WSOP Main Event – die October (November) Nine

Jesse Sylvia
Jesse Sylvia führt den letzten Tisch ins Finale.

Der Finaltisch des WSOP Main Events 2012 steht fest – er findet ohne deutsche und ohne weibliche Beteiligung statt.

27 Spieler setzten sich an die letzten drei Tische, um den Finaltisch und damit die „Octo-Nine“ auszuspielen. Große Hoffnungen setzten die deutschen Fans auf Jan Heitmann, Wilfried Härig und Nicco Maag.

Mit gleich drei Spielern stellte Deutschland nach den USA die zweitstärkste Nation im Feld, und schließlich war allen Spielern bekannt, aus welchem Land der letztjährige Sieger kam. Ebenfalls vertreten waren mit je einem Spieler Ungarn, Norwegen, Frankreich, Australien, Israel und Kanada, das den Chipleader stellte.

Leider sollten sich diese Hoffnungen ebensowenig erfüllen wie die auf eine Dame am Finaltisch.

Marc Ladouceur konnte seine Tabellenführung nicht in einen Platz im Finale ummünzen. Er schied auf Platz 13 aus. Es war eine dramatische Hand, in der Ladouceur A-7 hielt und Greg Merson Pocket Vieren. Der Flop fiel 7-7-4, und Merson wusste spätestens zu diesem Zeitpunkt, dass ihm an diesem Abend alles gelingen würde.

Dadurch dass Merson den Finaltisch erreicht hat, sichert er sich außerdem den Titel „Player of the Year“ bei der WSOP. 100 Punkte sind ihm in dieser Wertung sicher, und damit zieht er noch an Phil Ivey vorbei, obwohl dieser fünf Finaltische erreicht hat.

Als Chipleader geht Jesse Sylvia in drei Monaten ins Finale, dessen bestes Ergebnis bisher ein zweiter Platz bei einem $200-Turnier war, der ihm $15.078 einbrachte.

Frühes Aus für Maag und Heitmann

Als Nicco Maag Tag 7 begann, hatte er nur noch zehn Big Blinds vor sich stehen. Kein Wunder, dass er die erste sich bietende Chance nutzte, um seine Chips in die Mitte zu bringen.

jan heitmann
Dramatischer Absturz für Jan Heitmann.

Mit A J hatte er eine einfache Entscheidung, wurde aber von Russell Thomas mit A Q abgefangen. Das Board verlief 9 8 4 - 3 - 2, was Maag vor dem River sogar noch den Kreuz Buben als Out nahm. Thomas traf am Ende unnötigerweise noch den Flush.

Nicco Maag beendete sein WSOP Main Event auf Platz 27 an Tag 7 mit $294.601 Preisgeld.

Mit Maags Ausscheiden mochten wir noch gerechnet haben, aber dass Jan Heitmann gleich der nächste Spieler sein sollte, der das Turnier verließ, war denn doch eine Enttäuschung.

Heitmann konnte zu keinem Zeitpunkt an die letzten Tage anknüpfen. In seiner ersten Hand musste er gegen Scott Abrams auf dem Flop aufgeben und verlor gut 800.000 Chips seines Ausgangsstacks. Kurz danach 4-bettete Heitmann gegen Jacob Balsiger und Russell Thomas, nur um dann auf Balsigers 5-Bet zu folden, was ihn eine Million Chips kostete.

Und eine halbe Stunde später war es wieder Russell Thomas, der gegen Heitmann spielte, auf Turn und River einen Runner Runner Flush erwischte und dem Deutschen weitere 1,2 Mio. abnahm.

Mit Pocket Sechsen 4-bettete der Münchner schließlich seine verbliebenen 3,1 Mio. Chips pre-Flop all-in. Daniel Streilitz annoncierte den Call mit Pocket Achten. Etwas zweifelhaft, denn nach Heitmanns Raise auf 250.000 war Strelitz‘ Min-Raise auf 500.000 keineswegs pot-committing. Strelitz riskierte fast seinen kompletten Stack mit einem mittleren Paar und konnte eigentlich nur auf einen Coin Flip hoffen.

Wie sich zeigte, war der Call aber gut, die Achten hielten (Board 5 7 K K Q), und Jan Heitmann musste sich auf Platz 26 verabschieden. Eigentlich ein tolles Ergebnis, aber trotzdem eine große Enttäuschung für den letzten verbliebenen PokerStars-Pro.

