Value Bets für Anfänger

Phil Hellmuth
Gerade im Spiel gegen Amateure zeigt sich Phil Hellmuth als Meister der Value Bet.

Der richtige Einsatz von Value Bets entscheidet häufig darüber, ob man mit Poker Geld verdient, oder ob man mit Poker viel Geld verdient. Der Name Value Bet ist wörtlich zu nehmen. Sie dient dazu, die Größe, also den Wert eines Pots zu erhöhen.

Um die ideale Höhe einer Value Bet richtig einschätzen zu können, müssen sie mehrere Faktoren in Betracht ziehen:

Die Stärke der Hand Ihres Gegners

Je stärker die Hand Ihres Gegners ist, desto eher wird er natürlich glauben, dass er die bessere Hand hält. Also wird er auch bereit sein, eine große Bet zu bezahlen.

Die gegnerische Einschätzung Ihrer Hand

Sollte Ihr Gegner sicher sein, dass Sie die Nuts halten, wird er kaum bereit sein, auch nur einen weiteren Chip in den Pot zu investieren. Wenn er aber auch nur geringe Zweifel hegt, können Sie bereits eine kleine Value Bet ansetzen, die ihm die korrekten Odds für einen Call geben. Ein Spieler mit mathematischen Ansatz wird diese Bet bezahlen.

Die Bereitschaft Ihres Gegners zum Fold

Manche Spieler sind einfach nicht bereit oder in der Lage, sich von einer guten Hand zu trennen (man spricht auch davon, dass der Spieler mit einer Hand „verheiratet" ist). Ein solcher Spieler bezahlt z. B. mit einem hohen Pocket Pair auch eine große Bet auf dem River, selbst wenn ihm klar sein sollte, dass er geschlagen ist.

Andererseits gibt es auch Spieler, die sehr ängstlich sind. Es ist schwer, sie dazu zu bringen, überhaupt Geld zu investieren.

Steve Sung
Für Steve Sung gibt es so etwas wie eine Callschwelle nicht.

Die Callschwelle

Die meisten Pokerspieler sind nicht bereit, mehr als eine ganz bestimmte Menge Chips für einen Call zu bezahlen. Manche Spieler setzen sich einfach einen absoluten Grenzwert, andere setzen diesen in Relation zu ihrem Stack. Im Allgemeinen dürfte die Grenze etwas bei der Hälfte des Stacks eines solchen Spieler liegen.

Informationen umsetzen

Auf den ersten Blick scheint eine Value Bet eine ganz simple Sache zu sein. Wenn Sie die obigen Überlegungen verinnerlicht haben, dann wissen sie, ob Ihre Value Bet groß oder klein sein sollte. So weit, so gut. Wirklich schwierig ist aber die Einschätzung der optimalen Betgröße.

Setzen Sie immer wieder kleine Value Bets an, addieren diese sich im Lauf eines Monats zu einer stattlichen summe, je nachdem, wie häufig Sie spielen und auf welchen Limits. Wenn sie überziehen, verlieren Sie jedoch in jeder Session eine Menge Geld.

Beispiel:

Nehmen wir an, die Callschwelle eines Spieler liegt bei $ 50,-.

Wenn Sie eine Value Bet von $ 40,- ansetzen, verlieren Sie $ 10,- (20% der Bet).

Wenn Sie aber $ 60,- ansetzen, foldet der Gegner und Sie verlieren $ 50,-.

Nicht gewonnenes Geld bedeutet verlorenes Geld. Eine verdorbene Value Bet kostet Geld. Obwohl Sie den Pot gewinnen, haben sie einen Fehler gemacht, an dem Sie arbeiten sollten.

Ich wiederhole mich hier zwar, aber das ist ein entscheidender Punkt: Richtige Value Bets machen den Unterschied zwischen Profit und richtigem Profit. Value Bets gehören zu den Elementen von Poker, die ein wirklich guter Spieler beherrschen muss.

Value Bet auf dem River: ja oder nein?

Im Verlauf einer durchschnittlichen Pokersession stehen Sie mehrmals vor einem Dilemma: Sollten sie in Position auf dem River for Value betten?

