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Online Poker Turnier Tricks (2021 Edition mit Jesper Hougaard)

Strategie, Tipps und Tricks für Online-Pokerturniere mit Jesper „kipsterDK“ Hougaard – Diskussion von 4 Händen aus dem PokerStars EPT Online Main Event.

Im Jahr 2020 wurde auf PokerStars erstmals die EPT online ausgetragen. Das Main-Event mit einem Buy-In von 5.200 US-Dollar hatte ein riesiges Feld von über 1.300 Spielern und einen Preispool von mehr als 6,5 Millionen US-Dollar.

Wir wollten wissen, wie ein professioneller Pokerspieler diese Turniere angeht und an welche Aspekte er denkt, wenn er bestimmte Hände spielt. Der erfahrene Pokerprofi Jesper Hougaard erklärte sich bereit, uns durch seine entscheidenden Hände aus diesem Turnier zu führen und seinen Denkprozess ausführlich zu erläutern, um einen Einblick in die Entwicklung der Strategien für Pokerturniere in den Jahren 2020 - 2021 zu geben.

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Über Jesper Hougaard

Jesper „KipsterDK“ Hougaard ist ein renommierter PLO-Spezialist und heutzutage vor allem ein Cash-Game-Spieler. Er ist aber auch ein versierter Hold'em-Spieler und hat an den Live- und Online-Turniertischen viel Erfolg gehabt. Er hat zwei WSOP Bracelets gewonnen und war der erste Spieler, der 2008 und 2009 zweimal die PokerStars Sunday Million gewann.

Jesper hat es bei PokerStars EPT Online nicht ins Geld geschafft und die vier Hände, die er unten für uns erklärt, stammen aus den frühen Levels des Turniers. Die Hände sind vielleicht nicht so glamourös wie einige spektakuläre Final Table-Hände, aber sie zeigen, wie kleine Details den Verlauf einer Hand (und eines ganzen Turniers) oft drastisch verändern.

Von hier an geben wir Jesper das Wort:

Jesper "kipsterDK" Hougaard
Jesper "kipsterDK" Hougaard

Hand # 1: Achten gegen einen Freizeitspieler

Die erste bedeutungsvolle Hand kommt im 2. Level. Ich spiele mit Achten im Small Blind einen großen Pot gegen einen scheinbaren Freizeitspieler.

Preflop

Blinds: 600 / 1,200 Ante 150

CO: 148,069
Hero (SB): 259,049 - 88

Preflop: fold, fold, fold, fold, CO raises to 3,400, fold, Hero raises to 12,600, fold, CO calls

Warum ich gegen den Cut-Off spielen will

Der Typ im Cut-Off ist meiner Einschätzung nach ein Freizeitspieler. Es ist zwar sehr früh im Turnier und ich habe nicht so viel von ihm gesehen, aber ich kann bereits sehen, dass sein VPIP sehr hoch ist. Er ist definitiv der Typ, mit dem ich mich Hände spielen möchte, und ich möchte mit ihm um hohe Beträge spielen, weil er viel mehr Postflop-Fehler machen wird als der durchschnittliche Spieler auf dem Feld.


VPIP: "Voluntary put money into pot" - Dieser Wert zeigt an, wie häufig der Gegner freiwillig Geld in den Pot bezahlt. (Siehe: Wie man Pokerstatistiken liest)


Warum ich Preflop reraise

Er eröffnet im Cut-Off für etwas mehr als eine Min-Raise und mit Achten im Small Blind ist es eine ziemlich obligatorische 3-Bet für mich. Callen und Set-Mining sind schlecht, denn ich habe keine Position. Auf dem Button wäre ich eher geneigt gewesen, gegen diesen Spieler zu callen. Aber im Small Blind ist es besser, die Initiative zu ergreifen.


Set-Mining: Mit einem Paar vor dem Flop callen, in der Hoffnung ein Set zu treffen.


Wie viel sollte man Preflop erhöhen?

