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Denys Chufarin: GGPokers bekanntester Short-Deck-Experte

Denys Chufarin: GGPokers bekanntester Short-Deck-Experte

Denys Chufarin: GGPokers bekanntester Short-Deck-Experte

Am 22. Juli 2026 erschien auf YouTube die dritte Folge von Online Poker Millionaires von GGPoker. Im Mittelpunkt stand GGTeam-Mitglied Denys „SantaZzz“ Chufarin.

Das Video erzählt, wer Chufarin ist und wie er trotz Krieg, der erzwungenen Umsiedlung aus der Ukraine nach Kanada und der Notwendigkeit, sich als Streamer und Ambassador weiterhin aktiv für Poker einzusetzen, zum Poker-Millionär wurde.

Nach dieser Episode wollte PokerListings noch etwas genauer auf Chufarin als Pokerspieler eingehen: wie er Short Deck entdeckte, darin seine Nische fand und schließlich zum Gesicht dieser Variante im GG Network wurde.

Als Bonus haben wir einige seiner interessantesten Antworten aus seinem Ask Me Anything auf Reddit zusammengestellt — und wer noch mehr Fragen an ihn hat, kann sie ihm auf seinem Twitch-Kanal santazzzua oder auf Instagram stellen.

Wie Denys Chufarin zu Short Deck kam

Neun Jahre lang konzentrierte sich Denys Chufarin in seiner Profikarriere auf No-Limit-Hold’em-Turniere, bis ein einzelnes Erlebnis alles auf den Kopf stellte. Wie er in einem Interview mit Pokeroff erzählte, reiste Chufarin 2018 zur WSOP und spielte dort zum ersten Mal in seinem Leben mit Backing — mit keinem guten Ausgang.

Schließlich erlitt Chufarin einen psychischen Zusammenbruch und fiel in eine Depression. Rund ein halbes Jahr lang reduzierte er sein Pokerspiel auf ein Minimum und konzentrierte sich auf einfachere Dinge. Im Grunde verlor er das Interesse am Spiel.

Denys Chufarin
Denys Chufarin

Etwa zur gleichen Zeit begann er aus rein persönlichem Spaß zu streamen, nicht um Geld zu verdienen oder seinen Kanal aufzubauen, und spielte sehr viele Videospiele — bis ihm seine Tochter eines Tages sagte, dass er mehr Apex als Poker spiele.

Das war der Moment, in dem er endgültig aufwachte und beschloss, nach interessanten Pokervarianten zu suchen, in denen er sich praktisch von Grund auf neu entwickeln konnte.

Zunächst entdeckte er auf GGPoker NLH ohne Blinds, dafür mit Antes — die erste Rush-Variante, die etwa ein Quartal lang getestet wurde. Denys verstand das Spiel schnell, begann in Games mit $1 Ante rund $100 pro Stunde zu verdienen und entdeckte Poker erneut sowohl als spannendes Spiel als auch als Beruf. Kurz darauf probierte er Short Deck aus, das ihm noch besser gefiel. Schließlich wurde diese Variante zu seiner ersten Wahl für die eigene Weiterentwicklung.

Short Deck auf GG wurde bald auch zu Denys’ Stammspiel in seinen Streams. 2021 meldeten sich Vertreter des Networks bei ihm, um über eine Partnerschaft zu sprechen. Während der Verhandlungen wurde schnell deutlich, dass der Streamer und das Team des Networks in vielen Punkten ähnlich dachten. Am 1. Juli 2021 wurde Denys deshalb Teil des GG ShortDeck Squad und zum eigentlichen Gesicht seines Lieblingsspiels.

Denys Chufarin als GGPoker-Ambassador
Denys Chufarin als GGPoker-Ambassador

Auch nach der Umstrukturierung des Teams blieb Chufarin GGPoker-Ambassador und begann sogar, auf Englisch zu streamen, um seine Reichweite zu vergrößern und gleichzeitig die Sprache zu üben.

