Die häufigsten Online-Poker-Scams - II. Collusion

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7 Juni 2013, Von: Christian Henkel
Geposted in: The Hand
Die häufigsten Online-Poker-Scams - II. Collusion

Teamwork ist eine tolle Sache. Eigentlich. Wenn daraus allerdings eine Verschwörung zum Schaden eines Tischnachbarn wird, ist das kein Teamwork mehr, sondern Collusion.

Lesen Sie unten, wie Collusion funktioniert, wie man sich davor schützen kann und wer als Betrüger bereits entlarvt wurde.

II. Collusion

Was ist das?

Von Collusion wird beim Poker gesprochen, wenn zwei oder mehr Spieler an einem Tisch kooperieren. Dabei wird sich entweder geschont, sich der Wert der eigenen Hole Cards übermittelt oder ein oder mehrere Gegner absichtlich ausgenommen.

Eine solche Form des Zusammenspiels ist - wenn sie wirklich nennbaren Nutzen bringen soll – zeitaufwändig.

Das so genannte Multitablen ist dabei kaum möglich. Collusion beim Online-Poker macht deswegen eher auf höheren Limits Sinn.

Für diese Form des Betrugs sind eher Cash Games und Single Table Sit`n Go`s anfällig. Technisch lässt sich Collusion auch von den Pokerrooms kaum ausschließen oder verhindern.

Die Kommunikation zwischen kooperierenden Spielern erfolgt via Telefon, Handy, Skype oder Messenger-Programmen. Collusion ist auch beim Online Poker Betrug und ist von den Pokerräumen in ihren AGB`s, unter Androhung scharfer Strafen verboten.

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Ganze Banden trieben online ihr Unheil.

Ein klassischer Fall von Collusion ist zum Beispiel, wenn bei Double or Nothing Turnieren so genanntes Chip-Dumping eingesetzt wird. Der Unterschied zwischen Chip-Erwartungswert und Gewinn-Erwartungswert ist hier an der Bubble enorm groß.

Ein umfangreicher Stack, der sich mit großer Sicherheit einfach ins Geld folden könnte, kann einem seinem Kollegen mit kleinem Stack mühelos Chips zuspielen, indem er im richtigen Moment foldet.

Der kleine Stack profitiert dabei sehr stark, während der Big Stack minimal verliert. Die Verlierer am Tisch sind die Medium Stacks, die nun weniger sicher ins Geld kommen.

Fallbeispiele von Collusion beim Online Poker:

Situation 1:

Hier machen die Colluder durch ihr abgekartetes Spiel den Pot deutlich fetter, als er normalerweise werden würde.

Colluder 1 bekommt die schlechteste Starthand #7x #2x offsuit. Das Collusion-Opfer bekommt #Kx #Kx. Der zweite Colluder bekommt #6x #6x. Der Flop zeigt #6 #9 #T Rainbow. Colluder 1 setzt nun, obwohl völlig ohne Chance eine Bet. Das Opfer raist und Colluder 2 reraist hier folgerichtig.

Dass aber Colluder 1 nun noch einmal darüber geht und sich das Spiel bis zum Turn wiederholt ist ein klares Zeichen für die Absprache. Allerdings foldet Colluder 1 jedes Mal seine Hand nach einer Bet am River, um die Collusion nicht auffliegen zu lassen.

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Wer mehr Karten kennt, gewinnt.

Wird ein Spieler auf diese Weise wiederholt in die Zange genommen, sollte er diesen Fall (Tisch und Uhrzeit notieren) beim Pokeranbieter melden.

Situation 2:

In einer anderen Variation raisen die beiden Colluder ihren Kontrahenten Stück für Stück aus dem Pot.

Colluder 1 bekommt hier beispielsweise wieder #7 #2 offsuit. Das Opfer hält aussichtsreiche #Jx #Jx und Colluder 2 schwache #5x #6x. Auf dem Flop erscheint nun ein As.

Normalerweise würde hier das Opfer immer noch in guter Position sein. Aber die Colluder fühlen der Sache auf den Zahn und bringen ihr Opfer durch Raise und Reraise mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Fold.

Situation 3:

Hier retten die Colluder in einer brenzligen Situation einen Stack gegen befürchtetes Set ihres Opfers.

Colluder 1 bekommt hier #Ax #Qx, das Opfer #Tx #Tx und Colluder 2 #Ax #Kx. Der Flop bringt #Ax #9x #Tx. Nachdem Colluder 2 gebettet hat, kommt von Colluder 2 das Raise, während das Opfer nun all in geht. Normalerweise wären hier beide Colluder mit ihrem Stack im Pot.

Aber im Wissen, dass Colluder 2 die stärkere As Hand hält, foldet Colluder 1, um gegen das befürchtete Set oder das Two Pair einen Stack sicher zu retten.

Wie kann man sich vor Collusion schützen?