 

Die Vorteile sind offensichtlich. Wenn Ihr Gegner callt und Sie die bessere Hand haben, gewinnen Sie einen größeren Pot.

Eine Bet auf dem River lässt Sie jedoch anfällig für einen Checkraise werden. Wenn Ihr Gegner einen Checkraise ansetzt, geraten Sie in Schwierigkeiten, die sie vermieden hätten, wenn Sie sich einfach billig den Showdown angesehen hätten.

Bevor Sie also auf dem River for Value betten, müssen Sie einige Überlegungen anstellen.

Mark Teltscher
Finden Sie zuerst den Stil Ihres Gegners heraus, bevor Sie Value Bets setzen

Ihre Hand

Entscheiden Sie zunächst, ob Ihre Hand gut genug für eine River Bet ist oder nicht. Darauf gibt es keine eindeutige Antwort, nur eine ungefähre Einschätzung auf Basis der unten aufgeführten Faktoren.

Es gibt nur sehr wenige Hände, die das Prädikat „immer for Value betten" oder „immer checken" tragen. So einfach ist Poker nun mal nicht. Ihre Hand muss stark genug sein, um nach einen Call im Showdown zu gewinnen.

Letztlich ist Ihr Ziel, den Gegner dazu zu bringen, mit der schlechteren Hand zu callen. Je nach Situation können Sie eine Value Bet mit einer Range von eine einfachen Paar bis hin zum Full House ansetzen.

Ihre Gegner

Offenkundig spielt Ihr Gegner bei Ihrer Entscheidung, ob Sie for Value betten, eine wichtige Rolle - er ist sogar der wichtigste Faktor.

Mancher Gegner bezahlt River Bets mit jedem Paar, ein anderer foldet alles, was schlechter ist als ein Drilling. Sie müssen die Spielweise Ihres Gegners kennen, bevor Sie eine Value Bet riskieren.

Das Beste, was Ihnen passieren kann, ist ein loose-passiver Gegner - er spielt zu viele Hände und hält zu lange an ihnen fest. Solche Gegner sind wie Bankautomaten. Betten Sie unerbittlich!

Wenn Sie feststellen, dass Ihr Gegner schwache Calls macht (mit zu schwachen Händen), setzen Sie auf dem River mit Top Pair und gutem Kicker, denn Ihr Gegner wird bezahlen. Außerdem wird er Sie aufgrund seiner Spielweise selten mit einem Checkraise bestrafen.

Tight-aggressive Spieler sind ebenfalls gute Ziele für Value Bets. Das hört sich zunächst etwas paradox an - seit wann geht man denn mit loose-passiven und tight-aggressiven Spielern gleichermaßen um?

Man sagt doch, dass der tight-aggressive Stil dem loose-passiven überlegen ist. Bedeutet das nicht, dass ein TAG den Call auf dem River mit schlechteren Karten seltener macht?

Ja und nein. Es hängt davon ab, wie gut der Spieler ist.

Im Lauf der Jahre lernen TAGs, was Potkontrolle bedeutet und dass es auf Dauer Geld kostet, TAGs for Value zu betten, da diese nicht mit dem schlechteren Paar callen.

Ebendiese TAGs wissen auch, dass ein Spieler, der dreimal bettet (also auch auf dem River), entweder ein Monster hat oder gar nichts. Monster gibt es seltener als Bluffs, daher bleibt der TAG häufig gegen einen Spieler, der dreimal feuert, siegreich.

Sie müssen herausfinden, wer diese Spieler sind. Manche TAGs sind geradezu verrückt danach, großartige Calls auf dem River zu machen. Wenn Sie diese Spieler identifiziert haben, können Sie das ausnutzen.

Ihr Image

 

Voitto Rintala
Wenn Sie ausschauen wie der Undertaker werden Ihre Mitspieler Sie wohl als loose-aggressive wahrnehmen

Ihr Image bestimmt, wie Ihre Gegner gegen Sie spielen. Es beeinflusst jede ihrer Entscheidungen, also sollte es auch jede Ihrer Entscheidungen beeinflussen.

