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Wird die WSOP zu einem GGLive-Festival?

Wird die WSOP zu einem GGLive-Festival?

Die World Series of Poker 2026 startet am 26. Mai – doch schon kurz vor Beginn sorgt die Turnierserie für Diskussionen innerhalb der Poker-Community. Der Grund: neue Werberichtlinien, die nicht überall auf Zustimmung stoßen.

Ausgelöst wurde die Debatte durch Patrick Leonard, der einen Schriftwechsel mit der WSOP veröffentlichte. Dabei ging es um die Genehmigung, während der Serie Werbematerial von CoinPoker zu tragen. Was genau zwischen „Pads“ und der WSOP passiert ist, warum die neuen Regeln weiterhin Fragen aufwerfen und welche möglichen Schlupflöcher derzeit diskutiert werden, schauen wir uns genauer an.

Das Patch-Dilemma bei der WSOP

Aufnäher, Sticker und Sponsorenlogos auf Kleidung oder Caps gehören seit vielen Jahren zum festen Bestandteil der WSOP. Die Organisatoren haben diese Praxis meist toleriert, sodass einige Spieler zeitweise eher wie wandelnde Werbeflächen wirkten.

Ein Paradebeispiel dafür war Michael Mizrachi am Finaltisch des Main Events im vergangenen Jahr. Ihm fehlte gefühlt nur noch eine Leuchtreklame über dem Bauch.

Michael Mizrachi beim WSOP Main Event 2025
Michael Mizrachi beim WSOP Main Event 2025

Damals störte sich kaum jemand an den Sponsorenlogos. Eine Ausnahme bildete möglicherweise ClubWPT Gold: Die Veranstalter forderten Adam Hendrix vor dem Finaltisch dazu auf, das entsprechende Logo zu entfernen – andernfalls drohte sogar die Disqualifikation.

Zu diesem Zeitpunkt erschien die Entscheidung vielen nachvollziehbar. Schließlich hatte die 1-Million-Dollar-Promotion von ClubWPT Gold beim Millionaire Maker für erhebliche Kontroversen gesorgt. Dass ähnliche Vorgaben ein Jahr später offiziell ins Regelwerk aufgenommen würden, hatte jedoch kaum jemand erwartet.

Pads muss auf die CoinPoker-Patch verzichten – oder doch nicht?

Als Patrick Leonard das WSOP Main Event 2025 verfolgte, fragte er sich, warum die Finalisten deutlich weniger Sponsorenlogos trugen als früher. Mit den neuen Regeln für 2026 liefert die WSOP nun eine Antwort: Sämtliche Werbematerialien müssen künftig genehmigt werden, sobald ein Spieler an einen Feature Table gelangt.

Die Regeländerungen wurden Ende April 2026 veröffentlicht. Daraufhin reichten zahlreiche Spieler Anträge ein, um ihre Sponsorenlogos offiziell genehmigen zu lassen.

Zu ihnen gehörte auch Patrick Leonard. Trotz seines Bekanntheitsgrades und der Popularität seines Sponsors CoinPoker erhielt er jedoch keine Erlaubnis, Logos oder andere Werbematerialien des Anbieters zu tragen.

Wie Leonard in einem Beitrag auf X erklärte, beeinflusst diese Entscheidung sogar seine Sommerplanung:

Patrick

Bezüglich 25K Fantasy bin ich mir nicht sicher, was oder ob ich überhaupt spielen werde. Mir wurde aktuell untersagt, eine Patch zu tragen, und ich glaube, dass dies nach Ermessen der Turnierleitung sogar zu einer Disqualifikation führen könnte. Wie bei vielen anderen Spielern dürfte das die Situation deutlich komplizierter machen. Ich verstehe und respektiere, dass die WSOP inzwischen stark mit GGLive verbunden ist, und ich werde die Regeln nicht brechen. Regeln sind Regeln, und ich werde sie respektieren, auch wenn ich anderer Meinung bin. Gleichzeitig denke ich, dass solche Vorgaben Pokerseiten massiv davon abhalten, in Spieler zu investieren. Wenn die wichtigste Turnierserie der Welt externe Sponsoren einschränkt, sinkt der Anreiz für solche Investitionen erheblich. Wahrscheinlich spiele ich stattdessen die täglichen 200-Dollar-Turniere mit Brad Owen in New Orleans. Viel Erfolg allen beim Draft und während der Serie.