Obwohl alle größeren Pokerräume Anti-Collusion Programme verwenden, gilt ähnlich wie beim Multi-Accounting gilt auch hier, dass die allgemeine Wachsamkeit der Spieler-Community den besten Schutz darstellt.

Schon oft waren es Diskussionen in großen Poker-Foren, bei denen signifikantere Fälle von Collusion aufgedeckt wurden. Die wachsamen Spieler melden Auffälligkeiten in den Statistiken.

Nach der Anforderung von Hand Histories wird dann oft eine kollektive Recherche betrieben, welche die wichtigsten Fakten zusammenbringt. Sieht man alle Hände der verdächtigen Spieler lässt sich Collusion relativ zweifelsfrei aufdecken.

Von Collusion betroffene Spieler sollten also zunächst prüfen, ob sich die Auffälligkeiten häufen. Dann sollten die Serviceteams der Pokerrooms und auch die Poker-Community via der bekannten Foren, wie TwoPlusTwo.com informiert werden.

 

Fallbeispiele:

1. Nick Grudzien

Nick Grudzien
Nick Grudzien.

Nick „stoxtrader“ Grudzien war bis Anfang 2010 nicht nur ein respektierter Highstakes-Spieler, sondern auch viel gelesener Buchautor und Lehrmeister auf seiner selbst gegründeten coaching-site www.stoxpoker.com. Mittlerweile ist sein Name allerdings eher mit einem Skandal verbunden:

Grudzien hat nach erdrückender Beweisführung seitens User NoahSD letztlich zugegeben auf FullTilt (stoxtrader, 40putts, kinetica) und auch PokerStars (stoxtrader, knockstiff, littlezen) auf mehreren Accounts gespielt zu haben.

Anfänglich habe er die anderen Accounts nur genutzt, um Trainingsvideos für stoxpoker zu produzieren, später allerdings auch bespielt. Noch im Januar 2010 hatte er sich zu weiteren Namenswechsel entschlossen und mit bulltf0rdtuff und gr3atvlewbr0 weitere Identitäten hinzugefügt.

Gerade die Accounts 40putts und knockstiff standen mehrfach unter Collusion-Verdacht. So sollen Aktionen zwischen den oben genannten Accounts über freundliches Setzverhalten und Softplay weit hinausgegangen sein. Bestätigt konnte der Verdacht nie werden, aber Stoxtrader Grudzien wies gerade diese Vorwürfe entrüstet weit von sich.

Nachdem innerhalb der TwoPlusTwo-Community nie wirklich belastbare Statistiken generiert werden konnten, entschloss sich User NoahSD an die Seite PokerTabelRatings zu wenden, um Zugriff auf deren Database zu erhalten.

Grudzien konnte so nachgewiesen werden, gerade mit Business Partner Robert Papps verdächtig viele synchrone Sessions gespielt zu haben. Die oben genannten Accounts haben nach NoahSD gegeneinander genauso agiert, wie Betrüger gegeneinander gespielt hätten.

Vor allem die Preflop-Action der von Grudzien bevorzugten Short-Stack-Strategie wies gigantische Anomalien auf. Insgesamt haben die vier hauptverdächtigen Accounts über eine Million Dollar mit ihrem Collusion-Play von ihren ahnungslosen Kontrahenten ergaunert.

Chinesen
Chinesische Spieler sind oft nicht das, was sie scheinen.

2. Die 49 Chinesen

Lange blieb dieser Fall von Collusion unaufgedeckt. Ein Betrüger-Kollektiv aus China hatte von Sommer 2009 bis Anfang 2012 in den Sit`n Go`s bei PokerStars bei Buy Ins von 52 Dollar und bis 108 Dollar Collusion in bis dahin ungeahntem Ausmaß betrieben und sich dabei insgesamt 750.000 Dollar erschlichen.

Der Fall wäre wohl unter dem Teppich geblieben, wenn nicht einer der Spieler, mit dem Nick Jane0123 versucht hätte, via TwoPlusTwo-Forum die Aufhebung seiner Sperre bei PokerStars zu erwirken, die der Marktführer über ihn und seine Kompagnons verhängt hatte.

Doch so erfuhr es die komplette Spieler-Community, dass insgesamt 49 Spieler bei den beliebten Double or Nothing Sit`n Go`s gemeinsame Sache gemacht und dabei anderen Spielern schweren Schaden zugefügt hatten.

Die Kompagnons hatten sich immer zu mehreren gleichzeitig an dieselben Tische gesetzt und dann versucht, möglichst viele „ihrer“ Spieler ins Preisgeld zu manövrieren.

Das klappte so gut, dass PokerStars irgendwann die Accounts sperrte, auf denen sich allerdings nur noch 85.000 Dollar befanden. Der Pokerroom erstattete den geschädigten Spielern nach dem unfreiwilligen „Coming out“ trotzdem insgesamt 587.000 Dollar.

 


 

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