Jason Koon zieht in die Poker Hall of Fame ein – doch warum blieb es 2026 bei nur einem Namen?
- Fakten geprüft von: PokerZeit
- Zuletzt aktualisiert am: 19.8.2026 · 4 Minuten Lesezeit
Anfang August 2026 wurde Jason Koon in die Poker Hall of Fame aufgenommen. Für die Triton-Legende, den PokerStars-Ambassador und einen der angesehensten Spieler der Szene ist diese Ehrung kaum überraschend – an seiner Aufnahme gab es innerhalb der Poker-Community nur wenig Zweifel.
Für Diskussionen sorgte vielmehr das Ergebnis der Wahl selbst. Obwohl das neue Verfahren 2026 theoretisch die Aufnahme mehrerer Kandidaten ermöglicht hätte, entschieden sich die bisherigen Mitglieder der Poker Hall of Fame letztlich ausschließlich für Koon. Angesichts der stark besetzten Finalistenliste und der deutlich erweiterten Wahlmöglichkeiten stieß das bei vielen auf Unverständnis.
Wie schaffte es Jason Koon in die Poker Hall of Fame?
Bis zu sechs Spieler hätten 2026 theoretisch neu in die Poker Hall of Fame aufgenommen werden können. Am Ende schaffte es von den acht Finalisten allerdings nur einer.
Jason Koon erhielt 22 Stimmen von den 33 aktuellen Hall-of-Fame-Mitgliedern. Jeder Wahlberechtigte durfte seine Stimme an bis zu vier verschiedene Kandidaten vergeben. Rund zwei Drittel der Stimmen entfielen letztlich auf Koon – und damit gab es nur einen neuen Hall of Famer.
| Spieler | Stimmen | Anteil der Stimmen |
|---|---|---|
| Jason Koon | 23 | 69,7 % |
| Scott Seiver | 19 | 57,6 % |
| Isai Sheinberg | 17 | 51,5 % |
| Shaun Deeb | 15 | 45,5 % |
| Mike Matusow | 10 | 30,3 % |
| Isaac Haxton | 9 | 27,3 % |
| Chris Moorman | 4 | 21,1 % |
| Justin Bonomo | 3 | 9,1 % |
Bemerkenswert ist außerdem, dass von insgesamt 132 möglichen Stimmen lediglich 100 tatsächlich vergeben wurden. Einige Hall-of-Fame-Mitglieder entschieden sich sogar ausschließlich für Jason Koon. Phil Ivey gehörte beispielsweise zu dieser Gruppe.
Damit lag Koon am Ende vier Stimmen vor Scott Seiver. Zwischen den weiteren Spielern in den Top 4 betrug der Abstand dagegen jeweils nur zwei Stimmen.
Ist Jason Koon der ideale Hall of Famer?
Koon selbst zeigte sich vom Ausgang der Abstimmung überrascht – nicht zuletzt wegen der Qualität des Kandidatenfeldes 2026. Nach der Übergabe seiner Hall-of-Fame-Trophäe äußerte er sich auf Twitter:
Gestern wurde ich in die Poker Hall of Fame aufgenommen. Einige der Jungs auf der diesjährigen Liste sind meine Helden und verdienen diese Aufnahme genauso sehr wie ich. Ich bin sicher, dass ihr Tag bald kommen wird. Als ich Poker entdeckte, war ich sofort und für immer davon gefesselt. Poker war mein Weg in die Unabhängigkeit, mein Lehrer im Umgang mit Niederlagen und vor allem das Mittel, durch das einige der wichtigsten Beziehungen meines Lebens entstanden sind. Poker ist die Leidenschaft meines Lebens. Ich habe diesem Spiel wirklich alles gegeben, was ich habe. Ich liebe euch, danke.
Dass ausgerechnet Koon gewählt wurde, kam für die meisten Beobachter dennoch keineswegs unerwartet. Dafür gibt es mehrere gewichtige Gründe.
An erster Stelle steht Jason Koons hervorragender Ruf innerhalb der Pokerszene. Seine Karriere wurde von keinen größeren Skandalen begleitet, seine Ergebnisse stehen nicht unter Manipulationsverdacht und auch von Backern gab es nie öffentliche Vorwürfe gegen ihn. Selbst sein einziger nennenswerter persönlicher Konflikt mit einem anderen Spieler bestand darin, dass Koon Dan Smith 2023 bei Triton respektvoll auf dessen unangemessenes Verhalten ansprach.

