PokerStrategy - das 38 Mio. Euro Schnäppchen

Dominik Kofert2
PokerStrategy-Mitgründer Dominik Kofert.

Der Software-Riese PlayTech übernimmt PokerStrategy. Für das iPoker-Netzwerk ein zweischneidiges Schwert.

Es ist ein Paukenschlag: PokerStrategy, mit sechs Millonen Mitgliedern die bei Weitem größte Online-Pokerschule der Welt, wird verkauft. Für 38,3 Millionen Euro.

Neuer Inhaber ist PlayTech. Das Unternehmen betreibt das iPoker-Netzwerk und liefert die Software für einen Großteil der Online-Casinos.

Erst im Februar hatte PlayTech seine Anteile an Willliam Hill Online für £424 Millionen veräußert.

Es folgte ein viele Millionen Dollar schwerer Deal mit Ladbrokes Digital, deren Pokerraum in naher Zukunft in das iPoker-Netzwerk überführt werden soll.

Je nach Land des Spieler sind derzeit etwa die Hälfte der Pokerräume, die PokerStrategy anbietet, Skins des iPoker-Netzwerks.

So gesehen macht die Übernahme durch PlayTech durchaus Sinn. Als Lieferant und Betreiber rückt PlayTech damit weiter ins Zentrum der Onlinepoker- und Gaming-Szene.

Und da mit Full Tilt und bwin/Party die beiden größten Partner in der jüngeren Vergangenheit weggebrochen sind, erscheint der Schritt sogar klug.

Hinzu kommt der überraschend niedrige Kaufpreis. Bei einem offiziellen Profit von knapp 20 Mio. Euro im vergangenen Jahr und gut 16 Mio. an Einlagen entspricht der Kaufpreis gerade mal einem zweifachen Jahresumsatz.

Für PlayTech ist PokerStrategy offenbar zum Schnäppchenpreis zu haben.

Ein Zusammenhang mit dem tendenziell rückläufigen Geschäftsmodell, getrackten Spielern Teile des Rakebacks abzunehmen, scheint offensichtlich.

Teddy Sagi
Unternehmen zum Schnäppchenpreis - Teddy Sagi.

PokerStrategy hat in einer ersten Stellungnahme erklärt, man wolle von nun an hinter den Kulissen „sehr eng mit Playtech zusammenarbeiten und sie dabei unterstützen, ihre Pokersoftware und das iPoker-Netzwerk, mit der aktiven Unterstützung aus der Pokercommunity ... insgesamt zu verbessern“.

CEO Damian Sokol und COO Pavel Stehno sollen ihre Position behalten, Unternehmensmitgründer Dominik Kofert erhält beratende Funktion. Das Management sagt, man mache „weiter wie bisher“.

Für die Mitglieder von PokerStrategy soll sich entsprechend vorerst nichts ändern.

Offiziell ist der Schritt von PlayTech davon motiviert, „in der Lage zu sein, das Geschäftsfeld auszuweiten, indem man der mit sechs Millionen Mitgliedern größten unabhängigen Community Lizenzenhmer zugänglich macht“.

Das ist vor allem deswegen notwendig, weil die Einnahmen aus dem Bereich Poker bei PlayTech zurückgehen.

Ein für alle Seiten positiver Schritt also? Beinahe. Denn für das iPoker-Netzwerk ergeben sich nicht nur Vorteile.

Kosten werden dafür entstehen, dass PlayTech weiter Spieler zu iPoker bringt, dun auch die Weiterentwicklung der Software gibt es nicht umsonst.

Auf der anderen Seite wird PlayTech viel Input von den Mitgliedern bekommen, und das völlig gratis.

Es wird sich zeigen, ob das Geschäftsmodell tatsächlich völlig unverändert bestehen bleiben kann.

Teddy Sagi gründete PlayTech 1999 und brachte das Unternehmen 2006 an die Londoner Börse. Der Wert wurde auf 550 Mio. Pfund geschätzt. Sagi ist heute Milliardär.

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