Sie können Ihr Image zu Ihrem Vorteil nutzen. Wenn Sie einige Hände hintereinander sehr aktiv gespielt haben, ohne in den Showdown gehen zu müssen, werden Ihre Gegner Sie als loose-aggressive betrachten.

Wenn Ihre Gegner Sie für loose-aggressive halten, werden sie eine River Bet eher bezahlen. Genau das, was Sie erreichen wollen. Ein Spieler, der Sie leichthin bis zum River bezahlt, wird Sie dort auch auszahlen.

River = $$$$!

Der River ist die entscheidende Straße. Natürlich spielen Sie nicht so viele River wie Flops, aber der große Gewinn liegt auf dem River, wenn der Pot bereits gefüttert wurde.

Gewöhnen Sie sich nicht an, den Showdown billig sehen zu wollen. Nutzen Sie alle Informationen, die Sie haben und warten Sie auf die richtige Gelegenheit. Wenn Sie glauben, dass Ihr Gegner mit einer schlechteren Hand bezahlen wird, müssen Sie setzen.

Gute River Bets können Ihr Spiel deutlich verbessern. Wenn Sie die richtigen Situationen finden, feuern Sie den tödlichen Schuss ab. Tun Sie das nicht, verlieren Sie Geld.

Die Top 5 Situationen für Dünne Value Bets

Wenn Ihr Spiel eine höhere Qualität erreichen soll, müssen Sie unbedingt die Situationen erkennen, in denen eine „Thin Value Bet" auf dem River angebracht ist.

Eine Thin Value Bet ist eine Value Bet, die nicht sofort erkennbar ist, weil Sie nicht unbedingt sicher sein können, ob Sie vorne liegen. Die Bet wird normalerweise auf dem River angesetzt, und zwar wenn Ihre Hand schwächer ist als die Range, die normalerweise für eine Value Bet in Frage kommt, aber Sie feststellen, dass der Gegner dennoch mit einer schlechteren Hand bezahlen könnte.

Wenn Sie in diesen Situationen durchchecken, macht Sie das nicht zu einem Losing Player, aber wenn Sie die betreffenden Situationen erkennen und die Bet ansetzen, wenn dies angemessen ist, kann das Ihre Winrate deutlich verbessern.

Dies sind die fünf häufigsten Situationen für Thin Value Bets:

5. Wenn der Flush Draw nicht ankommt

Wahrscheinlich das offensichtlichste, aber dennoch effizienteste Beispiel.

Wenn auf dem Flop ein Flush Draw liegt und Sie auf Flop und Turn setzen, auf dem River aber eine Blank erscheint, sind viele Gegner überdurchschnittlich oft bereit, mit praktisch jeder Made Hand eine weitere Bet zu bezahlen, vor allem, wenn Sie ein aggressives Image haben.

Viele Spieler lieben es, ihre Gegner auf Draws zu setzen, also nutzen Sie das zu Ihrem Vorteil aus.

Ein Beispiel:

$1/$2 No Limit Hold'em, effektive Stacks $200.

Es wird zu Ihnen am Button gefoldet. Sie erhöhen mit J T auf $6 und werden von dem Reg im BB bezahlt.

Der Flop fällt 8 J 3.

Er checkt und Sie setzen $8. Call.

Auf dem Turn kommt die Q, er checkt und Sie setzen $30.

 

Phil Galfond
Galfond findet zielgenau die Value Spots.

 

Call. Auf dem River kommt die 2. Er checkt.

In diesem Moment sollten Sie deutlich näher als sonst an einer weiteren Bet sein.

Auf dem Board liegen zwei geplatzte Flush Draws. Ihr Gegner wird Sie vermutlich auf einen Flush Draw setzen und mit einer deutlich größeren Range als normalerweise bezahlen.

4. Wenn die höchste Karte des Boards sich pairt

Wenn die höchste Karte sich auf dem Board pairt, wird Ihr Gegner häufig die Möglichkeit außer Acht lassen, dass Sie aus Ihrem Top Pair inzwischen Trips gemacht haben, da ihm dies nun weniger wahrscheinlich vorkommt.