Die Popularität seiner Streams basiert seit Jahren auf drei konstanten Faktoren: Denys’ ruhiger Art, der nach wie vor relativ geringen Verbreitung von Short Deck unter Streamern und seiner Bereitschaft, jede Entscheidung in jeder Hand zu erklären, ohne selbst den ungewöhnlichsten Fragen der Zuschauer auszuweichen.

Denys Chufarin AMA auf Reddit

F: Wie hast du Poker gelernt?

Denys Chufarin: Am Anfang fast ausschließlich durch Praxis. Als ich angefangen habe, gab es längst nicht so viele Lerninhalte, Solver und Coaches wie heute. Ich habe sehr viel gespielt, meine Fehler analysiert, mich in Foren mit anderen Spielern ausgetauscht und ständig versucht zu verstehen, warum eine bestimmte Lösung funktioniert oder eben nicht. Heute nutze ich Solver und analysiere regelmäßig Hände. Aber ich glaube, das Wichtigste ist nicht, einfach nur die richtige Antwort anzusehen, sondern die Logik dahinter zu verstehen.

F: Was waren die ersten Games, die du gespielt hast?

Denys Chufarin: Ich begann im Januar 2009 ernsthaft online zu spielen, mit einer Einzahlung von $65. In meinem ersten Monat gewann ich ungefähr $200. Die ersten Games, in denen ich wirklich konstant erfolgreich war, waren kleine Double-or-Nothing-Sit&Gos, zunächst auf den $2- und $5-Limits.

F: Wie lange hat es gedauert, bis sich die ersten Erfolge eingestellt haben?

Denys Chufarin: Im Februar 2009 wechselte ich mit einer Bankroll von etwa $240 als SantaZzz zu PokerStars und begann, die $5-Games zu spielen. Von dort arbeitete ich mich Schritt für Schritt zu den $10ern, $20ern, $50ern und schließlich zu den $100ern hoch.

Anfang 2010 war ich zu 6-Max-Sit&Gos gewechselt und hatte die höchsten verfügbaren Stakes erreicht. Ende desselben Jahres schaffte ich zum ersten Mal Supernova Elite. Insgesamt habe ich es später fünfmal geschafft.

Denys Chufarin beim Streamen
Denys Chufarin beim Streamen

Nach dem Black Friday liefen nicht mehr genug Sit&Go-Games, also wechselte ich zu Cash Games. Über die Jahre habe ich mehr als 10 Millionen Cash-Game-Hände gespielt.

Mit dem Streaming begann ich erst viel später, ungefähr vor fünf Jahren. 2009 dachte eigentlich noch niemand ernsthaft daran, Poker zu streamen.

F: Wie hat dir Streaming dabei geholfen, mental ausgeglichener Poker zu spielen? Du wirkst beim Spielen immer sehr entspannt.

Denys Chufarin: Heute ist Streaming eines der wichtigsten Dinge, die mir helfen, diszipliniert und fokussiert zu bleiben. Natürlich kann es manchmal auch ablenken, aber die Verantwortung, die ich gegenüber den Menschen empfinde, die mir zuschauen, scheint stärker zu sein als die Verantwortung, die ich mir selbst gegenüber empfinde. Und innerlich bin ich definitiv nicht immer so ruhig, wie es im Stream vielleicht aussieht!

F: Dein gesprochenes Englisch hat sich über die Jahre deutlich verbessert. Hast du Tipps oder Tricks, wie man eine neue Sprache lernt?

Denys Chufarin: Danke! Mein wichtigster „Trick“ war, mich bewusst in Situationen zu bringen, in denen ich keine andere Wahl hatte, als Englisch zu sprechen.

Als ich meine Streams auf Englisch umgestellt habe, war das am Anfang extrem unangenehm. Ich machte Fehler, vergaß einfache Wörter und konnte meine Gedanken manchmal nicht richtig ausdrücken. Aber mehrere Stunden, mehrere Male pro Woche Englisch zu sprechen, hat mir deutlich mehr gebracht, als nur Grammatik zu lernen.