Ich entscheide mich für einen 3,5-fachen Reraise, was standard ist. Ich weiß, dass Leute, die mit Poker-Solvern arbeiten, in dieser Situation noch höhere 3-Bets bringen. Reraises ohne Position werden meistens auf den vierfachen Betrag des Raises gebracht oder sogar ein bisschen mehr, wenn beide Spieler noch viele Chips haben. Der Grund dafür ist, dass man das Spektrum des Gegners, mit dem er weiterspielen möchte, eingrenzen will. Es ist normalerweise besser, die Hand sofort zu gewinnen. Mein Raise fiel ein wenig kleiner aus, weil es mir nichts ausmacht, einen Flop gegen diesen Gegner zu machen, auch wenn ich keine Position habe, denn das ist der Gegner gegen den wir viele Hände spielen wollen.


3-Bet: Re-Raise vor dem Flop, nachdem ein anderer Spieler schon erhöht hat. (Siehe: Die 3-Bet vor dem Flop)

Spektrum: Jede mögliche Hand, die ein Spieler realistisch haben könnte. (Siehe: Den Gegner auf Hände setzen, PokerOlymp)


Flop

Flop: (27,600) - K64

Hero checks, CO bets 10,800, Hero calls

Warum ich den Flop checke

Wenn ich anfange, diesen K-6-4-Flop zu setzen, würde ich den Pot unnötig aufblähen. Wenn ich hier setze, werde ich kaum Calls von schwächeren Händen bekommen. Er könnte mit Händen wie Ace-high callen, aber ich blocke Hände wie 8-7-suited, die callen könnten. Es ist besser zu checken und meinen Gegner bluffen zu lassen. Wenn es Check-Check geht, kann ich später auf dem noch einen Value-Bet bringen. Es stellte sich heraus, dass mein Gegner setzte. Nach seiner Bet habe ich hier einen Pflichtcall. Achten sind zu stark für Check-Fold.


Value-Bet: Einsatz mit einer guten Hand in der Erwartung von schwächeren Händen gecallt zu werden. (Siehe: Value-Bet für Anfänger erklärt)


Turn

Turn: (49,200) - K64 9

Hero checks, CO bets 26,400, Hero calls

Warum ich am Turn wieder calle

Die Neun am Turn sollte eigentlich nichts ändern. Mein Gegner hat keine Neun in der Hand. Er kann Hände wie KQ oder KJ und gelegentlich AK haben und sich entschieden haben, vor dem Flop keine 4-Bet zu bringen. Das sind die Haupthände, mit denen er zwei Value-Bets würde. Es gibt nur wenige Sets - Sechsen und Vieren - in seinem Spektrum. Sollte er Preflop mit schlechteren Königen gecallt haben, wie KT-suited, würde er in auf diesem Turn eher checken. Das heißt, es ist ein ziemlich enges Spektrum, mit dem mein Gegner auf dem Flop und dem Turn für Value setzt. Gegen einige Leute könnte man in Betracht ziehen, den Turn zu folden, aber gegen diesen Spieler und ein so enges Spektrum kann ich bis zum River weiterspielen und die Situation dann neu bewerten.


4-Bet: Weiterer Re-Raise nach einer 3-Bet vor dem Flop.


Blufft ein Freizeitspieler oft genug?

Freizeitspieler gibt es in vielen verschiedenen Formen und Variationen. Dieser Typ ist ein aggressiver Freizeitspieler. Der Grund, warum ich am Turn weitermachen möchte, ist, dass er nicht viele wertvolle Hände hat, mit denen er gerne drei oder sogar zwei Straßen setzt. Ja, es gibt Hände wie AK und KQ, KJ oder ein Set, womit er zweimal setzen wird. Alle anderen Value-Hände (alle Nicht-Bluffs), wie ein schwächerer König, checken den Turn. Aber jedes Mal, wenn er zwei Karos hat, macht er als Bluff weiter und er könnte Broadway-Hände wie QT auf dem Turn setzen. Im Allgemeinen muss ich gegen Spieler dieses Typs von einem weiten Spektrum ausgehen und annehmen, dass sie nicht genau wissen, was sie tun.

Was ist mein Plan für den River?

Wenn mein Gegner auf dem River all-in geht, muss ich folden. Wenn er mit reiner heißer Luft dreimal setzen will, gratuliere ich ihm. Aber es gibt nicht viele Leute, die das bei solchen Turnieren in dieser Phase tun. Er hat immer noch fast die Hälfte seines Startstacks und es wäre selbstmörderisch, wenn er sich für einen großen Bluff auf dem River entscheiden würde. Ich vertraue darauf, dass er den River checkt, wenn er nichts trifft.