Auch sportlich lässt Koons Bilanz kaum Fragen offen. Bis August 2026 hat er $77M an Live-Turniergewinnen gesammelt und eine Titelsammlung aufgebaut, die selbst im High-Stakes-Poker außergewöhnlich ist:
- Mit zwölf Siegen hält Koon den alleinigen Rekord für die meisten Triton-Titel. Die nächstbesten Spieler kommen jeweils auf sieben Siege.
- Drei PGT-Titel aus den Jahren 2021 und 2022.
- Drei WPT-Titel aus den Jahren 2016, 2017 und 2018.
- Zwei WSOP-Bracelets aus den Jahren 2021 und 2025.
- Zwei EPT-Titel aus den Jahren 2015 und 2026.
- Zwei PCA-Titel aus den Jahren 2017 und 2018.
- Titel sowohl bei den Online Poker Masters als auch bei den Live Poker Masters aus den Jahren 2020 und 2022.
Hinzu kommen zahlreiche Final Tables bei den größten Turnieren weltweit.
Ein weiterer Faktor ist Koons Langlebigkeit auf höchstem Niveau. Seit fast 20 Jahren spielt er regelmäßig Poker und gehört seit langer Zeit zum festen Inventar der großen High-Stakes- und Super-High-Stakes-Partien. Bei den wichtigsten Games ist er regelmäßig vertreten und gilt auch an TV-Tischen als Spieler, der seinen Gegnern mit Professionalität und Respekt begegnet.
Gemessen an den Kriterien für eine Aufnahme in die Poker Hall of Fame erfüllt Koon damit praktisch das komplette Anforderungsprofil: Er hat das erforderliche Alter erreicht, genießt hohes Ansehen unter seinen Kollegen, verfügt über langjährige Erfahrung auf den höchsten Limits und liefert über Jahre hinweg konstant herausragende Ergebnisse. Gleichzeitig prägt er durch seine regelmäßige Präsenz das moderne High-Stakes-Poker und setzt Maßstäbe für andere Spieler.
Jason Koon verdient die Aufnahme – aber warum nur er?
Genau diese Frage stellen inzwischen selbst Mitglieder der Poker Hall of Fame. Die Kritik richtet sich dabei nicht gegen Koon. Vielmehr geht es darum, dass mehrere der übrigen Finalisten ebenfalls überzeugende Hall-of-Fame-Lebensläufe vorweisen können – und trotzdem niemand außer ihm aufgenommen wurde.
Phil Hellmuth sprach sich öffentlich für eine Änderung des Auswahlverfahrens aus. Seiner Ansicht nach hätten 2026 neben Koon mindestens drei weitere Spieler aufgenommen werden sollen:
Ich habe Shaun Deeb heute angerufen und ihm gesagt, dass er es verdient, aufgenommen zu werden. Er wies darauf hin, dass 42 (32?) Stimmen nicht abgegeben wurden – das ist ein Problem. Ich sagte Deeb, dass Isaac Haxton es meiner Meinung nach sogar um 1 % mehr verdient als er selbst (Real Talk!). Shaun widersprach nicht und sagte, er sei mit dem Weg zufrieden, für den er sich entschieden hat – Frau und Kinder statt noch mehr Cashgame- und Turniervolumen. Ich bin stolz auf Shaun und habe viel Liebe für ihn. Ike war 24 Jahre lang privat und öffentlich gemein zu mir! Aber meine Stimme geht an den Spieler, der es am meisten verdient, Punkt. Natürlich gehört auch Scott Seiver in die HOF. Scott und Ike haben ungefähr 20 Jahre lang die größten Games der Welt gespielt und gleichzeitig Turniere dominiert … Ich habe für Jason Koon, Seiver, Deeb und Ike gestimmt. Meiner Meinung nach hätten sie dieses Jahr alle aufgenommen werden sollen.
