Hand der Woche – Bill Klein mit eisernen Nerven gegen Antonio Esfandiari

Bill Klein und Antonio Esfandiari

Das Super High Roller Cash Game im Aria von Las Vegas war zweifellos die aufregendste Cashgame-Runde seit Langem. Mit einem Minimum-Buy-In von $250.000 war diese Runde nur für die absoluten Schwergewichte der Szene und reiche Geschäftsleute geeignet. Im Duell Profi gegen schwerreicher Amateur steckt immer ein ganz besonderer Reiz. Eine atemberaubende Konfrontation zwischen Bill Klein und Top Pro Antonio Esfandiari präsentieren wir dieses Mal in unserer Hand der Woche.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Nachdem wir uns in der Vorwoche bereits mit dem unfassbaren Bluff von Andrew Robl befassten, schauen wir uns dieses Mal ein Hand mit Bill Klein, einem Milliardär, und Antonio Esfandiari, dem Sieger des ersten One Drop-Millionenturniers, an.

Gespielt wird mit Blinds von $300/$600, aber durch zwei Live-Straddles sind zu Beginn bereits $2.400 zu bringen. Nach lauter Folds raist Bill Klein ($469.000) im Cut-Off auf $6.000, hinter ihm reraist Antonio Esfandiari vom Button auf $15.000. Alle Spieler dahinter folden. Klein bringt die 4-Bet auf $29.000 und Esfandiari callt. Im Pot sind $62.500.

Der Flop bringt

     

Klein checkt, Esfandiari setzt $29.000, Klein callt. Im Pot sind $120.500.

Der Turn bringt die

 

Klein checkt, Esfandiari setzt $51.000, Klein callt. Im Pot sind $222.500.

Der River bringt die

 

Klein checkt, Esfandiari setzt $118.000, Klein callt.

Esfandiari zeigt den Bluff mit

   

Klein gewinnt mit

   

und einem Paar Achten den Pot mit $458.500.

Diese spektakuläre Hand könnt ihr euch hier ab Minute 21:36 anschauen: 

Analyse und Bewertung

Fast eine halbe Million Dollar holt sich Bill Klein in dieser Auseinandersetzung mit Antonio Esfandiari, und das obwohl er am Ende auf einem Board, das Flushes und Straights ermöglicht, gerade einmal Second Pair hat. Wieso er damit bis zum Ende callte, schauen wir uns hier genauer an.

Vor dem Flop entwickelt sich ein Techtelmechtel zwischen Klein und Esfandiari, das nicht sehr viel über die Spektren der beiden aussagt. Vorrangig geht es darum, den schon beträchtlichen Pot aus den beiden besten Positionen am Tisch zu stehlen.

Aufgrund der extrem großen Stacks (der effektive Stack beträgt 800bb!) sind auch nach dem Flop noch viele Manöver möglich, wodurch der Wert der Position maximal begünstigt wird – im Grunde ist die ganze Hand von diesem Thema geprägt.

Wie wir bereits wissen, haben beide Spieler nicht viel. Wieso aber callt Esfandiari mit einer Hand wie K 5 eine 4-Bet?

Nun, er bekommt Pot Odds von 3 zu 1 und, noch wichtiger, wenn er hier zu oft folden würde, könnte ihn Klein mit beliebigen Händen 4-betten.

Auf dem kriminellen Flop mit 9 8 7 hat Klein Middle Pair getroffen. Dass der Milliardär ein guter Pokerspieler ist, zeigt sein Check an einer Stelle, an der die meisten Spieler eine Standard C-Bet folgen lassen würden.

Seine Hand hat definitiv Showdown Value, ist aber sehr anfällig für Bluffs und auf keinen Fall einen großen Pot wert. Außerdem gibt es kaum schlechtere fertige Hände, die eine Bet callen können. Der einzige Nachteil des Checks ist, dass Klein die Initiative abgibt und sich gegen einen aggressiven Spieler wie Antonio Esfandiari auf das Äußerste einstellen muss.

Der Zauberer lässt sich nach Kleins Check nicht lange bitten. Mit seiner Overcard und dem Idioten-Gutshot hat Esfandiari sehr wenig Equity, wenn er gecallt wird, andererseits ist der Pot groß und schreit aufgrund seiner Board-Textur geradezu danach, gestohlen zu werden.

Für Klein gibt es nach Esfandiaris Bet zunächst keinen Grund, die Hand aufzugeben. Natürlich kann er schon geschlagen sein, aber das sind nur ein paar unwahrscheinliche Hände, während es eine Reihe von Semi-Bluffs in Esfandiaris Spektrum gibt, wie etwa eine Zehn, ein hohes Karo, eine Sechs usw.

Die 9 auf dem Turn ist so ziemlich die perfekte Karte für Klein, da sie sein Middle Pair extrem aufwertet und an der bisherigen Konstellation nichts ändert. Wer auf dem Flop vorne lag, liegt auch jetzt vorn.

Klein checkt wieder, und Esfandiari setzt seinen Bluff fort. Im Nachhinein ist es leicht zu sagen, dass der Zauberer an dieser Stelle vielleicht besser aufgeben hätte sollen, aber es gibt tatsächlich einige gewichtige Argumente, warum dies besser gewesen wäre:

1. Kleins Check-Call auf dem Flop bedeutet fast sicher, dass er eine fertige Hand hat.

2. Die 9 ist eine der schlechtesten Karten für einen Bluff überhaupt.

3. Ein Bluff auf dem Turn mit minimaler Pot Equity impliziert einen weiteren Bluff auf dem River.

Klein callt erneut, muss sich aber schon jetzt mit dem Gedanken anfreunden, dass da noch was nachkommt. Tatsächlich kommt Esfandiari nach der 3 – einer völligen Blank – mit dem nächsten und ultimativen Bluff daher. Er setzt $118.000 in den Pot mit $220.500, das heißt, sein Bluff muss in rund einem Drittel der Fälle funktionieren, damit er profitabel ist.

Noch besser sieht es für Bill Klein aus. Der Milliardär muss $118.000 callen, um $338.000 zu gewinnen, das bedeutet, ihm reicht es (leicht aufgerundet), wenn Esfandiari in einem von vier Fällen blufft.

Das ist angesichts des Boards, das etliche Draws und damit Semi-Bluffs ermöglichte, alles andere als unwahrscheinlich. Dennoch ist es natürlich extrem schwer, mit einer so schwachen Hand wie J8 an dieser Stelle für einen so hohen Betrag zu callen.

Letztlich hat sich Bill Kleins Rope-a-dope-Taktik bewährt, doch Antonio Esfandiari hat, wie es für aggressive und starke Spieler typisch ist, es seinem Gegner extrem schwer gemacht, seine Equity ohne Position zu realisieren.

Jeder, der schon einmal drei Setzrunden ohne Position gegen einen aggressiven Spieler mit Bets eingedeckt wurde, weiß, wie unangenehm diese Situation ist.

Fazit

Mit einem wahren Drahtseilakt gelingt es Bill Klein, einen fetten Pot mit über $450.000 gegen den Zauberer Antonio Esfandiari zu gewinnen. Ob ihm die Konsequenzen seiner Spielweise schon auf dem Flop bewusst waren, wissen wir nicht, auf jeden Fall aber bewies er eine starke Handanalyse und eine Menge Mut!

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