Hand der Woche – Der grandiose Fold von Daniel Negreanu

Daniel Negreanu überlegt

Ein spannendes Duell zwischen den beiden lebenden Pokerlegenden Daniel Negreanu und Johnny Chan bei Poker After Dark gibt es dieses Mal in der Hand der Woche. Sie zeigt, wie schnell sich beim Poker die Kräfteverhältnisse komplett ändern können und wie schnell und flexibel ein Weltklassemann wie Daniel Negreanu, dem der River ganz übel mitspielt, darauf reagiert.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir verfolgen eine Cashgame Highstakes-Partie mit sechs Weltklassespielern und Blinds von $100/$200. In UTG raist Johnny Chan auf $600, Roland de Wolfe foldet, aber Daniel Negreanu callt im Cut-Off mit

   

Dahinter folden Gus Hansen und John Juanda, Patrik Antonius callt ebenfalls. Im Pot sind $1.900, der Flop bringt

     

Chan bringt die C-Bet mit $1.800, Negreanu raist auf $3.600, Antonius foldet, aber Chan callt. Im Pot sind $9.100, der Turn bringt das

 

Chan checkt, Negreanu setzt $5.000 und Chan callt. Im Pot sind $19.100, der River bringt das

 

Chan setzt von vorn $7.000, der verschnupfte Negreanu überlegt einige Minuten und foldet dann schließlich.

Chan hielt

   

und hatte tatsächlich das Full House.

Hier könnt ihr euch die Hand noch einmal in bewegten Bildern ansehen:

Analyse und Bewertung

Ein bemerkenswerter Fold von Daniel Negrenau, den wir uns hier samt der restlichen Hand näher ansehen wollen.

Vor dem Flop bringt Chan einen recht loosen Raise mit A5s aus früher Position, dagegen ist Negreanus Call mit Vieren im Cut-Off absoluter Standard. Er möchte gegen möglichst viele Spieler antreten und mit einem allfälligen Set maximale Auszahlung bekommen.

Nach zwei Folds bezahlt Patrik Antonius im Big  Blind mit J9s, auch das ist normal.

Auf dem Flop ist für (fast) jeden was dabei

Der Flop bringt Antonius gar nichts, aber Chan hat Top Pair, während Negreanu Second Pair und einen Open-ended Straight Draw hat.

Chan bringt eine C-Bet fast in Potgröße, worauf Negreanu einen Minraise auf $3.600 bringt.

Mit diesem Spielzug bezweckt Negreanu zweierlei. Er möchte den Pot am liebsten direkt gewinnen und könnte dabei bessere Hände wie eine Fünf oder sogar ein Overpair zum Folden bringen.

Außerdem baut er den Pot auf, wenn er mit einer Straight ein Monster bekommt. Wird er gecallt, werden die Bets in den folgenden Setzrunden größer und er kann den Gewinn besser maximieren.

Natürlich steigt Antonius aus, doch Chan will für diesen Preis sein Top Pair noch nicht aufgeben, zumal Negreanus Raise ein wenig „bluffy“ aussieht.

Hin und her auf Turn und River

Auf dem Turn bekommt Chan sein Two Pair, aber Negreanu verbessert sich gleichzeitig zur Straight. Chan checkt zu seinem Gegner, der weitere $5.000 anspielt.

Johnny Chan
Der perfekte River, aber keine Auszahlung für Johnny Chan.

Würde Chan die gegnerische Hand kennen, müsste er folden, da er nur vier Outs und damit nicht einmal mehr zehn Prozent für den Gewinn der Hand hat, aber natürlich könnte Negreanu auch bluffen bzw. mit einer schlechteren Hand setzen.

Nach Chans Call sind $19.100 im Pot und der River bringt tatsächlich das A, das Chan das Full House bringt.

Seine Bet von $7.000 ist eigentlich unwiderstehlich, aber Daniel Negreanu überlegt dennoch sehr lange, ehe er seine Hand sogar foldet.

Er bekommt Pot Odds von fast 4 zu 1, muss also nur etwas öfter als in 20 Prozent der Fälle gewinnen und dennoch schmeißt er seine Hand weg.

Schauen wir uns die Gründe an. Zunächst stellt sich die Frage, womit Chan so spielen kann. Geplatzte Draws fallen weg, weil es auf dem Turn keine realistischen Draws gab, allenfalls ein Flush Draw in Karo wäre möglich, aber der ist aufgrund der Setzrunden zuvor fast ausgeschlossen (warum sollte Chan auf dem Flop mit zwei Karo callen, denn die 4 ist bei Negreanu?).

Bleiben gute Hände, von denen Negreanu aber keine einzige schlägt. Es sind etliche Full Houses nicht nur möglich, sondern sehr plausibel anhand der Spielweise von Chan. 55, 33, 22, A5, A3, A2 – alle diese Hände sind nicht nur denkbar, sondern die wahrscheinlichsten Hände überhaupt.

Negreanus Fold ist angesichts des Preises für einen Call und der Stärke seiner Hand (auf dem Turn hatte er noch die effektiven Nuts, da Chan so gut wie 64 hat) fast unmenschlich, aber dennoch schafft es der Kanadier und zeigt damit seine gesamte Klasse.

Schwieriger wäre der Fold zweifellos nach einer Fünf gewesen, da es dann weniger realistische Hände gegeben hätte, die Negreanu schlagen.

Fazit

Ein Duell auf höchstem Niveau liefern sich Johnny Chan und Daniel Negreanu.

Als der River die übelste Karte für den Kanadier bringt, schafft er das Kunststück, sein ehemaliges Monster korrekt zu entsorgen.

Wie gut die beiden Spieler in der Handanalyse sind, zeigt auch, dass Johnny Chan seinen Gegner auf dessen exakte Hand, Pocket Vieren, setzte!

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