River

River: (102,000) - K649 J

Hero checks, CO checks

Der River ist eine schlechte Karte

Der Bube am River ist offensichtlich eine schlechte Karte. Viele der Hände, mit denen er halb geblufft hat, wie QT oder JT oder AJ, die am Flop reine Bluffs und am Turn ein Semi-Bluff waren, kamen gerade an. Wie sich herausstellte, hatte er Ass-Bube. Dies war ein unglücklicher Start in das Turnier.

Showdown

CO shows AJ and wins 102,000

Hand # 2: Lasse ich ihn weiter bluffen oder mache ich den Sack zu?

Die nächste große Hand spiele ich im 3. Level gegen einen aggressiven Profi:

Preflop

Blinds: 800 / 1,600 Ante 200

BU: 346,127
Hero (SB): 199,910 - AQ

Preflop: fold, fold, fold, fold, fold, BU raises to 3,200, Hero raises to 13,760, fold, BU calls

Spielen gegen einen Profi

Preflop ist einfach sehr standard. Der Button eröffnet und ich habe eine massive Hand mit Ass-Dame-suited im Small Blind. Mein Read auf den Button (Christian 'WATnlos' Rudolph) ist, dass er ein sehr looser und aggressiver Reg ist. Er spielt sehr viele Hände und ist fast schon zu aggressiv. Mit Ass-Dame habe ich eine obligatorische 3-Bet und ich bringe ungefähr einen vierfachen Re-Raise.

Flop

Flop: (30,720) - Q94

Hero bets 16,000, BU calls

Mit welchen Händen würde ich auf diesen Flop setzen?

Dies ist offensichtlich ein wirklich guter Flop für mich. Auf diesem draw-lastigen Board habe ich immer eine sehr hohe C-Bet-Frequenz. Ich würde mit all meinen guten Händen setzen, etwa mit Assen, Königen, Damen, Ass-Dame oder König-Dame. Das bedeutet, dass ich auch genug Bluffs in meinem Spektrum finden muss, die auf diesem Flop setzen. Zum Beispiel würde ich mit König-Bube oder Bube-Zehn immer setzen. Das heißt, ich werde hier auch mit vielen Semi-Bluffs setzen. Wenn ich so gut floppe, denke ich, dass eine Bet in Höhe der Hälfte des Pots ein vernünftiger Weg ist, um die Hand zu starten.


C-Bet: "Continuation Bet" - Bet des Preflop-Raisers auf dem Flop.


Turn

Turn: (62,720) - Q94 7

Hero checks, BU bets 38,400, Hero raises to 169,950 (all-in)

Ich entschied mich zu checken und mein Gegner setzte 60 Prozent des Pots. Ich war mir wirklich nicht sicher, ob ich all-in gehen oder callen sollte. Dies ist der zentrale Punkt in dieser Hand.

Warum der Check-Raise-All-In am Turn problematisch ist

Wenn ich all-in gehe, bin ich fast nie vorne, wenn mein Gegner mich callt. Vielleicht gibt es gelegentlich King-Queen mit dem K oder Ace-Queen mit dem A , aber ich bin mir nicht einmal sicher, ob er diese Hände setzt. Die optimale Strategie - nach Leuten mit Solvern und nach GTO - ist es, einfach den Turn zu callen und meinen Gegner den River bluffen zu lassen, weil ich nicht von schlechteren Händen gecallt werde, wenn ich den Turn check-raise.


GTO: "Game Theory Optimal" - Optimales Spiel nach Spieltheorie. (Siehe: GTO beim Poker, PokerOlymp)


Warum ich trotzdem check-raise

Mein Check-Raise hat einen Zweck. Mit meinem All-in vermeide ich es, am River in Schwulitäten zu kommen, wenn zum Beispiel eine Zehn, ein Bube oder ein Pik kommt. Es gibt viele Karten auf dem River - zwischen 30 und 40 Prozent - die für mich sehr hässlich sein werden. Es mag seltsam klingen, aber der Check-Raise-All-In am Turn ist die sicherere Spielweise, weil ich auf diese Weise vermeide, gegen einen äußerst aggressiven Spieler einen komplizierten River ohne Position zu spielen. Es ist auch eine Möglichkeit, meinem Gegner seine Equity zu verwehren, wenn er nur ein Pik hat. Zum Beispiel hat eine Hand wie Bube-Zehn oder Neun-Acht mit einem einzigen Pik viel Equity gegen mich. Mein Gegner wird geneigt sein, diese Hände am Turn zu bluffen, kann aber das All-In nicht gewinnbringend callen.