In den Kommentaren wurde darauf hingewiesen, dass CoinPoker nicht die einzige betroffene Plattform ist. Auch Phenom Poker soll keine Genehmigung erhalten haben. Andere Marken wie ACR Poker, BetMGM und Winamax wurden dagegen offenbar problemlos zugelassen.

Zusätzlich änderte die WSOP am 19. Mai 2026 erneut das offizielle Regelwerk. Dabei wurde ein Abschnitt von Regel 52 angepasst. Während zuvor ausdrücklich von Spielern an einem „Feature Table“ die Rede war, gilt die Regel nun für „jede Phase des Turniers“.

So reagiert die Poker-Community auf die neuen WSOP-Regeln

Leonards Beitrag löste zahlreiche Diskussionen aus. Dabei stehen insbesondere folgende Fragen im Mittelpunkt:

  1. Warum hat GGPoker diese Regel überhaupt eingeführt? Geht es darum, die WSOP stärker zu kontrollieren, ist sie eine Reaktion auf den Fall ClubWPT Gold oder hängt sie mit der Rückkehr der WSOP zu ESPN im Jahr 2026 und den dort geltenden Werbevorschriften zusammen?
  2. Kann die WSOP Spieler tatsächlich disqualifizieren, wenn sie nicht genehmigte Logos außerhalb der Pokerbranche tragen – etwa Adidas, eine von Phil Hellmuth bevorzugte Marke? Und was passiert bei Kleidung aus dem eigenen Unternehmen?
  3. Darf ein Spieler bestraft werden, wenn er ein Logo trägt, ohne dafür bezahlt zu werden? Die Regeln beziehen sich auf Sponsoren und genehmigte Werbematerialien, doch theoretisch kann jeder beliebige Logos auf seiner Kleidung tragen.
  4. Könnte die selektive Genehmigung bestimmter Marken gegen US-amerikanische Kartellgesetze und Regeln des fairen Wettbewerbs verstoßen?
  5. Dürften Spieler Logos nachträglich per Bildbearbeitung in Fotos oder Social-Media-Videos einfügen, oder würde die WSOP auch dagegen vorgehen?

Niemand bestreitet das Recht eines privaten Unternehmens, selbst über zulässige Werbung bei seinen Veranstaltungen zu entscheiden. Allerdings handelt es sich hier nicht um irgendeine Turnierserie, sondern um die bekannteste Pokerveranstaltung der Welt. Entsprechend unterschiedlich fallen die Reaktionen aus.

Betrachtet man die Situation aus Sicht von Freizeitspielern, ergeben sich sowohl Vor- als auch Nachteile.

Für viele Teilnehmer geht es bei der WSOP nicht nur um Bracelets und Preisgelder, sondern auch darum, ihre Pokeridole persönlich zu treffen und vielleicht sogar gegen sie zu spielen. Zahlreiche bekannte Profis stehen jedoch bei Pokerseiten unter Vertrag, die Reisen, Unterkünfte und Content-Produktion rund um die WSOP finanzieren.

Diese Unternehmen investieren in ihre Markenbotschafter, um neue Kunden zu gewinnen. Gleichzeitig profitieren auch die WSOP und ihre internationale Reichweite von der zusätzlichen Aufmerksamkeit. Sponsorenlogos helfen Fans dabei, die Pokerseiten hinter ihren Lieblingsspielern zu erkennen.

Finaltisch des WSOP Main Events 2025
Finaltisch des WSOP Main Events 2025

Doch was passiert, wenn die WSOP diese Sichtbarkeit einschränkt?

Einige Unternehmen könnten entscheiden, weniger Geld in die Teilnahme ihrer Spieler zu investieren. Für Freizeitspieler hätte das durchaus Vorteile: Die Teilnehmerfelder würden weicher werden, da insbesondere viele starke europäische Regulars fernbleiben könnten.

Auf der anderen Seite könnten Fans das Interesse verlieren, wenn ihre Lieblingsspieler gar nicht erst vor Ort sind. Dasselbe gilt für Zuschauer weltweit, die die Übertragungen verfolgen.

Während kleinere Turniere vermutlich kaum betroffen wären, könnten insbesondere die High-Stakes-Events unter den neuen Regeln leiden. Gerade dort besteht ein Großteil des Feldes aus gesponserten Profis und Markenbotschaftern.

Ein Blick auf den Finaltisch des WSOP Main Events 2025 verdeutlicht das Ausmaß: Fünf der neun Finalisten trugen mindestens ein Sponsorenlogo – bei einem Turnier mit rund 10.000 Teilnehmern.