermutlich ausbezahlen.

Ein wichtiger Faktor ist das Paar auf dem Board, das dafür sorgt, dass der Nut Flush nicht die absoluten Nuts bedeutet, und genau das spielt eine wesentliche Rolle, als der Spieler in mittlerer Position recht prompt All-In geht.

Nun ergibt sich eine neue Situation, denn es liegen neue Informationen vor. Der Spieler in mittlerer Position war als solider Akteur aufgefallen, der mit dem Nut Flush allenfalls gecallt hätte, niemals aber All-In gegangen wäre.  

Reduktion auf zwei Hände

Unter diesen Voraussetzungen ist klar, dass sich das gegnerische Spektrum nun auf vier mögliche Hände beschränkt: KK, JJ, 99 und Q T.

In unserer bisherigen Analyse sind wir davon ausgegangen, dass KK und JJ wegen der Aktionen vor dem Flop ausgeschlossen werden können, und damit bleiben nur noch zwei mögliche Hände übrig: 99 oder Q T.

Kyle Bowker Bracelet
Bowker und sein Bracelet

Die nächsten relevanten Faktoren sind die Pot Odds und die Kombinationen, die die genannten Hände bilden können.

Die Pot Odds betragen gigantische 3,1 zu 1, d.h. Bowker müsste nur in etwa jedem vierten Fall gewinnen, um ein positives Ergebnis zu erzielen.

Andererseits kann man nicht jeden Tag am Main Event der WSOP mitspielen, insofern liegt eine besondere Situation vor.

Eindeutig für einen Call spricht aber der andere Faktor, die Anzahl der Kombinationen. Während es von Q T nur eine einzige Kombination gibt, sind mit 9 9, 9 9 und 9 9 drei Kombinationen von Neunen möglich – mathematisch sind Neunen also dreimal so wahrscheinlich wie Q T.

In dieser Hinsicht – und in Verbindung mit den Pot Odds und der Tatsache, dass Bowker mit über 40.000 Chips (= 50BB) im Turnier geblieben wäre – wäre ein Call die richtige Entscheidung gewesen, doch Bowker gab nach der Hand an, dass er sich aufgrund der Körpersprache seines Gegners sicher gewesen sei, dass dieser den Straight Flush gehabt habe.

Fazit

In einer maximalen Zuspitzung auf dem River foldet Kyle Bowker beim WSOP Main Event einen Vierling und hat dafür durchaus gute Gründe.

Unterm Strich wäre von Live-Reads abgesehen ein Call aber die mathematisch richtige Entscheidung gewesen.

LINK bei Pokerlistings zu dem Vorfall:

http://www.pokerlistings.com/blog/kyle-bowker-makes-bonkers-fold-lays-down-quad-sevens-in-main-event

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