Andererseits habe ich meinem Gegner, sobald ich auf dem Turn nur calle, im Grunde gesagt, dass ich Ass-Dame oder besser habe. Wenn ich calle und der River das Board nicht verändert ​​- sagen wir, es kommt eine 4 oder 7 - wird mein Gegner wahrscheinlich nicht weiter bluffen.

Die Frage, auf die diese Hand hinausläuft, ist diese: Verweigere ich meinem Gegner mit seinen Semi-Bluffs seine Equity oder lasse ich ihn auf dem River weiter bluffen? Ich könnte für beides überzeugt werden, aber insgesamt denke ich, dass es etwas besser ist, ihm durch das All-In die Equity zu verweigern, als ihm zu erlauben, auf dem River zu bluffen.


Equity: Wahrscheinlichkeit den Showdown zu gewinnen. (Siehe: Pot-Odds und Equity)


Showdown

BU folds, Hero wins 101,120

Zwischenspiel: Verdreifachung mit einem Straight Flush (fast)

Ein paar Hände später verdreifache ich meinen Stack mit einem Straight Flush. Zumindest hätte ich es getan, wenn die Spieler so gespielt hätten, wie sie spielen sollen.

Preflop

Blinds: 800 / 1,600 Ante 200

UTG: 147,158
Hero (MP): 470,670 - 109
BB: 264,528

Preflop: UTG raises to 3,200, fold, Hero calls, fold, fold, fold, BB raises to 17,600, UTG raises to 41,600, Hero folds, BB calls

Der Freizeitspieler, mit dem ich Hand #1 oben gespielt habe, eröffnet von UTG. Ich will immer noch möglichst viel gegen ihn spielen und Zehn-Neun-suited ist sehr spielbar. Aber wir werden vom Big Blind gereraist und der Freizeitspieler bringt eine 4-bet. Natürlich kann ich jetzt nicht weitermachen und muss folden.

Postflop

Flop: (88,600) - 876

BB checks, UTG bets 105,358 (all-in), BB calls

Turn: (299,316) - J
River: (299,316) - 6

UTG shows 87
BB shows 99 and wins 299,316

Ich hätte die absolute Welt geflopt

Manchmal flopt man die Welt, aber kein anderer Spieler hat etwas, so dass man keine Chips in die Mitte bekommt. Aber gegen die zwei spezifischen Händen, die meine Gegner hier haben, wäre es vielleicht zu einem All-In zu dritt auf dem Flop gekommen. Und nur um die Sache noch schlimmer zu machen, hätte ich einen Straight-Flush auf dem Turn getroffen.

Wenn der Freizeitspieler die 3-Bet vor dem Flop gecallt hätte, hätte ich definitiv auch weitergemacht. Und angesichts seines Stacks sollte er eigentlich mit Acht-Sieben-suited auf die 3-Bet folden. Wenn er sich entscheidet weiterzumachen, ist eine 4-bet ziemlich schlecht und er sollte einfach callen. Dies zeigt nur, dass ich, wenn der Freizeitspieler getan hätte, was er tun sollte, meinen Stack zumindest verdoppelt hätte, vielleicht sogar noch mehr.

Hand # 3: Einsatzgrößen sind alles

Diese Hand ist furchtbar. Ich hatte ein technisches Problem und kam spät von einer Pause zurück. Meine Time-Bank war weg. Besonders auf dem Turn gerate ich ein bisschen in Panik.


Time-Bank: Zusätzliche Bedenkzeit, die man bei Online-Turnieren hat (in der Regel eine bis zwei Minuten).


