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Markup oder Discount: Was sollten MTT-Spieler anbieten?

Markup oder Discount: Was sollten MTT-Spieler anbieten?

Unter den zeitlosen Diskussionen der Pokerszene gibt es ein Thema, das nie verschwindet: Dürfen Turnierspieler beim Verkauf ihrer Action einen Aufschlag verlangen? Und falls ja, wie hoch darf dieser ausfallen? Anders gefragt: Sollte Markup als Konzept überhaupt weiterhin existieren – und wenn ja, in welchem Rahmen ist es angemessen?

Ende Mai 2026 wurden diese Fragen erneut in der Poker-Community auf X (Twitter) diskutiert. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf den aktuellen Stand der Debatte.

Was ist Markup?

Markup ist ein Aufschlag auf das Buy-in eines Turniers, den ein Spieler beim Verkauf seiner Action erhebt. Damit sollen Kosten gedeckt, die Varianz reduziert und die eigene Spielstärke gewissermaßen vergütet werden.

In der Praxis wird Markup meist auf zwei Arten angegeben – abhängig davon, wo die Action verkauft wird und wie die Vereinbarung strukturiert ist.

Bei privaten Deals wird es häufig als Prozentsatz ausgedrückt. Ein Spieler verkauft beispielsweise Anteile an einem Turnier mit einem Buy-in von 500 $ und verlangt einen Aufschlag von 40 %.

Weit verbreiteter ist jedoch die Darstellung über einen Multiplikator im Format 1.x, wobei „x“ für den jeweiligen Aufschlag steht. Im genannten Beispiel würde der Spieler seine Action für das 500-$-Turnier mit einem Markup von 1,4 verkaufen.

Dieses System wird unter anderem in Pokerräumen mit integriertem Staking-System wie ACR Poker und GGPoker verwendet.

Markup

Wie hoch das Markup ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: den Ergebnissen und Fähigkeiten des Spielers, der Zahlungsbereitschaft potenzieller Käufer sowie dem allgemeinen Marktumfeld zum jeweiligen Zeitpunkt.

Gegner und Befürworter von Markup

Den Anstoß zur jüngsten Diskussion gab Nikita „GetQuacked“ Bakarjiev, der seine Abneigung gegen diese Praxis öffentlich machte:

Nikita „GetQuacked“ Bakarjiev

Ich bin absolut dafür, Action zu verkaufen, um das eigene Bankroll-Risiko zu reduzieren und Freunden die Möglichkeit zu geben, mitzuschwitzen. Aber wenn du keinerlei nachweisbare Ergebnisse hast und ein ABI von 20 $ spielst – warum verlangst du dann Markup für Turniere mit Buy-ins von über 500 $? Das ergibt für mich einfach keinen Sinn. Kein Angriff, aber lasst uns realistisch bleiben.

Sein vergleichsweise kleiner Account zog die Aufmerksamkeit von Tom „Tombos21“ Boshoff, Head Coach bei GTO Wizard, auf sich. Dieser ging sogar noch einen Schritt weiter und erklärte in diesem Beitrag, dass MTT-Spieler eigentlich einen Abschlag auf ihre Action anbieten sollten – und keinesfalls Markup:

Tom „Tombos21“ Boshoff

Selbst wenn es sich um starke Spieler mit nachweisbaren Erfolgen handelt – sollten MTT-Profis überhaupt Markup verlangen? In praktisch jedem anderen Bereich der Finanzwelt zahlt man dafür, Risiko abzugeben, oder man wird dafür bezahlt, Risiko zu übernehmen. Wenn ich ein Los habe, das mit 50 % Wahrscheinlichkeit wertlos ist und mit 50 % Wahrscheinlichkeit 1.000 $ wert ist – wie viel solltest du dafür bezahlen? Der Erwartungswert liegt bei 500 $, aber du solltest zu Recht einen Abschlag verlangen, weil du das gesamte Risiko trägst. Deshalb würde ich argumentieren, dass MTT-Profis ihre Action eher unter dem geschätzten Wert verkaufen sollten, statt mit einem Aufpreis.

Gerade diese Aussage löste eine hitzige Diskussion aus und traf bei vielen Spielern einen Nerv – darunter auch zahlreiche bekannte Pokerprofis. Hier einige der interessantesten Reaktionen.

