Steven Iglesias – Ein blinder Pokerspieler erobert die WSOP

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Steven Iglesias und sein Assistent Daniel Christopher Grytten (Bild: PocketFives.com)

Der Norweger Steven Iglesias wollte sein Geschick im Poker bei der wichtigsten Turnierserie des Jahres ausprobieren, obwohl er aufgrund einer Erkrankung praktisch blind und auf Hilfe angewiesen ist. Beim $10k-6-Max-Championship schaffte es Iglesias an die letzten vier Tische und damit weit in die Geldränge.

Poker ist auch deshalb ein so schönes Spiel, weil sich fast jeder, der das nötige Geld mitbringt (oder Staker hat) bei der Weltmeisterschaft einkaufen und mitspielen kann. Die WSOP hat es sich in den letzten Jahren auf die Fahne geschrieben, die Turniere so zugänglich möglich machen.

Steven Iglesias ist einer der Spieler, der ein wenig Unterstützung zum Spiel benötigt. Vor drei Jahren wurde bei dem Norweger eine vererbte Augenkrankheit diagnostiziert. Lebersche Optikusatrophie, kurz LHON, führt über einen Zeitraum von rund zwei Jahren zur praktischen Erblindung – die Sehschärfe bei rund 2-5 Prozent.

Trotz dieser Erkrankung saß Steven Iglesias an den Tischen der WSOP. Zum Spielen benötigt er die Hilfe seines Freundes Daniel Christopher Grytten. Dieser sitzt neben ihm und flüsterte ihm ins Ohr, welche Karten er hat, wer wie viele Chips hat und was im Spiel passiert. Letzte Woche nahm dieses Duo am $10k-Six-Max-Championship teil – einem der härtesten Turniere dieser WSOP. Dort spielte sich Iglesias auf den 23. Platz und kassierte 25.139 Dollar.

„Ich will mich mit den Besten messen und ich habe starkes Vertrauen in meine Fähigkeiten als Pokerspieler. Ich spiele schließlich schon seit neun Jahren,“ erklärte Iglesias in einer Pause des Turniers.

Erkrankung mit 25 Jahren

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Steven Iglesias vor seiner Erkrankung

Vor drei Jahren wurde die Krankheit bei Iglesias diagnostiziert. Typischerweise betrifft diese Männer zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Iglesias war 25 Jahre alt, als die Diagnose kam. Es begann mit ein paar Problemen im rechten Auge und innerhalb eines Jahres war er fast blind. Jetzt kann er nur noch Schatten und Licht unterscheiden.

Vor der Krankheit spielte er viel Online-Poker, vor allem Cash-Games und Heads-Up. Der Grund, warum er wieder mit dem Spiel angefangen hat, ist sein Assistent Daniel, den er über seine Freundin kennenlernte.

„Nachdem ich mein Augenlicht verloren hatte, fragte ich, ob ich Daniel das Spiel beibringen könnte. Ich habe ihn trainiert und bei mir wurde das Interesse geweckt, trotz der Blindheit selbst zu spielen. Durch ihn spiele ich selbst seit ungefähr einem Jahr wieder.“

Spiel mit Assistenz

Die WSOP ließ es zu, dass Steven mit Daniel zusammen am Tisch setzt. Dieser darf aber nur weitergeben, was er sieht.

„Ich sehe seine Karten und flüsterte sie ihm zu. Wenn wir mit Freunden spielen, sage ich auch, was passiert. Aber hier sind professionelle Dealer und in der Regel sagen diese die Action an. Also helfe ich ihm nur mit den Chips und den Counts. Auf das Spiel selbst nehme ich überhaupt keinen Einfluss, jede Entscheidung ist seine eigene,“ erklärte Daniel Christopher Grytten.

Allerdings ließ Daniel ein wenig Vorsicht walten, nicht selbst irgendwelche Tells abzugeben und saß mit Sonnenbrille am Tisch. „Ich habe keine Erfahrung mit Live-Poker und ich will nicht, dass die Leute mich lesen. Ich versuche einfach so ruhig wie möglich zu bleiben.“

"Ein besserer Spieler"

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Steven Iglesias am Pokertisch (Bild: PokerNews, Joe Giron)

Steven Iglesias und Daniel Grytten blieben bis Ende Juni in Las Vegas und nach dem $10k-Turnier spielten sie auch noch den Millionaire-Maker, bei dem sie es immerhin in Tag zwei schafften.

Bevor er blind wurde hatte Iglesias keinen einzigen Live-Cash erspielt. Er glaubt, es ist kein Zufall, dass er jetzt Erfolg hat: „Ich bin jetzt ein viel besserer Spieler, als ich es vorher war. Denn ich habe einen wesentlich gesünderen Lebensstil. Ich passe auf mich auf, bin konzentrierter und verbringe mehr Zeit damit, das Spiel zu trainieren.“

„Ich hatte vor der WSOP einen Trainer und ich glaube, dass mein Gedächtnis jetzt besser ist, als es früher war. Wenn man nichts mehr sieht, ist das Gedächtnis so viel wichtiger. Man muss sich an alles erinnern – zum Beispiel solche Kleinigkeiten wie, wo man Sachen abgestellt hat. Und beim Poker ist ein gutes Gedächtnis auch wichtig.“

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