Aufregende Poker Videos

Hier können Sie eine große Auswahl unserer "Videos der Woche" von den beliebtesten Pokerturnieren weltweit und ihren spannenden Momenten ansehen. 

Tom Dwan und das Wiedersehen in Macao

Legenden um seine angeblichen finanziellen Probleme, seine Schulden bei diversen Highrollern und natürlich die bis heute nicht abgeschlossene durrrr-Challenge gegen Dan Cates ranken sich um den einstigen Superstar Tom Dwan. Vom Hörensagen wusste man, dass der frühere Full-Tilt-Hero immer wieder nach China zum Pokern reist, doch gesehen hatte man lange nichts mehr von ihm. Wie gut, dass es Doupai.TV gibt!


Tom Dwan
Dwan freut sich
Dwan freut sich

Wer, wann, wo

Vergangenes Wochenende fand in Macao die „Billionaire Poker Spring Challenge“ statt, und das absolute Highlight war ein Turnier mit einem Buy-In von HK$500.000, was umgerechnet knapp 60.000 Euro sind.

Mit von der Partie waren diverse chinesische Geschäftsleute, aber auch einige Spieler aus dem Westen wie Philipp Gruissem oder der Weißrusse Mikita „fish 2013“ Badziakouski, der im Internet zu den ganz großen Gewinnern zählt.

Und dann war da noch Tom Dwan. Die Online-Legende, die unter dem Pseudonym „durrrr“ Full Tilt Poker aufmischte, wurde in westlichen Gefilden länger nicht mehr am Pokertisch gesehen und er fand sich zuletzt vor über drei Jahren in den Ergebnislisten eines Pokerturniers wieder.

Letzte Hand
Letzte Hand

Doupai.TV = Twitch für China

Das Ergebnis des Turniers – Badziakouski setzte sich im Heads-Up gegen Dwan durch – kursierte via Facebook recht rasch durch die Pokerwelt, doch dann tauchten sogar Bilder von Dwans Auftritt auf.

Der Internetkanal Doupai.TV, der im Grunde die chinesische Entsprechung von Twitch ist, übertrug das Turnier mit Live-Kommentar in die chinesischen Wohnstuben – ganz im Sinne der Gleichberechtigung mit einer Frau und einem Mann.

Am Ende reichte es für Dwan „nur“ zu Platz 2 und umgerechnet etwa $275.000, doch in dem 35-minütigen Video gibt es einige Momente, in denen man „den alten Dwan“ zu erkennen glaubt.

In der letzten Hand jedoch tappte Dwan seinem weißrussischen Gegner in die Falle. Der hatte mit AK nur aufgestockt, und biss nach Dwans All-In dankbar zu!

Hier der echte Tom Dwan in Aktion:


 

Will Kassouf und der völlige Irrsinn

Natürlich war er der absolute Höhepunkt des 888live Festivals in Rozvadov, und das nicht nur wegen seines Auftritts im Hassduell mit Stacy Matuson. Auch beim Main Event sorgte Will Kassouf zwei Tage lang für Furore und trieb gleich mehrere Gegner zur Weißglut. Der völlige Irrsinn spielte sich in einer Hand mit Thomas „The Talk“ T. ab, in der der Deutsche mit seiner Provokation ein wenig zu weit ging.

Wer, wann, wo

An Tag 1C stieg Will Kassouf am letzten Wochenende in das Main Event des 888live Festivals in Rozvadov ein.

Recht bald bekam er einen echten Lauf und konnte schnell seinen Stack ausbauen, indem er unter anderem ein Paar gegnerische Asse knackte.

Den absoluten Höhepunkt erlebte der Meister des „Speech Play“ aber in einem Duell mit dem Deutschen Thomas „The Talk“ T., der nach einer kleinen Unbedachtheit feststellen musste, was es ausmacht, wenn der Gegner eine Karte des eigenen Blatts kennt.

„The Talk“ mit der verhängnisvollen Information

Das Duell
Verhängnisvolle Informationen

Als Zuschauer werden wir Zeuge einer Hand, die zunächst kaum Spannung verspricht.

„The Talk“ und sein Gegner Will Kassouf haben die gleiche starke Hand, und da sollte es doch mit dem Teufel zugehen, wenn es am Ende keinen Split Pot gibt.

Gerade hat Kassouf mit AK eine 3-Bet aus dem Small Blind gebracht, als „The Talk“ sich in einen Dialog verwickeln und dazu hinreißen lässt, seinem Gegner eine seiner beiden Karten zu zeigen.

Nach viel Gelaber landen die beiden auf dem Flop, der prompt ein Ass bringt.

Keine Alternative

Natürlich geht das Gelaber nun munter weiter, doch recht bald wird erst Will Kassouf und dann „The Talk“ klar, dass der Spieler, der einen Teil seiner Hand verraten hat, im Grunde nichts mehr machen kann.

Der andere Spieler hat immer diese eine Information mehr, und wenn er wie Kassouf setzt, tut er dies aus Sicht des Gegners im Wissen der bekannten Karte.

Nach kurzer Zeit merkt auch der erfahrene Thomas „The Talk“ T., dass er aus dieser Nummer nur noch mit einem Fold rauskommt, und tut das einzig Richtige.

Eine völlig verrückte Hand, in der William Kassouf zeigt, wer der Meister des „Speech Play“ ist, und die ihr jetzt genießen könnt: 


 

Wohin des Weges, Herr Blom?

Was passiert, wenn ein Spieler nie blufft? Er wird berechenbar, und sobald er setzt oder raist, folden seine Gegner. Ganz anders sieht es aus, wenn jemand geradezu legendär für seine Bluffs ist. So wie Viktor Blom, der in einer unvergesslichen Hand zu einem großen Move ansetzt und dabei geradewegs in einen ungläubigen Gegner rennt.

Wer, wann, wo

Es ist die Zeit, in der ein Online-Spieler namens „Isildur1“ über die Pokerwelt hereinbricht wie ein Wirbelsturm.

Hinter dem Pseudonym des Mannes, der die Online-Rekorde der größten Pötte aller Zeiten gleich reihenweise purzeln ließ, verbirgt sich ein eher scheuer junger Schwede, der mit seinem echten Namen Viktor Blom dann auch an der WSOP Europe teilnimmt.

Dort sitzt er beim Main Event in seinem Wahlwohnsitz an einem Tisch mit Antonio Esfandiari, Sam Trickett und einigen weiteren Weltklassespielern.

Ian Munns schwitzt
Ian Munns schwitzt

Furchtbar viel ist bei diesem Turnier noch nicht passiert, und offenbar hält Blom die Zeit für gekommen, für den ersten Höhepunkt zu sorgen.

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Die gesamte Hand nimmt bis auf den Eröffnungs-Raise von Blom einen ziemlich eigenwilligen Verlauf.

Mit dem eher zweifelhaften Blatt A7o lässt der Engländer Ian Munns einen Reraise vom Stapel und natürlich lässt sich ein Viktor Blom selbst mit einer Gurke wie K2 nicht davon abhalten, einen Blick auf den Flop zu werfen.

Dort wird dann es erst so richtig verrückt, denn nach Munns C-Bet checkraist Blom kräftig auf 58.000, worauf sein Gegner ohne größere Umschweife noch einmal drübergeht und damit klarmacht, dass er nicht mehr folden wird.

Doch mal im Ernst: Was schlägt Munns denn hier außer einem Bluff?

Im Fachjargon spricht man in einem solchen Fall davon, dass ein Spieler seine Hand in einen Bluff verwandelt habe, und insofern ist Bloms recht zügiges All-In gar kein so schlechter Spielzug.

Zumindest nicht objektiv, aber leider gegen diesen Gegner, der einmal kurz mit dem Achseln zuckt und sich dann ins Unvermeidliche schickt.

Ein wirklich wüstes Spektakel, nach dem die Online-Legende wortlos von dannen schleicht…  


 

Verrückte Bubble

Zu den spannendsten und vor allem zähesten Phasen bei einem Pokerturnier zählt die sogenannte Bubble. Wenn noch ein oder zwei Spieler gesucht werden, die leer ausgehen, versuchen die Big Stacks weiter Chips zu sammeln, während die Shorties ums nackte Überleben kämpfen. In unserem Video der Woche geht gleich vier Spielern gleichzeitig der Arsch auf Grundeis, doch das Ende ist recht profan.

Wer, wann, wo

Zwei Spieler werden beim PCA Main Event 2013 auf den Bahamas noch gesucht, die leer ausgehen.

Damals betrug das Startgeld beim beliebten Karibik-Stopp noch $10.300, womit das Ausscheiden kurz vor der Ziellinie doppelt bitter war – der Unterschied beträgt immerhin $15.000.

Hübscher Flop
Hübscher Flop

Noch 146 Spieler sind im Rennen, als wir in die Übertragung einsteigen, und bei 144 bezahlten Plätzen ist die Spannung förmlich zu greifen.

Prompt erleben wir gleich mehrere All-Ins, insgesamt sind vier Spieler an drei Tischen in Gefahr.

Zweimal Erlösung, zweimal Finito

Die Regeln der Bubble besagen, dass eine Hand nach der anderen gespielt wird, und wenn mehrere Spieler vom Ausscheiden bedroht sind, werden diese Situationen auch einzeln aufgelöst.

Vom Ausscheiden bedroht sind zunächst Ashley Cheung und Stefano Rossomando, die mit einem Paar gegen Overcards antreten müssen.

Schon der Flop meint es gut mit ihnen und bereits eine Karte später können beide erleichtert aufatmen und sich über die Verdopplung freuen.

Verrueckte Bubble
Verrückte Bubble

Richtig dramatisch geht es dagegen beim letzten All-In zu. Hier sind zwei Spieler gleichzeitig im Risiko – der Brasilianer Michel Santos und der Norweger Vegard Froshaug.

Beide haben mit [As][Qs] bzw. Pocket Damen starke Hände, aber auch ein Problem – zwischen ihnen hat Robert Mizrachi mit der besten Starthand überhaupt ebenfalls All-In geschoben, und als wäre das nicht genug, nehmen sie sich auch noch gegenseitig die Outs weg.

Das Drama dieser Bubble ist damit aber noch längst nicht vorbei, denn der Flop bringt dem Brasilianer jede Menge Outs und damit viel Hoffnung.

Und wie es am Ende ausging – Royal Flush, getroffener One-Outer oder Doppelschlag von Mizrachi und mehr, seht ihr hier:


 

Eine Hand, zwei Karriereverläufe

Beim Poker gleicht sich Glück und Pech langfristig aus, und um als starker Spieler auf Dauer ganz nach oben zu kommen, muss man einfach nur lang genug warten. So die Theorie. Und doch gibt es einzelne Hände, die für den einen Spieler den Weg an die Spitze wiesen und für den anderen einen schweren Karriereknick bedeuteten. Eine dieser Hände präsentieren wir hier in unserem Video der Woche.

Wer, wann, wo

In der letzten Staffel von „High Stakes Poker“, die 2010 im Bellagio gespielt und Anfang 2011 ausgestrahlt wurde, waren viele bekannte Spieler mit von der Partie.

Da PokerStars die Show sponserte, waren Spieler wie Dwan, Ivey und Antonius nicht dabei, dafür aber Doyle Brunson, David Peat, Antonio Esfandiari und die von PokerStars gesponserten Vanessa Selbst und Barry Greenstein.

Gespielt wurde mit sportlichen Blinds von $400/$800, und natürlich hatten die Spieler ordentlich Futter dahinter.

Eskalation auf dem Flop

Aus erster Position raist Antonio Esfandiari mit 8 7 auf $2.500 und neben Barry Greenstein, der Vieren hält, schließen sich auch noch Vanessa Selbst und David „Viffer“ Peat dem Zug zum Flop an.