Bei Wilfried Härig, dem letzten Deutschen im Feld, sah es dagegen so aus, als sollte ihm noch der große Wurf gelingen. Härig wartete so lange es ging, bevor er seine letzten Chips riskierte. Genau wie Heitmann schob er Pocket Sechsen all-in. Greg Merson bezahlte ohne zu Zögern mit Pocket Damen, und Härig … traf eine Sechs auf dem River!

Damit verdoppelte der Mann aus Hamburg und verschaffte sich immerhin eine bessere Position. In der Folge konnte Härig seinen Stack auf über 13 Millionen Chips aufbauen. Trotzdem sollte es nicht für den letzten Tisch reichen.

Wilfried Harig
Aus mit A-A - Wilfried Härig.

In einer entscheidenden Hand gegen Greg Merson verlor Härig zehn Millionen Chips.

Und so verlief die Hand: Merson erhöhte bei Blinds 100k/200k aus mittlerer Position auf 400k, von Härig kam die 3-Bet auf 960.000. Call.

Den Flop 8 9 6 checkten beide Spieler, aber auf dem Turn J setzte Merson von vorne 1,05 Mio. Härig hätte hier gewarnt sein müssen, bezahlte jedoch und sollte dafür auf denkbar furchtbare Art belohnt werden.

Der River war die 5, und Merson ging nach kurzem Überlegen mit acht Mio. all-in. Härig reagierte mit dem Snap-Call und zeigte A 7 für die geriverte Straight. Merson hielt Q T für die Nuts. Härig war schon auf dem Turn drawing dead.

Es passte zu diesem Missgeschick, dass Wilfried Härig sich schließlich auch noch mit Pocket Assen verabschieden musste. Härig war mit A A pre-Flop all-in, Merson, der schon vor Härig erhöht hatte, setzte nach Härigs All-in eine 4-Bet an, um den Deutschen zu isolieren, konnte dann aber nur K J vorweisen.

Das Board verlief jedoch 3 Q K - J - 7. Entscheiden Sie selbst, ob Merson hier K-Jo gut gespielt hat, aber wer gewinnt, hat bekanntlich recht. Härig wurde 15. und kassiert dafür immerhin $465.159.

Unglückliche Damen auf der Bubble

Seit Barbara Enright im Jahr 1995 hat keine Frau mehr den Finaltisch des WSOP Main Events erreicht.

Elisabeth Hille und Gaelle Baumann kamen diesem Ziel so nahe, wie es nur geht. Die Norwegerin verabschiedete sich auf dem elften Platz, ihre französische Kollegin saß sogar schon am inoffiziellen Finaltisch und erreichte den undankbaren zehnten Platz.

Elisabeth Hille Gaelle Baumann
Elisabeth Hille und Gaelle Baumann schrammten knapp an einer Sensation vorbei.

Beide Spielerinnen waren zu diesem Zeitpunkt schon längere Zeit short-stacked und hatten mit diversen All-ins entweder Binds und Ante gestohlen oder verdoppeln können – teilweise auch auf Kosten der Anderen.

Aber am Tisch gibt es nunmal weder Freunde noch Freundinnen, und hätte sich eine der beiden die Chips der Anderen schnappen können, sie hätte es sicher getan.

Dazu kam es jedoch nicht, sodass auch der Finaltisch 2012 wieder ohne Damen stattfindet – leider auch ohne deutsche Spieler.

Bis auf Andras Koroknai aus Ungarn konnte sich also auch keiner der Europäer für den Final Table qualifizieren. Der große Nachteil der Entwicklung an Tag sieben besteht damit darin, dass praktisch alle Persönlichkeiten, die das Finale einem internationalen Publikum nähergebracht hätten, ausgeschieden sind.

Der Finaltisch findet in diesem Jahr ausnahmsweise schon im Oktober statt. Grund sind die Anfang November anstehenden Präsidentschaftswahlen. Termine sind der 28. Oktober, wenn von neun bis zwei Spieler heruntergespielt wird, sowie der 30. Oktober, an dem das letzte Duell stattfindet und der WSOP Main Event 2012 einen Sieger findet.

Chipcount im Finale:

1. Jesse Sylvia - 43.875.000
2. Andras Koroknai- 29.375.000
3. Greg Merson - 28.725.000
4. Russell Thomas - 24.800.000
5. Steven Gee - 16.860.000
6. Michael Esposito - 16.260.000
7. Robert Salaburu - 15.155.000
8. Jacob Balsiger - 13.115.000
9. Jeremy Ausmus - 9.805.000

Hier finden Sie alle Finalisten im Einzelporträt.

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