Jamila von Perger: „Es hat mich sehr belastet, wie die Leute über mich geredet haben“

Jamila von Perger

Jamila von Perger gilt als eine der größten weiblichen Hoffnungen in der deutschsprachigen Szene und sieht dazu noch sehr gut aus. Wir haben uns mit ihr bei der WPT in ihrer Wahlheimatstadt Wien über die Vor- und Nachteile von Frauen in der Pokerwelt, Poker Coachings, ihre Beziehung mit Manig Loeser und den Grund, warum so viele deutsche Poker Pros nach Wien ziehen unterhalten.

PZ: Hallo Jamila, zunächst einmal danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Beginnen wir mit einer klassischen Einstiegsfrage: Wie und wann bist du zum ersten Mal mit Poker in Kontakt gekommen?

Das erste Mal mit Poker in Kontakt gekommen bin ich so vor 4-5 Jahren, da haben Freunde von mir in einer Homegamerunde gespielt.

Witziger Weise spiele ich Kartenspiele aber schon seitdem ich 5 bin. Skat und Doppelkopf habe ich bereits in superjungen Jahren gelernt, weil mein Vater zwei Gaststätten gehört haben. Poker war damals noch nicht In und deshalb habe ich leider erst sehr spät damit begonnen.

PZ: Du lebst schon seit längerem in Wien. Wie ist es dazu gekommen und was macht für dich den Reiz dieser Stadt aus?

Es war eine Kombination aus der Überlegung, dass ich hier Soziologie studieren wollte und dass in Deutschland steuerrechtlich gesehen das Pokern immer schwieriger wird.

Jamila von Perger
Jamila von Perger bei ihrem Deep Run bei der EPT Barcelona 2013.

Es ziehen ja eigentlich alle aus Deutschland weg, weil der Staat einfach zu Leuten kommt und sagt, er wolle jetzt Steuern auf die Pokergewinne der letzten 5 Jahre haben. Völliger Nonsens, was der Staat da macht.

Wien finde ich einfach wunderschön und bei meinem ersten Besuch fand ich die Card Casinos hier auch total cool, sowas gab es halt in meiner Stadt überhaupt nicht.

PZ: Bei der WPT Wien spielst du das Main Event. Ist man in seiner Heimatstadt ganz besonders motiviert oder ist es für dich ein Turnier wie jedes andere?

Nein, man ist tatsächlich motivierter! Es ist zwar „nur“ ein 1.100 Buy-In, aber es fühlt sich eher an wie eine EPT. Außerdem gibt es ja auch nicht so viele große Turniere in Wien.

Eine WPT hab ich hier bisher noch nie gespielt, da ist man dann schon motivierter als irgendwo anders.

PZ: Spielst du lieber live oder online und welche Varianten magst du am liebsten?

Das ist bei mir phasenabhängig. Generell spiel ich lieber live, weil ich glaube ich live wesentlich besser bin, als online.

Manchmal gibt es jedoch auch Phasen, zum Beispiel nach der WSOP in Las Vegas, wo man zwei Monate durchgehend nur live gespielt und richtig Lust hat wieder online zu spielen.

Zu den Varianten: Ich spiele eigentlich nur No-Limit Hold’em und da Fullring oder 6-max.

PZ: Du hast einen rasanten Aufstieg hingelegt und in den letzten Jahren bereits 27 Cashes gesammelt. Was war dein persönliches Karrierehighlight?

Am aufregendsten war, als ich bei meiner allerersten EPT gleich deep gekommen bin. Trotzdem ist es natürlich etwas ganz Besonderes, wenn man ein Turnier gewinnt.

Das Ladies Event in Deauville war zwar ein kleines Turnier, aber es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn man eine Trophäe bekommt und das Turnier tatsächlich gewonnen hat. Das hat sich noch ein bisschen besser angefühlt. Genau wie in Las Vegas, wo ich auch ein kleineres Turnier gewonnen hab.

PZ: Gibst du auch Poker Coachings oder lässt du dich lieber selber coachen und wenn ja, von wem?

Ja, ich habe mich eigentlich schon immer coachen lassen. Mein Freund Manig Loeser coacht mich recht viel, aber ich habe mir mittlerweile auch schon Coachings von anderen Leuten geholt und schaue viele Videos im Internet.

Manig Loeser, EPT Vienna 2014
"Er hat mich dazu gebracht Poker richtig zu verstehen", sagt Jamila über ihren Freund Manig Loeser.

Selber coachen möchte ich aus dem Grund nicht, weil ich mich selber noch nicht für gut genug halte. Grundsätzlich glaube ich schon dass ich das könnte, aber ich will mir damit einfach noch ein bisschen mehr Zeit lassen.

Es ist auch immer sehr schwer den Preis einzuschätzen wieviel man wert ist und meistens will man mehr haben, als man dann im Endeffekt bekommt. Fast jeder schätzt sich für einen Preis ein, der für Leute die das Coaching haben wollen nur schwer bezahlbar ist.

PZ: Weil man ja Zeit dafür verwendet, die man zum Spielen nutzen könnte.

Genau, man könnte in der Zeit, in der man coacht selber spielen und Geld verdienen. Deshalb ist es sehr schwer den Preis zu bekommen, den man eigentlich möchte.

PZ: Du bist mit Manig Loeser zusammen. Geht es bei euch dann hauptsächlich um Poker oder wie sieht euer gemeinsamer Alltag aus?