Der Flop kommt für zwei Beteiligte und alle Fernsehzuschauer perfekt. Mit T 6 4 bekommt Greenstein sein Set, doch Esfandiari hat neben dem Flush Draw auch noch einen doppelten Gutshot.

Ruckzuck wandert das ganze Geld in die Mitte, und es stehen fast $600.000 auf dem Spiel, als die Dealerin Turn und River austeilt.

Die Chancen stehen 59 zu 41 für Greenstein, da er selbst bei einem Treffer von Esfandiari immer Redraws hat, doch Fortuna meint es nicht gut mit ihm.

Getrennte Wege

Antonio Esfandiari wpt
Antonio Esfandiari auf dem Weg nach oben

Für Esfandiari war dies der größte Pott, den er in seinem Leben bis dahin gewonnen hatte, und natürlich verlieh er auch seiner Bankroll einen Schub.

Aus dem Talent wurde ein gestandener Profi, der auf einmal Highroller- und Super-Highroller-Turniere spielen konnte.

Ein Jahr später nahm er am Millionenturnier „The Big One for One Drop“ teil und gewann als Sieger das sagenhafte Preisgeld von über $18 Millionen.

Und die Kehrseite der Medaille?

In seinem Blog auf PokerStars schreibt Greenstein, dass dieser Pott ihn erledigt habe und er im Gegensatz zu Esfandiari danach kein Highrollerturnier gespielt habe.

Aus seiner Sicht hat dieser Pott dafür gesorgt, dass zwei Pokerkarrieren sich in völlig unterschiedlichen Richtungen weiterentwickelt haben.

Und dabei war er mit 59 zu 41 sogar recht klarer Favorit!


 

Vanessa Rousso und der lange Atem

Poker ist vor allem in Europa fast ein reiner Männersport, und Frauen wie Liv Boeree, Vanessa Selbst oder Vicky Coren, die sich in dieser Domäne dauerhaft behauptet haben, kann man fast an einer Hand abzählen. Umso bemerkenswerter ist, dass die äußerst unterhaltsame TV-Show „Poker Night in America“ einen reinen Damentisch zusammentrommelte, an dem auch dank Vanessa Rousso feinstes Poker gespielt wurde.

Wer, wann, wo

Das Seminole Hard Rock Casino in Florida ist eine der absoluten Top-Pokeradressen außerhalb von Las Vegas und richtete dieses Jahr mit dem Seminole Hard Rock Poker Showdown den würdigen Abschluss der Season XV der World Poker Tour aus.

Im Rahmenprogramm wurden einige Folgen der beliebten TV-Show „Poker Night in America“ aufgezeichnet, und dabei ließen sich die Veranstalter mit der bereits dritten „Ladies Night“ mal wieder etwas Besonderes einfallen.

Spannung bei den Damen
Spannung bei den Damen

Am Tisch saßen so bekannte Namen wie Vanessa Rousso, Samantha Abernathy oder Natasha Mercier, aber auch Spielerinnen wie Esther Taylor, Danielle Andersen, Abbey Daniels und Stacey Sullivan, die einem weniger geläufig sind.

Der weite Weg für die Asse

Eine wirklich interessante Hand entwickelte sich zwischen Marsha Wolak, Danielle Andersen und Vanessa Rousso, die wieder einmal zeigt, dass der Weg bis zum River weit ist.

Man mag sich darüber streiten, ob Roussos ATs vor dem Flop nach Raise und Reraise im Sandwich für einen Call ausreichen, aber ohne ihren loosen Spielzug wäre uns der Rest in dieser Form entgangen.

Danielle Andersen mit Assen
Danielle Andersen mit Assen

Danielle Andersen derweil ist diejenige, die sich mit Assen gleich zweier Jägerinnen erwehren muss, und sie macht das in dieser Hand mit Bravour.

Perfekte Einsatzhöhe auf dem Turn

Auf dem Flop mit lauter niedrigen Karten und einem möglichen Flush Draw kann sie keine der beiden Gegnerinnen abschütteln, sodass sie auf dem Turn nachlegen muss.

Sie setzt genau so viel, dass Rousso mit weniger als 25 Prozent Siegchance nicht korrekt callen kann – doch die weiß das nicht, da das Ass schließlich auch ein Out sein und Marsha Wolak hinter ihr ebenfalls callen könnte, womit die Pot Odds wieder stimmen würden.

Und auch auf dem River zeigt sich Andersen auf der Höhe: Sie muss einsehen, dass Rousso hier zweimal im Sandwich gecallt hat, und das spricht eindeutig dafür, dass ihre hartnäckige Gegnerin entweder schon ein Monster hatte oder eben eines bekommen hat.

Ein Bluff ist angesichts der Entwicklung des Boards nahezu ausgeschlossen, also bleibt Andersen nichts anderes übrig, als diesen hübschen Pott mit knapp $18.000 Vanessa Rousso zu überlassen – gut gespielt, aber Pech gehabt!

Hier die gesamte Hand in bewegten Bildern:


 

Unterschätzt den Gutshot nicht!

Der Gutshot genießt in Pokerkreisen einen eher zweifelhaften Ruf. Die einen mögen ihn, weil man die getroffene Straight kaum erkennen kann, andere wiederum halten ihn für pure Geldverschwendung. Noch interessanter wird es beim doppelten Gutshot, der immerhin acht Outs verheißt. Ein Spieler zeigte bei „Live at the Bike“ damit viel Fantasie, musste letztlich aber kräftig bluten!

Wer, wann, wo

Meist wird bei „Live at the Bike“ um eher niedrige Einsätze gespielt, doch als Ende Februar Doug Polk anrückte, gingen die Summen ganz schön in die Höhe.

Wir verfolgen eine Partie mit doch recht strammen Blinds von $50/$100 und vor allem ziemlich großen Stacks.

Die drei Spieler, um die es geht, haben alle mindestens $25.000 vor sich stehen und damit mehr als 250 BB – da kann es schnell teuer werden.

zweimal Bauchschuss2
Zweimal Bauchschuss

Das gilt erst recht, wenn man so loose spielt wie unser Held Josh, der in dritter Position mal ganz lässig mit 53 offsuit einen Eröffnungsraise callt.

Zweimal Bauchschuss auf dem Flop

Auf dem Button steigt auch noch Michael ins Geschehen ein, auch seine Hand ist mit 87o nicht gerade der Megaburner, bietet aber natürlich viel Straight-Potential.

Mit dem Flop bekommen unsere beiden Protagonisten dann auch gleich jeweils einen Gutshot – oder wie es auf Deutsch liebevoll heißt einen Bauchschuss – und natürlich lassen sie sich für lächerliche $600 und mit fünfstelligen Summen hintendran nicht abschütteln.

Michael heckt was aus
Michael heckt was aus

Eskalation auf dem Turn

Die Turn-Karte ist der Traum schlechthin. Josh bekommt das Mega-Monster, checkt aber erst einmal frech zu seinem Gegner auf dem Button, der mit Joshs Volltreffern noch einen zweiten Gutshot aufgegabelt hat.

Danach geht alles ziemlich schnell. Michael, ganz offenbar ein glühender Verehrer des doppelten Gutshots, versucht es erst mit einem Semi-Bluff und als Josh sich mit einem Check-Raise zur Wehr setzt, geht kurzerhand die ganze Kohle in die Mitte.

Optimal gespielt war das sicher nicht, aber das ändert nichts daran, dass das Thema Gutshot in dieser Hand perfekt getroffen wurde!


 

Wer ist eigentlich der Boss?

Wer erinnert sich nicht an die vielleicht denkwürdigste Szene des vergangenen Pokerjahrs? Beim WSOP Main Event gerieten Stacy Matuson und der stets redselige Will Kassouf erst in einer Hand und dann verbal aneinander. Nun kam es beim 888live Festival im King’s Casino von Rozvadov zum erneuten Aufeinandertreffen der beiden – doch dieses Mal ging die Sache andersrum aus.

Wer, wann, wo

Kassouf
Kassouf

Am Donnerstag trafen sie sich wieder. Schon lange nicht mehr hatte eine Hand für so viel Aufsehen gesorgt wie das Duell zwischen Stacy Matuson und der ausgewiesenen Pokernervensäge William Kassouf letzten Sommer.

Beim Main Event der WSOP hatte Kassouf zu einem seiner gefürchteten Speech Plays angesetzt und seine Gegnerin so lange zugelabert, bis diese ihr Paar Damen foldete.

Mit „Nine high like a boss“ hatte der Anwalt aus London seine Gegnerin geblufft, die sich daraufhin beschwerte und mit ihrem Protest dafür sorgte, dass Kassouf wegen unsportlichen Verhaltens eine Aussitzstrafe erhielt.

Die ganze Kontroverse kann man sich hier noch einmal ansehen:

Wer nun gemeint hat, die beiden seien für immer und ewig verfeindet, erlebte nun aber eine Überraschung.

Beim 888live Festival im King’s Casino von Rozvadov trugen die beiden eine Revanche in Form eines Heads-Up aus, das der gewinnen sollte, der beim Best of three die Oberhand behielt.

Matuson dreht den Spieß um

Matuson mit Riesenkopfhoerer und Rebluff
Matuson mit Riesenkopfhoerer und Rebluff

Beide Spieler ließen sich für das Duell, das live übertragen wurde, etwas einfallen.

Während Kassouf ein T-Shirt mit der Aufschrift „Nine high like a boss“ und zeitweilig auch eine Brille trug, auf der sein berühmt gewordener Spruch in Laufschrift zitiert wurde, hatte sich Matuson ein Paar Riesenkopfhörer besorgt, um Kassoufs Gelaber nicht mehr hören zu müssen.

Rein pokertechnisch war das Ganze allerdings eine ziemlich eindeutige Angelegenheit. Matuson hatte mit Michael Mizrachi trainiert und zeigte einen loose-aggressiven Stil, der für das Heads-Up genau richtig dosiert war.

In zwei recht glatten Sätzen bezwang sie Kassouf sicher und zeigte ihm einmal sogar mit einem schicken Re-Bluff auf dem Flop die Grenzen des „Next Level Thinking“ auf.

Hier diese Hand und die anschließenden Interviews im Video:


 

Colmans perfekte Handanalyse

Meist präsentieren wir an dieser Stelle besonders spektakuläre Bluffs, Calls oder Folds bzw. Situationen, in denen die Wahrscheinlichkeit verrückt spielte. Dieses Mal jedoch zeigen wir einen der besten Spieler der Welt in einer kleinen Hand, die aber zeigt, welch fantastisches Können ein Mann wie Daniel Colman vorzuweisen hat. Trotz Top Pair findet er auf dem River einen Check, den nur wenige gemacht hätten.

Wer, wann, wo

Wir steigen ein ins Finale der Party Poker Premier League VII, bei der zwölf Spieler ein Startgeld von $125.000 entrichteten und damit um $1,5 Millionen kämpfen.

Zwangsläufig sind bei einem solchen Turnier praktisch nur Weltklasseleute dabei, wie die Zusammensetzung des Finaltischs mit Scott Seiver, dem späteren Sieger Sorel Mizzi, Jeff Gross und Daniel Colman eindrucksvoll unterstreicht.

Es geht um eine Siegprämie von $466.000, und da die Stacks recht klein und die Hände sehr stark sind, ist im Duell der Blinds zwischen Jason Koon und Dan Colman Spannung vorprogrammiert.

