Das Spiel mit dem eigenen Tischimage

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Das Schöne an Poker ist, dass es keinen bestimmten, „besten“ Stil gibt.

Es gibt Spieler wie Chris „Jesus“ Ferguson, der einen nüchternen, mathematischen Zugang zu dem Spiel hat, und es gibt Spieler wie Gus Hansen mit seinem scheinbar verrückten Spiel.

Diese beiden Spieler haben vollkommen unterschiedliche Stile, aber beide sind jeweils in der Lage, extrem profitabel zu spielen. Der Schlüssel zu ihrem Erfolg ist, dass beide ganz genau wissen, wie Ihre Gegner sie sehen und wie sie reagieren werden.

Achten Sie darauf, wie Ihr Tischimage sich verändert

Das Tischimage ist nichts Anderes als der Eindruck, den Ihre Gegner von Ihnen haben. Es verändert sich ständig. Es kann sich innerhalb weniger Orbits komplett drehen.

Ein Beispiel: Sie bekommen einen Wahnsinnslauf und erhalten nacheinander AA, KK, QQ, A-K. Wenn Sie nun jede dieser Hände erhöhen und vor dem Flop gewinnen, müssen Sie keines dieser Monster zeigen, und damit weiß auch niemand, wie stark Ihre Hände waren.

Phil Ivey
Auch ein Image, das gut funktioniert: Bester Spieler der Welt.

Ihre Gegner am Tisch werden denken, dass Sie versuchen, den Tisch zu dominieren und mit jeder Hand erhöhen.

Zwar ist das vielleicht nicht wirklich ihre Spielweise, aber so sieht Ihr Tischimage in den Augen der Anderen aus. Deshalb müssen Sie immer vor Augen haben, wie der Tisch über Sie denkt. Das beeinflusst nicht nur, wie gegen Sie gespielt wird, sondern auch, wie Sie gegen die Anderen spielen.

 

Nutzen Sie aus, wie andere Sie am Tisch wahrnehmen

Wenn Sie sich erst einmal angewöhnt haben, das eigene Image zu kontrollieren, müssen Sie ununterbrochen beobachten, wie Ihre Gegner auf verschiedene Spielstile reagieren.

Halten Sie sich mehr zurück und warten auf eine starke Hand, um Fallen zu stellen, wenn Sie aggressiv angespielt werden, oder wehren Sie sich sofort? Wenn Sie dagegen tight spielen, greifen sie dann an und versuchen, Sie zu überrennen? Vermeiden sie Konfrontationen, wenn Sie betten?

Unabhängig von Ihrem eigenen Spielstil können Sie immer einen Profit daraus ziehen, wenn Sie wissen, wie Ihre Gegner reagieren. Wenn Sie einen loose-aggressiven Stil bevorzugen, wie er zurzeit vor allem online immer häufiger gespielt wird, müssen Sie besonders genau auf Ihr Tischimage achten.

Zu diesem Stil gehören Raises und Re-Raises pre-Flop mit einer großen Handrange. So aggressives Spiel kann die Gegner frustrieren. Wer frustriert ist, macht Fehler.


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Wenn die Gegner Sie erst einmal für einen Maniac halten, werden Sie sie mit schlechteren Händen auszahlen.

Das ist der große Vorteil der LAG-Strategie. Wenn man erst mal als Maniac gilt, wird man auch mit schlechteren Händen bezahlt, weil die Gegner davon ausgehen, dass man mit allen möglichen Händen erhöht.

Manche Spieler werden anfangen, Sie mit marginalen Händen zu re-raisen. Sie müssen sich klar machen, wie Sie am Tisch wahrgenommen werden. Wenn Sie die erste Hand am Tisch spielen und K-Q auf einem Board König hoch halten, und Sie dann jemand re-raist, sollten Sie wahrscheinlich folden.

Wenn Sie aber mit einem Gegner in eine Hand verwickelt sind, den Sie zuvor ständig aggressiv angespielt haben und der langsam Zeichen von Frustration zeigt, können Sie schonmal Ihr Geld zählen, denn dieser Gegner wird sich leichter von seinem Geld trennen als normalerweise.

Der tighte Stil kann ebenfalls sehr gut funktionieren. Wenn Sie sich ein tightes Image erspielt haben, wird man Ihnen viel Respekt erweisen. Ihre C-Bets werden häufiger mit Folds beantwortet, und Ihre Gegner werden seltener versuchen, Sie auszuspielen.

Sie können das zu Ihrem Vorteil ausnutzen. Haben Sie sich ein tightes, solides Image erarbeitet, können Sie Pots leichter stehlen, denn meistens wird man Ihnen eine gute Hand zugestehen. Also stehlen Sie, solange die Gegner ihr Urteil über Sie nicht revidiert haben.

Tempowechsel

Es ist von großer Wichtigkeit, immer wieder das Tempo zu wechseln. Die Situation am Tisch entsteht ständig neu, und Sie müssen in der Lage sein, sich selbst immer wieder neu zu erfinden. Wenn Sie stark variieren können, sind Sie auch ein starker Gegner.


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Er spielt vielleicht konservativ, aber er weiß, wie man das Tempo wechselt.

Sie sollten in der Lage sein, von ultra-aggressiv auf ultra-tight umzuschalten, wenn die Situation es erfordert. Wenn Sie ein LAG-Spieler sind, müssen Sie auch auf die Bremse treten können.

Ist Ihr Tischimage zu festgefahren, verlieren Sie jedoch Ihre Edge. Falls Sie auf jeden Raise ein aggressives Re-Raise bekommen, lehnen Sie sich am besten zurück und spielen Sie ABC-Poker im TAG-Stil.

Ein Gegner, der nicht bemerkt, dass Sie Ihr Spieltempo verändert haben, wird Sie vielleicht immer noch light auszahlen. Wenn der Tisch sich an Ihr ruhigeres Spiel gewöhnt hat, können Sie wieder in Aktion treten.

Genauso gilt, dass Sie nach einer Phase tighten Spiels, in der Sie eine Reihe von Pots stehlen konnten, wieder neu eingeschätzt werden, und zwar nun als loose-aggressiver Spieler. Danach werden die Gegner ihren Stil entsprechend ändern.

Fazit

Der Trick erfolgreichen Spiels ist der nahtlose Übergang von einem Stil zu einem anderen, ohne dass die Gegner dies bemerken. Man benötigt eine Reihe verschiedener Stile in seinem Arsenal, um die Wahrnehmung des Gegners zu beeinflussen.

Wenn Ihre Gegner sich nicht sicher sind, wie sie Sie einschätzen sollten, werden sie eher Fehler machen. Diese Fehler sind bares Geld wert – fragen Sie „Jesus“ oder den „Großen Dänen“.

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