Preflop

Blinds: 1,250 / 2,500 Ante 325

BU: 510,869
Hero (BB): 248,447 - AJ

Preflop: fold, fold, fold, fold, BU raises to 7,500, fold, Hero raises to 30,000, BU calls

Call oder 3-Bet mit Ass-Bube im Big Blind?

Nachdem der Button eröffnet hat, kann ich beides im Big Blind machen - callen oder erhöhen. Ich denke, eine 3-Bet ist standard, da meine Hand weit besser ist, als das Spektrum meines Gegners am Button.

Hin und wieder ist es auch in Ordnung, Ace-Jack zu callen und ein großes Ass im Spektrum zu haben, wenn das Board Ass-hoch kommt. Der Spieler auf dem Button wird ein solches Board sicherlich setzen und meine Hand kann dann viel vertragen.

Dieses Mal habe ich mich für eine 3-Bet entschieden und meine 3-Bet ist größer. Ich habe sie 4-mal so groß wie die anfängliche Erhöhung gemacht.

Flop

Flop: (63,850) - 953

Hero bets 43,500, BU calls

Eine Bet auf diesem Flop ist besser als ein Check

Auf dem Flop habe ich ein Stack-zu-Pot-Verhältnis von 3. Ich denke nicht, dass sich dieser Flop zum Check-Call eignet und das eine eigene Bet hier überlegen ist. In meinem Spektrum befinden sich alle Overpairs und bei einem 9-5-3-Flop befinden sich nicht viele Hände in dem Spektrum meines Gegners, mit denen er sehr viele Chips investiert.


Stack-zu-Pot-Verhältnis (SPR): Verhältnis des Chipstacks in Relation zum Pot. Hat man zum Beispiel 5.000 Chips und im Pot liegen 1.000 Cips, liegt das Verhältnis bei 5.


So viel zu wetten war ein Fehler

Aber ich glaube, ich habe einen Fehler mit meiner Wettgröße am Flop gemacht. Ich setzte zwei Drittel der Größe des Pots, anstatt einen kleinen Betrag zu setzen. Setzte ich nur ein Drittel statt zwei Drittel, hätte ich den Vorteil, dass ich über mehrere Runden feuern kann, ohne zu viel von meinen Chips zu investieren. Indem ich so viel auf den Flop setze, repräsentiere ich Zehnen oder Buben - Hände, die das Stack-zu-Pot-Verhältnis senken wollen, damit ich den Turn all-in gehen kann oder zumindest keine großen Entscheidungen mehr vor mit habe.

Mein Gegner hat nicht sehr viele Hände in seinem Spektrum, mit denen er gerne mit nach zwei Runden all-in ist. Ein Einsatz von 20.000 auf dem Flop bläht den Pot jedoch weniger auf, lässt das Verhältnis von Stack zu Pot höher und macht es viel billiger, mit einem weiteren Bluff am Turn fortzufahren. Wenn ich Asse, Könige oder Damen hätte, würde ich mich definitiv für die kleine Größe entscheiden.

Ich denke nicht, dass meine Wettgröße sehr gut ist und jetzt, wo ich sie analysiere, muss ich konstatieren, dass dies die Hand ist, die ich im gesamten Turnier am schlechtesten gespielt habe. Eine kleinere Größe am Flop hätte eine völlig andere Situation für den Turn geschaffen. Anstelle eines Stack-zu-Pot-Verhältnisses von 1,2 hätte ich ein Verhältnis von 2 haben können, das es mir ermöglicht hätte, eine Bet abzufeuern, ohne meinen Stack zu dezimieren.

Turn

Turn: (150,850) - 953 Q

Hero bets 75,000, BU raises to 435,020 (all-in), Hero folds


BU wins 225,850

Mit welchen Händen callt mein Gegner den Flop?

Mein Gegner callt meine Flop-Bet mit vielen Händen. Sein Spektrum besteht aus Vieren, Sechsen bis Achtern und Händen wie A4. Viele dieser Hände bleiben auf dem Flop dabei, geben aber am Turn gegen eine zweite Salve auf.


Zweite Salve (engl.: Second barrel): Bet auf dem Turn nach einer Bet auf dem Flop - zumeist als Bluff.


Was kann ich am Turn repräsentieren?

