Hand der Woche – Die Ohnmacht des Overpairs

Carroll und die Buben
Was tun mit einem wackeligen Overpair?

Vor allem beim Cashgame mit großen Stacks gibt es immer wieder Situationen, in denen man mit einem guten, aber nicht überragenden Overpair am Tisch sitzt und nicht weiß, was man tun soll. Das Board wird immer gefährlicher, die eigene Hand verbessert sich so gut wie nie und der Gegner kann durchaus ein noch besseres Overpair haben. Wie man in einer solchen Situation fast hilflos überrannt werden kann, zeigt unsere Hand der Woche.

Vor allem beim Cashgame mit großen Stacks gibt es immer wieder Situationen, in denen man mit einem guten, aber nicht überragenden Overpair am Tisch sitzt und nicht weiß, was man tun soll. Das Board wird immer gefährlicher, die eigene Hand verbessert sich so gut wie nie und der Gegner kann durchaus ein noch besseres Overpair haben. Wie man in einer solchen Situation fast hilflos überrannt werden kann, zeigt unsere Hand der Woche.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir beobachten eine Hand aus dem Golden Gates Casino in Las Vegas, die bei Poker Night in America ausgestrahlt wurde.

Gespielt wird mit Blinds von $25/$50, der Tisch besteht aus einer Mischung aus Amateuren und Profis.

In unserer Hand hat Brandon Cantu einen $100-Straddle gesetzt, und der extrem erfahrene Jim Carroll, der schon über 3 Millionen bei Pokerturnieren gewonnen hat, raist mit

   

auf $400.

Die beiden nächsten Spieler folden, doch Jared Jaffee reraist vom Button auf $1.275.

Die Blinds und Cantu folden, doch Carroll callt. Beide Spieler haben noch etwas $15.000 vor sich stehen und im Pott sind $2.725.

Der Flop bringt

     

Carroll checkt, Jaffee setzt $1.550 und Carroll callt. Im Pott sind damit $5.825 und die beiden Spieler haben noch rund $13.500 vor sich stehen.

Auf dem Turn kommt die

 

Carroll hat bereits mit einem Check in the dark blind seine Aktion angekündigt, Jaffee setzt $4.200 und Carroll foldet nach kurzem Nachdenken. Jaffee gewinnt den Pott mit rund $10.000 und zeigt dann seine Hand:

   

Hier die Hand noch einmal in bewegten Bildern, die zeigen, dass Carroll mit seiner Körpersprache nicht gerade sparsam umgegangen ist.

Analyse und Bewertung

Wie eingangs bereits erwähnt, kennt die Situation, in der Jim Carroll hier steckt, praktisch jeder Pokerspieler.

Was soll ich machen
Wie gut ist ein Overpair auf diesem Board?

Man hat keine Position und eine Hand, die stark ist, doch der Gegner setzt permanent und könnte eine noch bessere Starthand haben.

Schauen wir uns die Hand noch einmal an, um zu überprüfen, ob Jim Carroll hier etwas anders machen konnte.

Vor dem Flop bringt Carroll zunächst einen normalen Standard-Raise mit seinem hohen Paar, doch auf dem Button setzt Jared Jaffee noch einen drauf und reraist auf $1.275.

Nach den Folds der anderen Spieler braucht Carroll einen Plan, wie er die Hand fortsetzen soll. Dabei hat er drei plausible Möglichkeiten: Call, Reraise oder Fold.

Was ist seine beste Option? Schauen wir uns die einzelnen Möglichkeiten der Reihe nach an:

1. Call: Mit einem Call hält Carroll das gesamte Spektrum seines Gegners in der Hand, muss sich aber darauf einstellen, dass meist mindestens eine Overcard kommt und ihm ohne Position eine beschwerliche Zeit bevorsteht.

2. Reraise: Ein Reraise auf etwa $3.500 hat durchaus seine Vorteile, denn Carroll kann die Hand unter Umständen direkt beenden und immerhin rund $1.500 Gewinn einstreichen, während er über einen tighten Fold nachdenken kann, wenn ein weiterer Reraise seines Gegners kommt. Da die Stacks so groß sind, wäre er nach seiner 4-bet noch nicht pot-committed.

3. Fold: Gegen einen sehr tighten Spieler könnte man eine Hand wie Buben sogar folden, doch gegen normale Kontrahenten, die auf dem Button zu Moves fähig sind, wäre das viel zu tight und viel zu ängstlich.