  • Florian Pesce: Das ist nicht gerade mein Lieblings-Take von Tombos. Das Markup sollte unter dem erwarteten ROI liegen – genau so wird der Backer dafür entlohnt, zusätzliches Risiko zu übernehmen. Den grundsätzlichen Punkt verstehe ich aber. Ein großer Teil des Staking-Marktes ist -EV, weil der ROI überschätzt oder das Markup zu hoch angesetzt wird.
  • Ian Simpson: Letzte Woche wurde an den Tischen ernsthaft darüber diskutiert, ob ein Markup von 1,8 für das WSOP Main Event akzeptabel sei. Es gibt vielleicht einige Spieler mit einem ausreichend hohen ROI für diesen Preis – aber deutlich weniger als jene, die genau diesen Preis verlangen.
  • Galen Hall: Du verwechselst Nennwert und Erwartungswert. Wenn ich glaube, dass Phil Ivey in einem MTT einen ROI von 50 % hat, dann ist ein Markup von 1,2 ein Abschlag auf den EV, obwohl es ein Aufschlag auf den Nennwert ist. Außerdem sind +EV-Investments ohne Korrelation zu den Märkten in der Finanzwelt der heilige Gral, und die Leute zahlen viel Geld dafür. Das Schwierige im Poker ist die EV-Schätzung. Wenn wir sicher wüssten, dass jemand einen ROI von 50 % hat, würden Finanzprofis mehr als 1,49 dafür bezahlen – abzüglich Gegenparteirisiken, Gebühren und ähnlicher Faktoren. Keine Marktkorrelation, extrem kurze Kapitalbindung usw.
  • Mustapha Kanit: Wenn jemand einen ROI von 20 % hat und dir Anteile zu 1,05 verkauft, druckst du Geld. Natürlich wirst du oft verlieren und deine Equity nicht realisieren, aber genau das ist das Spiel, das wir spielen. Es ist nicht die Schuld des Horses, wenn es nicht casht. Poker ist ein Long-Run-Game. Wenn du weiter positive EV-Spots kaufst, bekommst du das Geld irgendwann zurück. Ich selbst verkaufe meist zum Nennwert an Partner, die mir in anderen Bereichen Geld verdienen, deshalb wäre es unsinnig, Markup zu verlangen. Das ist aber ein Sonderfall. Dass viele Spieler ihren ROI überschätzen, ist ein anderes Problem – und genau darin liegt das eigentliche Problem, nicht bei Gewinnern, die ihre Action zu einem fairen Markup verkaufen.
  • Matt Berkey: Dein Beispiel passt eigentlich nur auf Verlierer oder Break-even-Spieler. Trotzdem könnte der grundsätzliche Gedanke angesichts der hohen Varianz eines einzelnen Turniers durchaus berechtigt sein. Vielleicht geht es weniger darum, ob Markup ein sinnvolles Modell ist, sondern vielmehr darum, wie vorsichtig Käufer beim Erwerb von Action mit Markup sein sollten. Die klassische Faustregel war immer, den angenommenen ROI aufzuteilen. Da diese Schätzungen aber oft ungenau sind, zahlen gute Käufer vermutlich möglichst nahe am Nennwert für bekannte Gewinner und meiden den Rest.
  • David Baker: Das ist einer der dümmsten Posts, die ich je gelesen habe. Niemand zwingt dich, mit Markup zu verkaufen, aber viele Spieler sind ein Markup wert und verdienen damit Geld. Wenn du in einen Spieler investierst, trägst du keine seiner Kosten. Du kannst deine Zeit weiterhin in deinem eigenen Fachgebiet nutzen. Du zahlst weder Benzin noch Parkgebühren, Hotels oder Coaching. Wenn Investor und Spieler den EV teilen, bekommt der Investor den besseren Teil des Deals. Ein Pokerturnier mit einer Tombola zu vergleichen, ist schlicht absurd.
  • Sam Greenwood: Ich denke, bevor man Markup festlegt, sollte man zunächst bestimmen, wie der Gewinn zwischen Backer und Horse aufgeteilt wird. Wenn du einen ROI von 10 % hast – welches Markup ist dann fair? Wenn du glaubst, dass es für einen Backer zu riskant ist, deine Action zu 1,05 zu kaufen, dann solltest du wahrscheinlich ähnliche Turniere meiden, bei denen du nur einen ROI von 5 % hast.

Wer hat in dieser Diskussion recht?

Eigentlich niemand – denn sowohl der Verkauf als auch der Kauf von Action mit Markup sind persönliche Entscheidungen zweier Vertragsparteien.

Bevor ein Spieler Anteile verkauft, bewertet er seine Fähigkeiten und Ergebnisse, berücksichtigt aber auch seinen finanziellen Bedarf, seine Risikobereitschaft und die Auswirkungen von Varianz auf die eigene Bankroll.

Zudem schätzt er ein, wie wahrscheinlich es ist, die Action zu einem bestimmten Markup verkaufen zu können, und erstellt auf dieser Grundlage sein Angebot.

Der Käufer nimmt ebenfalls eine eigene Bewertung vor – insbesondere hinsichtlich seiner finanziellen Möglichkeiten und der Erfolgsaussichten des Verkäufers.

Letztlich gilt: Solange Menschen bereit sind, Action mit Markup zu kaufen, wird auch Action mit Markup verkauft werden. So funktioniert ein Markt nun einmal – die Nachfrage bestimmt das Angebot.

Und genau deshalb ergeben Diskussionen über Markups oder Discounts am Ende des Tages eigentlich wenig Sinn. Trotzdem lieben wir sie – denn so funktionieren Menschen eben.