Hand der Woche – John Hesp und der mysteriöse Check

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John Hesp aus England

Gäbe es beim WSOP Main Event einen Publikumspreis, hätte ihn ein Spieler sicher. Der 64-jährige Brite John Hesp mit den bunten Sakkos begeisterte bei seinem Ritt ins neunköpfige Finale den normalen Pokerfan genauso wie die Profis und entlockte Liv Boeree das Bekenntnis: „Völlig verknallt in John Hesp!“. Als Zweiter in Chips erreichte Hesp den Finaltisch und legte an Tag 7 einen atemberaubenden Lauf hin. Eine Hand schauen wir uns genauer an.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir befinden uns in einer der wichtigsten Turnierphasen des gesamten Pokerjahrs. 15 Spieler sind beim WSOP Main Event noch dabei, und jede falsche Entscheidung kann nun einen sechs- oder gar siebenstelligen Betrag kosten.

Am Fernsehtisch ist der Brite Jack Sinclair mit 75 Millionen Chips der überlegene Chipleader, dahinter lauern Pedro Oliveira, Benjamin Pollak, John Hesp und Antoine Saout mit Stacks im Bereich von 25 Millionen.

Alle Spieler haben $450.000 sicher, der nächste Preisgeldsprung ist auf Platz 13, dann geht es auf $535.000 hoch, und natürlich lockt auch die Siegprämie von $8,15 Millionen.

In diesem angespannten Umfeld raist John Hesp bei Blinds von 250.000/500.000 plus 75.000 Ante im Cut-Off auf 1,2 Millionen.

Er hält

   

Er bekommt mit Chipleader Sinclair im Small Blind und Pedro Oliveira im Big Blind zwei Caller. Im Pott sind damit 4,2 Millionen, und die effektiven Stacks betragen rund 25 Millionen.

Der Flop bringt

     

Sinclair checkt, Oliveira checkt und Hesp checkt ebenfalls. Der Turn bringt die

 

Sinclair setzt 1,8 Millionen, Oliveira callt und Hesp raist auf 4 Millionen. Sinclair callt, Oliveira foldet. Im Pott sind nun 14 Millionen, die effektiven Stacks betragen gut 20 Millionen. Der River bringt die

 

Sinclair checkt, und Hesp checkt ebenfalls. Der Pott geht an John Hesp, Jack Sinclair hatte

   

Analyse und Bewertung

Irgendwas hat John Hesp in dieser Hand von einer Bet auf dem River abgehalten, aber bevor wir uns seinem schnellen Check zuwenden, wollen wir die Hand noch einmal Revue passieren lassen.

Vor dem Flop bringt Hesp mit seinen Buben einen normalen Standard-Raise auf etwas weniger als 2,5BB und bekommt zwei Caller: Jack Sinclair, der aggressivste Spieler am Tisch entscheidet sich hier im Small Blind mit AJ, nur zu callen und den Pott ohne Position klein zu halten, und Ricardo Oliveira bekommt mit der halbwegs ordentlichen Hand K4s gute Pot Odds, die den Call rechtfertigen.

Sinclair
Jack Sinclair

Der Flop ist natürlich ein absoluter Traum für Hesp, der direkt Top Set trifft und nicht einmal einen Flush Draw befürchten muss. Einziger Wermutstropfen ist, dass der Flop keine Overcard brachte, die einem Gegner Top Pair beschert haben kann.

Nachdem Sinclair und Oliveira checken, stellt sich natürlich die Frage, ob Hesp setzen soll. Er entscheidet sich recht schnell für einen Check, und da das Board wirklich nur sehr wenigen gegnerischen Händen geholfen haben kann, ist das sicher nicht verkehrt.

Schauen wir uns kurz die Hände an, die callen könnten: Blätter wie TT, 99, 88, 77, 66, Sets 55 und 44 natürlich, Hände wie A5 oder A4 und einige wenige Draws wie 76, A3 usw.

Der Großteil dieser Hände kann aber unmöglich zwei oder gar drei Bets callen, daher ist ein Check besser.

Interessante Entwicklung auf dem Turn

Mit weiterhin drei Spielern geht es auf den Turn, der dafür sorgt, dass Hesp nicht mehr die Nuts hat. Durch die Acht ist 76 nun die bestmögliche Hand – sie ist unwahrscheinlich, befindet sich aber in dem Spektrum beider Gegner, die in den Blinds callten.

Sinclair, der zuvor immer sehr aggressiv spielte, bringt nun zu Recht eine Bet. Er hat Top Pair, und es gibt viele schwächere Hände, die ihn callen können.

Oliveira macht mit Bottom Pair im Sandwich einen recht loosen Call, weil er dem aggressiven Sinclair offenbar misstraut, und Hesp raist mit seinem Top Set auf 4 Millionen.

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John Hesp hätte mehr draus machen können...

Wie ist dieser Spielzug zu bewerten? Er hat Vor- und Nachteile. Blufft Sinclair, gibt es keine weiteren Chips zu gewinnen, da er nach dem Raise mit Olivera im Nacken folden muss und womöglich ist die Hand dann ohne Gewinn weiterer Chips beendet, aber falls er eine starke Hand hat, wird einerseits der Pott aufgebaut und andererseits riecht dieser Raise stark nach Bluff, was schwächere Blätter zu Calls verleiten kann.

Sinclair kann mit Top Pair und fantastischen Pot Odds auf gar keinen Fall folden, aber Oliveira muss erkennen, dass sein niedriges Paar hier keinen Pfifferling mehr wert ist.

Unbegreifliches Ende auf dem River

Bis hierhin folgte die Hand einem logischen Muster und Hesp hat es mit seinem Slowplay geschafft, den Pott auf 14 Millionen Chips hochzutreiben.

Nach der 2 auf dem River, die mit 63 und A3 zwei weiteren mehr oder weniger denkbaren Händen das bessere Blatt verschafft, und Sinclairs Check sollte er nun sorgfältig überlegen, wie viele Chips er setzen sollte. Schauen wir uns einige Möglichkeiten an:

  • All-In: Ergibt keinen Sinn, da nur 76 oder A3, also bessere Hände, callen können.
  • Bet in Pottgröße: Kann nur von sehr wenigen schlechteren Händen wie 88, 55 oder 44 gecallt werden, vielleicht gehen diese Hände auch All-In.
  • Bet in etwas mehr als halber Pottgröße: Kann von einigen schlechteren Händen wie dem letzten Buben, TT, 99 oder A8 gecallt werden.
  • Bet knapp unter halber Pottgröße: Wird fast sicher von einigen schlechteren Händen wie den Genannten gecallt.

Irgendwo im Bereich halber Pottgröße hätte Hesp also setzen sollen, zumal Sinclairs Call auf dem Turn dafür spricht, dass er eine brauchbare Hand hatte, doch wie er direkt nach der Hand meinte, wollte er nicht zu gierig sein.

Vielleicht hatte er aber auch einfach Angst davor, geraist zu werden, und dann nicht zu wissen, was er tun soll, doch das ist nur eine von vielen Möglichkeiten und sicher kein ausreichender Grund, auf eine Bet zu verzichten.

Fazit

Publikumsliebling John Hesp verzichtet auf dem River ohne jegliches Nachdenken auf eine Value Bet, die ihm gegen die konkrete Hand seines Landsmanns und einige andere auf jeden Fall noch viele weitere Chips eingebracht hätte.

Da das Spektrum des Spielers im SB so breit ist, enthält es zwar ein oder zwei bessere Hände wie 76 oder A3, aber auch einige schlechtere, die eine Bet bezahlen können.

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