Colman mit der Value-Linie

Schon vor dem Flop zeigt Colman, dass er nicht vorhat, seine Hand in einen Bluff zu verwandeln.
Viele Spieler würden mit KJ reraisen und es auf ein All-in gegen den kleinen Stack ankommen lassen. Dieses „Angst-vor-dem-Flop-Syndrom“ ist einem der besten Spieler der Welt aber fremd.
Er will seine gute, aber nicht überragende Hand gegen das gesamte gegnerische Spektrum in Position spielen, während er bei einem Reraise die meisten schlechten Hände zum Folden bringen würde.

Natürlich weiß er nicht, dass Jason Koon die drittbeste Starthand hat und überhaupt nichts gegen eine Verdopplung einzuwenden hätte.

Beide Spieler auf der Höhe

Koon bringt auf dem Flop zunächst eine normale Continuation Bet, steckt dann aber zurück, als der Turn nach Colmans Call eine weitere Sechs bringt.

Jason Koon lauert
Jason Koon lauert

Eine Mischung aus Bluff-Provokation und Pot-Kontrolle steht hinter diesem Check und natürlich sieht Colman mit Top Pair erstmal keinen Grund, nicht zu setzen und Hände wie TT oder 99 zur Kasse zu bitten.

So weit, so gut. Doch nach Koons Call und Check auf dem River, der keine besonders besorgniserregende Zehn bringt, verzichtet Colman auf die Bet, die 99,9% aller Spieler gebracht hätten.

Entscheidend ist das Verhältnis von schlechteren und besseren Händen, die diese Bet noch callen können, und dieses wurde von der Zehn auf dem River entscheidend beeinflusst, was ein Spieler wie Colman sofort erkennt.

Hände wie 99, 88 oder 77 sind nun auf einmal mit zwei Overcards konfrontiert, während Blätter wie JT oder TT an KJ vorbeigezogen sind, und damit verringert sich das Spektrum von schlechteren Händen, die callen können, enorm und viel mehr als QJ, J9 oder J8 fällt einem dazu gar nicht ein.

Eigentlich ganz einfach, oder?


 

Phil Ivey und die brutale Overbet

Auch wenn sein Glanz in letzter Zeit ein wenig verblasste, gilt Phil Ivey immer noch als einer der besten Spieler der Welt. Derzeit weilt der Highroller in Australien und bei der 100k Challenge versetzte er das restliche Feld zeitweilig in Angst und Schrecken. Als Video der Woche haben wir aus diesem Event eine Hand ausgewählt, in der Ivey einen Schritt weiter denkt als sein italienischer Gegner Dario Sammartino und diesen so aufs Glatteis führt.

Wer, wann, wo?

Die absolute Pokerelite traf sich bei der 100k Challenge der Aussie Millions, unter anderem waren die Deutschen Fedor Holz und Fabian Quoss dabei, aber auch internationale Topstars wie Steve O’Dwyer, Brian Rast, Stephen Chidwick oder Mike McDonald.

An Tag 1 fegte zunächst Phil Ivey wie ein Sturm über das hochklassige Feld hinweg und eroberte die glasklare Chiplead.

Fast genauso schnell, wie er die Chips seinen Gegnern abgenommen hatte, verlor er sie dann später wieder und schied bereits an Tag 1 aus.

Zuvor kam es aber noch zu diesem heftigen Gefecht mit Dario Sammartino.

Die maximale Polarisierung

Bei den Aussie Millions wird mit verschärften Regeln gespielt, laut denen die Spieler für jede Entscheidung nur 30 Sekunden zur Verfügung haben.

Dario Sammartino
Dario Sammartino ahnte beim River Shove von Phil Ivey schon Böses.

So soll dafür gesorgt werden, dass die Spieler nicht auf Zeit spielen und möglichst viele Hände gespielt werden.

In unserer vorliegenden Hand ist es für Dario Sammartino aber sehr schwer, in dieser kurzen Zeit alles noch einmal ausgiebig zu durchdenken.

Nachdem er auf dem Flop semibluffte, machte der Italiener auf dem Turn die Straight, doch auf dem River kam ein Paar aufs Board, wodurch er von vielen Händen geschlagen wird.

Genau in dieser Situation schiebt Phil Ivey fast das Doppelte der Potgröße in die Mitte und stellt seinen Gegner damit vor eine turnierentscheidende Situation.

Next Level Thinking

Iveys Bet sieht aus wie ein Bluff, und genau das dürfte der Grund sein, dass der Italiener callt und hinterher dumm aus der Wäsche schaut.

Genial gemacht von Phil Ivey und definitiv perfektes Anschauungsmaterial für das eigene Spiel.

Der große Altmeister des Poker kann es eben doch noch! Und zwar richtig gut!


 

Traumhaftes dreifaches All-In mit bitterbösem Ende

Langfristig gleicht sich beim Poker vieles aus, doch gelegentlich gibt es auch einzelne Situationen, in denen die Karriere eines Pokerspielers entscheidend beeinflusst wird. Der Argentinier Juan Manuel Pastor etwa stand beim EPT Grand Final in Monte Carlo vor dem ganz großen Wurf und wurde dann extrem unsanft ausgebremst.

Wer, wann, wo

Wir beobachten die Schlussphase eines der wichtigsten Turniere des Jahres 2015. Beim EPT Grand Final in Monte Carlo sind noch zwölf Spieler im Rennen und es geht darum, sich die optimale Ausgangslage für den Kampf um die Siegprämie von über 1 Million Euro zu sichern.

Das Feld ist etwa ausgewogen mit erfahrenen Profis wie Ole Schemion, Pokerlegende John Lodden und WSOP Europe-Sieger Adrian Mateos sowie Amateuren und Gelegenheitsspielern wie Koichi Nozaki, Hady Asmar oder Muhyedine Fahes besetzt.

Gespielt wird an zwei Tischen mit je sechs Spielern, und alle Teilnehmer haben bereits €66.500 sicher.

Pastors große Chance…

Wir bekommen gerade noch mit, wie am Außentisch der Deutsche Christopher Frank und der Argentinier Juan Manuel Pastor bereits All-In sind und WSOP Europe Champion Adrian Mateos kurz über seine Entscheidung nachdenkt, ehe auch er callt.

Nettes Set up
Nettes Set up

Kein Wunder, dass der Spanier sich zum Call entschlossen hat, hält er doch mit Pocket Damen die drittbeste Starthand, die das Pokerspiel überhaupt zu bieten hat.

Und doch ist Mateos hier nur klarer Außenseiter, denn seine beiden Gegner haben mit Assen bzw. Königen noch ein kleines bisschen mehr als er.

…und das böse Erwachen

In bester südamerikanischer Emotionaliät erlebt Juan Manuel Pastor die folgenden Sekunden.

Na klar, er hat die einmalige Chance, seinen Stack fast zu verdreifachen und das Kommando in diesem hochdotierten Finale zu übernehmen.

Pastor bangt
Pastor bangt

Mit dem Sieg in dieser Hand würde er Mateos überholen und hätte auf einmal beste Chancen auf den ganz großen Wurf.

Doch schon den Flop mag sich Pastor, der hier 66%iger Favorit ist, gar nicht recht ansehen, als ahnte er, was wenig später passieren würde.

Und tatsächlich: Gemeinsam mit Christopher Frank muss er kurz darauf seinen Stuhl räumen und sich mit gut €78.000 Preisgeld begnügen, während Adrian Mateos sich anschließend souverän Titel und Siegprämie von €1.082.000 sichert.

So knapp kann es beim Poker zugehen…


 

Der letzte Auftritt des Stu Ungar

Geradezu legendär sind die Bilder, die wir dieses Mal in unserem Video der Woche präsentieren. Dabei gehen wir 18 Jahre zurück und verfolgen den Finaltisch des WSOP Main Event 1997, der von einem der begnadetsten Spieler aller Zeiten gewonnen wurde. Doch Stu Ungar war nicht nur ein grandioser Pokerspieler, er war auch eine tragische Figur.

Das traurige Ende eines Genies

Schon als Kind fiel Stu Ungar mit seinem außerordentlichen Talent für Kartenspiele auf. Nachdem sein Vater gestorben war, unterstützte er seine Familie mit Gewinnen, die er beim Gin Rommé erzielte. Es dauerte nicht lang, und Ungar galt aufgrund seines fotografischen Gedächtnisses als unbesiegbar.

Allerdings zeigten sich bereits damals die Schattenseiten Ungars, die ihn ein Leben lang begleiten sollten. Einen Teil seiner Gewinne verschleuderte er auf der Rennbahn, später gab er sie dann für Drogen aus.

Als niemand mehr mit Ungar Gin Rommé spielen wollte, wandte er sich Texas Hold’em zu und zeigte auch dort außerordentliche Fähigkeiten. Er ging nach Las Vegas, nahm 1980 im Alter von 26 Jahren an der World Series of Poker teil und holte sich direkt als jüngster Spieler aller Zeiten den Titel (später wurde er in dieser Hinsicht allerdings von Phil Hellmuth abgelöst).

Im Heads-Up besiegte er damals den „Godfather of Poker“, Doyle Brunson, und ein Jahr darauf konnte er seinen Titel verteidigen.

Doch so sehr Ungar am Pokertisch auch glänzte, so schwer tat er sich im Privatleben. Drogen- und Spielsucht kosteten ihn den Großteil seiner Gewinne, und immer wieder musste er sich Geld von Freunden leihen.

Das letzte Aufbäumen

Mindestens genauso oft fiel Ungar durch seine Drogeneskapaden auf. 1990 etwa nahm er mit geliehenem Geld an der WSOP teil, lag ausgezeichnet im Rennen, wurde aber am dritten Turniertag mit einer Überdosis Kokain in seinem Hotelzimmer gefunden.

Das Turnier konnte er anschließend nicht fertig spielen, landete aber aufgrund seiner vielen Chips dennoch auf dem 9.Platz.

Sein letztes Comeback feierte Ungar dann 1997. In diesem Jahr trat er wieder mit geliehenem Geld zur WSOP an und dieses Mal hielt er durch. Unter 312 Spielern setzte er sich durch und gewann die Siegprämie von $1 Million.

Doch die langjährige Drogenkarriere hatte ihre Spuren hinterlassen. Trotz der Sonnenbrille, die Ungar während des gesamten Turniers trug, ist die verheerende Wirkung, die der Kokainkonsum hinterließ, an seiner Nase unübersehbar. 

Unser Video zeigt die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Ungar am Pokertisch, aber auch den rührenden letzten öffentlichen Auftritt beim abschließenden Siegerinterview mit Gabe Kaplan.

Zweimal hält Ungar das Bild seiner geliebten Tochter Stefanie ins Bild und widmet ihr seinen Sieg. Unvergesslich sind seine Worte: „Beim Kartenspielen konnte mich nie jemand schlagen. Der Einzige, der mich je schlagen konnte, war ich selbst.“

Ein Jahr nach diesen Bildern war Ungar schon nicht mehr in der Lage, an der WSOP teilzunehmen. Die Million Siegprämie war natürlich längst wieder ausgegeben, doch hätte ihm sicher jemand die $10.000 Startgeld geliehen. Der gesundheitliche Zustand reichte für eine Teilnahme aber nicht aus – Ende November 1998 starb Stu Ungar, einer der besten Pokerspieler aller Zeiten – in einem Zimmer eines Motels an einem Herzinfarkt.  

Hier die bewegenden Bilder seines letzten Erfolgs:


 

Der komplette Irrsinn mit Tom Dwan und Phil Ivey

Zu einer wirklich großartigen Pokerhand gehört eine außergewöhnliche Konstellation und zwei (oder mehr) Spieler, die auf der Höhe des Geschehens sind. Ein solches Szenario mit zwei absoluten Meistern ihres Fachs, die nicht viel brauchen, um eine Menge Geld zu investieren, präsentieren wir dieses Mal in unserem Video der Woche – Einfach nur verrückt!

