Wie man seine Emotionen unter Kontrolle hält

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Allen Cunningham hat sich im Griff.

Poker ist ein schwieriges Spiel. Also echt. Und gemein. Das können nicht nur professionelle Spieler, sondern auch Hobbyakteure bestätigen. Das größte Problem ist aber ein mentales.

Die Schwierigkeit, langfristig erfolgreich zu sein, besteht aber nicht in der Komplexität des Spiels – obwohl Poker auf den hohen Levels zweifellos ein nuancenreiches, kompliziertes Spiel ist.

Meiner Meinung nach ist das Schwierigste aber der mentale Aspekt des Spiels. Genauer gesagt, die Fähigkeit eines Spielers, die eigenen Emotionen zu kontrollieren – wenn es hart auf hart kommt, aber vor allem auf lange Sicht.

Poker kann sehr anstrengend sein, und es zehrt einen aus, wenn man das zulässt. Wenn Sie auf lange Sicht regelmäßig spielen möchten, müssen Sei einen Weg finden, mit Stress und Extremsituationen umzugehen, die das Spiel nunmal mit sich bringt.

Wer eine Zeitlang Poker spielt, erlebt früher oder später einen Downswing. Downswings haben es an sich, dass sie länger zu sein scheinen, als sie tatsächlich sind. Grund dafür, dass es eine Ewigkeit zu sein scheint, bis ein Downswing vorbei ist, ist der Zustand, in den wir geraten und der unsere Entscheidungsfindung beeinflusst.

Ein Teufelskreis: Wenn wir einen schlechten Lauf haben, spielen wir schlechter, weil wir einen schlechten Lauf haben, und verlängern dadurch den schlechten Lauf.


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Doyle Brunson - "Fragen Sie mich in 30 Jahren nochmal."

Leider sind Höhen und Tiefen, Upsings und Downswing im Poker eher die Regel als die Ausnahme, vor allem für Profis. Stressmanagement ist daher der entscheidende Faktor, der die Spreu vom Weizen trennt.

Doyle Brunson hat es einmal sehr gut zusammengefasst. Auf die Frage, welchen der Jungstars er als kommenden wirklich großen Spieler sähe, antwortet er: „Keine Ahnung. Fragen Sie mich in 30 Jahren nochmal.“

Um über lange Zeit erfolgreich zu sein, muss man sich zunächst in das Spiel hineinfinden. Dafür müssen Sie Ihre Emotionen und Ihre Bankroll kontinuierlich kontrollieren können. Wenn es gut läuft, ist es leicht, bei Laune zu bleiben. Wenn es aber schlecht läuft, wird das bedeutend schwieriger.

Nach meiner Erfahrung sind viele Spieler gar nicht der Lage zu erkennen, ob sie gerade einen guten oder schlechten Lauf haben. Ein paar Bad Beats hintereinander, und die meisten können an nichts Anderes mehr denken.

Mit der Zeit beginnen diese Spieler sogar, Bad Beats herbeizuhoffen, nur um sich bestätigt zu fühlen. So eine pessimistische Einstellung muss ja Folgen haben. Wenn Sie glauben, dass sich der Pokergott gegen Sie verschworen hat, dann wird es für Sie so richtig schlimm werden, verlassen Sie sich drauf.

Auf der anderen Seite reagieren Spieler, die eine gute Session mit einem satten Gewinn abschließen, meistens mit Sprüchen wie, „ich habe heute gut gespielt“ oder „heute habe ich nur ganz wenige Bad Beats bekommen“. Hier sieht man sehr schön, wie die persönliche Einstellung schnell zu Frustration führen kann.

Einfach ausgedrückt: An Schlechtes erinnert man sich ewig, Gutes wird als selbstverständlich wahrgenommen.


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Mike Matusow - Wie viel hätte er wohl gewonnen, wenn er sich im Griff hätte?

Diese Voreingenommenheit (oder Unfähigkeit, Erlebtes richtig zu interpretieren) führt zu einem weiteren Phänomen, dass Ihnen mit Sicherheit schon begegnet ist – die Bad Beat Story. Jeder kennt sie, jeder hasst sie, und fast jeder erzählt sie. Fast jeder besteht daruaf, sie immer wieder zu erzählen.

Eigentlich wäre das ja gar nicht so schlimm, wenn der Bruch zwischen der Realität und dem, was der Pokerspieler als Realität wahrnimmt, nicht so tief wäre. Dadurch entsteht viel unnötiger Stress.

Für einen Pokerprofi ist das Leben schon stressig genug. Dieser zusätzliche Stress kann sich sehr negativ auswirken.

Wer schlechter spielt, weil er sich schlecht fühlt, spielt meistens vorsichtiger (also passiver), manchmal aber auch unvorsichtiger (wie ein Maniac).

Niemand verliert gerne einen großen Pot. Vor allem nicht, wenn das durch einen Bad Beat passiert. Wenn Sie aber ernsthaft spielen wollen, müssen Sie sich emotional von den Ergebnissen ihrer Sessions trennen können.

Regen Sie sich nicht über Dinge auf, die Sie nicht ändern können. Je mehr das passiert, desto schlechter können Sie sich auf die Dinge konzentrieren, die Sie kontrollieren können – nämlich Ihre eigenen Aktionen. Je mehr Zen Sie lernen, desto besser werden Sie spielen.

Wenn Sie einen Riesenpot gegen einen Zwei-Outer verlieren, lächeln Sie uns sagen Sie „Nice Hand“. Und vor allem, meinen Sie es auch so! Überlegen Sie mal so: Der Typ, der bei der letzten Partie drei Suck-outs gegen Sie getroffen hat, ist nicht der Teufel. Er ist Ihr bester Kunde.

Behandeln Sie ihn entsprechend. Sie werden feststellen, dass Sie viel mehr Energie haben und dadurch besser spielen können als wenn Sie unter Stress stehen.

Und für alle Leser hier, die sich ernsthaft mit dem Gedanken tragen, Poker für den Lebensunterhalt zu spielen: So macht es auch viel mehr Spaß, im Büro zu sein.

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