Auch Scott Seiver machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung darüber, trotz seiner hohen Stimmenzahl nicht aufgenommen worden zu sein. Gleichzeitig unterstützte er Koons Aufnahme und erzählte eine bemerkenswerte Geschichte aus der Ära von Doyle Brunson.
Doyle sagte mir einmal am Tisch etwas, das ich immer im Herzen behalten habe, auch weil er und ich unglaublich viel miteinander gespielt haben – vielleicht mehr als fast jeder andere auf diesem Planeten, abgesehen von David Oppenheim, in den vergangenen 20 Jahren. Er erzählte mir, dass es acht bis zehn Wähler gebe, die das aktuelle Pokergeschehen nicht mehr verfolgen und ihn jedes Jahr fragen, wen sie für die Hall wählen sollen. Ich solle deshalb für seine Gesundheit beten, damit er noch da sei, wenn ich 40 werde und dann dafür sorgen könne, dass ich aufgenommen werde. Wenn ganze 30 % der Wahlberechtigten mit der heutigen Pokerwelt nichts mehr zu tun haben, wird es mit dem gewählten System – ohne klare individuelle Erklärungen, mit Online-Stimmzetteln und vielen unklaren Anweisungen – mathematisch fast unmöglich, die Zwei-Drittel-Hürde zu überwinden, selbst wenn man von denjenigen, die aktuell informiert sind und sich auskennen, nahezu einstimmige Unterstützung erhält. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass jeder Nominierte ein paar Absätze schreiben darf, in denen er seine Erfolge erläutert und erklärt, wie diese in den größeren Kontext der Pokerwelt passen. So könnte jeder seinen eigenen Fall gegenüber den Wählern präsentieren. Ich glaube, das würde den Prozess wesentlich menschlicher machen als acht Namen mit einer Ja-oder-Nein-Checkbox und keinerlei weiteren Informationen.
Daniel Negreanu schlug ebenfalls ein neues Wahlsystem für die Poker Hall of Fame vor:
„PHOF-Mitglieder müssen drei Kandidaten auswählen und sie in eine Rangliste bringen:
- 1. Platz: 5 Punkte
- 2. Platz: 3 Punkte
- 3. Platz: 2 Punkte
Die beiden Spieler mit den meisten Punkten werden aufgenommen, dazu ein dritter Kandidat, falls er mehr als 50 Punkte erreicht.
Ich denke, bei Jason Koon haben die PHOF-Wähler richtig entschieden, aber ein paar andere hätten ebenfalls aufgenommen werden sollen.
Das Ziel des neuen Systems bestand darin, den Rückstau zumindest teilweise abzubauen, doch das System ist gescheitert.“
Norman Chad ging noch einen Schritt weiter. Seiner Meinung nach sollten die derzeitigen Hall-of-Fame-Mitglieder nicht allein darüber entscheiden dürfen, wer ihnen künftig Gesellschaft leistet.
Ich möchte es noch einmal vollkommen klar sagen: Die Mitglieder der Poker Hall of Fame sollten nicht darüber entscheiden, wer in die Poker Hall of Fame aufgenommen wird. Und selbst wenn sie eine Stimme haben, sollten sie nicht die einzigen Gatekeeper sein – auch Vertreter der Pokermedien und der Pokerindustrie sollten einbezogen werden.
Damit bleibt die Unzufriedenheit mit dem Auswahlverfahren auch 2026 bestehen. Im Mittelpunkt der Kritik steht vor allem ein offensichtlicher Widerspruch: Die WSOP schuf ein System, das theoretisch die Aufnahme von bis zu sechs Spielern gleichzeitig ermöglichen sollte und jedem Wahlberechtigten vier Stimmen gab – am Ende wurde trotzdem nur ein Kandidat aufgenommen.
Das Problem könnte in den kommenden Jahren noch deutlicher werden. 2026 markiert den Beginn einer Phase, in der sehr viele prominente Spieler das erforderliche Alter für die Poker Hall of Fame erreichen.
Bleibt das derzeitige Tempo bestehen, könnten zahlreiche bereits qualifizierte Kandidaten nicht nur bis zu ihrem Rückzug aus dem professionellen Poker warten müssen. Für manche könnte die Aufnahme tatsächlich erst im regulären Rentenalter Realität werden.
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