Die Q am Turn vervollständigt einen Teil meines Bluff-Spektrums am Flop, zum Beispiel Hände wie Ass-Dame oder König-Dame. Wenn ich eine Hand wie KQ hätte, hätte ich definitiv den Flop gesetzt, da ich diese Hand nicht zum Showdown bringen kann. Mit jeder Kombination von Händen wie KJ würde ich den Turn setzen. Im Allgemeinen ist diese Dame am Turn besser für mein Spektrum als für das meines Gegners. Und ich habe immer noch Asse, Könige und Neunen in meinem Spektrum.

Die Bet am Turn ist problematisch

Die Tatsache, dass die Dame für mein Spektrum besser aussieht als für seins, hat mich dazu verleitet, den Turn zu setzen. Durch eine zweite Salve auf dem Turn kann ich auf Hände wie kleine Paare viel Druck ausüben. Aber ich blocke keine Kreuz-Karten. Es wäre besser, ein Kreuz auf der Hand zu haben, da dies die Anzahl der Hände verringern würde, mit denen mein Gegner weitermachen kann.

Mit Händen wie Sets oder zwei Kreuz - zum Beispiel A4 - macht mein Gegner auf jeden Fall weiter. Das ist übrigens die Hand, auf die ich ihn setze, nachdem er den Turn erhöht.

Ich bin in dieser unangenehmen Situation, weil das Verhältnis von Stack zu Pot nur etwas über 1 liegt. Dies ist eine Hand, bei der ich wirklich ein oder zwei Minuten in meiner Timebank hätte verwenden können. Ich denke, wenn ich mehr Zeit hätte, hätte ich am Turn einfach aufgegeben. Alles in allem bin ich in dieser Situation, weil ich am Flop zu viel gesetzt habe. Da ich meine Bet am Flop so groß gemacht habe, habe ich in dieser Runde keinen Raum zum Manövrieren.

All-In auf dem Turn wäre besser gewesen

Sogar All-In auf dem Turn ist besser als meine Setzgröße. Eine Hand wie A ♣ 4 ♣ spielt mich mit meiner Wettgröße komplett aus. Aber ich hatte null Sekunden in meiner Zeitbank, geriet ein wenig in Panik, fand eine schlechte Lösung am Flop und der halbe Pot am Turn ist wahrscheinlich die schlechteste aller Optionen. Die beste Lösung ist hier Check-Fold am Turn, die zweitbeste ist All-In und mein Ansatz ist der schlechteste. Natürlich hat mein Gegner manchmal Sechsen, foldet, wir spielen weiter und denken nie wieder an diese Hand. Aber die Analyse zeigt, dass dies eine schlecht gespielte Hand meinerseits war.

Hand # 4: Ein Folgefehler

Die nächste Hand ist einen Orbit nach der vorherigen Hand und ich bin wieder im Big Blind.

Preflop

Blinds: 1,500 / 3,000 Ante 325

MP: 406,763
Hero (BB): 106,397 - 107

Preflop: fold, fold, fold, MP raises to 6,750, fold, fold, fold, Hero calls

Eigentlich ein Fold vor dem Flop

In dieser Situation mit 35 Big Blinds sollte ich Zehn-Sieben-off im Big Blind einfach folden. Hätte ich mehr Chips gehabt, wäre es eine andere Geschichte gewesen. Ich arbeite nicht mit Solvern in Hold'em, daher weiß ich nicht, was ein Solver sagen würde. Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich mit meinem 35-BB-Stack Preflop folden sollte. Am Flop zeigt sich warum.

Flop

Flop: (18,000) - 1044

Hero checks, MP bets 4,500, Hero calls

Jetzt floppe ich eine Zehn und es ist wirklich schwer, davon wegzukommen. Mein Gegner setzt klein und natürlich habe ich hier einen Call.

Turn

Turn: (27,000) - 1044 9

Hero checks, MP bets 20,400, Hero calls

Warum mein Gegner den Turn bluffen könnte

Die 9 am Turn ist eine interessante Karte, weil das Board jetzt sehr draw-lastig ist. Ich habe das Gefühl, dass mein Gegner auf diesem Turn mit seinen Semi-Bluffs weitermachen wird. Jedes Mal, wenn er eine Hand wie Bube-Acht, Acht-Sieben, Dame-Bube oder zwei Kreuz hat - Hände, die er sehr wahrscheinlich auf diesem trockenen Flop setzte - wird er geneigt sein, auch am Turn viel Druck auf mich auszuüben. Das liegt daran, dass ich nicht sehr viele Hände habe, mit denen ich all meine Chips investiere. Es ist schwer, eine Vier zu haben, und ich habe keine Overpairs in meinem Spektrum.