Wer, wann, wo

Wir machen eine Zeitreise in die goldenen alten Zeiten, als die Pokerwelt noch in Ordnung war. Auf der ganzen Welt durfte munter Online-Poker gespielt werden und es gab Fernsehsendungen wie High Stakes Poker oder Poker After Dark, bei denen dem Zuschauer der Atem stockte.

In diesen TV-Shows ging es nicht nur um sehr viel Geld, es wurde auch verdammt viel geboten. Die besten Spieler der Welt duellierten sich und schenkten sich nichts.

Genau ein solches Duell sehen wir hier zwischen Tom Dwan und Phil Ivey aus der Sendung High Stakes Poker im Jahr 2010. Die selbst für damalige Verhältnisse astronomischen Blinds von $800/$1.600 sind noch das normalste in dieser Hand, die auch heute nichts von ihrem Charme verloren hat.

Der komplette Irrsinn

Natürlich sollte man sich die kompletten knapp neun Minuten dieser von vorn bis hinten sensationellen Hand nicht entgehen lassen, aber einige Aspekte muss man besonders hervorheben.

Zunächst ist da der enorme Mut von Tom Dwan. Er versucht vor dem Flop nicht nur einfach einen Move, indem er aus den Blinds squeezt, sondern hämmert seinen Bluff anschließend erbarmungslos durch, als das Board auf Turn und River bedeutungslose Karten bringt.

Dwan
Tom Dwan beweist viel Mut und entscheidet sich die Geschichte von der starken Hand weiterzuerzählen, indem er mit 9-hoch $268.200 in die Mitte schiebt.

Dies zeichnet die ganz großen Spieler aus: Sie schlagen einen Weg ein und gehen ihn dann zu Ende.

Genauso großartig wie Dwans Leistung ist aber auch die seines Gegners einzuschätzen.

Auf dem River bekommt Phil Ivey ein kleines bisschen Etwas, nachdem er sämtliche Draws verpasst hat. Er gibt die Hand aber nicht einfach mechanisch auf, sondern überlegt mehrere Minuten, ehe er sich ins Schicksal fügt.

Dies zeigt, dass auch er wie sein Gegner genau wusste, was er tat. Geplatzte Draws gibt es auf diesem Board massenweise, und natürlich könnte Dwan eine ähnliche Hand wie sein Gegner haben.

Unterm Strich ist diese Hand in all ihren Details einfach unvergesslich, einfach hinreißend, einfach sensationell!


 

Völlig verkehrte Welt

Was geht eigentlich in den Köpfen von Pokerspielern der Weltklasse vor? Diese Frage haben sich zweifelsohne schon viele Pokerfans auf der ganzen Welt gestellt, doch manchmal ist die Antwort gleichermaßen banal wie ernüchternd: nichts Gescheites. In unserem Video der Woche zeigt ein November Niner, dass man auf die verrücktesten Ideen kommen kann.

Wer, wann, wo?

Wir beobachten die letzten vier Spieler der Southern Comfort 100 National World Series of Poker Championship, die kurz vor Beginn der regulären WSOP 2013 in New Orleans ausgetragen wurde.

Volltreffer für Hilton
Volltreffer für Hilton

Vier Spieler sind noch an Bord, und davon sind zwei waschechte Bracelet-Gewinner. Brock Parker hat mittlerweile drei WSOP-Siege auf seinem Konto, während Max Steinberg immerhin ein Bracelet sein Eigen nennt.

2015 kam der smarte Steinberg sogar unter die November Nine kam und staubte dann als Vierter über $2,5 Millionen ab.

In dieser Hand könnten die Leistungen der beiden Bracelet-Gewinner gar nicht unterschiedlicher sein, aber genau das macht den Reiz dieses Duells aus.

Parker top, Steinberg Flop

Im Grunde entwickelt sich zunächst eine ganz normale Hand, in die auch der spätere Sieger Jonathan Hilton verwickelt ist.

Parker raist mit einer starken Broadway-Hand und Steinberg und Hilton callen mit ausbaufähigen Händen in den Blinds.

Brock Parker zeigt seine Klasse
Brock Parker zeigt seine Klasse

Hilton floppt ein Monster, spielt wie aus dem Lehrbuch slow und hat dann auf dem Turn das Glück, dass Steinberg vor ihm blufft und Parker nach seinem Call mit frisch eingetroffenem Top Pair ebenfalls callt.

So weit, so gut, doch dann stellt der River diese bis dato alltäglich gespielte Hand komplett auf den Kopf.

Max Steinberg hat rein gar nichts und mit Bube hoch zudem eine Hand, die nicht einmal viele Bluffs schlägt, und als er in erster Position checkt, denkt man als Betrachter, er hätte aufgegeben. Was sonst…

Doch dann geschieht es. Während Parker mit Top Pair, Second Kicker den sehr starken und disziplinierten Fold findet und zeigt, aus welchem Holz Bracelet-Gewinner geschnitzt sein können, fängt Steinberg auf einmal zu überlegen an.

Schließlich wendet er eine knappe Minute auf, um letztlich auf diesem völlig hoffnungsvollen Board 335.000 Chips zu verbrennen.

Was soll man dazu sagen?


 

Die verrückteste Hand des WSOP Main Event

Straight Flushes und Full Houses gibt es beim No-Limit Hold’em ziemlich selten, und noch viel seltener in ein und derselben Hand. Beim Main Event der WSOP 2016 kam es an Tag 7 zu einem geradezu unfassbaren Aufeinanderprall zweier der stärksten Pokerhände überhaupt und am Ende zu einem beeindruckenden Fold von James Obst.

Wer, wann, wo

Wir sind an Tag 7 des WSOP Main Event und es sind noch 22 Spieler im Turnier. Michael Ruane, der an Tag 6 und 7 einen irren Lauf hinlegte, und James Obst gehören nicht nur am Tisch, sondern im gesamten Turnier zu den größten Stacks.

Während Obst sowohl live als auch unter seinem Online-Pseudonym „Andy McLeod“ schon großeErfolge erzielt hat, ist sein Gegner Ruane zwar offiziell Pokerprofi, im internationalen Turnierzirkus aber ein völlig unbeschriebenes Blatt.

Gleich vier Spieler schauen sich in unserer Hand den Flop an. Nach dem Raise des Spaniers Fernando Pons callen mit dem Button Ruane, dem Small Blind James Obst und dem Big Blind Qui Nguyen insgesamt drei Spieler, und es geht zu viert auf den Flop.

Sie konnten nicht ahnen, was gleich passieren würde.

Action-Flop pur

Außer für den Big Blind Qui Nguyen, der mit einer schwachen Hand nur der Pot Odds wegen callte, ist auf dem Flop für jeden etwas dabei.

Pons spielt sein Top Pair auf diesem drawlastigen Board an, doch als er Raise und Reraise von Ruane bzw. Obst serviert bekommt, verabschiedet er sich schnell.

Straight Flush fuer Ruane
Straight Flush fuer Ruane

Nach Obsts Reraise ist Ruanes Straight Flush Draw, mit dem er zuvor einen Semi-Bluff vom Stapel ließ, nur noch die Hälfte wert, da Obst auch höhere Flush Draws haben könnte, doch kann er die Hand an dieser Stelle natürlich nicht aufgeben.

Traumkarten auf Turn und River

Michael Ruane ist ein echter Glückspilz, denn direkt auf dem Turn bekommt er seinen Straight Flush und kann nach Obsts korrektem Check eine kleine, unauffällige Value Bet platzieren.

Obst hingegen spielt die Hand bis zum Ende perfekt und ist schlicht Opfer einer extrem ungünstigen Situation, als der River das Paar aufs Board bringt und ihm ein Full House beschert.

Auch er bringt nun eine kleine Value Bet, schafft aber den äußerst disziplinierten Fold im bisher größten Pott der WSOP, als Ruane ihn All-In setzt und er schlicht und ergreifend keine einzige plausible Hand seines Gegners mehr schlägt.

Ein Spektakel, wie man es wirklich nicht alle Tage sieht!


 

Auch die besten Pokerspieler machen Fehler

Fraglos zählt Daniel Negreanu seit vielen Jahren zu den besten Pokerspielern der Welt. Vor allem in Turnieren ist Kid Poker mit Gewinnen von über $32 Millionen ein Garant für gute Ergebnisse und Leistungen. Allerdings ist auch er nicht gegen Fehlentscheidungen gefeit – ein besonders krasser und teurer Fall unterlief ihm gegen Erick Lindgren.

Wer, wann, wo

Schon die sonore, tiefe Stimme des Kommentators verrät es. Wir verfolgen eine Hand aus der legendären Pokersendung „High Stakes Poker“ und werden gemeinsam mit Gabe Kaplan Zeuge, wie Daniel Negreanu und Erick Lindgren auf Feinste aneinandergeraten.

Vor dem Flop geht es mit einem Raise von Negreanu auf $2.000 und einem Call noch moderat zu, doch haben beide Spieler noch über $100.000 Munition in der Hinterhand.

Action-Flop

Der Flop bringt dann auch das, was man sich als Zuschauer wünscht, denn beide Spieler floppen ein Monster.

Negreanu fängt sogleich an, seinen Gegner in bester Smallball-Manier auszuzutzeln, doch sind seine gefloppten Nuts nach der Turn-Karte, die ihm sicher nicht besonders gefallen hat, nicht mehr ganz so viel wert wie vorher.

Dennoch gibt es einstweilen nichts an der eingeschlagenen Route zu ändern – Negreanu könnte durchaus bis zum River von einer schlechteren Hand ausbezahlt werden.

Unnötige Hartnäckigkeit auf dem River

Lindgren
Lindgren nimmt das Geschenk gerne an

Als Negreanu auf dem River eine weitere Value Bet bringt, setzt ihn Lindgren recht zügig All-In, worauf der Kanadier einen mittelgroßen Gefühlsausbruch an den Tag legt und meint, er werde jedes Mal auf dem River geraist, wenn er zuvor die Nuts floppt.

Im Grunde weiß Negreanu schon bei Lindgrens Raise, dass die Hand im Grunde vorbei ist und er einfach folden sollte.

Doch dann vergräbt er sich fast vier Minuten lang in eine verlorene Sache und sucht verzweifelt nach einer Hand, die er schlägt und die sein Gegner plausibel haben kann.

Vielleicht hätte es ihm geholfen, wenn er Gabe Kaplans mahnende Worte „Auf dem Flop lag kein Flush Draw“ gehört hätte, doch so verschenkt er schließlich über $73.000 in einer Situation, in der seine gefloppten Nuts keinen Pfifferling mehr wert waren.

Selbst weniger genialen Pokerspielern fällt hier keine schlechtere Hand ein, mit der Lindgren so spielen konnte, und daher bleibt nur der Schluss, dass Negreanu hier vielleicht ein kleines Wenig auf Tilt war…


 

Als Phil Ivey noch Angst und Schrecken verbreitete

Er galt einst als bester Pokerspieler aller Zeiten und wurde für krasse Calls und kühne Bluffs gleichermaßen bewundert. Heute jedoch findet man Phil Ivey nur noch selten am Pokertisch, und Schlagzeilen macht er vor allem mit Prozessen, die er mit Spielcasinos um auf halbseidene Art gewonnene Millionen führt. In unserem Video der Woche zeigen wir Bilder aus besseren Zeiten und einen der schönsten Bluffs von Phil Ivey überhaupt.

Wer, wann, wo

Als die USA einen frisch gewählten Präsidenten Barack Obama hatten und die Online-Pokerwelt noch in voller Blüte stand, fieberten die Pokerfans Woche um Woche nach den neuesten Folgen von Poker After Dark und High Stakes Poker.
In diesen Sendungen wurde ziemlich lapidar um astronomische Summen gespielt, und mittendrin waren Spieler wie Patrik Antonius, Tom Dwan und eben Phil Ivey, die sich schon damals längst Kultstatus erspielt hatten.

