Hand der Woche – Die entscheidende Hand des WSOP Main Event

John Hesp Main Event 2017 D8 Whattodo
John Hesp nach der größten Hand des Main-Events

Scott Blumstein ist der verdiente neue Pokerweltmeister, aber natürlich brauchte er wie jeder Turniersieger auch das nötige Quäntchen Glück. Im bis dahin größten Pott des WSOP Main Event verlor Publikumsliebling John Hesp gegen ihn die Führung und musste anschließend mit ansehen, wie der neue Champion nicht mehr locker ließ. Hier die wichtigsten Stationen dieser denkwürdigen Hand.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Am ersten Finaltag des WSOP Main Event sind noch acht Spieler im Rennen, und John Hesp ist mit 104 Millionen Chips aktuell in Führung. Ihm auf den Fersen sind Scott Blumstein und Benjamin Pollak mit 80 Millionen bzw. 73 Millionen.

Die anderen Spieler haben teils sehr kleine Stacks, die Blinds betragen 500.000/1 Million plus 150.000 Ante.
In erster Position raist Scott Blumstein auf 2,2 Millionen, alle folgenden Spieler folden zu John Hesp, der hat im Big Blind:

   

Hesp callt. Im Pott sind 6,1 Millionen und der Flop bringt

     

Hesp checkt, Blumstein checkt und im Pott sind weiterhin 6,1 Millionen. Der Turn bringt die

 

Hesp checkt erneut, Blumstein setzt 3 Millionen, Hesp checkraist auf 7 Millionen, Blumstein reraist auf 17 Millionen und Hesp geht nach kurzem Nachdenken mit insgesamt 78 Millionen All-In.

Blumstein callt und gewinnt nach einer belanglosen

 

auf dem River mit

   

den Pott mit über 156 Millionen und ist damit neuer Chipleader. John Hesp dagegen fällt mit 24 Millionen Chips weit zurück.

Analyse und Bewertung

John Hesp WSOP ME 2017 D7
Publikumsliebling John Hesp

Für den unumschränkten Publikumsliebling John Hesp war diese Hand der Wendepunkt des Turniers, denn er konnte sich davon nie wieder richtig erholen, auch wenn er am Ende noch Platz 4 erreichte.
Die entscheidenden Stellen wollen wir uns nun noch einmal ansehen und schauen, ob Hesp etwas anders machen konnte.

Vor dem Flop bringt Blumstein einen normalen Raise mit 2,2 BB aus erster Position, und natürlich callt Hesp diesen mit ATs im Big Blind.

Zwar wird der britische Sakkofan gelegentlich von Händen wie AK oder AQ dominiert, doch befinden sich auch hohe und mittlere Paare sowie gelegentliche Connectors in Blumsteins Spektrum, sodass seine Hand vor allem bei diesen gigantischen Pot Odds von 4 zu 1 (mit den Antes und dem Small Blind) ein klarer Call ist.

Trockener Flop

Der Flop mit A75 in drei verschiedenen Farben ist extrem trocken, das bedeutet zum einen, dass es nur wenige Draws gibt, und zum anderen, dass die Hand, die nun vorn liegt, fast immer auch auf dem River vorn liegt.
Hesp hat mit Top Pair keinen Grund, nicht zum Raiser zu checken, und führt diesen Spielzug auch aus. Interessant ist, dass Blumstein nun auch checkt.

Das kann mehrere Gründe haben und sagt nur wenig über sein Spektrum aus, denn er könnte mit einem Ass gegen den Chipleader Pott-Kontrolle betreiben, mit einem Monster (Set Asse, Siebenen oder Fünfen) eine Falle stellen oder mit einem Paar unter dem Ass checken, um seine Hand nicht in einen Bluff zu verwandeln.

Mit einer schwachen Hand ohne Paar oder Treffer hätte er aber wahrscheinlich gesetzt, um das Ass zu repräsentieren und den Pott zu stehlen.