Wenn Ihr Gegner Top Pair bei Ihnen ausschließt, erhöht sich automatisch die Chance, dass er mit Second Pair bezahlt.

Wenn Sie in dieser Situation Second Pair mit einem ordentlichen Kicker halten oder ein Pocket Paar zwischen dem Paar auf dem Board und Second Pair, können Sie aus diesen Second Pair Händen nun mehr herausholen.

3. Wenn Sie sich am oberen Ende Ihrer schwachen Made-Hand-Range bewegen

Wenn Sie eine Made Hand halten, die relativ weit oben in Ihrer Range steht, können Sie gegen einen mitdenkenden Gegner für Value betten, sogar wenn Ihre Hand nicht besonders stark ist.

Ein Beispiel:

$1/$2; $200 effektive Stacks.

Sie erhöhen aus dem Cu-off mit T 8. Der Button bezahlt und die Blinds folden.

Der Flop fällt Q 8 4.

Sie c-betten $8 und erhalten einen Call.

Der Turn fällt 4, Sie checken und er checkt hinterher.

Der River ist die 6.

Sie können diesen River for Thin Value betten, weil es so aussieht, als ob Sie nach der C-Bet aufgegeben hätten und nun versuchen, auf dem River zu bluffen.

Da Sie wahrscheinlich jede Top Pair Hand auch auf dem Turn gesetzt hätten, wird Ihr Gegner häufig annehmen, dass Sie bluffen.

Er wird deshalb wahrscheinlich bereit sein, mit Händen wie 8 7 oder 8 9 oder einem verpassten Gutshot bezahlen, der ein Paar getroffen hat.

The Money
Zusätzliche Value auf dem River bedeuten mehr Dollar im Account.

Wenn Sie diesen River checken, checkt der Gegner wahrscheinlich hinterher, wenn er eine Hand mit Showdown Value hält. Durch eine Bet können Sie aber einen Call mit derselben schwachen Showdown Hand induzieren, weil Ihre Range schwach ist.

Ihre Range ist schwach, aber Sie bewegen sich am oberen Ende dieser Range, und deshalb können Sie aus einem Bluff Catcher mehr Value extrahieren.

2. Wenn eine Scare Card auf dem Board fällt und Sie einen guten Gegner haben

Hier müssen wir natürlich einen Schritt weiter denken. Wenn eine Scare Card fällt, wird Ihr Gegner erwarten, dass Sie auf diese in einer Mehrzahl der Fälle bluffen.

Er wird sich darauf einstellen und seine Calling Range erweitern. Das können Sie ausnutzen und Ihre besseren Hände mit „Showdown Value" auf dem River für Thin Value betten.

1. Wenn Ihre Range viele Bluffs einschließt

Damit kommen wir zu dem Thema, das sich durch diesen Artikel und mein Konzept im Allgemeinen zieht wie ein roter Faden.

Die Erklärung ist hier sehr simpel: Wenn Sie häufig bluffen, passen sich die Gegner an und bezahlen mit einer deutlich größeren Handrange.

Wenn Sie mit mehr Händen ausbezahlt werden, können Sie auch mehr Hände für Value betten. Ganz einfach.

Ein paar Worte zum Schluss

Thin Value Bets erfordern Können und Übung. Sie müssen sich vor Augen halten, auf welche Range Sie gesetzt werden, und Sie müssen die Range Ihres Gegners kennen, um korrekt zu entscheiden, wann eine Thin Value Bet angebracht ist.

Wenn Sie diese beiden Ranges nicht genau kennen, sitzen Sie nur da und klicken auf Buttons, und dann brauchen Sie sich auch nicht darüber zu wundern, dass Sie Sie ständig zusätzliches Geld verlieren, weil Sie mit der schlechteren Hand im Spiel sind.

Wenn Sie Ihre und die Range Ihres Gegners aber konsequent durchdenken, werden Sie eine Reihe von Situationen entdecken, in denen Sie eine Thin Value Bet ansetzen können, und in denen Sie in der Vergangenheit gecheckt haben.

Sie werden das an den zusätzlichen Dollars in Ihrer Bankroll und an Ihrer steigenden Winrate erkennen.

 

 

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