Was denken Sie sich eigentlich dabei?

Allen Cunningham

Zahlreiche Pokerspieler machen einen Spielzug nur um des Spielzugs willen. Seien Sie keiner von ihnen!

Bei jedem Spielzug, den Sie durchführen, sollten Sie eine klare Vorstellung davon haben, was Sie damit bezwecken.

Das Geheimnis der richtigen Entscheidung ist, das Ergebnis vorherzusehen. Sie sollten für jeden Spielzug einen guten Grund haben.

Also fragen Sie sich vor jedem Spielzug, wohin sie dieser führen wird.

Niemals nicht wissen warum

Ein Freund von mir „spielt" Poker. Manchmal sehe ich ihm dabei zu.

Jedes Mal, wenn er einen fragwürdigen Spielzug macht, frage ich ihn, „Warum hast du das getan?".

Meistens antwortet er „Keine Ahnung", „Hab' nicht groß drüber nachgedacht" oder „Einfach so".

So spielt man aber nicht Poker!

Vermutungen, Bets und Checks ohne Grund sind kein Poker. Jede Entscheidung kann dazu führen, dass man einen Stack gewinnt oder verliert, also sollte man darauf achten, jede einzelne genau zu überdenken.

Jede Aktion muss einem Ziel gelten.

Wollen Sie den Gegner dazu bringen, zu folden? Machen Sie gerade eine Value Bet?

Bevor Sie eine Aktion durchführen, müssen Sie sich klar machen, warum Sie diese durchführen.

Beispiel 1

Spiel: $1/$2 NLHE 6-max; effektive Stacks: $200.

Wir halten A J im BB. Es wird zum Button gefoldet, der auf $8 erhöht.

Der Spieler am Button ist tight-aggressiv - statistisch liegt er etwa bei 19/16/3.

Der Small Blind foldet und wir ... nehmen uns etwas Zeit für unsere Entscheidung.

Unsere Optionen sind 3-Bet, Call oder Fold - jede davon ist vertretbar.

Allerdings sind manche besser vertretbar als andere.

Da der Button eine große Raising Range hat, entscheiden wir uns gegen einen Fold von A-J.

Gegen einen tighten Spieler kann man problemlos aus früher Position erhöhen und dann trotzdem noch folden.

Tom Dwan
Schwer vorstellbar bei der Mütze, aber wenn Tom Dwan 3-bettet, hat er definitiv einen Plan.

Aber der Button Raiser hat hier eine sehr große Handrange. Da A-J gegen den Großteil dieser Range vorne liegt, gilt es nun, sich zwischen Smooth Call und 3-Bet zu entscheiden.

Sehen wir uns beide Möglichkeiten genauer an.

3-Bets

Nach einer 3-Bet wird der Gegner die schlechtesten Hände seiner Range folden, aber mit A-K- A-Q, K-Qs, AA-88 ein einigen Suited Connectors fortsetzen.

Mit einigen dieser Hände wird er 4-betten, mit anderen nicht.

Sollte er folden, was eines der besseren Ergebnisse wäre, gewinnen wir einen Pot in der Größe von 4 BB.

Sollte er callen, spielen wir ou-of-position mit einem anwachsenden Pot gegen eine Hand, die uns möglicherweise dominiert.

Zwar schlagen wir seine Button Raising Range, aber gegen seine 3-Bet Calling Range liegen wir hinten.

In den meisten Fällen werden wir den Flop nicht treffen, also spielen wir ohne Position gegen einen guten TAG auf einem Flop, der unsere Hand nicht verbessert hat, gegen eine Range, die uns größtenteils dominiert.

Der positive Aspekt einer 3-Bet besteht darin, dass wir eine Reihe von Pots schon vor dem Flop gewinnen werden und andererseits auf einem Flop die Initiative besitzen.

Allerdings ist Initiative oft nicht wertvoll genug, um den Positionsnachteil auszugleichen, den wir gegen einen guten Spieler mit dominierender Range haben.

Also versuchen wir mit unserer 3-Bet, den Gegner zu einem Fold zu bringen.

Calls

Sehen wir uns nun den Flat Call an.

Es gibt mehrere Aspekte, die dafür sprechen. Der große Nachteil besteht natürlich darin, dass wir dem Gegner die Initiative überlassen.

Phil Hellmuth
Wenn Phil Hellmuth flat callt und den Pot klein hält, hat er dafür einen guten Grund.

Vorteilhaft ist dagegen, dass wie den Pot klein halten, wenn unsere Hand potenziell dominiert wird. Außerdem wird unser Gegner mit einem Großteil seiner Range nachsetzen.

Sagen wir, die Button Raising Range beinhaltet AA-22, AKs, 45s, AKo-67-o, Axs, ATo-A6o, KJo-T8o, Q9s-97s (die Button Ranges von TAGs ähneln sich fast alle). Damit liegen wir gegen den Großteil dieser Range vorn.

Mit einem Smooth Call geben wir dem Gegner die Möglichkeit, mit seiner gesamten Range fortzusetzen. Im Gegensatz dazu zwingt ihn eine 3-Bet dazu, seine Range so einzugrenzen, dass sie unsere Hand schlägt.

Ein weiterer positiver Aspekt: Sollte ein Ass auf dem Flop erscheinen, wird er mit vielen schlechteren Händen als unserem Ass fortsetzen.

Wenn er aber unsere 3-Bet callt und das Board verläuft Ass hoch, werden wir häufig ein Kickerproblem bekommen.

