Von Cash Game zu Turnierpoker

Birds-Eye View
Turnierpoker - eine andere Herausforderung.

Turniere sind wie Cash Games, nur ganz anders.

Man spielt mit denselben 52 Karten und nach denselben Regeln, aber der persönliche Spielstil kann sich zwischen Cash Game und Turnieren deutlich unterscheiden.

Falls Sie in Cash Games schon einige Erfahrungen gemacht haben und nun zu Turnierpoker wechseln möchten, müssen Sie einige Änderungen an Ihrem Spiel vornehmen, um weiterhin ein Winning Player zu bleiben.

Ihr Chipstack ist begrenzt

Für einen typischen Cash-Game-Spieler ist dies die größte mentale Hürde, die es zu überwinden gilt: Er muss sich klarmachen, dass er nicht nachladen kann. Der Stack ist begrenzt, und wenn er weg ist, dann war es das mit dem Turnier.

In einer Cash Game Partie kann man so oft nachkaufen, wie man möchte, aber in einem Turnier bekommt man nur eine bestimmte Menge, und damit gilt es hauszuhalten. Wenn sie weg sind, ist man selbst auch weg.

Aufgrund der limitierten Chips verändert sich auch die optimale Spielstrategie.

Turnierpoker wird allgemein tighter gespielt als in Cash Games, weil man sich nicht einfach neue Chips besorgen kann. Also kann man damit auch nicht so um sich werfen, denn das Turnierleben hängt an diesem einen Stack. Man muss ihn also schützen.

In einem Cash Game sollte man häufig die Chance nutzen, alle Chips in die Mitte zu stellen, auch wenn man nur einen leicht positiven Erwartungswert hat, denn auch wenn man kurzfristig noch verliert, wird man auf lange Sicht so Profit machen.

Matt Kay
Das ist Turnierpoker.

In einem Turnier empfiehlt es sich dagegen, in einer solchen Situation häufiger die Hand aufzugeben, denn dadurch vermeidet man, später in noch schlechteren Situationen alles riskieren zu müssen, weil man in dieser einen verloren hat.

Sie müssen sich das so vorstellen: Ein reicher Gambler bietet Ihnen für $100 Einsatz heute 1,5:1 oder 4:1 morgen, bei gleichem Einsatz. Wenn Sie nur diese $100 besitzen, sollten Sie die Wette heute ablehnen und lieber auf den morgigen Tag verschieben.

Der Grund dafür ist natürlich, dass Sie, falls Sie die Wette zu heutigen Kurs annehmen und verlieren, Sie morgen kein Geld mehr für die lukrativere Wette haben.

Das ist Turnierpoker. Es gibt Situationen, in denen Sie einen Call für Ihr Turnierleben ablehnen, obwohl Sie leichter Favorit sind, da der Call Sie aus dem Turnier befördern könnte und Sie später keine Einsätze machen können, wen Sie deutlich klarer vorne liegen.

Die Blinds steigen

Ja, ich weiß, das ist ein Schock. Die Blinds steigen in einem Turnier regelmäßig, zwischen alle 15min und alle 2h. Das passiert, um Action zu garantieren, damit die Spieler nicht den ganzen Tag dasitzen und auf Asse warten können.

Aufgrund der steigenden Blinds sinkt logischerweise das Verhältnis Stack:Blinds. Das zwingt die Spieler wiederum, irgendwann eine Hand zu spielen, um mit den steigenden Blinds mitzuhalten, und dadurch scheiden natürlich auch Spieler aus.

Für Sie persönlich bedeutet das, dass Sie mit der Zeit aktiver werden müssen. Vielleicht sind Sie es aus den Cash Games gewohnt, immer mindestens 100 BB vor sich liegen zu haben. In einem Turnier müssen Sie aber mit ständig wechselnden Stackgrößen zurechtkommen.

Unterschiedliche Stackgrößen erfordern unterschiedliche Spielweisen.

Joshua Prager
Ob Steals angebracht sind, hängt von Position und Stärke der Hand ab.

Blinds stehlen

Zwar können Sie zu Anfang eines Turniers relativ tight spielen, aber mit steigenden Blinds und sich verschlechterndem Stack-Blinds-Verhältnis sind Sie mit der Zeit gezwungen, offener, also looser zu spielen.

Das Stehlen der Blinds ist ein wichtiges Element von Turnierpoker. Zwar werden auch in Cash Games Blinds gestohlen, aber damit gewinnt man nur vielleicht 2% des eigenen Stacks dazu. In einem Turnier können es aber durchaus 10% oder noch mehr sein.

