Großer Gewinn, was nun?

John Kim

Im vierten Teil unserer Cardrunners-Serie erläutert John Kim, wie man mit dem ersten großen Turniersieg umgeht.

John Kim spielt seit über zehn Jahren professionell Poker. Er hat bei Full Tilt mehrere Millionen Hände auf den mittleren und höheren Stakes gespielt und dabei über eine Million Dollar gewonnen.

Inzwischen verteilt er seine Aktivitäten auf Live-Games in Las Vegas, wo er inzwischen lebt, und auf bis zu 15 Tische simultan online. John ist überzeugter Familienvater und sieht die Balance zwischen Privatleben und Beruf als entscheidenden Faktor für seinen Erfolg.

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten großen Erfolg. Es war im Januar 2005, und ich gewann die $640 Party Poker Million für ungefähr $250k. Dieses Turnier war die ursprüngliche Sunday Million, bevor PokerStars das gleichnamige Turnier einführte.

Ich weiß noch, wie ich die letzte Hand gewann, mit A7o gegen K9o, und das Board verlief AKxxx. Danach sprang ich im Zimmer herum und rief meine Frau und Kinder zusammen, um mit ihnen zu feiern.

Der Zeitpunkt war ideal, denn meine Frau und ich hatten gerade erst unser erstes eigenes Haus bezogen. Ich spielte schon seit mehreren Jahren professionell online, hatte aber noch nie mehr als $15k an einem Tag gewonnen. Es war ein Schub für meine Bankroll.

Was sollte ich also mit dem Geld anfangen? Da die Familie meine höchste Priorität ist, gab ich zunächst meinen Eltern und meinem Bruder etwas ab. Danach beglich ich erst einmal mein überzogenes Konto und zahlte mein Auto ab.

Damals spielte ich mittlere und hohe Stakes, und es lief ganz gut. Ich spielte $30/$60 Limit und $5/$10 No Limit und lebte davon ganz gut, also sah ich keinen Anlass, auf höhere Levels aufzusteigen. Was meine Bankroll betrifft, habe ich größere Risiken immer gescheut (immerhin bin ich verheiratet, wir hatten damals schon ein Kind und mussten das Haus abzahlen), und obwohl meine Bankroll anwuchs, dachte ich, es gäbe bessere Wege, das Geld zu benutzen.

Also erwarb ich Anteile an Firmen und sicheren Fonds. Die meisten dieser Anteile besitze ich heute noch, manche habe ich getauscht oder wieder veräußert. Außerdem investierte ich in die Altersversicherung. Wenn die Versicherung fällig wird, sollte daraus eine schöne Summe geworden sein – in ca. 30 Jahren.


mansion
Die Größe deines Hauses hängt von der Größe deines Gewinns ab.

Meine Vorgehensweise widerspricht dem der meisten Poker-Profis. Der Großteil wäre sofort auf höhere Limits umgestiegen, um herauszufinden, wie viel sie dort verdienen können. Für Winning Players mag das sogar der beste Weg sein, aber das hängt auch von der persönlichen Situation jedes einzelnen ab.

Ich entschied mich für den verantwortungsvollen Weg, investierte in die Zukunft und würde keinem davon abraten, dasselbe zu tun.

Wenn ich heute zurückdenke, wünschte ich, ich hätte einen Teil des Geldes genommen und mich damit auf höheren Limits versucht. Die höchsten Limits waren damals allerdings $100/$200 Limit und $10/$20 (UB hatte vielleicht eine $25/$50 Partie, aber wir wissen ja, warum man von dem Anbieter besser die Finger lassen sollte).

Ich war immer auf der Gewinnerseite, also hätte ich es auf den höheren Limits versuchen sollen. Zumindest probeweise. Wer weiß, wohin es mich hätte bringen können. Wo könnte ich heute sein?

Ich hätte also mit meinem Geld etwas mehr Risiko eingehen können, aber das Risiko birgt natürlich auch größere Gefahr. Ich habe gesehen, was mit Pokerspielern passieren kann, die ein großes Turnier gewinnen oder auf andere Weise plötzlich an eine große Geldsumme kommen.

Entweder spielen sie danach zu hoch, in Partien, die sie nicht gewinnen können (nur weil man eine sechsstellige Summe gewinnt, ist man noch lange nicht bei den besten Spielern), verlieren Geld bei Craps, Blackjack und Sportwetten oder geben einfach viel zu viel aus.

Nach nicht allzu langer Zeit ist das Geld weg, und die Spieler fragen sich, „Was zum Teufel ist mit meinem ganzen Geld passiert?“ Ich empfehle, sich die richtige Partie sorgfältig auszuwählen, das Risiko möglichst gering zu halten und so die Profite zu maximieren.

Ein paar Jahre danach zog ich mit meiner Familie in ein anderes, größeres Haus, und komischerweise gewann ich nicht einmal einen Monat später wieder ein Sunday Major – das FT $750k guaranteed für $132k. Es war wie en Déjà-vu. Jetzt habe ich schon lange nicht mehr eine großes Online-Turnier gewonnen, also versuche ich, meine Frau davon zu überzeugen, dass wir langsam wieder umziehen sollten.

- John Kim, cardrunners.com

Die Cardrunners-Serie auf PokerZeit:

1. Poker Tracking Software - eine Einführung
2. Das ICM und Super-Shortstacktstrategie
3. Badugi Strategie - Wie man drei klassische Spielertypen schlägt
4. Großer Gewinn - was nun?
5. Das harte Leben als Pokerprofi (1)
6. Das harte Leben als Pokerprofi (2)
7. Shortstack-Turnierstrategie

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