Der Flat Call verführt unseren Gegner dazu, mit einer schlechteren als unserer Hand fortzusetzen, als er dies nach einer 3-Bet tun würde, und wir halten den Pot klein für den Fall, dass wir doch hinten liegen.

Dafür geben wir die Initiative aus der Hand. Und letztlich unterscheidet sich der EV eines Calls von dem einer 3-Bet nur wenig.

Was man durch eine 3-Bet an Post-Flop EV aufgibt, gleicht sich durch den Profit aus, den wir mit gewonnenen Händen vor dem Flop machen.

Was wir an EV verlieren, wenn wir auf die 3-Bet verzichten, wird jedesmal wettgemacht, wenn wir auf dem Flop eine bessere Hand halten und zum Showdown kommen.

Beide Spielzüge haben ihre Vor- und Nachteile, keiner von beiden ist dem anderen deutlich vorzuziehen.

Entscheidend ist hier für uns, dass wir uns überlegen, was wir erreichen wollen, bevor wir uns für einen der beiden Spielzüge entscheiden.

Beispiel 2

Spiel: $1/$2 NLHE 6-max; effektive Stacks: $200.

Wir halten K Q am Button. Es wird zu uns gefoldet und wir erhöhen auf $8. Der Small Blind foldet und der Big Blind callt.

Bei dem Big Blind handelt es sich um einen typischen, durchschnittlichen Fisch. Er bezahlt zu häufig pre-Flop und er geht mit dominierten Händen zu lange mit.

Statistisch liegt er bei etwa 32/8/1. Der Flop fällt mit 3 4 T.

Der Gegner checkt und wir...?

Das ist eindeutig eine klare Bet-Situation. Wir haben vor dem Flop die Initiative übernommen, halten den Draw zum Second Nut Flush und zwei Overcards. Kurz: eine starke Hand. Eine Conti-Bet als Semi-Bluff ist hier angesagt.

Sollten wir setzen und der Gegner bezahlt, zielen wir mit unserer starken Hand auf einen großen Pot, falls wir treffen. Also setzen wir $14 und bekommen den Call.

Auf dem Turn kommt die 9. Wieder checkt unser Gegner. Wir...?

An dieser Stelle können wir checken oder betten. Durch die Neun haben wir drei Outs dazu bekommen. Jetzt bringt uns jeder Bube auch noch die Straight.

Bryan Devonshire
Einen großen Stack baut man nur auf, wenn man jede Entscheidung mit Bedacht trifft.

Checks

Durch einen Check erhalten wir die letzte Karte gratis. Wir haben 12 Outs zu einer Beinahe-Nuts-Hand sowie 6 zu einem Top Paar.

Wenn war aber checken, und der River bringt nur eine Blank, haben wir nur noch eine kleine Chance, den Pot zu gewinnen.

Ein Check ist hier also gleichbedeutend mit einer Freikarte.

Bets

Kommen wir zur Bet. Gegen eine Zehn beim Gegner haben wir 18 Outs. Unsere Equity ist sehr hoch.

Auch kann unser Gegner mit einer großen Range auf dem Flop bezahlen. Er könnte ein mittleres Pocket Paar halten, eine Zehn oder auch Overvards.

Das bedeutet, wir haben eindeutig 18 Outs. Außerdem könnten wir den Pot mit einer Bet hier gewinnen.

Hat unser Gegner den Flop light gecallt, wird er wahrscheinlich auf dem Turn folden. Das Ziel einer Turn-Bet ist hier dasselbe wie das der Flop-Bet.

Wir können damit leben, dass der Gegner foldet, aber auch damit, dass er callt. Dank unserer Outs.

Wir setzen $35 und der Gegner callt. Auf dem River fällt die Q. Im Pot sind nun $115. Der Gegner checkt.

Betten oder hinterherchecken?

Nun, um hier eine gut begründete Entscheidung zu machen, müssen wir uns die mögliche Range des Gegners ansehen.

Wir wissen, dass unser Gegner relativ schwach spielt. Sein Call auf dem Flop kann alles Mögliche bedeuten. Der Call auf dem Turn ist schon aussagekräftiger.

Wahrscheinlich hält er eine Zehn (Kicker Ass bis Bube), einen Flush Draw oder Q-J für den Straight Draw.

Ein Check würde also dazu führen, dass wir unsere Hände vergleichen und erfahren, ob unsere die bessere ist.

Wenn wir dagegen eine Bet ansetzen, müssen wir überlegen, ob wir damit eine bessere Hand zum folden bingen wollen (das ist unwahrscheinlich), oder eine schlechtere Hand zum callen.

Offensichtlich werden wir eine bessere Hand nicht zum Fold zwingen. Also überlegen wir uns, ob eine schlechtere Hand callt.

Phil Ivey
Wahnsinn + Methode = Erfolg.

Da unser Gegner so etwas wie eine Calling Station ist, betten wir for Value.

Wir setzen $50 und der Gegner bezahlt mit Q J.

Erfolg.

Schlussfolgerung

Wie Sie sehen, steckt hinter einer normalen Hand weit mehr, als man zunächst denkt.

Bewerten Sie Ihre Hand immer wieder und überdenken Sie ständig Ihre Ziele. Ein Bluff kann sich nach und nach in eine Value Bet verwandeln.

Also tun Sie sich selbst einen Gefallen. Hören Sie auf damit, nach Instinkt zu spielen und lassen Sie jeder Entscheidung die Zeit, die sie verdient.

Fragen Sie sich, warum Sie etwas tun und machen Sie sich klar, was Sie damit erreichen wollen.

Das wird Ihr Spiel deutlich verbessern.

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