Wem gehört ein Lottoschein, der nie bezahlt wurde? Der Fall Circle K
- Fakten geprüft von: PokerZeit
- Zuletzt aktualisiert am: 11.8.2026 · 2 Minuten Lesezeit
Was passiert, wenn ein Gewinnschein für eine Lotterie ausgedruckt, aber nie tatsächlich bezahlt wird? Gehört er dem Kunden, der ihn bestellt hat? Dem Händler, der ihn ausgedruckt hat? Oder dem Mitarbeiter, der ihn später kauft, nachdem er erkannt hat, dass er Millionen wert ist?
So ungewöhnlich diese Frage auch klingen mag: Eine eindeutige Antwort gibt es bislang nicht. Genau darüber muss nun ein Gericht in Arizona entscheiden, nachdem ein Jackpot-Ticket im Wert von $12,8 Millionen bei Circle K zum Mittelpunkt eines der bizarrsten Lotterie-Streitfälle der jüngeren Vergangenheit geworden ist.
So wurde aus einem einzigen vergessenen Ticket ein Rechtsstreit um mehrere Millionen Dollar.
Wie ein unbezahltes Ticket plötzlich $12,8 Millionen wert war
Die Geschichte beginnt im vergangenen November in einer Circle-K-Filiale in Scottsdale, Arizona. Eine Kundin kommt in den Laden und bestellt für $85 insgesamt 85 Lottoscheine zu je $1. Da ihr jedoch $25 fehlen, bezahlt sie nur einen Teil der Bestellung, genauer gesagt 60 Tickets, während weitere 25 bereits ausgedruckte Scheine am Verkaufstresen zurückbleiben.
Am nächsten Tag soll Filialleiter Robert Gawlitza festgestellt haben, dass eines der zurückgelassenen Tickets alle sechs Gewinnzahlen (3, 13, 14, 15, 19 und 26) der Arizona-Lotterie The Pick getroffen hatte und damit $12,8 Millionen wert war.
Gerichtsunterlagen zufolge beendete Gawlitza zunächst seine Schicht, zog seine Arbeitskleidung aus und kaufte anschließend die verbliebenen unbezahlten Tickets selbst. Damit habe er nach eigener Darstellung im Einklang mit der Unternehmenspraxis gehandelt, nach der Mitarbeiter übrig gebliebene Lottoscheine selbst erwerben müssen. Bis heute betont Gawlitza, keine Lotterievorschriften verletzt, die ungeschriebenen Unternehmensabläufe befolgt und vor dem Kauf sogar Rücksprache mit einem Vorgesetzten gehalten zu haben. Sein Anwalt erklärte gegenüber ABC 15:
Wenn solche Tickets also versehentlich ausgedruckt werden und unverkauft bleiben, ist es branchenüblich, dass die Person, die sie ausgedruckt hat, dafür bezahlen muss. Wenn nicht diese Person, dann der Filialleiter.
Circle K sah die Sache anders. Das Unternehmen entließ Gawlitza nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit und reichte im Februar Klage ein. Nun soll das Gericht klären, wem das Gewinn-Ticket rechtlich überhaupt gehört.
Wem gehört das Circle-K-Ticket also tatsächlich?
Das ist die $12,8-Millionen-Frage.
Circle K bleibt bei seiner Position und argumentiert, dass das Gewinn-Ticket beim ursprünglichen Ausdruck nie bezahlt wurde und das Eigentum deshalb auch nie auf die Kundin überging. Nach dieser Auslegung bleibt der Schein Eigentum des Händlers, bis er rechtswirksam gekauft wird.
Noch komplizierter wurde der Fall durch weitere Ansprüche. Auch ein anderer Circle-K-Mitarbeiter, nämlich der Angestellte, der die Tickets ausgedruckt hatte, erhebt Anspruch auf einen Teil des Gewinns. Er soll die Rückseite des Gewinnscheins unterschrieben und mit Gawlitza vereinbart haben, einen möglichen Gewinn im Verhältnis 50/50 zu teilen.
Die Arizona Lottery hat den Preis bislang nicht ausgezahlt und überlässt die Entscheidung stattdessen den Gerichten, die zunächst feststellen sollen, wer der rechtmäßige Eigentümer ist.
Warum dieser Fall weit über einen einzelnen Jackpot hinausgeht
Eine Summe von $12,8 Millionen sorgt schon für sich genommen für Schlagzeilen. Doch der damit verbundene Rechtsstreit könnte Konsequenzen haben, die weit über diesen einen Gewinnschein hinausgehen.
Das Gericht könnte letztlich klären, zu welchem Zeitpunkt das Eigentum an einem Lottoschein rechtlich übergeht, welche Rechte Händler an unbezahlten Tickets haben und ob Mitarbeiter zurückgelassene Scheine kaufen dürfen, ohne dadurch einen Interessenkonflikt zu schaffen.
Solche Fragen stellen sich nur selten, weil Lotteriegeschäfte normalerweise eindeutig ablaufen. Dieser Fall bewegt sich jedoch in einer rechtlichen Grauzone und könnte die Richtlinien von Händlern sowie die Abläufe von Lotteriegesellschaften noch über Jahre hinweg beeinflussen.
Die Gewinnzahlen stehen längst fest. Wer tatsächlich als rechtmäßiger Gewinner gilt, ist dagegen weiterhin völlig offen.
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