Mein Rat lautet: Hört auf zu warten, bis euer Englisch „gut genug“ ist. Sprecht, macht Fehler und macht weiter. Den meisten Menschen ist viel wichtiger, was ihr sagt, als ob jeder Satz perfekt ist.

F: Ist Short Deck dein Lieblingsspiel und glaubst du, dass Short Deck weltweit populärer werden könnte?

Denys Chufarin: Short Deck ist wahrscheinlich das Spiel, das mir am meisten Spaß gemacht hat. Es ist schnell, aggressiv und sorgt für viele ungewöhnliche Situationen, weil die Equities so eng beieinanderliegen. Ich würde sehr gerne sehen, dass es weltweit populärer wird, aber ich bin mir nicht sicher, ob es jemals so mainstreamtauglich wird wie NLHE. Für neue Spieler kann es verwirrend sein, weil sich Hand Rankings, Equities und Strategie so stark unterscheiden. Trotzdem ist es ein großartiges Spiel und verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit.

F: Es gibt nur wenige Online-Trainingsinhalte für Short Deck. Wie hast du die Variante studiert und wie unterscheidet sich das Lernen zum Beispiel von NLHE und PLO?

Denys Chufarin: Im Grunde haben wir Short Deck als Gruppe gleichgesinnter Spieler von Grund auf selbst studiert. Viele von uns kamen aus Cap-NLHE-Games, in denen man sich mit ungefähr 20 Big Blinds eingekauft hat. Deshalb fühlten sich einige Dynamiken recht vertraut an.

Damals gab es praktisch nichts. Es existierten nicht einmal vernünftige grundlegende Preflop-Ranges. Durch reines Glück konnte ich jemanden, den ich überhaupt nicht kannte, davon überzeugen, mir einige frühe Berechnungen zu verkaufen. Das wurde zu unserem Ausgangspunkt.

Von da an arbeiteten wir gemeinsam weiter, diskutierten ständig Spots und versuchten, die Logik des Spiels aufzubauen. Später kauften wir einen speziell entwickelten Short-Deck-Solver auf Pio-Basis, mieteten einen Server und begannen, alles zu berechnen, einschließlich Multiway-Pots. Short Deck ist sehr stark ein Multiway-Game.

Denys Chufarin auf YouTube
Denys Chufarin auf YouTube

Diese Erfahrung hilft mir sogar heute noch, weil ich auch bei NLHE das Gefühl habe, dass viele Three-Way- und Four-Way-Situationen von den meisten Spielern noch nicht tief genug untersucht wurden.

Wo kann man Short Deck heute lernen? Ehrlich gesagt weiß ich es immer noch nicht genau. Ich weiß nicht, wie viel hochwertiges Material öffentlich verfügbar ist. Wahrscheinlich kann man Zugang zu Berechnungen kaufen und sie selbst oder mit einer Gruppe von Freunden durcharbeiten, aber es ist ein sehr spezielles Spiel und es gibt heute nicht mehr besonders viel Action.

Denys Chufarin: Für mich ist Short Deck Poker in konzentrierter Form. Ich halte es für eines der spannendsten, schwierigsten und varianzreichsten Formate überhaupt.

F: Glaubst du, dass dir deine Erfahrung mit Short Deck besondere Einblicke in Equities oder Strategie für NLHE-Cash-Games oder MTTs gibt, oder sind das komplett unterschiedliche Welten?

Denys Chufarin: Ich glaube, Short Deck bringt dir bei, jede Street einzeln zu spielen, anstatt dich in deine Hand zu verlieben.

Eine Starthand ist eben nur eine Starthand. Das bedeutet nicht automatisch, dass man unabhängig davon, was danach passiert, bereit sein sollte, um alles zu spielen. Sobald der Flop kommt, bewertet man die Situation neu: die Ranges, die Equity, den EV, ob man for Value betten, protecten, bluffen oder einen Gang zurückschalten sollte. Am Turn und River macht man genau dasselbe noch einmal.