Unterm Strich kommen also Call oder Reraise infrage, wobei wir sehen werden, dass die Entscheidung davon abhängt, gegen wen man spielt.

Jaffee lässt nicht locker

Nach Carrolls Call kommt ein Flop, der ihm durchaus gefallen kann. Er brachte keine Overcard, und wenn er vor dem Flop vorne lag, liegt er auch jetzt fast sicher vorne – die einzige halbwegs realistische Hand, die ihn überholt hat, ist ein Paar Siebenen.

Der einzig richtige Spielzug ist ein Check, nach dem Jaffee etwas mehr als halben Pott setzt.

In den Fernsehbildern ist zu sehen, wie unwohl Carroll sich hier bereits mit seinem Paar Buben fühlt. Er callt zwar recht schnell, aber seine Körpersprache drückt keine Überzeugung aus.

Ungeachtet dessen ist der Call absolut klar, denn natürlich bringt Jaffee hier nicht nur mit besseren Paaren, sondern mit fast dem gesamten Spektrum eine Continuation Bet.

Allerdings braucht man auch einen Plan, wenn man sich hier gegen einen aggressiven Spieler auf ein Rope-a-dope einlässt, denn natürlich muss man damit rechnen, dass der Gegner bis zum River zwei weitere Bets bringt.

Aufgabe auf dem Turn

Ganz offensichtlich besteht Carrolls Plan darin, auf dem Flop auf jeden Fall zu callen, aber auf dem Turn nach einer weiteren Bet unabhängig vom Board aufzugeben, denn er foldet recht schnell, als Jaffee weitere $4.200 nachlegt.

Carrolls Problem ist in dieser Situation, dass er nicht nur $4.200 bezahlen, sondern zumindest auf dem Schirm haben muss, dass Jaffee auf dem River mit einer weiteren noch höheren Bet nachlegt oder ihn gar All-In setzt.

Nach einem Call hätte Carroll mehr als ein Drittel seines Stacks investiert und müsste, streng mathematisch gesehen, auch auf dem River callen.

Ist der Fold daher richtig? Das lässt sich so pauschal nicht sagen, da die Antwort von mehreren Faktoren abhängt.

Die beiden wichtigsten sind, wie breit Jaffees Spektrum in dieser Situation ist und ob er in der Lage ist, mit absolutem Schrott dreimal zu setzen und bis zum Äußersten zu gehen.

Schauen wir uns zunächst das Spektrum an. Natürlich sind in ihm auch Asse und Könige enthalten, aber ein Spieler wie Jaffee reraist auf dem Button mit vielen anderen Händen wie auch 98s oder AJ.

Jaffee
Jared Jaffee - Die Drohung ist manchmal stärker als die Ausführung

Möglich ist auch, dass Jaffee auf dem Flop einen Flush Draw in Kreuz bekam und mit zwei Semi-Bluffs den gegnerischen Widerstand brechen wollte.

Sicher aber ist auf jeden Fall, dass Jaffee hier nicht nur Premium-Hände hat und durchaus zu zwei Bluffs imstande ist.

Die entscheidende Frage ist daher, ob Jaffee nach einem abermaligen Call auf dem Turn tatsächlich auf dem River noch einmal mit einem Bluff setzt und eine dritte Salve abgibt, doch diese lässt sich nicht so einfach beantworten, sondern ist extrem gegner- bzw. situationsabhängig.

Unterm Strich sieht man, wie viel Position und Aggression beim Poker wert sind und dass man extrem viel Mut und Ausdauer braucht, wenn der Gegner am längeren Hebel sitzt.

Beim Schach gibt es den Spruch, dass die Drohung stärker als die Ausführung sei – in dieser Hand ist die Drohung eines All-in auf dem River der Grund, warum Carroll seine Buben gegen eine Hand aufgibt, die ihn nicht mehr überholen kann, und er hat möglicherweise bereut, dass er vor dem Flop mit einem Reraise nicht für klare Verhältnisse gesorgt hat

Fazit

Jared Jaffee schafft es mit extrem aggressivem Spiel, mit einer sehr schwachen Hand ein Overpair zum Folden zu bringen.

Jim Carroll wurde auch zum Verhängnis, dass sein Spektrum durch den Preflop-Call nach oben begrenzt war, während Jaffee durchaus Asse und Könige haben konnte.

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