Hand der Woche – Antonio Esfandiari auf Tilt

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Antonio Esfandiari und Daniel Negreanu

Nicht erst seit seinem Sieg beim ersten Big One for One Drop, der ihm über $18 Millionen einbrachte, gilt Antonio Esfandiari als einer der stärksten Pokerspieler der Gegenwart. Unsere Hand der Woche zeigt aber, dass auch ein Weltklassemann wie er nicht unfehlbar ist. Auf dem Flop gehen ihm die Gäule durch und er begeht einen Fehler, der ihn mehr als $40.000 kostet!

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir verfolgen das glänzende Cashgame bei „Poker Night in America“, an dem so prominente Spieler wie ElkY Grospellier, Randy Lew, Maria Ho, Daniel Negreanu und eben Antonio Esfandiari teilnehmen.

Eigentlich wird $25/$50 gespielt, doch durch vier Straddles (!) muss man schon $800 bringen, um überhaupt in den Pott zu limpen.

Nachdem alle Spieler gefoldet haben, ist Antonio Esfandiari im dritten Straddle an der Reihe. Hinter ihm sitzt nur noch Daniel Negreanu und er hält

   

Er limpt, worauf Negreanu auf $3.800 raist. Die Stacks in dieser Runde sind sehr groß, Negreanu hat den effektiven Stack mit gut $40.000, das sind 800 Big Blinds bzw. 50 Straddles mit $800.

Esfandiari callt. Im Pott sind knapp $8.000, und die effektiven Stacks liegen bei rund $36.000.

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Flop

Der Flop bringt

     

Esfandiari checkt, und Negreanu setzt $5.000. Esfandiari überlegt eine Weile und checkraist dann auf $14.000. Negreanu geht direkt mit weiteren insgesamt fast $38.000 All-In. Esfandiari muss noch $24.000 bezahlen und callt schließlich widerwillig.

Beim Deal it twice kommen

  und  

bzw.

  und  

womit Daniel Negreanu den gesamten Pott mit knapp $84.000 gewinnt.

Die Hand könnt ihr euch noch einmal in bewegten Bildern ansehen:

Analyse und Bewertung

Eine üble und vor allem teure Klatsche für Antonio Esfandiari, die in dieser Form nicht nötig war. Schauen wir uns in der Analyse an, was beim Zauberer schief lief.

Vor dem Flop limpt Esfandiari zunächst mit einer für die Situation sehr starken Hand in den Pott. Natürlich könnte er mit seinen A T auch raisen, aber es ist keinesfalls schlecht, sein Spiel zu variieren und gelegentlich eine schwächere Hand zu repräsentieren als die tatsächliche. Hinzu kommt, dass Esfandiari keine Position hat und gegen einen Weltklassemann wie Daniel Negreanu nicht unbedingt einen großen Pott aufbauen will.

Als Negreanu einen saftigen Raise bringt, sagt dies durchaus etwas über die Qualität seiner Hand aus. Der Kanadier gilt als Meister des Slowball und beherrscht die Kunst der kleinen Bets und Raises wie kein Zweiter, aber hier geht er direkt aufs Gaspedal.

Klare Sache fuer Negreanu
Klare Sache fuer Negreanu

Dennoch kann Esfandiari eine so starke Hand in einer Situation, die quasi einer Blind-Battle entspricht, nicht folden. Sein Call ist somit korrekt.

Der Flop mit T 8 3 ist für den Magier annähernd perfekt, aber natürlich gibt es keinen Grund zu setzen.

Negreanu dagegen hat mit seinen Königen allen Grund, eine Bet zu bringen:

1. Er hat vermutlich die beste Hand.

2. Es kann einige schlechtere Hände wie eine Zehn oder eine Acht geben, die seine Bet callen können.

3. Es kann einige Draws wie zwei Pik oder 97 geben, die seine Bet callen können.

Esfandiari flippt aus

Schauen wir uns vor Esfandiaris Entscheidung noch einmal kurz die Ausgangslage an. Nach Negreanus Bet sind $13.000 im Pott und Esfandiari muss $5.000 callen. Danach würde der effektive Stack $33.000 und der Pott $18.000 betragen, womit keiner der Spieler pot-committed wäre.

Als Beobachter kann man nur schwer bis überhaupt nicht sagen, was Esfandiari zu seinem nächsten Spielzug bewogen hat, doch eines ist sicher: Er taugt nicht viel.

Mit seinem Check-Raise auf $14.000 begeht Esfandiari gleich mehrere Fehler:

Negreanu vs Esfandiari
Negreanu vs. Esfandiari

1. Er verwandelt seine Hand in einen Bluff.

2. Er kann kaum von schlechteren Händen gecallt werden.

3. Er kann anschließend nicht mehr folden.

Profitabel ist Esfandiaris Spielzug anders ausgedrückt nur, wenn er

1. eine bessere Hand zum Folden bekommt.

2. mehrere schlechtere Hände zum Callen/All-In bekommt.

Punkt 1 kann man ausschließen, während es bei Punkt 2 immerhin einige schlechtere Zehnen, Flush Draws und Straight Draws gibt, auf die dies zutrifft.

Warum kein Call?

Viel besser als der Check-Raise wäre ein Call gewesen. Natürlich kann Esfandiari hier nicht Top Pair folden, denn Negreanu bringt hier fast immer eine C-Bet und zudem könnte der Kanadier auch einen Semi-Bluff haben.

Dann aber ist es korrekt, einfach zu callen, womit man nicht nur die besseren Hände, sondern auch alle Bluffs und Semi-Bluffs im Pott behält.

Genau das ist der entscheidende Unterschied. Mit seinem Check-Raise, der bei positivem Ausgang meist nur $13.000 einbringt, weil der Gegner foldet, riskiert Esfandiari $40.000, die auch meist futsch sind, wenn der Gegner callt.

Möglicherweise hätte Esfandiari auch nach einem Call die ganzen $40.000 verloren, aber nach der 5 auf dem Turn wäre Negreanu womöglich vom Gas gegangen und es wäre viel billiger geworden.

Viel wichtiger ist aber, dass er seine $40.000 auf diese Weise besser investiert hätte. Nehmen wir zum Beispiel an, Negreanu hätte einen totalen Bluff und entscheidet sich, damit bis zum River All-In zu gehen.

Dann gewinnt Esfandiari nicht immer nur $13.000, wenn er $40.000 investiert, sondern auch öfters $40.000.

Fazit

Mit einem fast unerklärlichen Fehler setzt Antonio Esfandiari $40.000 in den Sand, sehr zur Freude von Daniel Negreanu.

Das Match-Up mit zwei sehr starken Händen in den beiden letzten Positionen war sehr ungünstig für den Magier, aber er hätte sein Geld unter wesentlich günstigeren Bedingungen im Pott unterbringen können.

Negreanu nahm die Einladung dankend an und musste kaum etwas machen, um optimal vom Fehler seines Gegners zu profitieren.

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