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Gibt es den „Baby Run Good“ wirklich? Beriuzy glaubt daran!

Gibt es den „Baby Run Good“ wirklich? Beriuzy glaubt daran!

Unter den zahlreichen Aberglauben, die in der Poker-Community kursieren, gibt es einen besonders positiven: die Vorstellung, dass die Geburt eines Kindes das Glück eines Spielers verbessern kann. Mitte Juli 2026 führte Ryan „Beriuzy“ Chamas seinen Erfolg erneut genau darauf zurück. Wir haben uns deshalb genauer angesehen, ob der „Baby Run Good“ tatsächlich funktioniert oder lediglich ein kognitiver Bias ist.

Der Misclick, der Beriuzy $217,485 einbrachte

Der mittlerweile nur noch gelegentlich streamende ehemalige GGPoker-Team-Pro Ryan Chamas wurde Anfang des Sommers 2026 Vater einer kleinen Tochter.

Inmitten der Euphorie über die lang ersehnte und glückliche Vaterschaft erwischte Beriuzy am 13. Juli einen unglaublichen Sun Run, den er selbst seiner Tochter zuschrieb:

Beriuzy

Ich habe mich durch einen Misclick in letzter Sekunde für das 5k Bounty angemeldet, ein $2000-Fehler. Bin wie ein Gott gerunnt, hab das Ding geshippt & die FT beim 10k auf GGPoker erreicht, wtf. Dann habe ich auch noch 4 Dota-Games in Folge gewonnen??? Baby run good ist real😂 Aber im Ernst, nichts hat mich glücklicher gemacht als das Lächeln meiner Tochter jeden Morgen 🥰 Bekommt Kinder!

Der Misclick passierte auf klassische Weise: Beriuzy schaute sich aus Neugier das $5K-Turnier an, wollte sich eigentlich für das $525-Satellite zu den GGMillion$ High Rollers anmelden und verwechselte schlicht die Lobbys. Am Ende brachte ihm dieser Fehler allerdings $46,504 ein, nachdem er das $5K-Turnier gewann.

Doch der Sun Run war damit noch lange nicht vorbei. Beriuzy beendete das GGMillion$-Finale in den Top 3 und kassierte weitere $170,981 Preisgeld – womit sich sein Eindruck nur noch verstärkte, dass seine Tochter tatsächlich das Glück ihres Vaters verbessern könne.

Aus offensichtlichen Gründen fiel seine Reaktion auf Platz 3 sogar noch emotionaler aus als nach dem vorherigen Sieg:

Beriuzy

Danke für den ganzen Support im Stream <3. Bin sehr glücklich mit dem Ergebnis. 3 Minuten nach meinem Bust habe ich eine volle Windel gewechselt, Abendessen für meine Frau gemacht & House of Dragons geschaut. Es hat sich großartig angefühlt, bis ich mein weinendes Baby in den Schlaf gewiegt habe… Das hat diesen Tag wirklich unvergesslich gemacht😭😭♥️

Bei einer solchen Erfolgsserie fällt es schwer, nicht daran zu glauben, dass Ryans Geheimnis tatsächlich etwas mit dem Einfluss seiner Tochter zu tun hatte – vor allem, weil daran zumindest teilweise etwas Wahres sein könnte.

Babys können Pokerspielern tatsächlich Glück bringen

Als glücklicher frischgebackener Vater erlebt Beriuzy regelmäßig eine ganz besondere Art von Boost, durch die er sich insgesamt besser fühlt – sowohl mental als auch körperlich. Das kann Poker aus drei wesentlichen Gründen leichter, entspannter und angenehmer machen.

Produktion „guter“ Hormone

Es ist wissenschaftlich belegt, dass psychisch gesunde Männer, die zum ersten Mal Vater werden, häufiger deutliche hormonelle Veränderungen erleben, die sie besser auf den Umgang mit einem schutzbedürftigen Baby vorbereiten.

Ein sinkender Testosteronspiegel, der eine bessere emotionale Kontrolle begünstigt, sowie eine erhöhte Produktion des „Fürsorgehormons“ Prolaktin und des „Liebeshormons“ Oxytocin führen gemeinsam dazu, dass junge Väter sanfter und ruhiger werden, ihre Emotionen besser kontrollieren und zurückhaltender auf Reize reagieren.

Gleichzeitig erhöht ein gesteigerter Cortisolspiegel die Wachsamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit, wodurch Männer sensibler auf potenzielle Gefahren und Anzeichen von Unwohlsein beim Kind reagieren.

Für einen Pokerspieler sind eine bessere emotionale Kontrolle und eine allgemein positivere Stimmung, die durch die mit Liebe und Fürsorge verbundenen Hormone unterstützt wird, besonders wertvoll. In einem solchen Zustand ist Tilt weniger wahrscheinlich, die Konzentration höher und Rückschläge am Tisch lassen sich deutlich leichter verkraften.

