Poker goes Sport – die ersten Sponsorenverträge

bwin kiel sponsor
Präsentation von bwin als Trikotsponsor des THW Kiel.

Zwei Pokerräume steigen als Sponsoren bei einem Fußball- und einem Handballverein ein. Kurz nachdem diese Meldung bekannt wurde, regt sich bereits Widerstand in der Politik.

PokerStars gab in dieser Woche bekannt, beim Regionalligisten VfB Lübeck einzusteigen. Der Vertrag umfasst die Umbenennung des Stadions „Lohmühle“ in „PokerStars.de-Stadion an der Lohmühle“. In den Lübecker Nachrichten wurde die Geschichte bestätigt.

Zwar darf der Name nur außerhalb des Stadions angebracht werden – das schreibt der DFB vor -, aber PokerStars lässt sich die Geschichte trotzdem 120.000 Euro im Jahr kosten, und der Vertrag läuft bis 2013 mit Option auf eine dreijährige Verlängerung. Derzeit steht der VfB mit 800.000 Euro in der Kreide und kann finanzielle Unterstützung gut gebrauchen.

PokerStars hat wie üblich großes vor. Laut Nordeuropa-Chef Sven Stiel soll der Verein auf lange Sicht in wieder in den bezahlten Fußball einsteigen, wenn möglich sogar bis in die erste Bundesliga.

Noch stärker investiert bwin/PartyGaming in den Sport. Beim THW Kiel, seines Zeichens Rekordmeister der Handball-Bundesliga, wird in Zukunft auch auf der Brust der Spieler und dem Hallenboden das Emblem des Poker- und Casinoanbieters zu sehen sein. 200.000 Euro per anno investiert das Unternehmen dafür, und der Vertrag ist sogar bis 2014 gültig.

pokerstars stadion
Das Pokerstars.de-Stadion an der Lohmühle.

„Wir werden weitere Sponsormöglichkeiten in Schleswig-Holstein prüfen“, kündigte das Unternehmen an, und in den Ohren mancher Politikvertreter klingt das wie eine Drohung.

So kommt aus der Politik erwartungsgemäß Widerspruch. „Ich bin von dieser Entwicklung und diesem Unternehmen nicht begeistert“, sagte Wolfgang Baasch, SPD-Landtagsabgeordneter und Aufsichtsratsmitglied beim VfB Lübeck. Der neue Name liege „an der Grenze der Peinlichkeit“, fügte Vize-Fraktionschef Jürgen Weber hinzu. Klar, frühere oder derzeitige Sponsoren wie e.on, Gazprom oder die Göttinger Gruppe sind dagegen ja über jeden Zweifel erhaben, und eine „Veltins-Arena“ lässt auch keine moralischen Bedenken bei den angeblichen Suchtpräventoren aufkommen.

Auch beim Rest der Opposition funktioniert der Beißreflex. Monika Heinold von den Grünen wütete, dass Gesetz zur Regulierung von Online-Gaming sei ja noch gar nicht in Kraft, aber in Lübeck würden derweil „mit Hilfe des Vermittlers Kubicki Fakten geschaffen, welche einen Kompromiss der Länder erneut erschweren“. Als ob die anderen Länder tatsächlich einen Kompromiss anstreben würden.

Die SPD hat vorsorglich schon einmal angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs bei der Landtagswahl am 6. Mai das holsteinische Glücksspielgesetz noch zu kippen und damit die Verträge platzen zu lassen. Wo kämen wir denn hin, wenn eine endlich mal gute Idee einfach so umgesetzt würde. Vor allem, wenn sie vom politischen Gegner kommt.

Es ist, als ob die Repräsentanten der Länder alle gemeinsam am Bahnsteig stünden, und als der Zug sich in Bewegung setzt, ist nur Schleswig-Holstein eingestiegen. Die anderen stehen weiterhin vor der Tür  und echauffieren sich darüber, wie ein Zug einfach so abfahren kann, obwohl er doch gefälligst auf einen zu warten hat. Nur: den Zug kümmert das überhaupt nicht.

Und deshalb gibt es auch keinen Kompromiss, liebe Frau Heinold. Vielmehr wird einer nach dem anderen am Bahnsteig zu rennen beginnen, um noch auf den Zug aufzuspringen, bevor es zu spät ist, denn dieser Zug wird mit Geld angetrieben, und niemand kann sich auf Dauer leisten, aus politischem Kalkül auf Einnahmen zu verzichten.

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