Diese Denkweise lässt sich sehr gut auf NLHE übertragen. Poker ist eigentlich kein Spiel, bei dem es darum geht, Starthände zu spielen. Es geht um Equity, Ranges und darum, auf jeder Street die beste Entscheidung zu treffen.

Denys Chufarin: Und wenn man einmal Short Deck gespielt hat, fühlt sich die Varianz in fast jedem anderen Spiel deutlich leichter an 😂

F: Wie bist du vom Cash Game umgestiegen? War das ein natürlicher Übergang oder musstest du bestimmte Anpassungen vornehmen?

Denys Chufarin: Ich glaube, ich hatte ziemlich viel Glück, weil ich bereits sehr viel Erfahrung darin hatte, Simulationen in Short Deck eigenständig zu studieren. Dadurch hatte ich ein gutes Verständnis davon, wie Poker grundsätzlich funktioniert: wo Sizings herkommen, wo die Value-Schwelle liegt, welche Kombinationen sich am besten als Bluffs eignen, wie Ranges miteinander interagieren und wie eine Entscheidung die nächste Street beeinflusst.

Natürlich war mein Verständnis längst nicht vollständig, aber die Grundlage war bereits vorhanden. Ich wusste damals nur noch nicht, wie gut sich das auf MTTs übertragen lassen würde.

Als ich vom Cash Game zu Turnieren wechselte, kombinierte ich diese Erfahrung mit Tools wie GTO Wizard. Anfangs analysierte ich oft die Hände meiner Gegner und nicht nur meine eigenen. Immer wenn jemand einen Spielzug machte, der für mich merkwürdig oder unlogisch aussah, stellte ich den Spot nach und versuchte, den Gedankengang dahinter zu verstehen.

Poker ist ein Spiel aus Logik und Annahmen. Man sieht eine Aktion, stellt eine Vermutung darüber an, welche Logik dahinterstecken könnte, und prüft anschließend, ob diese Annahme Sinn ergibt. Je öfter ich das gemacht habe, desto besser verstand ich sowohl die Theorie als auch die Abweichungen echter Spieler davon.

In den ersten sechs Monaten habe ich fast jeden Tag Hände analysiert. Manchmal schaute ich Videos anderer Spieler, hörte mir an, wie sie ihre Entscheidungen erklärten, und nutzte anschließend Wizard, um die Strategie hinter ihrer Logik zu überprüfen. Ich habe nicht einfach kopiert, was sie gemacht haben. Ich wollte verstehen, warum sie so denken und wie ich eine Strategie gegen genau diese Art des Denkens entwickeln kann.

Die größten Anpassungen betrafen turnierspezifische Dinge: unterschiedliche Stackgrößen, Antes, ICM, den Druck am Final Table und ständig wechselnde Dynamiken.

MTTs sind außerdem eine deutlich kreativere Form von Poker, als ich erwartet hatte. Wenn man jahrelang Cash Games spielt und versucht, etwas so Technisches wie seine exakte Check-Raise-Frequenz zu perfektionieren, kann es ziemlich überraschend sein, zu Turnieren zu wechseln und zu sehen, wie häufig die Spieler sehr weit von der Theorie abweichen und massive exploitative Anpassungen vornehmen.

Am Anfang können manche Entscheidungen völlig zufällig wirken, aber häufig steckt eine Logik dahinter, die sich auf einen bestimmten Gegner, die Stacktiefe oder die Turniersituation bezieht. Zu lernen, wann jemand einfach einen Fehler macht und wann jemand einen starken Exploit spielt, war für mich ein sehr wichtiger Teil des Übergangs.

Was die grundlegende Pokerlogik angeht, fühlte sich der Wechsel also natürlich an. Trotzdem war dafür enorm viel Studium nötig. Meine vorherige Erfahrung hatte mir das Gerüst gegeben, und darum herum musste ich dann mein Turnierspiel aufbauen.