Bei einem Stealversuch sind zwei wichtige Faktoren einzubeziehen: Position und Handstärke. Steals werden meistens aus später Position versucht, da die Gefahr dann kleiner ist, dass noch ein Spieler hinter dem Raiser an die Reihe kommt, der plötzlich mit einer starken Hand aufwacht.

Am besten eignen sich Hände zum Stehlen, die auch auf dem Flop noch einen gewissen Wert haben können. So eignet sich z. B. eine Hand wie 7 8 besser für einen Steal als J 2. Grund dafür ist, dass sich 7 8 auf dem Flop besser spielt als J 2.

In Turnieren ist es für den Erfolg unverzichtbar, den Stack ab und zu durch Steals aufzubessern. Üben Sie sich also darin, mit gut abgestimmten Raises und mit soliden Semi-Bluff-Händen aus später Position zu stehlen.

Wenn Sie mehr über Steals erfahren möchten, lesen Sie diesen Artikel.

Nick Slade
Nicht übertreiben - achten Sie auf die Fold Equity.

Resteal und Fold Equity

Da Sie nun wissen, dass Ihre Gegner relativ light erhöhen werden, um ihre Stacks aufzubessern, wissen Sie auch, dass sie das häufig mit Händen tun, die keinem größeren Druck standhalten können.

Wenn Sie einen Spieler am Tisch haben, der ständig vom Button und vom Cut-off aus raist, können Sie sich eine Hand aussuchen und einen Re-Steal ansetzen. Sie werden häufig erleben, dass damit ein Fold vom Raiser erzwungen wird.

Viele Spieler machen allerdings den Fehler, einen Re-Steal so anzusetzen, dass der Gegner 2:1 Odds für seine Chips bekommt. Kein guter Spieler wird jemals seine Hand vor dem Flop wegwerfen, wenn er solche Odds bekommt.

Die Bubble und das Geld

Wenn man in einem Cash Game Profit gemacht hat, kann man jederzeit aufstehen und gehen, wenn man möchte. In Turnieren ist das anders. Es wird gespielt, bis ein Spieler alle Chips hat.

Gemäß der üblichen Auszahlungsstruktur erhalten etwa 10% des Teilnehmerfelds Geld zurück, d. h. dass 90% der Spieler leer ausgehen.

Dadurch kommt es zu einer einzigartigen Situation, die als „Money Bubble" bezeichnet wird. Wenn die Geldränge näher kommen, werden die Shortstacks häufig sehr tight (manchmal geradezu lächerlich tight), um sich irgendwie noch ins Geld zu schummeln.

Zwar werden normalerweise 10% der Spieler bezahlt, aber die Auszahlungsstruktur ist immer sehr kopflastig. Der Turniersieger erhält oft 30-50% des gesamten Preispools. Gerade so ins Geld zu kommen sollte daher auf keinen Fall Ihr Ziel sein.

Dagegen sollte man diese Phase nutzen, um den eigenen Stack aufzubauen. Suchen Sie nach den Spielern, die besonders tight und ängstlich wirken und nutzen Sie das mit Bets und Raises aus. Gute Spieler vergrößern ihre Stacks in dieser Phase. Sitzen Sie nicht da und hoffen auf eine minimale Auszahlung.

Jose Miguel Espinar
Der Sieg ist das Ziel, nicht ins Geld zu kommen.

Ihr Ziel muss sein, das Turnier zu gewinnen. Da nur die ersten Spieler wirklich viel Geld bekommen, sollten Sie immer auf Sieg spielen. Dadurch gewinnen Sie auf lange Sicht mehr, als wenn Sie sich dafür zu entscheiden, mit weniger zufrieden zu sein.

Die Bubble-Phase ist die Zeit, in der Sie das große Geld vorbereiten können, also machen Sie diese zu Ihrem Vorteil!

Es ist nur Poker

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen diesen beiden Formen von Poker, aber im Endeffekt ist ja doch dasselbe Spiel. Ein Spiel, in dem man solide Karten spielt, seine Strategie nach der Position ausrichtet und auf die Spielweise der Gegner achtet.

Wenn man bessere Entscheidungen trifft als der Durchschnitt der anderen Spieler, spielt es keine Rolle, welche Form von Poker man spielt. Man ist in jedem Fall ein Winning Player.

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