Unser Video stammt aus der sechsten und letzten Staffel von High Stakes Poker, und der Tisch bietet eine gelungene Mischung aus Pokerlegenden wie Barry Greenstein, Phil Ivey und Daniel Negreanu sowie aufstrebenden Young Guns wie Andrew Robl, der heute als der vielleicht beste Cashgame-Spieler der Welt gilt, und dem Niederländer Lex „Raszi“ Veldhuis.

Alle Macht dem Button

Veldhuis mit dem Value Bluff
Veldhuis mit dem Value Bluff

Die beteiligten Spieler haben alle Kleingeld im Bereich von mindestens $200.000 vor sich stehen und auf dem Button sitzt der Chef, Phil Ivey.

Als der recht tighte Barry Greenstein raist, verteidigt Phil Ivey seinen Button mit einer Hand, die die meisten Spieler ohne größeres Achselzucken in die Tonne drücken würden: 52o.

Lex „Raszi“ Veldhuis, der zuvor den Pott mit einem $1.600 Straddle angefüttert hat, weiß natürlich, dass Ivey hier mit einem sehr breiten Spektrum reraist, außerdem hat er mit KJs eine Hand, die einige starke Hände wie AK, KK, JJ unwahrscheinlicher macht.

Sein Reraise auf über $50.000, um gegen schwächere Hände einfach das beträchtliche Dead Money einzufahren, ist deshalb eine zwar loose, aber durchaus brauchbare Idee.

Die Rechnung ohne den Wirt

Greenstein foldet dann auch artig ohne größeres Nachdenken, doch Phil Ivey ist nicht der Typ, der hier eine miese Hand wie ein Automat in den Muck befördert.
Erst erkundigt er sich nach dem Stack des Niederländers, und als der recht kleinlaut ungefähr $140.000 vermeldet, setzt ihn Ivey kurzerhand All-In.

Ein All-In vor dem Flop mit nichts auf der Hand und $200.000 echtem Geld sieht man wirklich nicht alle Tage und obwohl Lex „Raszi“ Veldhuis ein bekanntermaßen looser Spieler war, gehört dieser Move zu den grandiosesten Bluffs der Pokergeschichte!


 

Der endlose Bluff

Mutige Bluffs gehören zum Schönsten, was das Pokerspiel zu bieten hat, und oft reicht ein einziger kraftvoller Moment, um den Pott gegen eine mittelmäßige Hand zu gewinnen. Was passieren kann, wenn zwei hartnäckige Spieler ohne jeglichen Showdown Value aufeinander treffen, zeigt unser Video der Woche, in dem es völlig losgelöst von üblichen Gesetzmäßigkeiten zur Sache geht.

Wer, wann, wo

Wir verfolgen das hoch dotierte Einladungsturnier der International Federation of Poker (IFP), das 2011 in London ausgetragen wurde.

Mestre unerbittlich
Mestre unerbittlich

In den goldenen Zeiten des Pokerbooms veranstaltete diese Organisation, die sich keine finanziellen Ziele gesetzt hatte, sondern als weltweite Dachorganisation aller Pokerspieler fungieren wollte, ein Turnier, bei dem es $500.000 zu gewinnen gab.

Es war das erste Mal, dass für die IFP bekannte SpielerInnen wie Sandra Naujoks, Vicky Coren und Raul Mestre antraten – und leider auch das letzte Mal.

Womöglich wäre also die gesamte Organisation oder zumindest das Turnier längst in Vergessenheit geraten, wenn es nicht diese unfassbare Hand gegeben hätte.

Der weite Weg mit nichts

Vor dem Flop nimmt das Spektakel noch halbwegs normale Züge an.

Vicky Coren3
Vicky Coren

Mestre raist mit einer Gurkenhand vom Hijack, aber die Spieler haben viele Chips und da es noch früh im Turnier ist, ist das Risiko für ihn gering.

Außer Vicky Coren, die ein gleichfarbiges Cheval d’amour (so hat irgendjemand die Hand 96 mal genannt) im Big Blind nicht loswird, folden alle Spieler, und als der Flop aufgedeckt wird, erwartet man als Zuschauer ein schnelles Ende.

Mit A T 2 ist für Coren nämlich überhaupt nichts dabei und daher wäre die logische Folge Check Coren, Conti-Bet Mestre, Fold Coren, und die 43.500 Chips gehen an Raul Mestre.

Doch weit gefehlt.

Was soll ich tun
Was soll ich tun?

Es folgt einer der längsten Bluffs der Pokergeschichte. Er beginnt mit einem Check-Raise von Vicky Coren mit nichts, geht weiter mit einem Call von Raul Mestre mit nichts, einer weiteren Bet von Vicky Coren mit immerhin einem Flush Draw und einem Raise von Mestre mit einem lächerlichen Gutshot.

Am Ende hat Vicky Coren schlicht keine Chips oder keine Fantasie mehr, um noch einen draufzusetzen, obwohl Mestre hier nicht furchtbar viel haben kann. Gleichwohl war sie Mut und Ideenreichtum bei einer der faszinierenden Hand dabei.

Ach, übrigens. Raul Mestre hat dieses Turnier vor Vicky Coren gewonnen und dafür $250.000 kassiert.

Mut wird beim Poker eben oft belohnt.


 

Martin Kozlov und der doppelte Knockout

Wer träumt nicht davon, einmal in seinem Leben bei der WSOP ein Bracelet zu gewinnen?! Doch die, die es geschafft haben, mussten oft hart kämpfen, bis sie ihre(n) letzten Gegner nieder gerungen hatten. Dem Australier Martin Kozlov jedoch gelang bei der WSOP 2016 ein Kunststück der besonderen Art – er eliminierte seine beiden letzten Gegner gleich auf einen Schlag und entledigte sich damit aller Sorgen!

Wer, wann, wo

Wir steigen ein ins Finale von WSOP Event #39, dem hochrangig besetzten Finale der $10.000 6-Handed No-Limit Hold'em Championship.

Nach dem Ausscheiden des mit Schmährufen bedachten Chris Ferguson sind noch drei Spieler dabei.

Martin Kozlov aus Australien ist der Chipleader mit über 7 Millionen Chips, während Justin Bonomo nur 2,9 Millionen und Davidi Kitai immerhin 3,9 Millionen haben.

Dramaturgisch perfekt sitzt Kozlov auf dem Button und raist mit Q Q.

Alle Chips in der Mitte

Mit der drittbesten Starthand hat Kozlov in dieser dreihändigen Situation ein absolutes Mega-Monster, aber natürlich muss er befürchten, dass er damit nur die Blinds gewinnt.

Was dann passiert, hatte er sich aber gewiss nicht in seinen kühnsten Träumen erhofft.

Recht prompt geht hinter ihm Justin Bonomo All-In, der mit zwei Neunen ebenfalls eine weit überdurchschnittliche Hand hat.

Davidi Kitai ueberlegt
Davidi Kitai überlegt

So weit, so gut. Alles wäre ziemlich normal, wenn Kitai jetzt folden und Kozlov den Shortstack vom Tisch nehmen würde.

Tut er aber nicht. Nach längerer Überlegung schiebt auch der belgische Triple-Crown-Gewinner seine restlichen Chips in die Mitte, und als Kozlov prompt callt, ist eine der skurrilsten Situationen der WSOP 2016 entstanden.

Das Sahnehäubchen

Als wäre das noch nicht genug Drama gewesen, setzt Fortuna auf dem Flop noch einen drauf.

Natürlich ist Kozlov mit seinem Overpair gegen die beiden gegnerischen Paaren hoher Favorit, aber es könnte ja eine Sechs bzw. eine Neun kommen, wodurch der jeweilige Gegner verdreifachen und die Chiplead übernehmen würde.

Solche Fragen werden mit dem Flop aber restlos ausgeräumt.

Martin Kozlov reißt schon nach den ersten drei Gemeinschaftskarten die Arme hoch und darf sich wenig später mit einem sehenswerten Doppelschlag über sein erstes WSOP Bracelet freuen.

Einen Trost gibt es immerhin für Davidi Kitai. Da Kozlov beide Spieler vom Tisch nimmt, bekommt er dank des größeren Ausgangsstacks das Preisgeld für Platz 2.

Noch Fragen
Noch Fragen? Keine!

Hier der wunderbare Doppel-Knockout von Martin Kozlov:


 

Fünffaches All-In mit €200.000 in der Mitte

Als regelmäßiger Beobachter der Pokerszene ist man ja manche skurrile Situation gewöhnt, aber was fünf Highroller beim Pot-Limit-Omaha-Cashgame im King’s Casino veranstalteten, sieht man definitiv nicht alle Tage. Nach normalem Beginn mit einem Raise und mehreren Calls brechen alle Dämme und es kommt zum Massen-All-In.

Wer, wann, wo

In regelmäßigen Abständen veranstaltet der größte Cardroom Europas, das King’s Casino in Rozvadov, sogenannte Celebrity Cashgames, bei denen namhafte Spieler wie Patrik Antonius, Tony G., Philipp Gruissem und Fedor Holz gegeneinander antreten.

Meist ebenfalls mit von der Partie ist Casino-Besitzer Leon Tsoukernik, der sich im No-Limit Hold’em und Pot-Limit Omaha längst zu einem ernsthaften und harten Gegner gemausert hat.

Zuletzt traten die „Celebrities“ Mitte August in Rozvadov an und es entwickelten sich über mehrere Tage hinweg mit Holz, Tony G. und vielen bekannten Spielern einige interessante Partien.

Natürlich gab es viele spannende Hände, doch alles verlief mehr oder weniger normal, ehe es in der letzten Hand der gesamten Veranstaltung zum großen Showdown kam und sich ein unfassbares Szenario abspielte.

Gruissem legt den Grundstein

Natürlich wird in einer solchen Runde munter gestraddelt und dadurch ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass schon zu Beginn der Hand €1.600 in der Mitte liegen.

Alle Daemme gebrochen
Alle Dämme sind gebrochen

Von den sieben Spielern am Tisch kann Mads Fournaise mit seinem Raise zunächst nur zwei der sechs Gegner abschütteln, und Philipp Gruissem wird bei seinem Reraise mit einer bildhübschen zweifarbigen Folge sogar keinen einzigen Kontrahenten los.

So dauert es nicht lange, bis unter unschuldigem Achselzucken und bittersüßem Lächeln fünf Spieler im All-In landen und in Nullkommanix einen Pott mit rund €200.000 produzieren.

Auch Tony G. lässt sich mit seiner bescheidenen Hand nicht lumpen, besteigt munter den fahrenden All-In-Zug und darf sich am Ende über einen gar nicht so kleinen Trostpreis freuen.

Ein Spieler aber, für den es vorher überhaupt nicht gelaufen war, zieht schon auf dem Flop das große Los und kann sich in dieser Hand mit einem Gewinn von fast €90.000 komplett sanieren.

Ein unglaubliches Spektakel!


 

Set gefoldet – und alles richtig gemacht?!

Im großen Klassiker der Pokerliteratur „Harrington on Hold’em“ heißt es, dass man einen Fehler begangen hat, wenn man mit einem gefloppten Set nicht seine gesamten Chips verliert. Ist das wirklich immer richtig? In unserem Video der Woche jedenfalls bekommt  Jason Calacanis einen der seltenen Drillinge, legt diesen nach einer Menge Hadern und endlosem Überlegen aber schließlich weg.

Wer, wann, wo

Wir schalten uns ein in das Big Game von PokerStars, das vor einigen Jahren mit großem Erfolg im amerikanischen Fernsehen lief.

