Zynga-Aktie bricht ein – Poker soll helfen

zynga poker

Schlechte Nachrichten für den erfolgsverwöhnten Spielegiganten: Die Firma macht Verlust, Beziehung zu Facebook bröckelt, die Aktie verlor gestern 40% ihres Wertes. Echtgeldpoker soll den Social-Gaming-Spezialist wieder auf Kurs bringen.

22,8 Mio. Dollar hat Zynga allein im zweiten Quartal dieses Jahres verloren. Im Vergleichszeitraum des letzten Jahres lag man noch bei 1,4 Mio. Dollar Profit. Es läuft nicht recht bei Zynga.

Dabei schien der Aufstieg des Unternehmens noch vor einem Jahr unaufhaltsam. Spezialisten schätzten den Wert des Unternehmens auf 20 Milliarden(!) Dollar, es steuerte 15% des Jahresumsatzes von Facebook bei. Mit dem Zuckerman-Imperium schien man zu dieser Zeit noch geradezu symbiotisch verbunden, denn die beliebten Spiele wie „Farmville“, „Cityville“ oder auch das Casino waren nur über Facebook erreichbar.

Inzwischen hat sich Zynga vorsichtig von dem großen Bruder emanzipiert. Spielen kann man z. B. inzwischen auch über die hauseigene Webseite zynga.com, weitere Plattformen sind iOS und Android.

Seinen Profit macht das Unternehmen nicht durch den Verkauf von Spielen. Diese sind grundsätzlich umsonst. Allerdings wird man als Spieler mehr oder weniger genötigt, bestimmte Gegenstände zu kaufen, um halbwegs flüssig spielen zu können. Diese Gegenstände werden mit harter Münze bezahlt.

Außerdem sammelt Zynga unaufhörlich Informationen über seine Nutzer. Acht Terabyte Daten kommen da laut Produktchef Reed Shaffner zusammen – pro Tag. Die Datenbank ist die eigentliche Schatzkammer des Unternehmens.

mark pincus
Zynga-Chef Pincus - "Produkte im Entwicklungsstadium."

Inzwischen gibt es jedoch Probleme: Spieler wandern ab, mehr als erwartet nutzen Mobilgeräte, auf denen im Gegensatz zum Großbildschirm des PC praktisch keine Werbung geschaltet werden kann.

Ein Problem, mit dem auch Partner Facebook zu kämpfen hat. Nach dem schlecht organisierten Börsengang verlor auch die überbewertete Aktie schnell an Boden.

Da darunter vor allem Kleinanleger zu leiden hatten, sank auch das Vertrauen in das soziale Netzwerk. Außerdem wurde mehr und mehr potenziellen Aktienkäufern bewusst, das Facebook zwar Milliardengewinne macht, aber eigentlich gar nichts produziert, also man nicht mit Sicherheit erkennen kann, worin man nun wirklich investiert. Auch Facebook hat inzwischen einen deutlichen Wachstumsrückgang zu verzeichnen.

Für Zynga heißt Echtgeldpoker die Lösung. Schon seit längerem bereitet sich das Unternehmen auf den Einstieg in diesem Markt vor. U. A. wurde eine ganze Reihe von Firmen aufgekauft, deren Leistungen Zynga für das Projekt benötigt.

Seit Monaten werden Gespräche mit Live-Casinos geführt, es gibt Werbeverträge mit dem Fernsehsender ESPN, und im April wurde mit Bianca H. das erste Zynga Poker-Girl vorgestellt, das eine nicht ganz ernst gemeinte „Challenge“ auf Facebook gewonnen hatte.

Welchen Weg Zynga in Richtung Echtgeldpoker einschlagen wird, ist noch unklar. Neben den hauseigenen Vorbereitungen bietet Zynga auch beim Verkauf des Ongame-Netzwerks mit und steht in Verhandlungen mit PlayTech, einem der weltweit größten Anbieter von Casinosoftware.

zynga poker table
Zynga-Pokertisch - "gewisses Unbehagen".

Auch über das Wann und Wo will man sich nicht konkret äußern: „Es hängt natürlich davon ab, dass wir eine Lizenz erhalten“, sagt Firmengründer Marc Pincus. „Unsere ersten Produkte befinden sich im Entwicklungsstadium, und wir werden damit auf Märkte gehen, die offen und reguliert sind.“

Nur am Rande: In Nevada soll die Regulierung des Online-Markts in den nächsten Monaten abgeschlossen werden.

Die Frage, ob Zynga in den Online-Pokermarkt eintreten wird, ist also beantwortet: Zynga wird kommen, anvisiert ist das erste Halbjahr 2013.

Bei den etablierten Pokerräumen macht sich vor allem angesichts der folgenden Zahlen ein gewisses Unbehagen breit:

Die größten Anbieter von Echtgeldpoker im Netz sind zurzeit PokerStars, PartyPoker und das iPoker-Netzwerk. Dort sitzen offiziellen Statistiken zufolge neben den Echtgeldspielern auch Spielgeldspieler an den Tischen. Bei iPoker sind es durchschnittlich ca. 150, bei PartyPoker schon ca. 1500 und bei PokerStars sogar immerhin 25.000.

Zynga zählt täglich über 120.000 Spieler, mehr als alle anderen Pokerräume zusammen. Die Spielerbasis wird auf 35 Millionen geschätzt.

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