Eskalation auf dem Turn

Nach diesem verhaltenen Auftakt explodiert die Action auf dem Turn in blitzartiger Geschwindigkeit.
John Hesp checkt, nun mit Top Two Pair, erneut, womöglich um eine Falle zu stellen, doch wäre hier eine Bet vermutlich der beste Spielzug gewesen.

Mit seinen AT kann er einige schlechtere Hände wie AK oder AQ und vielleicht sogar einige hohe Paare zweimal zur Kasse bitten, während er nach seinem Check nur noch eine Bet sicher in den Pott bekommt.

Blumstein macht ihm aber den Gefallen und setzt knapp halben Pott. Ziemlich prompt setzt Hesp daraufhin zum Check-Raise auf 7 Millionen an, wie er es im Turnierverlauf schon oft getan hat an, und bietet seinem Gegner damit sehr gute Pot Odds zum Weiterspielen, denn im Pott sind 16 Millionen und Blumstein muss nur 4 Millionen nachbezahlen.

Hesp spielt diese Phase sehr zügig und hat sich keinen richtigen Plan zurechtgelegt, sondern vielleicht auch im Rausch des günstigen Verlaufs sehr impulsiv reagiert.

Wenig später wird ihm das zum Verhängnis.

Wer soll das bezahlen?

Scott Blumstein WSOP ME 2017 D7
Blumstein wittert seine Chance

Nach Hesp Check-Raise sieht man eine leichte Veränderung in Blumsteins Mimik, die zeigt, dass er raubkatzenartig seine Chance wittert.

Ist hier etwa das ganz große Ding möglich? Recht schnell packt er mit den Nuts den Reraise aus und treibt die Action auf die Spitze.

Was nun geschieht, kann eigentlich nur John Hesp erklären. Obwohl sich die Lage nun beträchtlich zugespitzt hat, nimmt er sich kaum Zeit, sondern schiebt recht schnell seine restlichen Chips in die Mitte und bringt damit sogar eine Overbet.

Dieser Spielzug ist aus mehreren Gründen schlecht:

  1. Hesp sollte sich zunächst fragen, mit welcher Hand sich sein Gegner, der immerhin aktuell Zweiter im Chipcount ist, derart heftig mit dem Chipleader anlegt. Infrage für einen solchen Spielzug kommen bessere Hände (AA, TT, 77, 55) und gelegentliche Bluffs oder Semi-Bluffs mit 86 oder 98, aber keine Hände wie AK oder AQ, da Blumstein damit nur callen würde. 
  2. Gegen die genannten Hände ist ein Call mit der Idee, die Lage auf dem River neu einzuschätzen, die bei weitem beste Spielweise, während ein direkter Fold an dieser Stelle noch nicht infrage kommt.
  3. Ein abermaliger Reraise bringt unter den genannten Umständen rein gar nichts, und Hesps All-In ist vor allem deshalb ein so grober Fehler, weil es schlicht und ergreifend keine einzige schlechtere Hand gibt, die sein All-In callen kann.

Nichts zu machen?

Hesp und Blumstein WSOP 2017
Hesp und Blumstein

Nach der Hand erhob Hesp seine Hände wie jemand, der sagen will: Da war eben nichts zu machen.
Das wäre zutreffend, wenn er auf dem Turn nicht All-In gegangen wäre und den Reraise von Blumstein nur gecallt hätte und anschließend auf dem River nach langem Nachdenken noch eine weitere Bet gecheckcallt hätte.

Viele Spieler hätten aber nach dem Call auf dem Turn die Hand auf dem River sogar aufgegeben – in dieser Situation ist es eben extrem unwahrscheinlich, dass Blumstein blufft.

Fazit

Der Strahlemann John Hesp verdirbt in einem schwachen Moment seine Siegchancen und gerät mit einem schlecht getimten All-In – letztlich einem Bluff mit einer guten Hand – auf Abwege.
Scott Blumstein hat geduldig auf seine Chance gewartet und schafft es in einem perfekten Match-Up den bis dahin größten Pott des Turniers zu gewinnen.

 

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