Wäre dies ein trockenerer Turn gewesen, sagen wir eine Zwei, Drei oder Fünf, gäbe es viel weniger Kombinationen, die mein Gegner haben kann, die keinen Showdown-Wert haben und mit denen er einen Anreiz hätte, weiter zu wetten.


Trocken: Ein Board, das wenige oder gar keine Draws zulässt.


Ich bin am oberen Ende meines Spektrums

Meine 10-7 sieht vielleicht nicht nach einer guten Hand aus, aber jede Zehn ist sehr hoch in meinem Spektrum. Ich habe nur sehr wenige Vieren - vielleicht Vier-Fünf-suited, Sechs-Vier-suited oder Ass-Vier-suited in meinem Spektrum - insgesamt sind das nur sehr wenige Kombinationen. Gegen eine so kleine Einsatzgröße calle ich den Flop fast sicher auch mit zwei beliebigen Broadway-Karten und jedem Ace-High. Das heißt, ein Paar Zehnen ist ziemlich hoch in meinem Spektrum. Dieser draw-lastige Turn hat mich in die Hand gezogen und ich calle abermals, um die Hand auf dem River neu zu evaluieren.

River

River: (67,800) - 10449 5

Hero checks, MP bets 108,000, Hero calls 74,422

Der River bringt leider eine maximal unbedeutende Karte. Mein Gegner schiebt all-in und ich bin in einer schrecklichen Situation.

Ein Hero-Call gegen das Spektrum meines Gegners

Ich denke, Ass-Zehn ist die schlechteste Hand, mit der mein Gegner drei Value-Bets bringt. Jede schlechtere Zehn findet einen Check auf einer der Setzrunden. Mein Gegner repräsentiert Asse bis Buben, Neunen, Ass-Zehn und zufällige Vierer.

Ja, er kann gute Hände haben, mit denen er auf dem River all-in schiebt, aber ich habe entschieden, dass er genug Hände wie Acht-Sieben-suited, Dame-Bube, Bube-Acht-suited oder zufällige Bluffs hat, die er auf diese Weise spielt. Mein Gegner kann es sich leisten, diesen River zu bluffen, ohne seinen Stack zu sehr zu dezimieren. Bisher hat er ziemlich aggressiv gespielt. Deshalb habe ich beschlossen, einen Hero-Call zu machen.

Es ist schwer für mich, Hände in meinem Spektrum zu haben, die viel besser sind. Ich habe niemals Overpairs, ich habe nie Zehnen oder Neunen, ich habe nur sehr wenige Vieren in meinem Spektrum. Zehn-Sieben spielt in dieser Situation genauso gut wie Dame-Zehn.

Showdown

MP shows A10 and wins 216,644


Hero-Call: Call auf dem River mit einer schwachen Hand, in der Hoffnung, dass der Gegner blufft.


Nachdem ich mich entschlossen hatte, Preflop zu callen, wurde es wirklich schwierig, Postflop zu folden. Nach der Analyse der Hand bin ich mit meinem Postflop-Spiel einverstanden, aber nicht mit meinem Preflop-Spiel. Der fehlerhafte Call vor dem Flop erzwingt die Calls nach dem Flop und ich würde gerne jemanden diese Hand durch PioSOLVER lösen lassen und herausfinden, ob Zehn-Sieben-off mit 35 Big Blinds ein Call vor dem Flop ist. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich definitiv einfach folden sollen.


PioSOLVER: (teures) Computerprogramm, dass spieltheoretisch optimale Lösungen für Hold'em ausrechnet.



Mit dieser 4. Hand ging Jespers Lauf beim PokerStars EPT Main Event vorzeitig zu Ende.

Hätten Sie in einer Situation anders gespielt, stimmen Sie der Argumentation zu oder nicht? Hinterlassen Sie gerne unten einen Kommentar.

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