Nein, es geht nicht nur um Poker, aber schon viel, da wir ja quasi denselben Beruf haben und wir auch viel zuhause gemeinsam online spielen. Es ist also schon das Hauptding in unserem Leben, ist ja klar weil es eben unser Beruf ist.

Ansonsten sind wir ganz normale Leute, die ihren Hobbies nachgehen, so wie jeder andere auch.

PZ: Tauscht ihr euch viel über Strategien aus und wenn ja, wer coacht dann wen?

Wir tauschen uns sehr viel aus. Als ich Manig kennengelernt habe war ich vom Niveau her sehr weit unter ihm, sodass ich mir nie angemaßt hätte ihm was zu erklären oder zu sagen.

Seitdem ich ihn kenne hab ich aber sehr viel gemacht und hab mich schnell verbessert. Inzwischen ist es so, dass immer noch er hauptsächlich mich coacht, oder wir beide unsere Meinung sagen, aber seine Stimme etwas mehr Gewicht hat.

Manchmal trau ich mich auch nicht so richtig meine eigene Meinung zu sagen, weil er von Anfang an derjenige war, der mich gecoacht und dazu gebracht hat Poker richtig zu verstehen und das manchmal für etwas heikle Situationen sorgen kann.

PZ: Du giltst als eine unserer größten weiblichen Hoffnungen. Hat man als Frau in der Pokerszene viel mit Vorurteilen und Hatern zu kämpfen und macht dir das zu schaffen oder stehst du da drüber?

Am Anfang hat mir das extrem zu schaffen gemacht. Es ist wirklich so, dass es überdurchschnittlich viele Hater gibt. Dadurch dass du eine Frau bist, stehst du automatisch mehr im Mittelpunkt.

Jamila von Perger WPT National Wien 2014
"Am Anfang haben mir die Vorurteile und Hater extrem zu schaffen gemacht."

Wenn ich ein Mann wäre, würde mir glaube ich nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt werden und dann würde mich wohl kaum jemand kennen. Gerade als ich bei der ersten EPT deep gekommen bin, wurde mir extrem viel Aufmerksamkeit geschenkt, gerade auch von PokerStars.

Ich bin ja einfach so in die Szene gekommen und hatte keine Ahnung, wie das so abläuft. Dann hab ich viele Interviews gegeben und habe einfach drauf zu geredet und halt gar nicht darauf geachtet, was ich gesagt habe. Ich habe den Leuten also auch ein bisschen Stoff gegeben.

Wie ich damit umgehe: Am Anfang hat es mich sehr belastet. Es war halt echt unter der Gürtellinie, wie die Leute mit oder über mich geredet haben, von wegen: „Die Buy-Ins hat sie sich eh erschlafen.“ Vor allem wenn du dir das mühsam erarbeitet hast, dann tut das echt weh.

Zu Beginn habe ich mir das zu Herzen genommen, mittlerweile lese ich gar keine Kommentare mehr unter irgendwelchen Interviews oder Artikeln über mich, da es wenig Sinn macht sich damit zu belasten. Außerdem wird  es inzwischen auch immer besser.

PZ: Seit geraumer Zeit kann man dich auch gelegentlich als Co-Kommentatorin beim deutschen EPT-Livestream hören. Wie ist es dazu gekommen und könntest du dir vorstellen so etwas in der Art in Zukunft auch beruflich zu machen?

Als ich bei der EPT Wien gebustet bin, hat mich Martin Pott, weil wohl jemand kurzfristig abgesprungen war, gefragt ob ich nicht ganz spontan Lust hätte mitzukommentieren.

Jamila von Perger
Jamila nach ihrem Sieg beim Ladies Event der EPT Deauville.

Beim ersten Mal habe ich zwar nur eine Viertelstunde kommentiert, das hat mir dann aber so gut gefallen, dass ich am nächsten Tag gleich nochmal circa vier Stunden kommentiert habe.

Ich wurde dann gefragt, ob ich die EPT San Remo und oder die EPT Monte Carlo kommentieren will und da ich eh nicht vorhatte die beiden Turniere zu spielen, hat das halt gut gepasst.

Darauf hab ich dann viel positive Resonanz bekommen und es macht mir einfach Riesenspaß. Seitdem werde ich immer wieder gefragt und mache es gern.

PZ: Du studierst nebenbei auch noch Soziologie, bezeichnest dich mittlerweile aber als Poker Pro. In welchem der beiden Bereiche siehst du dich selbst und was sind deine Pläne und Ziele für die Zukunft?

Also Soziologie studiere ich mittlerweile nicht mehr aktiv. Ich bin zwar noch eingeschrieben, aber da ich mich dann auf Liveturniere konzentriert habe, habe ich das zeitlich einfach nicht mehr geschafft, vor allem nachdem ich zwei Monate in Las Vegas war, deshalb spiele ich im Moment nur Poker.

Ich habe mich selbst noch nie als Pro bezeichnet, wurde aber schon öfter gefragt, ob ich mich so bezeichnen würde. Darauf habe ich dann geantwortet: Das kommt drauf an, was man unter einem Pokerprofi versteht, ob er reich und berühmt sein muss oder ob er seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, weil ich verdien halt schon Geld damit.

Irgendwie trau ich mich noch nicht zu sagen, dass ich ein Pokerprofi bin. Vielleicht dann in ein paar Jahren.

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