Konzept der Sendung war, die bekanntesten Pokerprofis der Welt mit blutigen Amateuren zu konfrontieren und durch das Aufeinandertreffen von David und Goliath besondere Spannung zu erzeugen.

Das gelang durchaus, legendär sind etwa die Ausraster von Phil Hellmuth, der sich gleich mehrfach von Busfahrern und Lehrern über den Tisch ziehen ließ.

In unserer Hand trifft mit Jason Calacanis ebenfalls ein Amateur auf gestandene Profis, doch ist er kein armer Schlucker, sondern ein richtig reicher Internetunternehmer und Geschäftsmann.

Seine Gegner hinwiederum sind mit Abe Mosseri und die Pokerlegende Doyle Brunson zwei sehr bekannte Profis.

Der Action-Flop

Nach einem normalen Geschehen vor dem Flop deckt der Dealer das Action-Board schlechthin auf:

     

Was soll ich bloß tun?
Was soll ich bloß tun?

Calacanis kann sich nicht beschweren, denn er hat mit TT ein hübsches Set getroffen, doch als dann die Action richtig ins Rollen kommt und nacheinander Doyle Brunson und Abe Mosseri All-In gehen, bekommt der Unternehmer kalte Füße.

Der Amateur lässt sich richtig Zeit, aber so recht will man als Zuschauer nicht glauben, dass er diese Hand tatsächlich wegwirft.

Selbst wenn er hinten läge (was er nicht tut), bekommt er gegen zwei Gegner auf jeden Fall ausreichende Pot Odds für einen Call.

Der Hero-Fold

Schließlich wirft Calacanis tatsächlich seine Hand weg, worauf es zum Showdown mit Brunson und Mosseri kommt.

Die beiden einigen sich auf zweimaliges Dealen des restlichen Boards und natürlich stellt sich neben dem Ausgang zwischen den beiden die Frage, wie Calacanis abgeschnitten hätte, wenn er nicht gefoldet hätte.

Das Ergebnis zeigt: Beim Poker kann man irren und trotzdem Recht behalten.

Film ab!


 

Wie gewonnen, so zerronnen

Finger weg von Casino-Spielen aller Art, so lautet eine alte Faustregel für Online-Pokerspieler, und doch gibt es immer wieder Leute, die an einem dieser brandgefährlichen Tische landen. In unserem Video der Woche hat ein Spieler eine hübsche Bankroll von $19.000, doch was bleibt am Ende davon übrig?

Wer, wann, wo

Wir beobachten einen Spieler namens „Thanos_Boss“, der sich live auf Twitch.tv in ein Live-Casino im Internet einloggt.

Es geht los
Es geht los

Diese Casinos unterscheiden sich vom klassischen Online-Spiel dadurch, dass die Karten nicht virtuell, sondern von einem lebenden Dealer gegeben werden. So entsteht zumindest die Illusion, alles müsste mit rechten Dingen zugehen.

Zu Beginn des Videos hat unser Freund „Thanos_Boss“ eine Bankroll, für die manch ein Hobby-Pokerspieler viele Jahre hart kämpfen musste – über $19.000.

Der sichere Sieg

Im Grunde nimmt das Verhängnis schon in der ersten Hand seinen Lauf.

Bei ihr läuft erst alles perfekt. „Thanos_Boss“ bekommt mit zwei Karten eine stabile Zwanzig, während die Bank eine schnöde Drei hat und sich damit meist entweder unter- oder überkauft.

Nächster Versuch
Nächster Versuch

Doch es kommt, wie es kommen muss, das Geld wandert am Ende doch zur Bank, und davon scheint sich unser Freund nicht mehr erholen zu können.

Tilt nennt man das in der Pokersprache, und obwohl „Thanos_Boss“ zwischendurch noch einmal einiges zurück gewinnt und wieder seine Bankroll aufbaut, scheitert er letztlich an etwas, was viele Online-Spieler aus leidvoller Erfahrung kennen: Er will wieder auf den alten Betrag zurück, und erst dann aufhören.

Am Ende ist dann unter ohrenbetäubendem Getöse fast alles weg, aber im Ernst: Steckt nicht in uns allen ein bisschen was von „Thanos_Boss“?

Viel Spaß mit unserem Blackjack-Helden!


 

Traumkonstellation für Vanessa Selbst

Am Mittwoch begann auf den Bahamas das PokerStars Caribbean Adventure (PCA) und es werden in nur neun Tagen satte 104 Turniere absolviert. Ob dabei aber eine so spektakuläre Hand wie die in unserem Video der Woche zustande kommt, wagen wir zu bezweifeln, denn wann sieht man schon mal Straight Flush vs Full House? 2012 traf Vanessa Selbst bei der PCA nicht nur perfekt, ihr Gegner Chris McClung hatte zudem eine Hand, mit der er alles investierte.

Wer, was, wo

Wie erwähnt, verfolgen wir den Main Event der PCA 2012. Wir steigen ein an Tag 1B und bei noch sehr niedrigen Blinds von 100/200.

Die bekannteste Akteurin am Tisch ist zweifellos Vanessa Selbst, die von vielen Experten als die beste Pokerspielerin der Welt eingeschätzt wird.

Vor ihr raist Chris McClung auf 400, und natürlich lässt sich Selbst mit der wunderbaren spekulativen Hand 8 7 so schnell nicht vertreiben.

Hinter ihr callen außerdem Heath Herring und der Mexikaner Diego Sanchez, sodass es mit vier Spielern auf den Flop geht.

Zweimal Volltreffer…

Der Flop bringt zwei Spielern wenig bis gar nichts, aber dafür erwischen Chris McClung und Vanessa Selbst das Board perfekt.

Der Kanadier ahnt nichts Böses und setzt erst mal weiter, aber natürlich kann er seine Gegnerin, die schon einen Volltreffer und zudem Aussichten auf ein noch besseres Blatt hat, nicht abschütteln.

„Sie wird doch nicht“, denkt sich der Zuschauer, doch da kommt auch schon der Turn.

…aber es wird noch besser

Zwangsläufig wird McClung nach der Flush-Karte ein wenig vorsichtiger, aber momentan kann er seine Hand noch nicht aufgeben, denn natürlich könnte Selbst auch bluffen.

Und außerdem kann der River ihm ja noch eine entscheidende Verbesserung bringen, und schwupps, da ist sie auch schon.

Wer kann da schon ahnen, dass seit dem Turn schon alles zu spät ist …

Hier eine der spektakulärsten Hände aller Zeiten und der heißeste Reifen der PCA:


 

Dan Smith und der lange Weg zu den Nuts

Dan Smith ist zweifellos einer der besten Turnierspieler der Welt, und ein Merkmal von Weltklassespielern ist definitiv, dass sie eine Menge Ideen haben. In einem Duell mit Aaron Kaiser beim WSOP Main Event greift Smith tief in die Trickkiste, holt ganz weit aus und setzt dann gegen seinen verdutzten Gegner zum überraschenden und entscheidenden Schlag an!

Wer, wann, wo

Wir steigen ein in den WSOP Main Event 2014. Es sind noch 36 Spieler beim größten Turnier des Jahres dabei, und mit Dan Smith ist einer der besten Spieler der Welt Chipleader.

Eher knapp an Chips ist dagegen Aaron Kaiser, der daher die Asse, die ihm ausgeteilt werden, gut gebrauchen kann. Jetzt eine Verdopplung, und Kaiser, der schon über $230.000 sicher hat, könnte wieder richtig angreifen.

Nach seinem Raise bekommt er mit Dan Smith, der auf dem Button callt, nur einen Gegner, alles läuft also genau so, wie man es sich mit Assen wünscht.

Volltreffer auf dem Flop

Kein schlechter Flop
Kein schlechter Flop

Auch der Flop könnte für Kaiser nicht besser sein. Er trifft nicht nur mit dem Set Assen die absoluten Nuts, sondern das Board bietet mit drei verschiedenen Farben so gut wie keine Draws.

Anstatt slow zu spielen, bringt er die Continuation Bet und hat tatsächlich das Glück, dass Smith dabei bleibt.

Nach einem Buben auf dem Turn hat Kaiser weiterhin die Nuts, entscheidet sich dieses Mal aber zu einem Check, was keinesfalls unvernünftig ist, da Smith hier wirklich nur wenig haben kann, sich vielleicht aber zu einem Bluff hinreißen lässt.

Stattdessen checkt der Chipleader ebenfalls und ermöglicht damit die unfassbare River-Karte, die Aaron Kaiser auf dramatische Weise das Turnierlicht ausbläst und für einen skurrilen Moment sorgt.

Wahnsinn mit Methode

Für alle, die Mitgefühl mit Aaron Kaiser und dessen zugegeben unglückliches Ausscheiden haben und nicht verstehen, wie Dan Smith auf diesem Flop mit rein gar nichts callen konnte, sei gesagt, dass dieser Call durchaus auf mehreren Ideen basierte.

Entscheidend ist hier weniger der aktuelle Wert der Hand als die Möglichkeiten, die die kommende Turn-Karte bieten kann.

Smith hat zwei nette Backdoor-Draws und vielleicht die Chance, das Ass zu repräsentieren und seinem Gegner den Pott zu klauen, wenn dieser zu viel Schwäche zeigt.

Optimal wäre etwa der J, nach dem Smith einen doppelten Gutshot und einen Flush Draw hätte – ein ideales Blatt für einen Semi-Bluff.

Einziger Schönheitsfehler bei Smiths kühner und fantasievoller Vorgehensweise ist, dass Kaisers Stack etwas zu klein ist, um auf dem Turn nach einer Bet einen durchschlagskräftigen Bluff starten zu können.

So musste er eben treffen!


 

Mustapha Kanit und der unmenschliche Fold

Immer wieder gibt es beim Poker Szenen, die eindrucksvoll verdeutlichen, was die Weltklassespieler von den Amateuren unterscheidet. Beim €100k Super Highroller-Turnier des EPT Grand Final in Monte Carlo fand der italienische Superstar Mustapha Kanit gegen den späteren Sieger Ole Schemion einen Fold, der aus einer anderen Welt stammt.

Wer, wann, wo

Wir sind bei einem der teuersten Turniere des Jahres, dem €100.000 Super Highroller-Turnier des EPT Grand Final in Monte Carlo.

Von den ursprünglich 46 Spielern (plus 15 Re-Entries) sind nur noch sechs Spieler übrig. Die Preisgeldränge sind somit schon erreicht und alle Spieler am Tisch haben bereits gut €378.000 sicher, doch natürlich geht es jetzt um das ganz Große, die Siegprämie von fast €1,8 Millionen.

Ein wichtiger Aspekt bei Preisgeldsprüngen, die mindestens €100.000 betragen und ständig noch größer werden, ist der Brite Stephen Chidwick, der aktuell nur noch acht Big Blinds hat und damit vom baldigen Ausscheiden bedroht ist.

Heiße Action

Ole Schemion
Ole Schemion

In erster Position raist Ole Schemion und wird von Igor Kurganov im Cut-Off gereraist. Die anderen Spieler folden, worauf Mustapha Kanit, der Seriensieger bei Highroller-Turnieren, an der Reihe ist.

Der Italiener bekommt im Small Blind mit Damen die drittbeste Starthand und lässt sich nicht lange bitten. Er lässt eine sogenannte Cold 4-Bet (also einen Re-Reraise ohne vorherige Beteiligung) vom Stapel und demonstriert damit große Stärke.

Die Reihe ist damit wieder an Ole Schemion, der seinen Stack von gut 2 Millionen recht zügig unterbringt.

Der unmenschliche Fold

Als Kurganov seine Hand wegwirft, geht man als Betrachter davon aus, dass es zum Unvermeidlichen kommt.

