Starke Hand, kleiner Pot Teil 1: Der Denkfehler

Theo Tran

Erster von zwei Artikeln einer Antithese gegen Daniel Skolovys kürzlich erschienenen Strategieartikel „Starke Hand, großer Pot, schwache Hand, kleiner Pot".

Um für die nun folgende Diskussion gerüstet zu sein, lesen Sie bitte diesen Artikel.

Fertig? Also: Wie oft haben Sie schon den folgenden Satz gehört? „Mit Pocket Assen gewinnt man kleine Pots oder verliert große"?

Falls ihre Antwort „noch nie" ist, warten Sie es nur ab. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Dieselben Spieler vertreten gerne die Maxime, man sollte in einem geraisten Multiway-Pot alle niedrigen Karten spielen, und zwar aus folgendem Grund:

„Spieler erhöhen und callen Raises nur mit hohen Karten, also wächst die Chance, dass man mit kleinen Karten trifft und die hohen Karten knackt."

Beide Aussagen enthalten ein Körnchen Wahrheit. Es ist sogar mehr als ein Körnchen. Ich würde sagen, dass soviel Wahrheit darin steckt, dass ich es für falsch halte, sie als „falsch" zu bezeichnen.

Ich werde nun aber versuchen darzulegen, wo die logischen Fehler in diesen aussagen stecken und wie es zu ihnen kommen konnte.

Die Ausgangssituation

Wir werden für unsere Untersuchung grundsätzlich die folgende, hypothetische Situation annehmen:

Wir befinden uns in einem Cash Game mit zehn Spielern. Unser Hero ist ein TAG (tight-aggressiver Spieler) und spielt entsprechend.

Alle anderen Spieler am Tisch sind solide, es sind keine außergewöhnlichen Glücksritter oder hyper-aggressive Angreifer darunter. Alle Spieler haben einen ordentlichen mittleren bis deepen Stack.

Als starke Hand bezeichnen wir hier nur die vier besten Starthände: AA, KK, QQ und JJ. Als schwache hand zählen wir niedrige Connectors und suited One-Gapper.

 

Phil Ivey
Großer Becher, großer Pot?

Starke Hand, kleiner Pot

Die Chance darauf, Pocket Asse zu erhalten, liegt bei 1 : 221. Nehmen wir die anderen drei hohen Paare hinzu, liegen die Chancen bei etwa 1 : 55.

Die Chance darauf, dass wir eine dieser Hände bekommen, aber gleichzeitig auch ein anderer Spieler am Tisch, sind verschwindend gering und zu vernachlässigen.

In der überwältigenden Mehrheit der Fälle wird kein anderer Spieler am Tisch überhaupt eine Hand haben, mit der er wirklich Geld in den Pot investieren will.

Bekommen Spieler eine hand, mit der sie den Flop sehen wollen, z. B. Ein niedriges Paar, dann werden sie in 87% der Fälle kein Set treffen und auf dem Flop folden.

Also werden wir in den allermeisten Fällen, wenn wir ein hohes Paar halten, nur kleine Pots gewinnen. Nur in einem Bruchteil der Fälle hält ein Gegner eine Hand, die eine Investition wert ist.

In einem solchen Szenario wird der Pot relativ groß werden.

Es ist nicht wirklich mögich, hier auszurechnen, wie oft man den Pot gewinnt, denn es spielen zu viele verschiedene Faktoren eine Rolle. Einer dieser Faktoren ist auch ein wichtiger Grund dafür, dass diese Theorie nicht unterzukriegen ist.

Bis dass der Tod uns scheidet

 

Mike Matusow
Großer Mund, großer Pot?

Anfänger neigen dazu, sich mit gewissen händen zu „verheiraten".

In Situationen, in denen der Gegner eine bessere hand hält, sei es vor oder nach dem Flop, sind sie nicht in der Lage, ihre Hand loszulassen. Sie setzen all ihr Geld ein und verlieren mit ihren starken Händen sehr große Pots.

In den Fällen, in denen die Hand durchhält, sind solche Gegner die beliebtesten, weil sie mit ihren Händen „verheiratet" sind. In manchen Fällen treffen sie jedoch auf stärkere Spieler, die auch in der Lage sind, zu folden.

Jedes Mal, wenn wir verlieren, verlieren wir einen großen Pot, aber wir gewinnen nur in der Hälfte der Fälle, also verlieren wir mehr, als wir gewinnen. Das ist ein Eindruck, der nicht täuscht.

Der letzte Faktor findet seine Zusammenfassung in Rounders:

„In Confessions of a Winning Poker Player", sagt Jack King, „nur wenige Spieler erinnern sich an die großen Pots, die sie gewonnen haben, so merkwürdig das klingt, aber jeder Spieler erinnert sich mit erstaunlicher Genauigkeit an die schlimmsten Bad Beats seiner Karriere".

Die Spieler, die an die oben ausgeführte Theorie glauben, sind dieselben Spieler, die grundsätzlich vergessen, wie oft sie mit starken Händen schon einen großen Pot gewonnen haben, aber noch genau wissen, wie oft es schiefging.

Nimmt man die beiden Faktoren zusammen, hat man eine Theorie, die praktisch unwiderlegbar erscheint.

Wie Dan Skolovy in seinem Artikel schon erwähnt hat, sollte man versuchen, mit den starken Händen um den gesamten Stack zu spielen. Dieser Rat ist vollkommen richtig, aber er gilt nur für starke Spieler.

Wenn Sie nicht in der Lage sind, Asse wegzuwerfen, wenn Sie geschlagen sind, sollten Sie Ihr Spiel zunächst darauf ausrichten, weniger zu gewinnen als mehr zu verlieren.

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Rico2R 2012-05-30 04:32:02

Ich habe den Artikel von Daniel Skolovy anders verstanden. Viele gute Pokerspieler beherzigen diese "Regel" so oder so ähnlich. Eine gute Hand bezieht sich nicht nur auf die beiden Handkarten. Erhöht man preflop mit zwei Assen AcAs, und es folgt ein Flop wie Kc Kh 8h, dann ist die Hand nicht mehr so stark und der Pott sollte nicht weiter aufgebaut werden. Vielmehr wird jetzt der Caller mit seinem etwaigem Monster versuchen den Pott groß zu machen. Eine starke Hand entwickelt sich. Die Entscheidung über die Potstrategie muss flexibel bleiben. meist ändert sich schon mit dem Flop alles.