Ein ständiger Strom positiver Emotionen

Die Interaktion mit einem Kind bringt eine enorme Bandbreite unterschiedlicher Erfahrungen mit sich – besonders dann, wenn es das eigene ist und man all diese Dinge gemeinsam zum ersten Mal erlebt. Das sorgt zwangsläufig für einen konstanten Strom positiver Emotionen, der dabei hilft, viele andere Dinge gelassener zu sehen.

Die negativen Seiten, die Poker nun einmal mit sich bringt – Cooler und Bad Beats, schwache Plays der Gegner und eigene Fehler – verlieren an Gewicht und wirken deutlich weniger belastend, wenn man sie mit dem starken Einfluss vergleicht, den ein Kind auf das Leben eines Elternteils hat.

Veränderung von Prioritäten und Stressfaktoren

Die Geburt eines Kindes, die ersten Schritte als Eltern, ein völlig neues Maß an Verantwortung und weitere damit verbundene Faktoren verändern zwangsläufig die eigenen Prioritäten. Dieser Vergleich arbeitet fast immer zugunsten des Spielers, denn kein Fehler am Pokertisch hat vergleichbare Konsequenzen wie ein möglicher Fehler als Elternteil – und dadurch werden Pokerfehler leichter erträglich.

Gleichzeitig verändert sich auch die Wahrnehmung von Stress. Da das Kind zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit wird, rücken angespannte Situationen beim Poker automatisch in den Hintergrund, weil das Gehirn schlicht wichtigere Dinge hat, mit denen es sich beschäftigen muss. Dadurch beeinflussen solche Momente die Entscheidungsfindung weniger stark, sodass Spieler sich nicht von ihnen kontrollieren lassen und klarer denken können.

All das funktioniert allerdings nur, wenn die Eltern glücklich und finanziell abgesichert sind und die biologischen Mechanismen rund um die Elternschaft normal funktionieren. In anderen Fällen kann ein Neugeborenes genau die gegenteiligen Auswirkungen haben.

Die andere Seite des „Baby Run“

Kommt ein Kind zur Welt, während die finanziellen Mittel der Familie begrenzt sind und Poker die einzige oder wichtigste Einnahmequelle darstellt, kann ein weiteres schutzbedürftiges und anspruchsvolles Familienmitglied den Stress nur erhöhen. In einer solchen Situation gewinnen die Pokerergebnisse erheblich an Bedeutung, Fehler werden emotional stärker wahrgenommen und die Kontrolle über die eigenen Emotionen fällt schwerer.

Ist das Kind zudem unruhig und benötigt besonders viel Aufmerksamkeit, kann Poker zur Belastung werden, weil das Spiel mit der Kinderbetreuung kollidiert. Selbst wenn der andere Elternteil sich um das Baby kümmert, damit der Pokerspieler arbeiten kann, kann sich das Spielen belastend anfühlen. Im Hinterkopf bleibt ständig der Gedanke, dass die eigene Aufmerksamkeit auf etwas vergleichsweise Unwichtiges gerichtet ist, anstatt auf den tatsächlich bedeutenden Teil des Lebens.

Interessanterweise kann selbst bei einem vollkommen ruhigen Kind die Lust auf Poker verschwinden. Die Ankunft eines neuen Lebens kann eine Identitätskrise auslösen und die Frage aufwerfen, welchen Nutzen der eigene Beruf eigentlich hat. Was bringt Poker, wenn es die Welt für mein heranwachsendes Kind nicht zu einem besseren Ort macht? Eine enttäuschende Antwort auf diese Frage kann einen Spieler schnell vom Poker entfremden.

Schließlich gibt es noch ein Thema, über das nur selten gesprochen wird: die Trauer um das alte Leben. Für manche Eltern markiert die Geburt eines Kindes eine klare Grenze zwischen „davor“ und „danach“ – und nicht jeder begrüßt eine Veränderung, die sich nicht rückgängig machen lässt. Das kann sich auf Stimmung und Moral auswirken, weil jeder Versuch, Poker zu spielen, daran erinnern kann, was man „verloren“ hat – freie Zeit, die Möglichkeit, jederzeit zu spielen, weniger Verantwortung und den damit verbundenen geringeren Stress.

Bei Pokerspielerinnen, die gerade Mutter geworden sind, fallen die Veränderungen bei Prioritäten und Alltag häufig noch drastischer aus, da sie in der Regel stärkere biochemische Veränderungen als Männer durchlaufen – teilweise bis hin zu einer umfassenden Neuorganisation des Gehirns.

All das bedeutet natürlich nicht, dass Pokerspieler keine Kinder bekommen sollten. Vorher sollten sie jedoch ihre eigenen Möglichkeiten und die potenziellen Veränderungen realistisch einschätzen und sich sowohl mental als auch körperlich darauf vorbereiten, dass möglicherweise nicht alles nach Plan verläuft. Und natürlich auf das bestmögliche Szenario hoffen – eines, in dem der Baby Run Good tatsächlich real ist, ohne größere Nachteile mit sich zu bringen.