Kanit hadert
Kanit hadert

Kanit hat schon über 800.000 Chips investiert und muss nur 1,2 Millionen für einen Pott mit mehr als 3,3 Millionen bezahlen, doch anstatt achselzuckend zu callen, fängt der italienische Superstar zu überlegen an.

Zweifellos gehen ihm mehrere Dinge durch den Kopf. Zwar hätte er nach einer Niederlage noch einen spielbaren Stack, aber ihn treibt die Frage um, mit welchen Händen Schemion so spielt, oder anders ausgedrückt, wie dessen Spektrum aussieht. 

Schon wenn er dem durchaus unternehmungslustigen Schemion mit AA, KK, QQ, AK und JJ diesen Move zutraut, ist ein Call selbstverständlich, aber offenbar konnte Kanit dessen Spektrum in dieser konkreten Situation einschränken oder er hatte den unsterblichen Read, der diesen unfassbaren Fold ermöglichte.

Eine Rolle dürfte dabei auch der Shortstack Chidwick gespielt haben, der Schemions Spektrum etwas tighter als gewohnt werden ließ.

Anmerkung: Natürlich wird Ole Schemions Hand an dieser Stelle nicht verraten – die gibt es im Video!


 

Mit dem Kopf durch die Wand

Ausgerechnet die schlechteste Starthand überhaupt animiert Pokerspieler immer wieder zu besonders waghalsigen Manövern. Wie sich der Meister des elaborierten Bluffs, Tom Dwan, mit 72o gegen den als besonders loose bekannten Sam „Any Two“ George durchboxt, ist auf jeden Fall so sehenswert, dass wir die Hand in unserem Video der Woche präsentieren.

Wer, wann, wo

Wir verfolgen eine Hand aus der Full Tilt Million Dollar Challenge, die Ende 2009 im Les Ambassadeurs Club von London aufgezeichnet wurde und insgesamt drei Matches umfasste.

Tom Dwan trat dabei hintereinander gegen Sammy „Any Two“ George, Marcello Marigliano und Ilari Sahamies an und spielte jeweils 500 Hände Cashgame, wobei die Gegner sich die Variante aussuchen konnten.

Sammy George, ein englischer Geschäftsmann, musste in seinem Match kräftig bluten und verlor über $700.000.

Der wahnwitzige Call auf dem Flop

Sammy George
Sammy George

In der Szene galt George, wie es sein Spitzname „Any Two“ (auf Deutsch sinngemäß: beliebige Karten) aussagt, als äußerst loose, und umso verrückter ist Tom Dwans Plan in dieser Hand.

Dass er mit 72o in Position den Versuch startet, die Blinds zu stehlen, ist sicher nicht extrem spektakulär, denn das haben vor allem in Runden, in denen es für gewonnene Hände mit 72 Extrageld gibt, schon viele andere versucht.

Dann aber wird der Superstar auf dem Flop bei seiner Continuation Bet von George geraist und hat rein gar nichts.

„Klar“, denkt man als Zuschauer, „das war es dann wohl mit der Hand, netter Versuch, aber so etwas kann eben nicht immer gut gehen.“

Denkste. Tom Dwan heckt einen teuflischen Plan aus und callt.

Einer der unglaublichsten Bluffs aller Zeiten

Was sich danach abspielt, ist nur schwer zu begreifen und zählt sicher zu den mutigsten und verrücktesten Bluffs der Pokergeschichte.

Als Dwan seinen hartnäckigen Gegner auf dem Turn mit einem weiteren Bluff erneut nicht abschütteln kann, holt er auf dem River das hartkantige Gerät aus dem Schuppen und zeigt seinem Gegner, dass man gegen ihn besonders viel Durchhaltevermögen braucht.

Die vier Minuten, die sich George Zeit nimmt, um über diesen $400.000-Call nachzudenken, zählen sicher zu den längsten in Dwans Karriere.

Am Ende aber behält er Recht und lässt es sich dann auch nicht nehmen, seinem Gegner die Karten zu zeigen.

Welch eine Hand!


 

Der doppelte Kasssouf

Selten hat ein Spieler die Pokerfans so polarisiert wie William Kassouf. Beim diesjährigen WSOP Main Event brachte der britische Anwalt seine Gegner mit seinen ausufernden „Speech Plays“  gleich reihenweise auf die Palme und schaffte es, mit seiner unnachahmlichen Art zum Topstar der ESPN-Übertragung zu werden. Neben all dem Geschwätz sorgte Kassouf aber auch mit seinem Aus für Aufsehen – und bei der kürzlich beendeten EPT Malta für eine bemerkenswerte Dublette.

Kassouf und die Könige beim WSOP Main Event

Lange Zeit lief es für William Kassouf an Tag 7 des WSOP Main Event perfekt und es sah schon so aus, als könnte der redselige Brite gar den Sprung in die November Nine schaffen.

Anfang vom Ende
Anfang vom Ende

Dann aber kam Sand ins Getriebe und statt weiteren gewonnenen Pötten mit „Nine high like a boss“ wendete sich das Blatt in kürzester Zeit zu seinen Ungunsten.

Erst musste er eine bittere Niederlage mit geflopptem Set Asse gegen den Flush mit AJ von Gordon Vayo hinnehmen, die etliche Chips kostete, und dann rannte er in den schlimmsten Cooler, den man beim Poker verabreicht bekommen kann.

Sein Gegner Griffin Benger war da schon so mit den Nerven am Ende, dass er sämtliche Poker-Etikette vergaß und allzu persönlich wurde:

Die Geschichte wiederholt sich

Bereits vor seinem Deep Run beim WSOP Main Event 2016 war Kassouf regelmäßiger Gast bei großen Pokerturnieren und konnte einige Achtungserfolge wie Platz 6 bei den Irish Open 2009 erzielen.

Zittern bei Benger
Zittern bei Benger

Und natürlich nahm er den Rückenwind der gestiegenen Bankroll und Popularität mit, um vermehrt bei der europäischen Tour an großen Turnieren teilzunehmen, wie jüngst bei der EPT Malta.

Beim €5.300 Main Event auf der Mittelmeerinsel bot Kassouf wieder „Speech Plays“ vom Feinsten und laberte sichtlich genervte Kontrahenten unermüdlich zu – doch das war nicht die einzige Parallele.

Beide Male hat er die zweitbeste Starthand, beide Male zieht er eine riesige Show ab – und beide Male geht es am Ende ganz übel für ihn aus.

Interessant ist aber auch, dass nicht nur die Hände identisch sind, sondern sich die Bilder von Kassoufs Verhalten in den Händen gegen Griffin Benger und gegen Brian Altman verblüffend ähneln.

Wenn wirklich alles schiefläuft

Selbst erfahrenen und erfolgreichen Profis passiert es, dass eine Hand komplett misslingt. Chris Klodnicki ist seit fast zehn Jahren Pokerprofi und hat dabei Turniergewinne von über $8,6 Millionen eingefahren. Aller Routine zum Trotz ging sein Auftritt beim WSOP Main Event 2016 an Tag 6 voll in die Hose!

Wer, wann, wo?

Nur noch knapp 50 Spieler sind beim wichtigsten Turnier des Jahres, dem WSOP Main Event, im Rennen und unter ihnen tummeln sich bekannte Profis wie Daniel Colman, Paul Volpe, Jason Les, die beiden Deutschen Jonas Lauck und Paul Höfer und auch Chris Klodnicki.

Klodnicki hat außer einem Bracelet so ziemlich alles gewonnen, was es beim Poker zu gewinnen gibt, sein größter Erfolg war ein zweiter Platz beim Big One for One Drop 2013, der ihm knapp $3 Millionen Preisgeld einbrachte.

Sein Gegner in dieser Hand ist der Brite Matthew Moss, der in der Szene zwar kein Unbekannter ist, aber noch keine größeren Turniererfolge vorweisen kann.

Spiel mit dem Feuer

Klodnicki gehört mit 4,5 Millionen Chips zu den kleineren Stacks, er hat aber durchaus noch genug Spielraum für einige Moves, um seinen Stack auszubauen und in den Kampf um die ganz großen Summen einzugreifen.

Oje2
Oje...

Im Cut-Off entscheidet er sich mit einer mittelmäßigen Hand zu einem Raise gegen seinen Nachbarn Moss, der in der Vergangenheit immer recht loose eröffnet hat.

Nach Moss‘ Call nimmt die Hand zunächst ihren normalem Verlauf. Der Brite checkt auf dem Flop und Klodnicki versucht mit einer Continuation Bet den Pott zu klauen – getroffen hat er im Gegensatz zu seinem Gegner rein gar nichts.

Der verhängnisvolle Hero-Call

So weit, so gut, denkt der Beobachter. Klodnicki hat mit hochgeschraubtem Risiko vor dem Flop einen Move probiert, ist damit gescheitert und gibt die Hand nun eben auf.

Auf dem Turn bestätigt sich dieser Eindruck, denn nachdem Moss abermals checkt, geht Klodnicki vom Gas und scheint sich mit dem Verlust von knapp 1,5 Millionen Chips abgefunden haben.

Als Moss dann auf dem River eine hohe Bet bringt, erwartet man daher einen schnellen Fold von Klodnicki, der das Turnier mit einem brauchbaren Stack von knapp 3 Millionen noch aussichtsreich fortsetzen kann.

Doch, halt, Klodnicki fängt an zu überlegen und entscheidet sich dann recht zügig für einen Hero-Call, bei dem er sogar gegen viele gegnerische Bluffs wie AQ oder AJ verliert.

Nach dem Verlust der Hand und 74 Prozent seines Stacks dauert es anschließend nicht mehr lange, bis Klodnicki auf Platz 45 ausscheidet.

Kein guter Tag…

Fedor Holz‘ derber Cooler für Joe McKeehen

Als noch amtierender Weltmeister und Gewinner von über $7,6 Millionen bei der WSOP 2015 ist Joe McKeehen längst in die Highroller-Szene aufgestiegen. Und das durchaus mit Erfolg. Nach einem 2.Platz bei den PCA-Highrollern schaffte er es dieses Jahr auch an den Finaltisch des $111.111 Big One for One Drop bei der WSOP – dort allerdings bereitete ihm der Mann der Stunde eine böse Überraschung.

Wer, wann, wo

Wir steigen in das teuerste Turnier der WSOP 2016 ein, das $111.111 Big One for One Drop, das mit 183 Entries eine Spende von über 2 Millionen Dollar für die wohltätige Trinkwasserorganisation einbrachte.

Um viel Geld ging es auch für die Akteure, die bei mittlerweile sechs Spielern angekommen sind und bereits fast $830.000 sicher haben.

Ein satter Gewinn ist damit bereits sicher, aber wer würde jetzt nicht die Hand nach der sensationellen Siegprämie von knapp 5 Millionen Dollar ausstrecken wollen?

Wir verfolgen eine Hand, in der der gute alte Limp zum Einsatz kommt. Jack Salter wendet diesen lange Zeit verpönten Spielzug in früher Position und löst damit eine regelrechte Spielerlawine aus.

Vier Mann und drei Herz auf dem Flop

Joe McKeehen VdW01
Dies wird Joe McKeehens letzte Hand

Mit Fedor Holz, Brian Green und Joe McKeehen, der mit K 6 im Big Blind sitzt, schließen sich gleich drei Spieler dem limpenden Briten an und können sich wenig später über einen Flop freuen, der fast jemandem geholfen hat.

Drei Herz legt der Dealer aufs Board und damit einen astreinen Flush für den WSOP-Champion 2015.

Ein echter Volltreffer also, doch leider mit einem Makel. Bei diesem Turnier durfte man die Rechnung nicht ohne den Wirt machen, und der hieß eindeutig Fedor Holz.

Ohne große Umschweife wandern alle Chips in den Pott, und wenig später sieht McKeehen, welch schöne Bescherung ihm die Glücksgöttin da bereitet hat.

Auftakt zu einem dreifachen Schlag

Für Joe McKeehen war die Reise beim Big One damit jäh beendet, aber Fedor Holz‘ Lauf war längst nicht zu Ende, vielmehr wütete er anschließend erst richtig durchs Feld.

In den beiden folgenden Händen eliminierte er jeweils als klarer Außenseiter einen Spieler und rannte dann auch noch seine beiden letzten Kontrahenten Koray Aldemir und Dan Smith über den Haufen.




 

Straight Flush bei der WSOP

Seit gut zwei Wochen läuft in Las Vegas die World Series of Poker, und gleich im ersten Turnier trug sich Unglaubliches zu. Wie üblich wurde die WSOP auch dieses Jahr mit dem Angestelltenturnier eröffnet und dabei ereignete sich eine Hand, die zumindest die beiden Akteure nicht mehr vergessen werden. Während der eine am Ende seine Sachen packen musste, bereitete der andere seinen späteren Bracelet-Gewinn vor.

Wer, wann, wo

Wir steigen ein ins Finale der letzten fünf Spieler von WSOP Event #1, dem Angestelltenturnier. Alle haben bereits über $16.000 sicher, doch natürlich geht es nun darum, sich das begehrte Bracelet und die Siegprämie von $75.000 zu sichern.

In dieser wichtigen Situation treffen Brian Mikesh und Christopher Sand aufeinander, die die beiden größten Stacks am Tisch haben und daher besonders vorsichtig sein müssen.

Doch schon bald entwickelt sich ein Spektakel, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Der unfassbare Flop

Christopher Sand
Christopher Sand - Auch dank Straight-Flush zum Bracelet

Vor dem Flop läuft alles noch völlig normal. Mikesh bekommt in erster Position KQs und raist damit auf 2BB, wie es im Lehrbuch steht. Chipleader Sand dagegen hat 97s im Big Blind und kann diese Hand zu diesem Preis natürlich nicht folden.

Also callt er und bereitet damit bereits im ersten Turnier den vermutlich krassesten Flop der gesamten WSOP vor.

Als der Dealer die Karten umdreht, ist klar, was in Kürze passieren wird. Irgendwann in den nächsten Minuten werden beide Spieler alle Chips in die Mitte bringen, die Karten aufdecken und den Kopf schütteln.

Kurzer Jubel

Genauso kommt es auch, doch zuvor, kurz nach dem Aufdecken der Karten, ballt Brian Mikesh die Faust im Glauben, er hätte bei seinem All-In alles richtig gemacht.

Noch ahnt er nichts
Noch ahnt er nichts

Natürlich musste er befürchten, dass Sand den Nut Flush hält, und als er kein Ass sieht, erlebt er einen kurzen Moment der Erleichterung.

Der Rest ist Agonie, auch wenn die Euphorie über diese spektakuläre Hand so groß gewesen zu sein scheint, dass die Regie fälschlicherweise zeitweilig das A auf dem River einblendete. Am Ende kam aber eine profane 6, die den Schlussstrich unter diese unfassbare Hand machte.

Brian Mikesh war damit ausgeschieden, sein Gegner aber war auf dem Weg zum Bracelet nicht mehr aufzuhalten!


 

Jason Mercier oder Wie man Bracelets gewinnt!

Sucht man den bislang überragenden Spieler der WSOP 2016, kann es keinen Zweifel geben. Jason Mercier führt nicht nur überlegen in der Wertung des WSOP Player of the Year, sondern er gewann schon zwei Championship-Bracelets und verpasste ein drittes nur knapp. Ohne Frage ist Mercier ein brillanter Spieler, doch gelegentlich braucht auch er ein wenig Glück – wie wir in unserem Video der Woche sehen!

Wer, wann, wo

Wir verfolgen eines der renommiertesten Turniere der WSOP überhaupt. Bei der $10.000 H.O.R.S.E. Championship wird von den Spielern eine Menge verlangt – sie müssen in gleich fünf Pokervarianten stark sein und sich permanent anpassen.

Am Finaltag sind noch vierzehn Spieler übrig, die um das Bracelet kämpfen – einer davon ist Jason Mercier, der bereits in den Tagen zuvor einen atemberaubenden Lauf hingelegt hat.

Vier Tage vorher gewann er die Lowball-Championship und beim Razz verpasste er zwei Tage später das zweite Bracelet nur knapp mit einem zweiten Platz.

Wie bei den anderen beiden Turnieren kam Mercier auch bei der H.O.R.S.E. Championship als Chipleader an den Finaltisch, aber dieses Mal ist auf einmal der Wurm drin – Mercier verliert viele Chips und muss sich ganz schön strecken.

Probleme? Ach, wo!

Michail Semin
Michail Semin - In dieser Hand nur Kunde

In dieser Situation, in der Mercier zu kämpfen hat, kommt ihm die Glücksgöttin zu Hilfe und beschert ihm im rechten Moment das nötige Quäntchen Dusel.

Bei Limit Hold’em ballert Mercier, scheinbar gelangweilt, vor dem Flop, auf dem Flop, auf dem Turn und auf dem River jeweils eine Bet in die Mitte und findet mit dem Russen Mikhail Semin tatsächlich Kundschaft, die ihn komplett ausbezahlt.

Auf dem River dreht Mercier sein Monster um und steuert dem nächsten Bracelet-Gewinn entgegen.

Am Ende war ihm wieder keiner gewachsen, und er konnte sich das zweite Armband innerhalb von vier Tagen anlegen!

Hier sehen sie die Top 5 Poker Momente von Jason Mercier: 


 

Hochmut kommt vor dem Fall

Immer wieder kommt es beim Poker vor, dass ein Spieler das Board falsch liest, doch meist kommt dies eher in unwichtigen Situationen vor. Bei der diesjährigen WSOP allerdings jubelte die ganze Fangemeinde des Tschechen Jiri Horak, als dieser vermeintlich auf dem River das große Los zog. Für 10 Sekunden war der Tscheche Millionär, doch dann kam das böse Erwachen.

Wer, wann, wo

Gleich zu Beginn der diesjährigen WSOP setzten die Veranstalter ein Turnier ins Programm, das reichlich Raum für Träume bot.

Für $565 konnte man sich beim sogenannten Colossus II vergleichsweise billig einkaufen und eine Chance auf sage und schreibe $1 Million bekommen, die die WSOP vor Turnierbeginn garantierte.

Am Ende verbuchte man 21.613 Entries und konnte über $10,8 Millionen an die Spieler ausschütten.

Bis zum Schluss auf der Traumreise dabei waren Benjamin Keeline – zu ihm später mehr – und der erwähnte Jiri Horak.

Standard vor dem Flop

Nach einer nervenzehrenden Schlacht sind die beiden Helden mittlerweile bei Blinds von 1 Million/2 Millionen angekommen und haben noch rund 25 BB vor sich stehen, als sie jeweils starke Hände erhalten.

Horak raist, Keeling geht All-In und Horak callt – all das konnte man dank der Übertragung der Hole Cards schon vorhersehen, denn das ist nicht mehr und nicht weniger als normaler Standard im Heads-Up.

Keeline entpuppt sich beim Aufdecken der Karten als klarer Favorit, aber natürlich kann mit JJ gegen A9 immer noch etwas passieren.

Der verfrühte Jubel

Zu frueh gefreut
Zu früh gefreut

Als der Flop dem Tschechen eine Neun bringt, gerät dessen Fankurve erstmals in Rage.

Die Fans fordern eine weitere Neun oder ein Ass, doch auf einem scheinbar unschuldigen Turn kommt zunächst nicht die benötigte Hilfe.

Auf dem River aber rastet die tschechische Rail aus, als sie das ersehnte Ass sieht, und bringt ihren Helden mit wilden Liebkosungen fast um.

Ein Detail war den erschöpften Pokerenthusiasten aber entgangen. Der scheinbar so unbedeutende Turn hatte Horak heimlich, still und leise eines seiner fünf Outs geklaut.

So ein Ärger!

Epilog: Keelines Aschenputtelgeschichte

Ben Keeline
Ben Keeline

Auch Benjamin Keeline brauchte einen Moment, bis er sein Glück realisiert hatte und merkte, dass er nun eine Million Dollar gewonnen hatte.

Vor dem Turnier konnte er sich kaum noch das Buy-In leisten, so pleite war der Pokerspieler aus Colorado.

Mit seinem letzten Geld kaufte er sich zweimal für das Colossus ein (beim ersten Mal ging er leer aus) und schaffte es tatsächlich, das Turnier zu gewinnen.

Nicht einmal der verfrühte Jubel seines letzten Gegners konnte daran etwas ändern!

Viel Spaß mit den (zu Unrecht) feiernden tschechischen Pokerfans:


 

Fedor Holz‘ derber Cooler für Joe McKeehen

Als noch amtierender Weltmeister und Gewinner von über $7,6 Millionen bei der WSOP 2015 ist Joe McKeehen längst in die Highroller-Szene aufgestiegen. Und das durchaus mit Erfolg. Nach einem 2.Platz bei den PCA-Highrollern schaffte er es dieses Jahr auch an den Finaltisch des $111.111 Big One for One Drop bei der WSOP – dort allerdings bereitete ihm der Mann der Stunde eine böse Überraschung.

Wir steigen in das teuerste Turnier der WSOP 2016 ein, das $111.111 Big One for One Drop, das mit 183 Entries eine Spende von über 2 Millionen Dollar für die wohltätige Trinkwasserorganisation einbrachte.

Joe McKeehen4
Joe McKeehen

Um viel Geld ging es auch für die Akteure, die bei mittlerweile sechs Spielern angekommen sind und bereits fast $830.000 sicher haben.

Ein satter Gewinn ist damit bereits sicher, aber wer würde jetzt nicht die Hand nach der sensationellen Siegprämie von knapp 5 Millionen Dollar ausstrecken wollen?

Wir verfolgen eine Hand, in der der gute alte Limp zum Einsatz kommt. Jack Salter wendet diesen lange Zeit verpönten Spielzug in früher Position und löst damit eine regelrechte Spielerlawine aus.

Vier Mann und drei Herz auf dem Flop

Mit Fedor Holz, Brian Green und Joe McKeehen, der mit K 6 im Big Blind sitzt, schließen sich gleich drei Spieler dem limpenden Briten an und können sich wenig später über einen Flop freuen, der fast jemandem geholfen hat.

Hässliches Matchup
Hässliches Matchup

Drei Herz legt der Dealer aufs Board und damit einen astreinen Flush für den WSOP-Champion 2015.

Ein echter Volltreffer also, doch leider mit einem Makel. Bei diesem Turnier durfte man die Rechnung nicht ohne den Wirt machen, und der hieß eindeutig Fedor Holz.

Ohne große Umschweife wandern alle Chips in den Pott, und wenig später sieht McKeehen, welch schöne Bescherung ihm die Glücksgöttin da bereitet hat.

Auftakt zu einem dreifachen Schlag

Für Joe McKeehen war die Reise beim Big One damit jäh beendet, aber Fedor Holz‘ Lauf war längst  nicht zu Ende, vielmehr wütete er anschließend erst richtig durchs Feld.

In den beiden folgenden Händen eliminierte er jeweils als klarer Außenseiter einen Spieler und rannte dann auch noch seine beiden letzten Kontrahenten Koray Aldemir und Dan Smith über den Haufen.

Und begonnen hat der ganze Spaß mit diesem derben Cooler für Joe McKeehen:

 

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